Hintergrundinformation

Eine kleine Geschichte der Menschheit

Die beiden großen Weltkriege

(1914 - 1945)

Beinhaus von Douaumont bei Verdun

Anfang des 20. Jahrhundert war die Welt soweit zusammengewachsen und verfügte über derartige technische Möglichkeiten, dass die Menschheit auch globale Katastrophen auslösen konnte. Einen Vorgeschmack gab der >> Erste Weltkrieg, in dem erstmals mit industriellen Methoden getötet wurde (Abbildung: Soldatenfriedhof von Douaumont bei Verdun, auf dem 16.142 Soldaten begraben sind. Im Beinhaus sind weitere 130.000 unbekannte Soldaten bestattet. Ausschnitt aus einem Foto von Stephan Brunker, aus >> wikipedia, abgerufen 8.2.2009, Lizenz: >> GNU-FDL).

Der erste Weltkrieg

Die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien (>> hier) löste eine Kettenreaktion aus: Russland - das sich als Schutzmacht der Slawen sah - trat in den Krieg ein, was wiederum für Deutschland den Bündnisfall auslöste. Deutschland hatte Österreich-Ungarn zuvor im Falle eines Angriffs auf Serbien "volle Unterstützung" zugesagt hatte; dieser Blankoscheck gilt als eine wesentliche Ursache, warum ein eigentlich lokaler Konflikt zum Weltkrieg werden konnte und begründet Deutschlands besondere historische Verantwortung für diesen Krieg. Jetzt fürchtete Deutschland jedoch einen Zweifrontenkrieg. Daher wollte es (dem "Schlieffen-Plan" folgend) Frankreich ausschalten, bevor die Russen ihre Truppen vollständig mobilisiert hatten. So erklärte Deutschland auch Frankreich den Krieg. Für einen schnellen Sieg über Frankreich musste das neutrale Belgien überrannt werden. Die belgische Neutralität wurde von Großbritannien garantierte, das daraufhin ebenso in den Krieg eintrat. So waren innerhalb weniger Tage alle europäischen Großmächte in den Krieg verstrickt.

Bei Beginn des Krieges glaubten viele noch an einen schnell zu Ende gehenden “Blitzkrieg”; stattdessen wurde er zur “Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts”. Die Hoffnung auf einen Blitzkrieg stützte sich auf die Errungenschaften der >> Industriellen Revolution: Lastwagen konnten Truppen und Nachschub viel schneller als in früheren Kriegen befördern. Aber es kam ganz anders: Maschinengewehre, die 600 Kugeln pro Minute feuern konnten, mähten die Soldaten zu Tausenden um. Die Gewehre waren aber schwer, sie mussten vor Gebrauch aufgebaut und von zwei Soldaten bedient werden: sie waren keine Angriffs-, sondern Verteidigungswaffen. Dazu kam die Artillerie: leichte Feldgeschütze konnten bis zu 30 Granaten pro Minute abfeuern, schwere Geschütze wie Krupps "Dicke Bertha" Dutzende Kilometer weit schießen und Bunkermauern durchschlagen. Gegen diese Waffen gab es für die Soldaten nur einen Schutz: sie verschanzten sich in Gräben und hinter Wällen. Der Krieg wurde zum Stellungskrieg; der kleinste Geländegewinn wurde mit Tausenden von Toten bezahlt. Schon in Belgien trafen die Deutschen auf unerwartet heftigen Widerstand; und bald war absehbar, dass es zum Zweifrontenkrieg kommen würde, den die deutschen Militärs vermeiden wollten, weil er nicht zu gewinnen war. Einen Plan B hatten sie aber nicht, und die hohe Zahl an Kriegsopfern machte auch Verhandlungen unmöglich - die Toten sollten nicht umsonst gestorben sein. So wurde der Krieg fortgesetzt und nahm totale Züge an: In der Schlacht von Verdun wurden 700.000 Soldaten verwundet oder getötet (in der Gedenkstätte Ossuaire [Beinhaus] de Douaumont wurden die Knochen von 130.000 nicht identifizierten Soldaten beigesetzt, >> Abbildung); noch heute ähnelt die Natur dort einer kraterüberzogenen Mondlandschaft. In der Schlacht an der Somme 1916 starben sogar über eine Million Soldaten. Auch an der Ostfront und während der Schlacht au der türkischen Halbinsel Gallopoli verschanzten sich die Soldaten monatelang in Gräben; dort starben insgesamt sogar mehr Menschen als an der Westfront.

Unterdessen war der Krieg zum Weltkrieg geworden: Frankreich mobilisierte 500.000 Mann aus seinem Kolonialreich, vor allem aus Westafrika und Algerien; Großbritannien zog 1,4 Millionen Inder zum Kriegsdienst heran; und die britischen Dominions Australien, Neuseeland, Kanada und Südafrika stellten weitere 1,2 Millionen Soldaten. Noch 1914 hatte Japan dem Deutschen Reich den Krieg erklärt (und gemeinsam mit Australien und Neuseeland die ostasiatischen Kolonien um Deutsch-Neuguinea und das chinesische "Pachtgebiet" Kiautschou besiegt), das Osmanische Reich und 1915 Bulgarien waren an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns in den Krieg eingetreten. Italien, Portugal, Rumänien und Griechenland traten ebenfalls in den Krieg ein, und schließlich 1917 die USA und China sowie einige südamerikanische Staaten.

Um den Stellungskrieg zu überwenden, hatte Deutschland bereits im April 1915 erstmals Giftgas eingesetzt, wenige Monate später folgten Briten, Franzosen und Russen. Aber es waren andere technische Entwicklungen, die den Krieg entscheiden sollten: 1916 brachten die Briten die ersten Panzer nach Frankreich, und diesen sollte es schließlich gelingen, die Front zu durchbrechen. Dazu kamen die Flugzeuge, die zuerst zur Aufklärung, später auch zur Bombardierung des Feindes genutzt wurden. Dabei wurde auch vor dem  Bombenkrieg auf Städte nicht zurückgeschreckt, Deutschland begann 1914 mit Abwürfen über Antwerpen und später über Paris und London. Einer Handelsblockade gedachte Deutschland mit U-Boot-Angriffen zu begegnen, stellte diese aber ein, nachdem sie die Lusitania mit 1.200 Menschen an Bord versenkten, darunter über 100 Amerikaner. 1917 nahm Deutschland den U-Boot-Krieg wieder auf, um Großbritannien den Nachschub abzuschneiden. Der kam aber auch aus den USA, und Angriffe auf US-Frachter lösten den Kriegseintritt der Amerikaner aus. Dieser sollte kriegsentscheidend sein: Amerikaner, Briten und Franzosen organisierten jetzt ihren Nachschub an Öl, Panzern und Flugzeugen gemeinsam; damit waren sie in der Materialschlacht überlegen. Das Zarenreich Russland konnte dazu wenig beitragen: Seine westlichen Teile waren besetzt, seine Kommandeure waren unfähig (bis zu ein Viertel der Soldaten wurden unbewaffnet an die Front in den sicheren Tod geschickt) und das Volk lebte bei miserabler Versorgungslage im Elend - die Februarrevolution 1917 beendete die Zarenherrschaft. Die Übergangsregierung wurde im November in Petrograd (St. Petersburg) von den Bolschewiki um Lenin abgelöst und beendete den Krieg (Frieden von Brest-Litowsk im März 1918).

Am Ausgang des Krieges änderte dies nichts: Erst zwangen alliierte Verbände im September Bulgarien in die Kapitulation; einen Monat später gab die neue osmanische Regierung auf; Österreich-Ungarn zerfiel - Jugoslawien und die Tschechoslowakei erklärten im Oktober ihre Unabhängigkeit; und an der Westfront durchbrachen die Alliierten mit Hilfe der amerikanischen Panzer endgültig die deutsche Linie. Im November 1918 unterzeichneten schließlich Deutschland und seine Verbündeten den Waffenstillstand. Am Ende des Ersten Weltkriegs standen über 8,5 Millionen tote und 21 Millionen verwundete Soldaten sowie acht Millionen Kriegsgefangene und Vermisste; dazu kommen das Sterben, Leiden und Hungern der Zivilbevölkerung (die Zahl der zivilen Toten ist schwer zu erfassen, vermutlich betrug sie noch einmal 5 Millionen). Das Massensterben war vollkommen sinnlos: Eine Lösung hatte der Krieg für keines der Vorkriegsprobleme gebracht.

Die Zeit zwischen den Kriegen

Die Pariser Friedenskonferenz und ihre Folgen

Die Friedensbedingungen wurden in der Pariser Friedenskonferenz von den Siegermächten festgelegt - ohne Sowjetrussland: Lenins Vorstellungen von einer kommunistischen Umgestaltung der Welt waren mit den Vorstellungen der anderen Siegermächte zu weit entfernt. Auch Frankreich, das vor allem Deutschland entmachten wollte, und die USA, deren Präsident Wilson von einer gleichberechtigten, demokratischen Völkerfamilie träumte, hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen, fanden aber einen Kompromiss. Dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten wurde die alleinige Kriegsschuld zugesprochen; im Versailler Vertrag verpflichtete sich das Deutsche Reich, hohe Reparationszahlungen zu leisten, abzurüsten und verlor unter anderem Elsass-Lothringen an Frankreich und (nach einer Volksabstimmung) Teile Oberschlesiens an Polen. Das Osmanische Reich verlor im (niemals in Kraft getretenen) Vertrag von Sèvres alle nichttürkischen Gebiete, Konstantinopel wurde unter internationale Kontrolle gestellt. Nach Kriegen mit Griechenland, das sich die ihm zugesprochenen Gebiete in Westanatolien sichern wollte, aber von den Türken geschlagen wurde, wurden im Vertrag von Lausanne neue Grenzen festgelegt, und 1923 wurde die Republik Türkei ausgerufen. Unter seinem ersten Präsidenten, Mustafa Kemal Atatürk, wurde das Land zu einem säkularen, an Europa orientiertem Staat. Österreich verlor unter anderem Südtirol bis zum Brenner. Außerdem wurde einer Idee Wilsons folgend der Völkerbund gegründet, der zukünftig bei Konflikten zwischen Staaten vermitteln und so den Frieden dauerhaft sichern sollte. Allerdings wurden die Friedensverträge von den USA nicht ratifiziert, die daher selbst auch nie Mitglied im Völkerbund wurden. Das Fehlen dieser treibenden Kraft, und von Möglichkeiten, gefasste Entschlüsse auch durchzusetzen, verhinderten, dass der Völkerbund die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen konnte - er blieb ein Forum der kleinen und mittleren Mächte.

Der Nahe Osten

Für die arabischen Provinzen des Osmanischen Reichs wurden in der Konferenz der Siegermächte von San Remo 1920 Mandate (das heißt, die Verantwortung für die Verwaltung) an Frankreich (Syrien und Libanon) und Großbritannien (Palästina beiderseits des Jordan und Mesopotamien [Irak]) zugesprochen und 1922 vom Völkerbund ratifiziert; Ägypten wurde hingegen weitgehend unabhängig. In Palästina, wo seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Folge zunehmenden Antisemitismus' Juden aus Europa und Russland siedelten, sollten diese eine Heimstatt erhalten. Um diese auf das Gebiet westlich des Jordan zu beschränken, wurde Transjordanien 1921 abgetrennt. Eine verstärkte jüdische Zuwanderung konnte angesichts der beschränkten Ressourcen in Palästina aber nicht ohne Auswirkungen auf die arabische Bevölkerung bleiben, die wiederholt gegen die aus ihrer Sicht zu hohen Einwanderungsquoten protestierte; und als die >> Machtübernahme der Nazis in Deutschland die Einwanderung noch beschleunigte, verloren die Araber ihren Glauben an eine Verhandlungslösung: 1936 begann ein Aufstand mit Generalstreik, der von den Briten bis 1939 brutal niedergeschlagen wurde. Um die Araber aber angesichts des heraufziehenden Zweiten Weltkriegs nicht in die Arme der Deutschen zu treiben, wollten die Briten dann die Einwanderung beschränken - was für beide Seiten inakzeptabel war: die Araber wollten eine Stopp, die Juden angesichts von Pogromen wie der "Reichskristallnacht" eine höhere Quote. Radikale Zionisten erklärten Großbritannien sogar zum Feind.

Im Irak hatten die Briten es mit Spannungen zwischen reichen Landbesitzern, osmanisch ausgebildeten Stadtbewohnern, Schiiten, Sunniten und Kurden zu tun; der eigentliche populäre König Faisal wurde nicht akzeptiert, da von den Briten eingesetzt. Die Kosten für die Verwaltung des Landes übertrafen nach Meinung vieler den Nutzen; 1930 einigten sich Großbritannien und der Irak auf eine durch Verträge eingeschränkte Unabhängigkeit. Ähnlich erging es Frankreich: Im Libanon musste seit 1925 ein Aufstand der Drusen mit massiver Gewaltanwendung unterdrückt werden, nach der irakischen Unabhängigkeit kam es in Syrien 1936 zu einem Generalstreik; ein Gesetzentwurf zur Unabhängigkeit Syriens und des Libanon wurde in Frankreich aber 1939 unter dem Eindruck des heraufziehenden Zweiten Weltkriegs abgelehnt.

Sowjetunion und Stalin-Diktatur

In Russland hatten die Bolschewiki nach einem Bürgerkrieg, der von 1917/18 bis 1920 dauerte, die Macht endgültig übernommen und gründeten Ende 1922 die Sowjetunion. Nachdem Lenin sich nach zwei Schlaganfällen aus der Politik zurückzog, verdrängte der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, Josef Stalin, seine Gegner und wurde ab 1927 zum Alleinherrscher der Sowjetunion. Mit dem ersten Fünfjahresplan von 1927 begann zudem der Aufbau der Schwerindustrie (>> mehr), und Russland war kaum von der Weltwirtschaftskrise betroffen, was dem Ansehen Stalins und des kommunistischen Wirtschaftssystems zu Gute kam: Im Westen fragte sich mancher, ob die freie Marktwirtschaft wirklich besser war. Den Preis dafür zahlten die Bauern: Ab 1929 beschleunigte sich die Kollektivierung der Landwirtschaft; wer sich im widersetzte, wurde deportiert. Der landwirtschaftlichen Produktion bekam dies nicht, Hungersnöte kosteten etwa zehn Millionen Menschen das Leben. Millionen Bauern gingen in die Städte und suchten Arbeit in der Industrie. Jegliche Kritik wurde aber mit “Säuberungsaktionen” unterbunden; diese kosteten weitere 1,5 Millionen Menschen das Leben und brachte Millionen Menschen in Straf- und Arbeitslager.

Mao Zedong und die chinesische Revolution I

In China hatte der erste Weltkrieg nicht viel geändert, das Land litt vor allem auf dem Land weiterhin unter den Kriegen, mit denen die warlords sich gegenseitig bekämpften. 1926 hatte sich die Kuomintang im südchinesischen Kanton wieder etabliert, und Sun Yatsens Nachfolger Chiang Kai-shek begann gemeinsam mit der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) einen Feldzug, um China wieder zu vereinen. Den Truppen gingen Bauernaufstände voraus, die teils spontan waren, teils von der von einem Politbüromitglied der KPCh, Mao Zedong, angezettelt wurden, und Kuomintang und KP spalteten: 1927 kündigte Chiang Kai-shek die Allianz mit der KPCh auf und bekämpfte diese erbittert; die Auseinandersetzungen wurden zu einem Bürgerkrieg, der bis 1949 dauern sollte. Chiang Kai-sheks Nationalregierung saß in Nanking, und konnte in den Folgejahren ihre Herrschaft über den Westen und Süden Chinas ausdehnen und strebte eine Modernisierung Chinas an. Mao Zedong, der aus dem Politbüro der KPCh ausgeschlossen wurde, setzte weiter auf die unzufriedenen Bauern auf dem Land (und widersprach der “führenden Rolle der Arbeiterschaft” zumindest für China) und gründete in der Provinz Jiangxi die erste chinesische Sowjetregierung. Als Japan 1931/32 die Mandschurei besetzte (>> hier), erklärte die Provinz Japan den Krieg; und forderte damit auch Chiang Kai-shek heraus, der die Kommunisten für eine größere Gefahr als Japan hielt - 1934 riegelte er Jiangxi ab. Mao entschloss sich zum Durchbruch, am 16. Oktober 1934 begann der “Lange Marsch”, der 86.000 Mann - Soldaten, Parteifunktionäre und Lastenträger - zu Fuß über 10.000 Kilometer erst nach Westen, dann nach Norden, über Berge und durch Sümpfe schließlich in die Provinz Shaanxi im Norden führte, wo noch 8.000 Mann, darunter Mao Zedong, ankamen. Chiang Kai-sheks Truppen blieben ihnen auf den Fersen, aber schließlich meuterten sie: Sie wollten nicht gegen die Kommunisten, sondern gegen Japan kämpfen. Kuomintang und KPCh bildeten eine Einheitsfront, 1937 begann der Chinesisch-Japanische Krieg (>> mehr).

Der gewaltlose Kampf um die Unabhängigkeit - Indien

In Indien hatte 1920 der Rechtsanwalt Mohandas (genannt “Mahatma”) Gandhi die Führung des Indischen Nationalkongress übernommen, der sich seit 1885 für die Unabhängigkeit Indiens einsetzte. Gandhi, der fünf Jahre zuvor aus Südafrika zurückgekehrt war, rief dazu auf, britische Waren zu boykottieren; er spann selbst regelmäßig Baumwolle und ein Lendenschurz aus weißem Tuch wurde zu seinem Markenzeichen (Winston Churchill verhöhnte ihn später als "halbnackten Fakir"). Gandhi setzte, beeinflusst von Lew Tolstoi und Henry David Thoreau, auf "zivilen Ungehorsam" (er selbst nannte die Kampagne Satyagraha - "Macht der Wahrheit"); Gandhi war davon überzeugt, dass einhunderttausend Briten auf Dauer ohne die Hilfe der dreihundert Millionen Inder das Land nicht regieren könnten. Unter Gandhi gewann die Bewegung erheblich an Bedeutung, zumal ein Massaker, bei dem britische Soldaten 1919 beim Goldenen Tempel der Sikhs in Amritsar hunderte demonstrierende Inder, darunter viele Frauen und Kinder getötet hatten, die Inder radikalisierte. Gandhis “zivile Ungehorsam” schloss die Übertretung ungerechter Gesetze ein, lehnte aber weiterhin Gewalt ab. Er gilt seither als Musterbeispiel des gewaltlosen Widerstands. Ein Beispiel war der “Salzmarsch” von 1930: Aus Protest gegen das Salzmonopol der Briten zog Gandhi mit zum Schluss 2.500 Anhängern zur Küste und sammelte dort Salz - die Briten reagierten mit einer Verhaftungswelle.

Der Salzmarsch fand aber schon ohne die Muslime statt. Gandhi war Hindu, wollte aber einen säkularen Staat. Aber um die Inder zu einen, beschwor er immer wieder die mythischen Zeiten, in denen Indien vom Hindu-Gott Rama regiert wurde. Bei den indischen Muslimen, die bereits 1906 ihre eigene Liga gegründet hatten, wuchs daher das Misstrauen gegen Gandhi. Immerhin gewährten die Briten mit dem India Act von 1935 dem Land Provinzialwahlen: bei diesen Wahlen im Jahr 1936 gewann der Nationalkongress unter dem neuen Präsidenten Jawaharlal Nehru (der eng mit Gandhi zusammenarbeitete) bei Provinzialwahlen 7 von 9 Provinzen, die Muslimliga war der große Verlierer. Deren Präsident Mohammed Ali Jinnah begann daraufhin immer stärker, auf die Gründung eines unabhängigen Muslimstaates hinzuarbeiten.
(Wie es in Indien weiterging, steht >> hier.)

Die Weltwirtschaftskrise

Die Kriegsanstrengungen der Siegermächte waren zu einem guten Teil aus den USA finanziert worden. Außerdem hatten die USA und Lateinamerika ihre Wirtschaftsproduktion ausgeweitet, um die Ausfälle in Europa auszugleichen. Als hier die Wirtschaft nach dem Krieg langsam wieder anlief, kam es allmählich zu einem Überangebot - die Preise fielen. In den USA gingen immer mehr Unternehmen pleite und entließen ihre Mitarbeiter; Landwirte konnten ihre Kreditzinsen nicht mehr zahlen. Im Oktober 1929 kam es zu einem Börsenkrach. Da auch viele Anleger ihre Aktien über Kredite finanziert hatten, zogen die USA ihre Kredite aus Europa zurück, um die Banken zu retten - und machten die Krise damit zur Weltwirtschaftskrise. In den USA waren 1932/33 etwa ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung arbeitslos (und ohne jede staatliche Unterstützung), viele gingen als Wanderarbeiter nach Kalifornien (wo sie auf die Farmer trafen, die der Dust Bowl (>> mehr) aus der Großen Ebene vertrieben hatte). In Deutschland stieg die Zahl der Arbeitslosen bis Ende 1930 auf 5 Millionen (ebenfalls etwa 25 Prozent). Die Folgen der Weltwirtschaftskrise sollten sowohl dem Kommunismus als auch dem Faschismus Rückenwind verleihen.

Die Geburt des Faschismus

Italien gehörte zu den Siegermächten, aber das Land war am Ende des Krieges wirtschaftlich und finanziell ruiniert; seine Gewinne in der Friedensregelung entsprachen nicht seinen Erwartungen. Dagegen protestierte die nationalistische Rechte im Land, und nach einem “Marsch auf Rom” beauftragte der König deren Anführer Benito Mussolini mit der Regierungsbildung. Bis Ende 1926 baute er seine Macht zu einer diktatorischen aus; Italiens Bedeutung wollte er mit Gewalt ausweiten: “Nur der Krieg bringt alle menschlichen Energien zur Anspannung und drückt den Völkern, die die Tugend haben, dem Krieg ins Gesicht zu sehen, das Siegel des Adels auf.”

Auch in Deutschland wurde der Kriegsausgang als Demütigung angesehen. Nach der Novemberrevolution und der Abdankung des Kaisers war die Weimarer Republik entstanden; die politische Orientierung blieb aber umstritten (Stichworte: Spartakusaufstand, Münchener Räterepublik, Kapp-Putsch). Außenpolitische (Ruhrkrise 1923) und innenpolitische Probleme (Inflation, >> mehr) schwächten zusätzlich. Der wirtschaftliche Niedergang und das soziale Elend als Folge der Weltwirtschaftskrise führten schließlich zu den ersten Wahlerfolgen der von Adolf Hitler angeführten NSDAP, die 1932 mit 37,3 Prozent zur stärksten Partei im Reichstag wurde. 1933 wurde Hitler Kanzler einer Koalition mit anderen rechten Parteien; und als 1934 der Reichspräsident Paul von Hindenburg starb, wurde Hitler faktisch Alleinherrscher. In Deutschland begann die Verfolgung der politischen Opposition, der Juden (vom ersten Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933 bis zur Reichspogromnacht 1938, die die völlige Entrechtung der Juden einleitete), die Unterdrückung der Gewerkschaften und die Errichtung von Konzentrationslagern; Gesetze konnten von der Regierung ohne Zustimmung des Reichstags erlassen werden. Innenpolitisch begann mit Autobahnbau und Rüstungsproduktion aber ein wirtschaftlicher Aufschwung, der dem Regime die mehrheitliche Zustimmung (oder zumindest die schweigende Tolerierung) der Bevölkerung sicherte. Außenpolitisch war Hitler entschlossen, den Versailler Vertrag auszuhebeln und ließ keinen Zweifel an den Mitteln; 1936 verfügte er: “I. Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein. II: Die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein.” Das war kein Gerede: Im März 1936 besetzten deutsche Truppen das Rheinland, im März 1938 marschierten sie in Österreich ein und im Oktober in den deutschsprachigen Teil der Tschechoslowakei.

Vorzeichen des Zweiten Weltkriegs

Wie Italien und Deutschland fühlte sich auch Japan in der Nachkriegsordnung zu kurz gekommen, insbesondere das Scheitern seines Anliegens, einen Antirassismus-Artikel in die Satzung des Völkerbundes aufzunehmen, wurmte das Land. Auch hier führte dies zu einem Erstarken der Nationalisten. 1931/32 besetzte Japan die Mandschurei, es war der erste Versuch, die Nachkriegsordnung militärisch zu ändern. Die Siegermächte wollten noch unter dem Eindruck der Kriegsfolgen den Frieden wahren und hofften, mit Konzessionen die unzufriedenen Staaten zufrieden stellen zu können; und der Völkerbund konnte gegen den Angriff nur protestieren - andere Mittel hatte er nicht. Diese Politik funktionierte nicht: Auf die Bildung der chinesischen Einheitsfront reagierte Japan 1937 mit dem Einmarsch in Peking; damit begann der japanisch-chinesische Krieg, der zum Vernichtungsfeldzug wurde (Schätzungen liegen bei 20 Millionen Toten, vor allem Zivilisten) und nach Pearl Harbor als “Pazifikkrieg” zum Bestandteil des zweiten Weltkriegs werden sollte (siehe unten).

In Spanien war 1936 nach der Militärrevolte General Francos ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem Deutschland und Italien auf Seiten Francos eingriffen und Russland und Verbände von Freiwilligen aus vielen Ländern auf Seiten der Republik eingriffen - und Deutschland mit der Bombardierung ziviler Ziele wie der Stadt Guernica eine neue Stufe der Grausamkeit einführte. Die Gegnerschaft in Spanien verhinderte aber nicht, dass Hitler und Stalin am 23. August 1939 einen Nichtangriffspakt schlossen - und in einem geheimen Zusatzprotokoll Polen in deutsche und sowjetische Interessengebiete aufteilten. Damit fühlte sich Hitler vor einem Zweifrontenkrieg geschützt und konnte zur Tat schreiten.

Der Zweite Weltkrieg

Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen. Die Beschwichtigungspolitik war damit auch in Europa gescheitert, und am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg, und Präsident Roosevelt (der dies aufgrund der Neutralitätsgesetze nicht tun konnte) versicherte den Westmächten die Solidarität der USA. Doch zunächst konnte Deutschland Polen als Staat vernichten, besetzte 1940 Norwegen und Dänemark und begann (die Niederlande, Luxemburg und Belgien überrennend) eine Offensive gegen Frankreich; nach gut einem Monat war Paris eingenommen und einen Monat später unterzeichnete Marschall Pétain einen Waffenstillstand. Die deutsche “Blitzkriegs-Strategie” schien aufzugehen, nur Großbritannien war noch nicht geschlagen. Trotzdem begann Hitler das “Unternehmen Barbarossa”, die Niederwerfung der Sowjetunion, im Juni 1941 begann (ohne Kriegserklärung) der Feldzug. Unterdessen hatte Japan die Niederlage Frankreichs und der Niederlande genutzt, deren Kolonien zu besetzen und sich im September 1940 mit dem “Dreimächtepakt” Deutschland und Italien angeschlossen. Während sich in China vor allem die Truppen im kommunistischen Norden noch gegen Japan wehrten, rückten im Juli 1941 japanische Truppen in Saigon ein. Daraufhin verhängten die USA ein Handelsembargo gegen Japan, dass das Land vom Ölnachschub abschnitt. Um die Amerikaner zu zwingen, dieses Ölembargo aufzuheben, trat Japan am 1. Dezember offiziell in den Krieg ein; am 7. Dezember griff es die amerikanische Pazifikflotte, die in Pearl Harbor auf Hawaii lag, an. Gleichzeitig begann eine japanische Offensive gegen Hongkong, Singapur, die Philippinen und  Thailand. Der Krieg war endgültig zum Weltkrieg geworden, zumal nach Pearl Harbor die Amerikaner in ihn eintraten.

Unterdessen war die Wehrmacht in Russland steckengeblieben - unter anderem, da ihr Treibstoffnachschub mit dem Verbrauch auf den schlechten russischen Straßen nicht mithielt. Dafür funktionierte in den eroberten Gebieten die Strategie der “Ausrottung”, die vor allem die jüdische Bevölkerung und die “kommunistische Intelligenz” traf; diese verordnete Gewalt gegen die Zivilbevölkerung führte zu einer Spirale aus Gewalt und Gegengewalt, die den ganzen Krieg prägen sollte (und am Ende auf die deutsche Bevölkerung selbst zurückfiel). Im Winter 1941 beendeten russische Truppen vor Moskau den deutschen Vormarsch. 1942 konnte Deutschland in Osteuropa und Nordafrika noch einmal Siege feiern, ein Vorstoß gegen Stalingrad scheiterte jedoch. Die Schlacht von Stalingrad im Winter 1942/43 brachte die Wende in Russland: Die Russen sollten die Deutschen bis nach Berlin treiben, wobei die Deutschen versuchten, im Land so viel Schaden wie möglich anzurichten (“verbrannte Erde”). Auch in Nordafrika wendete sich Ende 1942 das Blatt, im Mai 1943 mussten sich die letzten Deutschen und Italiener in Nordafrika ergeben. Im Juli 1943 landeten britische und amerikanische Truppen auf Sizilien, Mussolini wurde verhaftet und am 3. September vereinbarten die Alliierten und Italien einen Waffenstillstand. Unterdessen war durch den strategischen Bomberkrieg der Alliierten der Krieg auch in Deutschland angekommen, Treibstoffnachschub und Kriegswirtschaft wurden schwer beeinträchtigt. Auch die Briten und Amerikaner versuchten zudem nun - wie zuvor Deutschland (Warschau, Rotterdam, Coventry) - die Moral der Bevölkerung durch Flächenbombardements zu zerstören; erstes Opfer dieser Strategie war die Stadt Hamburg, am 13./14. Februar 1945 starben in Dresden 25.000 Menschen. Deutschland versucht, dem mit der Propaganda vom “Totalen Krieg” und der “Wunderwaffe”, der V2-Rakete, etwas entgegenzusetzen. Am 6. Juni 1944 war jedoch die Landung der Westalliierten in der Normandie erfolgt, im März 1945 überquerten sie den Rhein; im Januar 1945 begann die Rote Armee ihre Großoffensive und erreichte im April Wien und Berlin: Im Mai 1945 kapitulierte Deutschland, der Krieg in Europa war vorbei.

Die Japaner hatten weder die Hafenanlagen noch das Erdöllager von Pearl Harbor vernichtet, und so schwamm die amerikanische Pazifikflotte bald wieder. Bereits 1942 konnte sie in der Schlacht bei den Midway-Inseln erste Erfolge gegen Japan verzeichnen. Wie technisiert der Krieg inzwischen war, wird daran erkennbar, dass die Flugzeugträger, von denen die Angriffe ausgingen, sich außer Sichtweite voneinander befanden. Die technische Überlegenheit der Amerikaner gab den Ausschlag, das Kaiserreich war zum Untergang verdammt. Es setzte aber auf die japanische Kriegerethik (“Bushido”), den “heldenhaften” Kampf notfalls bis in den Untergang. Sie setzten auf Kamikaze-Flieger, die sich in Selbstmord-Aktionen mit ihren Flugzeugen auf feindliche Schiffe und Stellungen stürzten; und alleine die Schlacht um die Insel Okinawa im Frühjahr 1945 kostete 120.000 Menschen (darunter 1.500 Kamikaze-Piloten) das Leben. Ganze Schulklassen sprangen lieber von den Klippen ins Meer, als sich den Amerikanern zu ergeben. Derartiger Fanatismus ließ die Amerikaner vor einer Invasion auf den Hauptinseln zurückschrecken: Obwohl Japan kampfunfähig und viele Japaner kapitulationswillig war, gabt Kaiser Hirohito Anweisung, seine Insignien bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen: so endete der Krieg erst nach den Abwürfen der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Am 10. August schickte Hirohito ein Kapitulationsangebot an die Alliierten.

Im Zweiten Weltkrieg starben mehr als 52 Millionen Menschen, davon etwa 25 Millionen Zivilisten (die Zahl ist nicht genau bekannt und die Schätzungen schwanken). 27 Millionen Tote hatte alleine die Sowjetunion zu beklagen. Von den Kriegstoten waren mindestens sechs Millionen Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns - Behinderte, Zigeuner, Homosexuelle und zahlenmäßig besonders bedeutsam: Juden. Viele weitere Millionen Menschen blieben dauerhaft versehrt. Und über 50 Millionen Europäer verloren ihre Heimat: Durch die Zwangsumsiedelung von Polen, die Deportation von Volksdeutschen und “unzuverlässigen Völkern” nach Sibirien durch Stalin, die Zwangsrekrutierung von Millionen “Fremdarbeitern” für die deutsche Kriegswirtschaft und am Ende mehr als zwölf Millionen Vertriebene und Flüchtlinge. Weitere 2,5 Millionen Menschen überlebten die Flucht nicht. Viele europäische und asiatische Großstädte wie Hamburg, Warschau oder Manila waren zerstört. Besonders betroffen war Osteuropa, wo sowohl die deutschen als aus die sowjetischen Truppen "verbrannte Erde" hinterließen. Auch Industrieanlagen und insbesondere Verkehrswege waren schwer beschädigt.

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>> Neue Herausforderungen (1945 bis heute)

© Jürgen Paeger 2006 - 2016

Den Ausdruck “Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts” hat nach dem zweiten Weltkrieg der US-Diplomat und Historiker George F. Kennan geprägt.
Mit der Oktoberrevolution, die vom Ersten Weltkrieg mit ausgelöst wurde, begann die Spaltung in kapitalistische und kommunistische Welt; auf die Folgen des Vertrages von Versailles führen viele Historiker die Machtübernahme von Hitler und damit den Zweiten Weltkrieg zurück.

Bolschewiki bedeutet “Mehrheitler”; der Begriff entstand, als auf dem zweiten Parteitag der Arbeiterpartei diejenigen die Mehrheit erhielten, die einen Umsturz in Russland forderten. Ihnen gegenüber standen die “Men- schewiki” (Minder- heitler), die auf Reformen setzten.

“Es war notwendig, des Fes zu beseiti- gen, der auf unseren Köpfen saß wie ein Zeichen der Unwis- senheit, des Fana- tismus, des Hasses auf den Fortschritt der Zivilisation, und an seine Stelle den ... Hut zu setzen und unter anderem dadurch zu zeigen, dass zwischen der tür- kischen Nation und der großen Familie der Zivilisation kein Unterschied in der Denkweise bestand.” (Atatürk, der mit einem “Gesetz über das Tragen von Hüten” Turban und Fes aus dem öffentlichen Leben verbannte)

Die Terrormethoden in den sowjetischen Straflagern werden in Aleksandr Solschenizyns dreibändigem Werk “Der Archipel Gulag” detailliert be- schreiben. 

Faschismus kommt von ital. fascio, was eigentlich “Bund” bedeutet. Namens- gebend für die Bewegung wurde Mussolinis “fascio di combattimento” (Kampfbund), bald wurde das Wort zum Oberbegriff für alle Varianten dieser Richtung, die nationalistische und sozialistische Ideen verschmolz und sich zu Gewalt und diktatorischer Machtausübung be- kannte.

Die von der japanischen Armee auf ihrem Vormarsch in der Stadt Nanjing verübten Gräueltaten wurden zum Synonym für japanische Kriegsverbrechen: Über 100.000 Chinesen wurden auf teils bestialische Art umgebracht, etwa indem sie als lebendige Objekte bei Bajonettübungen benutzt oder lebendig verbrannt wurden.

Nazi-Deutschland erfand auch den industriellen Massenmord: Ab dem September 1941 wurden in den Gaskammern der Konzentrationslager von Auschwitz Menschen geplant mit dem Gift Zyklon B vergast. Dieses Morden sollte die seit Frühjahr 1941 geplante “Endlösung der Judenfrage” - ihre Ausrottung - beschleunigen.