Das Zeitalter der Industrie

Anmerkungen und Quellen

Alexander von Humboldt

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1510: Neuandalusien (Nueva Andalusia) war eine der sieben Provinzen des Generalkapitanats Venezuela, einer Verwaltungseinheit des Vizekönigreichs Neugranada (Nueva Granada), das ungefähr die heutigen Staaten Venezuela, Kolumbien, Panama und Ecuador umfasste und mit den drei weiteren Vizekönigreichen Neuspanien, Peru und Río de la Plata die spanische „neue Welt“ bildete.

1512: An Bord der Pizarro war kurz vor Erreichen der amerikanischen Küste Typhus ausgebrochen, viele Besatzungsmitglieder lagen im Delirium, ein neunzehnjähriger Spanier war gestorben.

1515: Humboldt war nicht nur ein Gegner des Sklavenhandels, sondern wies auf immer wieder auf die schlechte Behandlung der Indios insbesondere durch die Missionare hin (die oftmals indianische Kinder entführten, um sie in den Missionsstationen zu einem "christlichen" Leben zu erziehen). Erst das Leben in den Missionen, wo alles bei drakonischen Strafen fest geregelt war, habe die Indios in gehorsame, aber stupide Geschöpfe verwandelt; außerhalb des Einflusses der Missionare seien sie aber ganz anders. Oft freute er sich dort an "den wunderbaren indianischen Späßen", und erkannte eine reiche (und selbst für wissenschaftliche Zwecke) geeignete Sprache. Im fiel auf, dass die Indios "jede andere Indianersprache" spielend leicht erlernen konnten und diese einen gemeinsamen "inneren Mechanismus" haben. Auch gegen Schillers (scheinbar wohlmeinende) Ansicht, dass Indios "wie die Kinder" behandelt werden sollten, wehrte er sich aus diesem Grund.

1520: Von den elektrischen Aalen hatte ihnen Carlos del Pozo erzählt, den sie in dem Ort Calabazo kennengelernt hatten. Del Pozo hatte eine ganze Reihe modernster Messgeräte und Maschinen selbst gebaut, nachdem er in Zeitungen von den Forschungen de la Fonds und Benjamin Franklins erfahren hatte. Humboldt hielt ihn für ein Genie und schrieb an den Generalkapitän in Caracas mit der Bitte, sich seiner fördernd anzunehmen.

1530: Loren A. McIntyre hat Humboldts Vermessungen überprüft und festgestellt, dass seine Breitenmessungen sehr genau waren, seine Längenmessungen aber falsch lagen - am Orinoco um 71 Kilometer. Grund hierfür war wohl, dass sein Chronometer falsch ging (die Längenmessung ist von einer genauen Zeitmessung abhängig) — ein Zeitfehler von einer Minute bedeutet hier eine Abweichung von 28 Kilometer.

1535: Als John Sydney Trasher, ein überzeugter Anhänger der Sklaverei, der das Buch ins Englische übersetzte, Humboldt im Dezember 1855 eine Ausgabe schickte, bemerkte der 86-jährige Humboldt sofort, dass er das Kapitel über die Sklaverei einfach gestrichen hatte. Er lud daraufhin die wichtigsten amerikanischen Korrespondenten ein, um sich hiergegen zu wehren: Auf das Kapitel über die Sklaverei lege er "eine weit größere Wichtigkeit" als auf alle astronomischen, magnetischen, botanischen und statistischen Angaben. Zugleich wies er darauf hin, dass die spanische Gesetzgebung zur Zeit seiner Reise weniger grausam war als die im "festländischen Amerika" — dass die USA so lange an der Sklaverei festhielten, war für den menschenrechtsbewegten Humboldt die größte Enttäuschung, die er den unabhängigen USA immer wieder vorwarf. (In der deutschen Übersetzung des Reisewerks von 1858/1860 fehlt das Kuba-Buch ganz — dageben konnte Humboldt sich nicht mehr wehren, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war er bereits gestorben.)

1538: José Celestino Mutis leitete seit 1783 die "Königlich-botanische Expedition von Neugrandada", der der die Flora dieser Region erforscht werden sollte und hatte rund 20.000 Pflanzen gesammelt (die heute im botanischen Garten in Madrid liegen). Von 6.480 Pflanzen wurden Illustrationen in Farbe angefertigt. Allerdings wurden die Ergebnisse dieser Expedition nie wissenschaftlich ausgewertet, und erst in den Jahren 1954 bis 2010 wurden die Illustrationen unter dem Titel "Flora de la Real Expedicion del Nuevo Reino de Granada" in 49 Bänden veröffentlicht (als PDF einsehbar unter http://bibliotecadigital.aecid.es/ bibliodig/es/consulta/registro.cmd?id=3148).

1539: Der Guatavita-See ist ein wassergefüllter Meteoritenkrater. Der Sage nach war das Volk der Chibcha Zeuge des Meteoriteneinschlages, und fortan opferte jeder neu gekorene Herrscher dort dem Sonnengott goldene Gaben. Dazu wurde der Herrscher mit Gummisaft eingerieben und mit Goldstaub überpudert, so dass er in der Sonne glänzte, als wäre er aus Gold (El Dorado = "Der Goldene"). Von dieser Sage hörten die Spanier und versuchten, an das im See liegende Gold zu gelangen. Noch heute kann man den Stichgraben sehen, mit dem Antonio de Sepùlveda 1581 den See trockenlegen wollte. Der Graben stürzte ein und begrub viele Arbeiter, und auch spätere Versuche scheiterten weitgehend — am spektakulärsten vielleich der von 1899: eine eigens gegründete Aktiengesellschaft ließ eine Stollen in die Flanke des Sees stechen; das Wasser lief auch ab, aber der Schlamm am Seegrund wurde in der Sonnenhitze betonhart und verstopfte den Stollen, so dass der See wieder volllief. Seit 1965 steht der See als Teil des nationalen Erbes unter Schutz.

1540: Die andere Denkrichtung waren die "Neptunisten", die glaubten, die Gesteine seinen durch Ablagerungen in den Weltmeeren entstanden. Heute wissen wir, dass beide Vorgänge eine Rolle gespielt haben (>> Planet Erde).

1550: Humboldt hat nach seiner Barometermessung eine Höhe von 5.920 Metern erreicht. Spätere Bergsteiger, darunter der Erstbesteiger Edward Whymper (der 1880 den Gipfel erreichte) und Reinhold Messner, bezweifeln dies; nach Messner ist Humboldt höchstens 5.600 Meter hoch gekommen. Dabei muss man bedenken, dass Humboldt kein Bergsteiger gewesen ist, und seine Besteigung in preußischem Rock und Straßenstiefeln durchgeführt hat — dann sind auch 5.600 Meter eine grandiose Leistung.

1553: Das heißt nicht, dass sich in den tropischen Gebirgen die Klima- und Vegetationszonen wiederholen, die es zu den Polen hin gibt: Es gibt ietwa oberhalb des tropischen Regenwaldes anstelle der wechselfeuchten Savanne ein ständig feuchte, kalte Zone. Humboldt nannte sie Páramos, und so heißt sie heute noch. Eine typische Wuchsform sind Schopfrosettenpflanzen wie Espeletia-Arten.

1555: Chinarinde kann das "Wechselfieber" zwar nicht heilen, aber die Fieberanfälle lindern. Sie blieb bis 1925, als die ersten synthetischen Malariamittel entwickelt werden, das einzige wirksame Medikament gegen Malaria. Die Nutzung in Südamerika war übrigens zumeist illegal, denn die Rinde durfte nur für die "königliche Apotheke" geerntet und nach Cádiz verschifft werden. Für Humboldt war dies ein weiterer Beleg dafür, dass der Kolonialismus nur dem Mutterland dient.

1558: Auch die Geschichte des Guano, der aus der Reaktion von Exkrementen von Seevögeln (die aufgrund der reichen Fischbestände im Humboldt-Strom an der peruanischen Küste sehr zahlreich vorkamen) mit Kalkstein entsteht, ist eine der Naturzerstörung. Zwar gab es ab etwa 1870 mit Salpeter aus der Atacama-Wüste und ab Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Erfindung des >> Haber-Bosch-Verfahrens Alternativen, aber als sich die Guano-Bestände nach dem Geschmack der Exporteure zu langsam erneuerten, kamen sie auf die Idee, den Fisch ohne den Umweg über Vögel direkt zu Dünger zu verarbeiten: So begann in den 1960er Jahren die Sardellenfischerei vor der Küste Perus, und die kurzer Zeit wurden die reichen Sardellenbestände vernichtet. Damit wurde nicht nur den guanoerzeugenden Seevögeln, sondern auch der peruanischen Fischerei die Grundlage entzogen.

1560: Die kalte Meeresströmung kam aus der Tiefe und brachte daher auch reichlich Nährstoffe mit nach oben, die Grundlage der reichen Vogelwelt vor der Küste Perus (siehe oben). Die Meeresströmung wurde gegen seinen ausdrücklichen Willen "Humboldt-Strom" genannt. Humboldt fand diese Ehre ungerechtfertigt: "Jeder Fischerjunge in Peru und Chile kennt sich 300 Jahren diesen Strom."

1565: Bonpland dagegen besuchte zunächst seinen Bruder in La Rochelle. So verpasste er den Empfang, der Humboldt in Paris gemacht wurde — und wohl auch einen Teil des Ruhms, der ihm zugestanden hätte.

1568: Das 34-bändige "amerikanische Reisewerk" ("Voyage aux régions équinoctiales du Nouveau Continent, fait en 1799, 1800, 1801, 1802, 1803 et 1804 par Al. de Humboldt et A. Bonpland") erschien in sechs Gruppen: Botanik, Pflanzengeograhie, Zoologie, Astronomie, Länderkunde und allgemeine Reisebeschreibungen ("Relation historique du Voyage aux régions équinoctiales du Nouveau Continent"). Die meisten Werke erschienen rasch auch in spanischer und englischer Sprache, einige auch auf Deutsch.

1569: Mit Bolívar trat Humboldt 1822, als "El Libertador" (sein Ehrentitel in Südamerika) über Ländereien herrschte, die größer waren als die, die Napoleon einst beherrscht hatte, wieder in Kontakt. Er bat ihn um Unterstützung für Wissenschaftler, die er ermutigt hatte, nach Südamerika zu gehen.

1570: Humboldts Bücher (neben dem "amerikanischen Reisewerk" auch die beiden Bücher über die "russische Reise" sowie die fünf Bände des "Kosmos") waren ungeheuer aufwändig und teuer. Die Kosten der weit über eintausend Kupferstiche, die für die teils später von Hand kolorierten Illustration angefertigt wurden, sowie für die am Werk beteiligten Wissenschaftler zahlte er aus eigener Tasche, bis von seinem einst großen Vermögen nichts mehr übrig war. Im Buchhandel kostete das gesamte Werk später rund 10.000 Franc, mehr als dreimal soviel, wie Bonpland an jährlicher Pension bezog. Die Kosten spielte es trotzdem nicht ein; am Ende seines Lebens war Humboldt pleite: 1857 musste der 88-jährige Kammerherr Humboldt seinen König bitten, seine Verbindlichkeiten (6.726 Taler) beim Bankhaus Mendelssohn zu begleichen (was dieser mit den freundlichen Worten "Ich hätte nicht ruhig schlafen können in der Besorgnis, es möchte mir jemand zuvorkommen" tat).

1572: Als Napoleon im Herbst 1804 Wochen vor seiner Kaiserkrönung auf einem Empfang ein Treffen mit Humboldt nicht vermeiden konnte, fragte er ihn: "Ah, Monsieur Humboldt, ich hörte, Sie beschäftigen sich mit Pflanzen?" Humboldt nickte, von der Frage wohl etwas irritiert. Worauf Napoleon zu seinen Begleitern sagte: "Genau wie meine Frau", sich umdrehte und weiterging. Humboldts Biographin >> Andrea Wulf vermutet, dass Napoleon eifersüchtig gewesen sein könnte, dass Humboldts Werk von Napoleons „Description de l’Egypte“ ablenkte, dem wissenschaftlichen Ergebnis der 200 Wissenschaftler, die Napoleon bei der Invasion Ägyptens 1798 begleitet hatten. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass Humboldt selbst fast so berühmt war wie Napoleon. Der liberale Humanist Humboldt seinerseits konnte den zum Tyrannen gewordenen Napoleon (der von sich gesagt haben soll, "Ein Mann wie ich pfeift auf das Leben von einer Million Menschen") auch nicht mögen, sah aber auch, dass dieser als Mäzen dafür gesorgt hatte, dass Paris zum Zentrum der Wissenschaften geworden war.

1580: In Deutschland litt Haeckels Ansehen vor allem unter dem Vorwurf, mit der Übertragung der Lehre von der Evolution über natürliche Auslese auf die menschliche Gesellschaft ein Wegbereiter des Nationalsozialismus gewesen zu sein. Tatsächlich bezeichnete Haeckel die Ausschaltung der natürlichen Selektion durch die Medizin als nicht zweckmäßig und bezeichnete etwa die Tötung verkrüppelter Kinder durch die Spartaner als Anwendung des Selektionsprinzips in menschlichen Gesellschaften. Historiker, die Haeckel verteidigen, weisen aber darauf hin, dass er damit nicht die Umsetzung forderte, sondern sogar die unmittelbare Übertragung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auf menschliche Gesellschaften als gefährlich bezeichnete (so etwa Robert J. Richards 2008). Das hinderte später nationalsozialistische Ideologen nicht, ihre Lehre mit Aussagen Haeckels zu begründen; aber andere Teile von Haeckels Weltbild als unvereinbar mit der nationalsozialistischen Lehre für unvereinbar zu erklären. Haeckel war mehr als 13 Jahre vor Hitlers Machtergreifung gestorben, selber äußern konnte er sich hierzu nicht mehr.

Industrielle Landwirtschaft

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1100: nach David Pimentel, zitiert aus >> Löwenstein 2015.

Energie

Energie

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700: Die Daten zum Weltenergieverbrauch im Jahr 2013 wurden wie folgt berechnet: Primärenergieverbrauch der einzelnen Energieträger aus >> BP Statistical Review of World Energy June 2014 (pdf, 12 MB). Da hier aber nur gehandelte Energieträger einfließen, also etwa selbst gesammeltes Brennholz oder Wärmeerzeugung mit Sonnenkollektoren zur Erwärmung des Wassers im eigenen Haus nicht erfasst werden, wurden diese auf die in der BP-Review genannten Summe (12.730 Mtoe) aufaddiert: Für traditionelle Biomasse 31,3 EJ = 747 Mtoe (entsprechend der Angabe im REN 21 Renewables 2014: Global Status Report, pdf, 10,5 MB) und für die solare Wärme-/Kälteerzeugung 228 TWh = 20 Mtoe (nach Franz Mauthner und Werner Weiss, Solar Heat Worldwide (2014 ed.): >> Markets and Contribution to the Energy Supply 2012, pdf, 1,8 MB - in der Grafik taucht dieser Anteil nicht auf, da er - obgleich er 20 Millionen Tonnen Ölverbrauch entspricht! - zu klein ist, um erkennbar zu sein). Der Primärenergieverbrauch beträgt als weltweit insgesamt mindestens 13.497 Mtoe, dieser Wert wurde auch den Prozentangaben zu Grunde gelegt.

701: Die Daten zum deutschen Primärenergieverbrauch im Jahr 2013 wurden wie folgt berechnet: Primärenergieverbrauch der einzelnen Energieträger in Deutschland aus >> BP Statistical Review of World Energy June 2014 (pdf, 12 MB), Daten zur Wärmeerzeugung aus Biomasse (116 Mrd. kWh = 10 Mtoe) und durch Sonnenkollektoren (6,8 Mrd. kWh = 0,6 Mtoe) aus Bundesminister für Wirtschaft und Umwelt: >> Erneuerbare Energien im Jahr 2013 (pdf, 540 kB). Der zu Grunde gelegte Primärenergieverbrauch betrug demnach 335,6 Mtoe.

702: Zahlengaben aus Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: >> Energiedaten. Stand April 2014 (abgerufen 21.07.2014).

703: Daten aus Arbeitsgemeinschaft für Energiebilanzen e.V.: Stromerzeugung nach Energieträgern 1990 - 2013 (pdf, 72 kB), Stand 11.6.2014. In der Statistik wird die Stromerzeugung aus biogenen Anteil (ca. 50 %) des Hausmülls zur erneuerbaren Energie gezählt, der Anteil beträgt daher 25,6 Prozent. In meiner Grafik ist der Hausmüll komplett unter "Sonstiges" erfasst.

704: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V.: Auswertungstabellen zur Energiebilanz für die Bundesrepublik Deutschland 1990 bis 2012 - Stand: Juli 2013 (abgerufen 21.07.2014)

705: Zahlengaben aus Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: >> Energiedaten. Gesamtausgabe. Stand April 2014 (abgerufen 21.07.2014).

706: Umweltbundesamt: >> Daten zum Verkehr Ausgabe 2012 (pdf, 5,1 MB, abgerufen 22.07.2014). Die prozentualen Anteile aus dieser Quelle wurden auf den realen Verbrauch im Jahr 2013 hochgerechnet.

Energie und ihre Einheiten

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70: Bis ins 19. Jahrhundert wurde zwischen Kraft und Energie nicht systematisch unterschieden; Worte wie “Kraftwerk” erinnern an diese Zeit. Heute lautet der Zusammenhang: Energie ist Kraft mal Weg. Wenn man beispielsweise einen Koffer anhebt, braucht man dafür eine Energie, die der Gravitationskraft (die den Koffer auf dem Fußboden halten will) mal der Höhe, bis zu der man den Koffer hebt - für die doppelte Höhe wäre also die doppelte Energie notwendig; für das doppelte “Gewicht” (das ja im wesentlichen eine Auswirkung der Gravitationskraft ist) ebenso; für das doppelte Gewicht und die doppelte Höhe die vierfache Energie.

71: Es gibt auch gute Gründe, warum der Begriff Energieverbrauch sich eingebürgert hat: Im Zeitalter fossiler Energien werden Energieträger (wie Kohle, Öl, Gas) verbraucht; und  Naturwissenschaftler, die der falsche Begriff ärgert, sollten sich damit trösten, dass bei jeder Energieumwandlungen ja >> Energiequalität verbraucht wird.

Kleine Geschichte des menschl. Energieverbrauchs

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200: Die Bezeichnungen der Energieregimes stammen von Rolf Peter Sieferle, zitiert nach Marcel Hänggi: Ausgepowert, Zürich, Rotpunktverlag 2010).

201: Angaben (auch für alle anderen "Leistungsgrößen" aus Marcel Hänggi, siehe oben.

Quellen: Die Zahlenangaben auf dieser Seite stammen zumeist aus >> Vaclav Smil: Energy; ergänzt um Angaben aus >> Ponting: A New Green History of the World. Die Angaben zum durchschnittlichen Pro-Kopf-Energieverbrauch verschiedenener Gesellschaftsformen als Basis der Grafiken stammen aus J.R. McNeill und William H. McNeill: The Human Web, W.W. Norton & Company 2003, und die aktuellen Verbrauchszahlen aus den Key World Energy Statistics 2010 der Internationalen Energie Agentur.

Das Ende des billigen Öls

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300: Alle Daten zum Ölverbrauch aus der BP Weltenergiestatistik (Statistical Review of World Energy) vom Juni 2015. Dass die Produktion niedriger liegt als der Verbrauch, geht auf den Abbau von Lagerbeständen, den Zusatz von Additiven und darauf zurück, dass in der BP-Weltenergiestatistik beim Verbrauch auch Treibstoffe aus Bioethanol und sowie Biodiesel berücksichtigt werden.

301: Neben den nachgewiesenen und den wahrscheinlichen Reserven gibt es zudem noch die “möglichen Reserven”, die unter vorteilhaften Bedingungen erschlossen werden können (Wahrscheinlichkeit 10 Prozent). Nicht alle Förderländer halten sich allerdings an diese Definitionen, und die Förderwahrscheinlichkeiten sind auch nicht immer objektiv bestimmbar. Beim Vergleich verschiedener Statistiken muss zudem noch darauf geachtet werden, welche wie definierten Ölsorten berücksichtigt werden. Eine detailliertere Diskussion dieses Themas findet sich in Energy Watch Group: Zukunft der weltweiten Ölversorgung, siehe >> hier.

302: “Änderungen sind zurückdatiert” bedeutet: Wenn ein Ölfund sich nachträglich als größer oder kleiner herausstellte als ursprünglich angenommen, wurde diese Änderung in der Abbildung bei dem Fundjahr vorgenommen - damit zeigt die Abbildung die tatsächliche Größe der Funde, nicht Änderungen des Wissensstandes.

303: Campbell stand mit diesen Annahmen nicht allein. 2001 untersuchte der Geophysiker Ken Deffreyes (ehem. Shell, damals Princeton University) die Weltölförderung mit einer verbesserten Version von Hubberts Modell und vermutete den Höhepunkt der Weltölproduktion Ende 2005 oder Anfang 2006 (Kenneth S. Deffeyes: Hubbert’s Peak: The Impending World Oil Shortage. Princeton University Press 2001). Chris Skrebowski, Herausgeber der Fachzeitschrift Petroleum Review, schätzte, dass die bekannten Ölreserven um vier bis sechs Prozent pro Jahr zurückgehen. 18 wichtige Förderländer würden ihren Höhepunkt in den nächsten Jahren erreichen, neue Vorkommen in Äquatorialguinea, São Tomé und Príncipe, im Tschad und in Angola könnten diese Lücke nicht schließen. Skrebowski untersuchte zudem die geplanten Investitionsprojekte der Ölkonzerne und glaubt, dass diese nicht ausreichen, um existierende Quellen zu ersetzen, auch er erwartete den Höhepunkt der Welt-Ölproduktion zwischen 2007 und 2010 (Chris Skrebowski: Oil Field Megaprojects. Studie 2004 im Auftrag des ODAC; Peak Oil - The emerging reality. ASPO-Konferenz, Pisa, 18. July 2006). Ein ehemaliger Berater der amerikanischen Regierung, Matthew Simmons, hat in einem Buch über Saudi Arabien (Matthew Simmons: Twilight in the Dessert. Wiley 2005 [Deutsche Fassung: Wenn der Wüste das Öl ausgeht. FinanzBuch Verlag 2006]) dargelegt, dass dort die wichtigsten Ölvorkommen, ein Fünftel der bekannten Vorkommen weltweit, bald erschöpft seien. Die deutsche Energy Watch Group, ein von der Ludwig-Bölkow-Stiftung gefördertes Netzwerk unabhängiger Experten und Parlamentarier, kam in einer Studie (Energy Watch Group: Zukunft der weltweiten Erdölversorgung, Mai 2008 - >> www.energywatchgroup.org [pdf, 2,8 MB]) gar zu dem Ergebnis, dass der Höhepunkt der Ölproduktion bereits im Jahr 2006 erreicht wurde; für das Jahr 2030 rechnet sie nur noch mit einer Fördermenge von 39 Millionen Barrel pro Tag.

304: Louis Sahagun: U.S. officials cut estimate of recoverable Monterey Shale oil by 96 %. Los Angeles Times, 20. Mai 2014.

Energiewende

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(100) Zur Geschichte des Stromeinspeisungsgesetzes siehe: >> Das unterschätzte Gesetz. DIE ZEIT 39/2006; zeit online.

(101) Der Preis für den Strom aus Wasserkraft wurde in einer "Verbändevereinbarung" geregelt, die die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) mit dem Verband der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geschlossen hatte. In der Vereinbarung ging es eigentlich um den Verkauf von Überschüssen aus industrieller Stromproduktion, sie wurde aber auch auf Besitzer privater Wasserkraftwerke angewandt.

(105) Die Zahlen zur EEG-Vergütung in den Jahren 2004 bis 2014 stammen vom BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Energie-Info - Erneuerbare Energien und das EEG: Zahlen, Fakten, Grafiken (2014).

(106) Energy Brainpool: Zusammenhang zwischen Strombörsenpreisen und Endkundenpreisen (im Auftrag von Agora Energiewende), Version 1.1 (28.3.2013), eingesehen 4.7.2014. >> download (pdf, 1,1 MB).

(107) Energy Brainpool: Kompensieren sinkende Beschaffungskosten den Anstieg der EEG-Umlage für Haushaltskunden? (im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion), 30.8.2013, eingesehen 4.7.2014. >> download (pdf, 1,5 MB).

(108) >> http://www.hydro.com/de/Deutschland/Uber-uns/Standorte/Neuss-Hydro-Aluminium-Rolled-Products-GmbH/

(109) Öko-Institut: Analyse der EEG-Umlage 2014 (im Auftrag von Agora Energiewende), 15.10.2013, eingesehen 4.7.2014. >> download (pdf, 714 MB).

(110) Umweltbundesamt: Schätzung der Umweltkosten in den Bereichen Energie und Verkehr, August 2012, eingesehen 4.7.2014. >> download (pdf, 271 kB).

(111) Global Post 17.10.2013: >> Britain, EDF strike deal on nuclear project. Eingesehen 4.7.2014.

(112) Malte Kreuzfeldt: Das Strompreis-Komplott. Knaur Taschenbuch 2014. (Zur Lobbyarbeit siehe insbesondere S. 111 - 121.)

(114) >> Agora Energiewende - Impulse: Ein radikal vereinfachtes EEG 2.0 und ein umfassender Marktdesign-Prozess (Berlin, Oktober 2013; >> download).

(116) Energiewende direkt 1. Juli 2014, >> Editorial (eingesehen 4.7.2014)

Die Zerstörung der Böden

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1330: Diese, und auch die weiteren konkreten Zahlenangaben aus dem Ruhrgebiet sowie Zitate stammen aus Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992.

1340: Phenol (damals noch Carbolsäure genannt) wurde ab 1865 zur Wunddesinfektion eingesetzt, dabei entdeckte man seine hautirritierende Wirkung und es wurde durch andere Stoffe ersetzt. Es schädigt Blut, Nieren, Zentralnerven- und Herz-Kreislauf-System und steht im Verdacht, erbgutverändernd zu sein.

1345: Im Unterschied zur Luftverschmutzung (siehe >> Anm. 1230) blieb die Abwasserentsorgung weitgehend Sache der Gemeinde. Das preußische Gesetz über die Benutzung der Privatflüsse (das waren alle nicht schiffbaren Flüsse) von 1843 untersagte zwar Verunreinigungen, wenn "dadurch der Bedarf der Umgegend an reinem Wasser beeinträchtigt oder eine erhebliche Belästigung des Publikums verursacht wird", aber in der Praxis wurde das öffentliche Interesse zumeist im Erhalt der Arbeitsplätze gesehen. So argumentierte die Regierung Münster 1885 gegen ein Verbot der Einleitung von Abwässer, dass diese die Zeche unverhältnismäßig benachteiligen würde: es käme einer Schließung des Betriebes gleich, und es "würden hunderte von Arbeitern brodlos gemacht" (zitiert nach Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelsapacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992).

Wassernutzung

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1405: Hierzu trug auch die ab 1860 (in Hamburg schon 1854) beginnende Einführung des Wasserklosetts (WC) bei, das sowohl den Wasserverbrauch als auch die Wasserverschmutzung erheblich steigerte. Die Einführung war damals umstritten, der Deutsche Landwirtschaftsrat etwa wollte die Fäkalien lieber als Dünger nutzen und bezeichnete die Einführung als volkswirtschaftliche Verschwendung.

1410: Die Zitate und konkreten Mengenangaben über die Wassernutzung im Ruhrgebiet stammen aus verschiedenen Quellen, allesamt zitiert nach Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992.

1415: Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992.

Wasserverschmutzung

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50: Die Zitate und konkreten Mengenangaben über die Wasserverschmutzung im Ruhrgebiet stammen aus verschiedenen Quellen, allesamt zitiert nach Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992. Die Typhusepidemie von Gelsenkirchen, der eine Cholera-Epidemie in Hamburg mit 8.000 Toten im Jahr 1892 vorausgegangen war, trug immerhin dazu bei, dass sich Anfang des 20. Jahrhunderts Robert Kochs "Trinkwassertheorie" gegenüber der von der Miasmenlehre (siehe Luftverschmutzung, Anm. >> 1233) abgeleiteten "Bodentheorie" des bayrischen Hygienikers Max Pettenkofer (nach der Epidemien durch von aus dem Boden entweichende Dünste verursacht wurden) durchsetzte. Die Trinkwassertheorie war bei den Kommunen unbeliebt, da sie bedeutete, dass zur Verhinderung von Epidemien teure Kläranlagen und aufwändige Aufbereitung von  Trinkwasser nötig waren. Immerhin entdeckte Pettenkofer auch die Selbstreinigungskraft von Gewässern, die einerseits vielen Verschmutzern als Rechtfertigung diente, Abwasser in diese einzuleiten, andererseits aber auch die Grundlage für die Entwicklung biologischer Abwasserreinigungsverfahren war.

52: Auch hierbei spielte der damalige Glaube, dass vor allem die organischen Abfälle gefährlich seien (siehe Luftverschmutzung, Anm. >> 1233), eine Rolle. Insofern mussten nur städtische Abwässer durch eine Kläranlage gereinigt werden. Es reichte aber nach damaliger Auffassung der billige sog. "Emscherbrunnen", in dem sich Schlämme absetzen konnten. Diese Politik war damals schon umstritten, die Regierung in Berlin legte 1908 einen Erlass vor, der eine weitergehende Abwasserbehandlung vorschrieb, gegen den sich die Emschergenossenschaft aber erfolgreich wehrte, die Forderung nach einer biologischen Klärung entfiel. 1910 erklärte die Emschergenossenschaft, dass eine Verbesserung der Wasserqualität "zum erreichten Nutzen in gar keinem wirtschaftlichen Verhältnis" stehe (zitiert nach Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992).

Nach dem Vorbild der Emschergenossenschaft wurden per Sondergesetz zahlreiche weitere Genossenschaften wie 1913 der Ruhrverband und der Ruhr-Talsperrenverein gegründet. Der größte Nachteil war der große Einfluss der Abwasserproduzenten: sie konnten angesichts fehlender Vorgaben das Niveau des Gewässerschutzes weitgehend selbst bestimmen, und vor allem in Zeiten schlechter Konjunktur spielten Kostenfragen die wichtigste Rolle. Daran änderte auch das preußische Wassergesetz von 1913 nichts, das nur für Andere nicht nachteilige Einleitungen in Gewässer erlaubte und für erhebliche Einleitungen eine Beleihung erforderte – es wurde gerne weiter so argumentiert, dass eine zusätzliche Einleitung in die bereits erheblich verunreinigten Gewässer ja nichts verschlimmere, also nicht nachteilig sei.

54: Diaz, J.R. & Rosenberg, R. 2008: Spreading dead zones and consequences for marine ecosystems. Science 321, S. 926 - 929. DOI: 10.1126/science.1156401

56: Rabalais, Nancy N. et al. 2007: Sediments tell the history of eutrophication and hypoxia in the northern Gulf of Mexico. Ecological Applications 17, Supplement, S. S129-S143 (>> download, pdf, 460 kB)

58: Wells, R.S. et al. 2005: Integrating life-history and reproductive success data to examine potential relationships with organochlorine compounds for bottlenose dolphins (Tursiops truncatus) in Sarasota Bay, Florida. Science of the Total Environment 349, S. 106 - 119. DOI: 10.1016/j.scitotenv.2005.01.010

Luftverschmutzung

Eine kleine Geschichte der Luftverschmutzung

1203: Aus dem Bericht eines Gerbermeisters, der in Folge der Französichen Revolution im Ruhrgebiet Zuflucht gesucht hat, zitiert nach Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992, S. 19.

1205: John R. McNeill und Peter Engelke: Mensch und Umwelt im Zeitalter des Anthropozän. In: Akira Iriye und Jürgen Osterhammel (Hg.): Geschichte der Welt. 1945 bis heute. C.H. Beck 2013.

1206: Danny Kringiel: >> Fünf Tage im Todesnebel. EINESTAGES (Spiegel online) 5.12.2012 (eingesehen 25.10.2016). In einem (erst posthum veröffentlichten) Memorandum an Winston Churchill hat  Macmillan zudem geschrieben: "So lächerlich das erscheinen mag, schlage ich vor, ein Komitee zu bilden. Wir können nicht viel tun, doch sollte es so aussehen, als beschäftigten wir uns eifrig mit der Sache." (siehe Quelle 1205)

1215: John R. McNeill: Blue Planet, Kapitel 4. Campus 2003.

1219: Zur Geschichte der Industrialisierung siehe: ruhr-guide.de: >> Das Ruhrgebiet - Von der Entstehung bis zur Industrialisierung (eingesehen 27.10.2016).

1220: Die Zitate und konkreten Mengenangaben über die Luftverschmutzung im Ruhrgebiet stammen aus verschiedenen Quellen, allesamt zitiert nach Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher: Blauer Himmel über der Ruhr. Essen: Klartext-Verlag 1992.

1230: Das französische Décret impérial relatif au Manufactures et Ateliers qui répondent une Odeur insalubre ou incommode vom 15. Oktober 1810 (Dekret betreffend die Manufakturen und Werkstätten, die einen ungesunden oder eklen Geruch verbreiten; offizielle Übersetzung) galt auch in den von Frankreich annektierten westlichen Gebieten Preußens; an diesem Dekret orientierte sich auch die Preußische Gewerbeordnung vom 17.1.1845, die eine polizeiliche Genehmigung für gewerbliche Anlagen, "welche erhebliche Nachteile, Gefahren oder Belästigungen herbeiführen können", erforderlich machte. Sie wurde im Grundsatz 1869 in die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes und 1871 in die des Deutschen Reichs übernommen. Die Reichsgewerbeordnung listete die von der Genehmigungspflicht betroffen Anlagen auf (Bergwerke und die auf ihrem Gelände betriebenen Kokereien unterstanden ähnlichen Regelungen im Berggesetz), regelt das Verfahren zu Erlangung einer Konzession und führte eine Genehmigungspflicht für Änderungen genehmigungsbedürftiger Anlagen ein. Sie übernahm aber im Hinblick auf die Einspruchsmöglichkeit für Nachbarn und anderen Geschädigten die industriefreundliche Gesetzgebung aus Sachsen: war eine Anlage einmal genehmigt, konnte eine Verringerung der Luftverschmutzung nur in seltenen Ausnahmefällen durchgesetzt werden. Hier spiegelte sich die zunehmende Akzeptanz der fortschreitenden Industrialisierung wieder. Dies kann etwa in den Ausführungsvorschriften nachvollzogen werden, die für die Umsetzung der gewerberechtlichen Vorgaben durch die Länder erstellt wurden: in der preußischen Technischen Anleitung (TA) von 1895 hieß es, dass Nachteile, Gefahren und Belästigungen nur dann erheblich sind, wenn sie das Maß überschreiten, "dessen Duldung sowohl dem Nachbarn als auch dem Publikum  im Interesse der für die allgemeine Wohlfahrt unentbehrlichen Industrie angesonnen werden kann". Mit geringfügigen Änderungen galt die TA zur Reinhaltung der Luft bis 1964 (Quelle: Michael Klöpfer: Umweltrecht. 3. Aufl. 2004, C.H. Beck). Wo Behörden tatsächlich Vorschriften gegen übermäßige Rauchentwicklung in die Konzessionsurkunden aufnahmen, wurden diese oftmals ignoriert: 1912 berichteten die Behörden an die Düsseldorfer Regierung, dass Unternehmen so weit im Voraus über Untersuchungen informiert werden müssen, dass "schließlich ein Ergebnis erzielt wird, das mit der Wirklichkeit nicht im Einklang steht". Leider hätten die Beamten "infolge starker Belastung mit anderen Dienstgeschäften" keine Zeit, "eine regelmäßige, längere Zeit währende Beobachtung der Schornsteine" vorzunehmen." Auch wurden Grenzwerte dadurch eingehalten, dass den Abgasen Luft zugeführt wurde, die – in der Konzession begrenzte – Schadstoffkonzentration wurde dadurch gesenkt, die Menge an Schadstoffen aber nicht. (Quelle: siehe 1220).

1232: Auch Filter waren bereits bekannt und wurden auch unter dem Gesichtspunkt, die im Kamin entweichenden Stoffe nutzen zu können, entwickelt. In der Regel kamen sie daher nur zum Einsatz, wenn die Rückgewinnung unmittelbaren Gewinn abwarf, ansonsten waren sie den Fabrikanten meist zu teuer, so dass die typische Maßnahme zur Verminderung der Luftverschmutzung der Bau höherer Schornsteine blieb.

1233: Hierzu hat auch die auf Hippokrates zurückgehende, damals noch einflussreiche "Miasmenlehre" beigetragen: Schon die alten Griechen hatten den Zusammenhang zwischen schlechter Luft und Krankheiten erkannt, und Hippokrates hat dafür schädliche Ausdünstungen (Miasmen) der Erde und verfaulende menschliche und tierische Rückstände, die sich in der Luft ausbreiten, verantwortlich gemacht. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Mikroorganismen als Krankheitserreger erkannt wurden, änderte dies nichts an der Sichtweise, dass vor allem verfaulende organische Materie als Krankheitsverursacher galt. Die Industrierauche (und industrielle Abwässer) galten als unangenehm und lästig, aber lange nicht als gefährlich. Eine systematische Untersuchung ihrer Gesundheitsfolgen begann erst, als 1923 die preußische Landesanstalt für Wasserhygiene auch mit der Erforschung der Lufthygiene beauftragt wurde.

1235: Michael Klöpfer: Umweltrecht. 3. Aufl. 2004, C.H. Beck. Immerhin wurde aber – nach den Erfahrungen während der >> Ruhrbesetzung 1923 – im Oktober 1924 vom >> Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) eine Kommission eingerichtet, die untersuchen sollte, mit welchen Mitteln eine Verbesserung der Luftqualität im Ruhrgebiet erreicht werden könne. Diese "Rauchschadenskommission" berichtete 1927, dass es nicht der sichtbare Rauch, sondern die unsichtbare schweflige Säure sei, die den größten Schade anrichte, etwa den Obstbau im Ruhrgebiet fast unmöglich mache. Es gäbe allerdings kein Mittel, diese aus den Rauchgasen von Feuerungsanlagen zu entfernen, dem Kampf gegen die von der Großindustrie verursachten Rauchschäden scheine wenig Aussicht auf Erfolg zu haben.

1240: Der Bund hatte für den Wasserhaushalt und den Naturschutz nur eine Rahmengesetzgebungskompetenz, in anderen Bereichen überhaupt keine ausdrücklichen Kompetenzen. Hier sehen Fachleute einen wesentlichen Grund für das "verzögerte Ingangkommen der Umweltpolitik im Sinne eines umfassenden Schutzes der natürlichen Lebensgrundlagen" (Michael Klöpfer: Umweltrecht. 3. Aufl. 2004, C.H. Beck).

1241: Die Pflicht, "ortsübliche" Belastungen ersatzlos zu dulden, hatte aus heutiger Sicht kuriose Folgen: So hat 1915 das Reichsgericht in letzter Instanz die Klage eines Obstbauern gegen eine Bergwerksgesellschaft abgewiesen, deren Koksöfen nach Ansicht des Bauers dafür verantwortlich waren, dass seine Bäume keine Früchte mehr trugen und abstarben. In diesem Punkt stimmte das Gericht dem Bauern zu, wies seine Klage aber dennoch ab: Die Gegend trage den typischen Charakter einer Industriegegend, die beklagte Kokerei habe "nichts getan, was nicht in der dortigen Gegend üblich wäre." Dass in der näheren und ferneren Umgebung des Klägers kein Obstbau mehr möglich sei, damit habe sich die Bevölkerung in ihrer Allgemeinheit abgefunden. Die bestehende erhebliche Luftverschmutzung wurde also zum Argument, die Klage hiergegen abzuweisen. Noch 1951 wies das Gewerbeamt Duisburg die Beschwerde eines Bürgers über den säurehaltigen Rauch einer Chemiefabrik mit dem Argument ab, "derartige Belästigungen, mit welchen hier immer zu rechnen ist", müssten in einem Industriegebiet in Kauf genommen werden. (Quelle: siehe 1220)

1245: So der 1971 von der Bundesregierung als wissenschaftliches Beratungsgremium einberufene Sachverständigenrat für Umweltfragen in einem Umweltgutachten von 1974 (>> Bundestagsdrucksache 7/2802, pdf, 9,2 MB). Das Verhalten der Verwaltungsbehörden grenze "in manchen Fällen bezüglich der Umweltschutzvorschriften fast an Vollzugsverweigerung" (S. 177).

1250: Der Clean Air Act von 1970 hatte Vorläufer: den Air Pollution Control Act von 1955 und den Clean Air Act von 1963. Dieses regelten jedoch nur die Aufgaben der Regierung bei der Erforschung und Überwachung der Luftverschmutzung; eine Ermächtigung zur Begrenzung von Emissionen in die Luft wurde erst mit dem Clean Air Act von 1970 geschaffen.

1255: Der Begriff "Immission" steht für Einwirkungen (von lat. immittire). Der Name Immissionsschutzgesetz sagt also, dass das Gesetz Mensch und Umwelt vor den Einwirkungen der Luftverschmutzung (= Schäden durch die Luftverschmutzung) schützen soll. Ein Mittel hierzu ist die Verringerung der Abgabe von Schadstoffen in die Luft, z.B. durch Emissionsgrenzwerte (Emission, von lat. emittere: herausschicken), also Grenzwerte für die Abgabe von Schadstoffen.

1258: Ebenso dauerte es, bis das Denken sich änderte: Noch 1977 befürwortete die Landesregierung NRW eine Politik hoher Schornsteine, und bestritt, dass diese lediglich eine Problemverlagerung in andere Regionen darstellen: sie brächten eine erhebliche Verdünnung der Abgase auf unbedeutende Konzentrationen mit sich. Im Ruhrgebiet sollten Schornsteine von bis zu 300 Meter Höhe entstehen. (Quelle: siehe 1220)

1260: 13. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz (13. BImSchV, "Großfeuerungsanlagenverordnung").

1264: Eigene Abbildung, basierend auf Daten aus: Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: Umweltbericht 2006. Angegeben sind Jahresdurchschnittswerte.

1270: Im Falle der LKW-Manipulationen mussten die betroffenen Hersteller in den USA hohe Geldstrafen zahlen, in Europa blieben die Manipulationen straffrei, aber die gesetzlichen Regelungen wurden geändert. So stoßen heute LKW weniger Stickoxide aus als PKW (>> Frontal21: Dreckschleuder Diesel). Der VW-Abgasskandal führte im Oktober 2016 zu einem Vergleich, der VW bis zu 16,5 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro) kosten dürfte - eine wirksame Abgasreinigung wäre billiger gewesen. Andere Hersteller reduzieren mit der Einstellung ihrer Abgasreinigung ebenfalls deren Wirksamkeit, nutzen dabei aber Gesetzeslücken aus, Verstöße wie bei VW wurden ihnen (noch) nicht nachgewiesen.

Die wichtigsten Luftschadstoffe

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60: WHO Air quality guidelines for particulate matter, ozone, nitrogen dioxide and sulfur dioxide. Global update 2005. World Health Organization 2006 (>> download).

61: 39. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz. Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen.

Klimawandel

Der 5. UN-Klimareport

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Die Seite zum ersten Teil wurde zuerst auf Grundlage der "Summary for Policymakers" des am 30.09.2013 veröffentlichten Entwurfs, ergänzt um einzelne Details aus dem Hauptbericht, erstellt und im Februar 2014 anhand der am 30.01.2014 veröffentlichten Endfassung überarbeitet. Die Seite zum >> zweiten Teil wurde im April 2014 weitgehend auf Grundlage der "Summary for Policymakers" erstellt, die zum dritten Teil im Juli 2014 ebenso.

IPCC, 2013: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Stocker, T.F., D. Qin, G.-K. Plattner, M. Tignor, S.K. Allen, J. Boschung, A. Nauels, Y. Xia, V. Bex and P.M. Midgley (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, 1535 S. (englischsprachig).

Offizielle Übersetzungen der Berichte gibt es in die sechs UN-Sprachen (neben Englisch also Arabisch, Chinesisch, Französisch, Russisch und Spanisch). Eine inoffizielle >> deutsche Übersetzung (pdf, 9,5 MB) der Zusammenfassung für Entscheidungsträger wurde von der schweizerischen ProClim, der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle und dem österreichischen Umweltbundesamt angefertigt.

IPCC, 2014: Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability. Sowohl die "Summary for Policymakers" als auch der Entwurf des Gesamtberichts sind auf der Webseite der Arbeitsgruppe II des IPCC kostenfrei herunterzuladen: http://www.ipcc-wg2.gov/AR5/ (englischsprachig).

IPCC, 2104: Climate Change 2014: Mitigation of Climate Change. Sowohl die "Summary for Policymakers" als auch der Entwurf des Gesamtberichts sind auf der Webseite der Arbeitsgruppe III des IPCC kostenfrei herunterzuladen: http://mitigation2014.org/ report (englischsprachig).

Das große Aussterben

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(1001) J.R. Malcolm und andere: Global warming and extinctions of endemic species from biodiversity hotspots. Conservation Biology 20: 538-548 (2006)

(1090) Erle C. Ellis und Navin Ramankutty 2008: Putting people in the map: Anthropogenic biomes of the world. Frontiers of Ecology and the Environment 6, S. 439-447.

Die Plünderung der Weltmeere

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801: Unter „Fischerei“ wird hier wie allgemein üblich die „Gewinnung nutzbarer Organismen aus Gewässern“ verstanden; also neben Fischen auch von Wirbellosen (wie Tintenfischen, Muscheln, Garnelen und Krabben). Historisch gehörten auch Säugetieren wie die Wale hierzu.

810: Walter Garstang 1900: The Impoverishment of the Sea. Series) Journal of the Marine Biological Association of the United Kingdom (New Series), Vol. 6, S. 1 - 69.

814: eine Formulierung des niederländischen Juristen Cornelis van Bynkershoek aus dem Jahr 1702.

820: Vom gesamten Fischfang (zu den 79,7 Millionen Tonnen in den Meeren kommen noch 11,6 Millionen Tonnen, die im Süßwasser gefangen werden) gehen 21,7 Millionen Tonnen nicht direkt in die menschliche Ernährung, sondern werden zu rund drei Vierteln (16,3 Millionen Tonnen) zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet, die zu rund 70 Prozent (Fischmehl) bzw. 90 Prozent (Fischöl) als Fischfutter verwendet werden. (Der Rest wird als Tierfutter verwendet - Fisch findet sich also auch “getarnt” im Fleisch von Schweinen und Hühnern, die mit Fischmehl gefüttert wurden.) Die restlichen 5,4 Millionen Tonnen werden direkt in Fischfarmen, an Nutz- oder Pelztiere verfüttert oder etwa in der Pharmaindustrie verwendet.

Film "Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane", basierend auf einem Buch von Charles Clover: eine gute Einführung in das Thema. Als DVD/Blu-ray erhältlich.

Mark Kurlansky: Kabeljau. Der Fisch, der die Welt veränderte. List Taschenbuch Verlag 2000.

Paul Greenberg: Vier Fische. Wie das Meer auf unsere Teller kommt. Berlin Verlag 2011 (Taschenbuchausgabe 2012).

Taras Grescoe: Der letzte Fisch im Netz. Karl Blessing Verlag 2010.

Richard Ellis: Der lebendige Ozean. marebuchverlag 2006.

siehe auch: >> Roberts (2013)

Vertiefende Literatur:
Boris Worm et al.: Impacts of Biodiversity Loss on Ocean Ecosystem Services. Science Vol. 314 (2006), no. 5800, S. 787 - 790: Die Studie zeigt, dass die Bestände von 30 Prozent der befischten Arten praktisch zusammengebrochen sind - die Bestände sind auf unter ein Zehntel der ursprünglichen Bestände abgesunken. Wenn die Fischerei so weitergeht wie bisher, wäre nach Ansicht der Autoren um die Jahrhundertwende mit dem Zusammenbruch aller befischten Arten zu rechnen.

Plenty More Fish in the Sea? The Economist 3.1.2009 (Special Report on the Sea).

Globale Umweltveränderungen

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940: Raudsepp-Hearne, Ciara et al.: Untangling the Environmentalist's Paradox: Why Is Human Well-being Increasing as Ecosystem Services Degrade? BioScience Vol. 60 No. 8, Seite 576 - 589.

© Jürgen Paeger 2006 - 2017