Das Zeitalter der Industrie

Die Gefährdung der biologischen Vielfalt:
Die Plünderung der Weltmeere

Jagen, Fische und Sammeln sind älter als die Landwirtschaft; und Fischreichtum hat einst die Geschichte der Erde verändert: Längst bevor Kolumbus Amerika entdeckte, hatten baskische Fischer die reichen Kabeljaugründe vor Neufundland genutzt; ihr Geheimnis aber für sich behalten (>> mehr). Ähnlich den großen Bisonherden Nordamerikas zogen Schwärme des majestätischen Roten Thunfisches durch den Atlantik und ins Mittelmeer. Diese Zeiten sind vorbei. Heute gilt Fisch als gesunde Alternative zu übermäßigem Fleischkonsum, aber der aktuelle Weltfischerei-Report der Welternährungsorganisation FAO sagt, dass drei Viertel aller Bestände der kommerziell genutzten Meeresfische und -früchte überfischt oder bis an die Grenzen ausgebeutet sind; ein Viertel ist akut gefährdet. Im Jahr 2006 zeigte eine in der Wissenschaftzeitschrift Science von 14 Fischereibiologen veröffentlichte Studie1, dass bereits die Bestände von 30 Prozent der befischten Arten praktisch zusammengebrochen sind (die Bestände sind auf unter ein Zehntel der ursprünglichen Bestände abgesunken); wenn die Fischerei so weiterginge wie bisher, ist dies nach Ansicht der Autoren um die Jahrhundertwende für alle Arten der Fall. Vor Neufundland ist die Kabeljaufischerei eingestellt (>> unten auf dieser Seite), mit dem Roten Thunfisch verschwinden alte Traditionen wie die Almadraba in Andalusien (>> mehr).

Weltweiter Fischfang von 1950 bis 2004
Der weltweite Fischfang von 1950 bis 2004. Die chinesischen
Fangmengen werden getrennt dargestellt, da die Angaben als
übertrieben gelten. Beifang und illegaler Fang sind nicht
dargestellt, ebensowenig Meerestiere aus Aquakultur.
Abb. nach FAO Weltfischerei-Report 2006.

Noch landen jedes Jahr etwa 100 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte auf unseren Tellern - Thunfisch, Lachs, Hering, Kabeljau, Miesmuscheln, Tiefseegarnelen und viele andere, zum etwa einem Viertel “getarnt” im Fleisch von Schweinen und Hühnern, die mit Fischmehl gefüttert wurden. (Der weltweite Fischverzehr liegt deutlich höher: Dies liegt an dem Fisch aus Aquakultur und aus dem Süßwasser. Die Gesamtmenge der “Fischernte” einschließlich Aquakultur (>> unten auf dieser Seite) betrug im Jahr 2006 141,4 Millionen Tonnen.) Mit der heutigen Fangmenge scheint eine Grenze erreicht: Von 1950 bis 1990 haben sich die Fänge vervierfacht, seither bleiben sie trotz neuer Schiffe und besserer Fangtechniken gleich (siehe Abbildung oben). Die Qualität der Fänge nahm sogar deutlich ab: Heute werden Fische gefangen, die früher als “Beifang” (unerwünscht) galten; die Größe der Fische geht zurück. Der Großteil des Fangs wird heute von industriellen Fangflotten gemacht: Ein Prozent der Fischereiflotte fängt 50 Prozent der Meerestiere. Besonders umweltfeindlich ist es, wenn die Supertrawler der Fangflotten mit Grundschleppnetzen nach Bodenfischen jagen - dabei hinterlassen sie eine Spur der Verwüstung, als “würden wir Hirsche, Kaninchen und Wildschweine jagen, indem wir die Wälder abholzen” (GEO 6/2007). Daneben spüren sie mit Echolot-, Sonargeräten und Aufklärungsflugzeugen Fischschwärme auf, die dann mit riesigen Netzen gefangen werden. Gut ein Drittel des Fischfangs ist nach FAO-Schätzungen illegal. Haien wird mitunter nur der Schwanz abgeschnitten, die Tiere lebend - aber zum Untergang verdammt - ins Meer zurückgeworfen (>> mehr). Zum eigentlichen Fang kommt noch ein weiteres Drittel an sogenanntem “Beifang”: unerwünschte Arten oder zu kleine Fische, die im besten Fall zu Fischmehl verarbeitet, meist aber einfach wieder über Bord gekippt werden - die Laderäume sollen lieber mit teurer Ware gefüllt werden.


Auch die reichsten Fischbestände können
vernichtet werden: Heute ist der Kabeljau
 eine gefährdete Art. Seine Geschichte
finden Sie >>
hier.

Aus den überfischten Gebieten der nördlichen Meere ziehen die Fangflotten gen Süden, etwa vor die Küsten Westafrikas. Dort konkurrieren sie mit den Küstenfischern, jenen 60 Prozent der Fischerboote, die nicht einmal eine Kajüte haben, mit ihrem Fang aber 200 Millionen Menschen in Afrika mit Protein versorgen (weltweit ist Fisch für eine Milliarden meist arme Menschen die wichtigste Proteinquelle).

Die ökologischen Folgen des Fischfangs

Die Überfischung bedroht nicht nur die Ernährung vieler Menschen, sondern hat auch Folgen für die Ökosysteme - die allerdings noch kaum bekannt sind. Schon das Leben in den Ozeanen ist wenig bekannt (>> mehr); welche Rolle etwa die Großtiere in den Meeren spielen, noch viel weniger. Manchmal werden die Folgen jedoch deutlich: So führte der Rückgang der Wale zu einer Verminderung der biologischen Produktivität des Südpolarmeeres (>> mehr), die Jagd auf Seeotter zu einer Vernichtung der Kelpwälder - Seeotter fressen Seeigel, die wiederum Kelp fressen; mit dem Rückgang der Seeotter nahmen die Seeigel zu und zerstörten die Kelpwälder. Die Rolle der Großfische, Haie oder Thunfische etwa, im Ökosystem des Weltmeeres ist aber noch kaum bekannt, die Folgen ihres Rückgangs daher nicht abzusehen. Vor der amerikanischen Atlantikküste aber war vermutlich die intensive Jagd auf große Haie dafür verantwortlich, dass die Bestände ihrer Beute, kleine Haiarten und Rochen, zunahmen - und die Meeresfrüchte wegfraßen, deren Bestände in der Folge deutlich zurückgingen (siehe auch >> Die ökologischen Folgen des Walfangs). Aber auch ohne komplexe Rückkoppelungen ist eins klar: Wenn Arten derart überfischt werden, dass die Bestände zusammenbrechen, sinkt die Produktivität der Fischbestände und ihre Rolle für die Ernährung der Menschheit wird bedroht. Wenn die Fischer auf früher nicht genutzte Arten ausweichen, wird die Nahrungsbasis der Großfische angegriffen, und eine mögliche Erholung der Bestände verhindert.

Es ginge auch besser...

Die Fachleute sind weltweit längst einig, was geschehen müsste, um die Fischbestände in Zukunft zu schützen: Die Ozeane müssen als Ökosystem geschützt werden. Die Organisationen, die Fangquoten festlegen, müssen neben Vertretern des Fischfangs auch mit Wissenschaftlern und Umweltschützern besetzt werden, um wissenschaftliche Erkenntnisse durchzusetzen. Fischereibiologen wissen etwa, wie viele weibliche Tiere in einem Gebiet leben müssen, um ausreichend Jungtiere zu erzeugen. Schon aufgrund natürlicher Schwankungen kann diese Zahl nicht immer erreicht werden, der Bestand sollte aber nach Ansicht der Biologen nicht unter die Hälfte dieses Bestandes fallen. Für den Kabeljau in der Nordsee beträgt dieser Mindestbestand 70.000 Tonnen - der tatsächliche Bestand wird aber auf nur 30.000 bis 50.000 Tonnen geschätzt. Konsequenz: Die Fischereibiologen fordern daher seit Jahren eine Pause in der Kabeljaufischerei in der Nordsee. Bisher ist diese jedoch politisch nicht durchsetzbar - die Fischerei- und Landwirtschaftsminister auch der EU verstehen sich als Interessenvertreter der Fischer, und fühlen sich nicht der langfristigen Erhaltung der Fischbestände oder den Konsumenten verpflichtet. Außerdem nützen Quoten nur, wenn sie kontrolliert und durchgesetzt werden, bisher ebenfalls eine Schwachstelle. Wie auf Land, könnten auch auf See Schutzgebiete helfen; und Verbraucher haben die Möglichkeit, mit Produkten aus nachhaltiger Fischerei (etwa mit dem Siegel des Marine Stewardship Council - MSC) ihren Beitrag zu leisten.

Können Biologen fischen?

Im Streit um die noch vorhandenen Fischbestände sagen Fischer oft, dass die Biologen die Bestände zu niedrig schätzen, da sie nicht fischen könnten: Sie verwendeten veraltete Methoden und fischten dort, wo jeder wisse, dass es keine Fische gäbe...

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Während es den Fischern um maximale Fänge geht, wollen die Biologen die Entwicklung der Fischbestände erforschen. Daher müssen sie die gleichen Methoden verwenden, wie bei den Vergleichsmessungen vor Jahrzehnten - ansonsten wären die Fangmengen nicht vergleichbar. Ähnlich ist es mit den Orten, an denen gefischt wird: Die Biologen haben ein festes Raster, an denen jedes Jahr gefischt wird, während die Fischer natürlich den Fischen folgen. Für die Biologen ist es eben auch eine Erkenntnis, dass es an einem Ort keine Fische (mehr) gibt.

Lehrstück Kabeljau

Das nährstoffreiche Kontinentalschelf vor der Küste Neufundlands war einst der reichste Kabeljau-Fischgrund der Erde: Der Reichtum an Kabeljau hatte schon Wikinger und Basken nach Kanada gelockt, bevor Amerika “offiziell” entdeckt wurde (>> mehr). Als John Cabot im Jahr 1497 als erster moderner Europäer das nordamerikanische Festland erreichte, berichtete auch er vom Fischreichtum des neuen Landes. Tatsächlich waren die Fischgründe vor Nordamerika reicher als alles, was in Europa bekannt war, und so stürzten sich alle Fischereiflotten auf diesen Reichtum: 50 Jahre später trugen sie dazu bei, dass Kabeljau 60 Prozent des Fischverzehrs in Europa ausmachte. Franzosen, Basken, Spanier, Portugiesen, Briten: Sie alle fischten vor der Küste Nordamerikas. Häfen wie La Rochelle in Frankreich, Vigo und Bilbao in Spanien, Bristol und Plymouth in Britannien verdankten diesen Kabeljaugründen ihren Aufschwung.

Der Kabeljau (Gadus morhua): Einst vor der Küste Amerikas so reichlich, dass in Europa ein regelrechter Kabeljaurausch ausbrach. (Abbildung aus wikipedia, Eintrag >> Kabeljau, abgerufen 17.9.2007)

Um den Kabeljau haltbar zu machen, wurde er im Winter, paarweise am Schwanz zusammengebunden, über Stöcke zum Trocknen gehängt (Stockfisch) oder eingesalzen zum Trocknen auf Klippen gelegt (Klippfisch) - letzteres war ganzjährig möglich, erforderte aber Salz (dass den Mittelmeerländern zur Verfügung stand, den Briten aber nicht). Stock- und Klippfisch wurden in Europa zum wichtigen Handelsgut; und da er als Verpflegung für die immer häufiger werdenden Seereisen in die neue Welt geeignet war, wurde er gar zur strategischen Handelsware.

Vor allem aber prägte er die Geschichte Nordamerikas: Als im Jahr 1620 die ersten englischen Siedler Neuengland erreichten, kamen sie an eine Küste, die wegen ihres Kabeljaureichtums den Namen Cape Cod (Kabeljaukap) trug - die kabeljaureichen Fischgründe reichen bis in den Süden des heutigen Massachusetts. Vermutlich rettete der Fischreichtum die Pilgerväter, die weder gute Jäger noch Bauern waren, vor dem Verhungern; auf jeden Fall belieferten sie bereits im Jahr 1640 den Weltmarkt mit 300.000 Stück Kabeljau. Der Kabeljauhandel machte Neuengland zu internationalen Handelsmacht, zumal sich Kabeljau als billige, salz- und proteinhaltige Nahrung für die Sklaven auf den karibischen Zuckerrohrplantagen eignete - wo man zudem Ware loswurde, die die anspruchsvollen Märkte am Mittelmeer nicht akzeptierten. Dem Gesetz nach hätte die Kolonie ihre Waren eigentlich nur über das englische Mutterland vertreiben dürfen, praktisch wurde der Handel zunächst geduldet. Erst ein Jahrhundert später versuchten die Briten, ihre Kolonie an die Kandare zu nehmen (im Jahr 1733 mit dem Molassegesetz, das die Zuckereinfuhr aus der nichtbritischen Karibik mit Zöllen belegte) - zu spät: langandauernde Zoll- und Steuerstreitigkeiten führten 1773 zur Boston Tea Party, die schließlich zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1775 - 1783 führte, der mit der Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika endete (>> mehr)

Der Kabeljauhandel der Vereinigten Staaten wurde vom Ende der Sklaverei schwer getroffen; mit dem Ende der Plantagenwirtschaft wurde der karibische Markt sehr klein. Auf den europäischen Märkten hatten die Amerikaner aufgrund ihrer schlechten Qualität kaum eine Chance. Zwar entwickelte sich ein heimischer Markt, aber die alten Kaufmannsfamilien steckten ihr Geld lieber in die beginnende Industrialisierung.

Währenddessen entwickelte sich die Fischereitechnik weiter. Traditionell war der Kabeljau mit Handleinen gefischt worden; Anfang des 19. Jahrhunderts führten die Franzosen die Langleine ein, die mehrere Kilometer lang waren und viele Tausend Haken mit Ködern besaßen. Die Methode galt wegen des Kapitalbedarfs für die Köder als ungerecht; die Franzosen subventionierten ihre Flotten (um so von deren Seeleuten für ihre Marine zu profitieren). Die Norweger nutzten Wandnetze, in denen sich die Fische verfingen - auf diese Art sparten sie den Köder ein. Ende das Jahrhundert kam erstmals die Frage auf, ob man mit immer besseren Fangtechniken nicht die Fischbestände zerstören würde. Die Diskussion konnte aber zwei entscheidende Neuerungen nicht verhindern, die die Fischerei grundlegend verändern sollten: Dampfschiff und Gefrierkost.

Technische Neuerung in der Fischerei kamen meist aus Europa: Hier waren die Fischgründe weniger ergiebig und die Konkurrenz größer, alleine die Nordsee teilten sich acht Staaten. 1881 bauten die Briten den ersten dampfgetriebenen Trawler, und mit den Dampfschiffen setzte sich ab 1892 auch das Grundschleppnetz durch. Um die Jahrhundertwende hatten beide sich in Europa durchgesetzt. Mit dem Dampfantrieb konnten die Schiffe nun den Fischen folgen, die Fänge stiegen auf ein mehrfaches. Allerdings wurde bald der Fisch knapp, weshalb die Dampfschiffe begannen, vor der Küste Islands zu fischen. Währenddessen baute in Amerika, das noch bis zum Zweiten Weltkrieg weitgehend an Segelschiffen festhielt, in den 1920er Jahren Clarence Birdseye - ein ehemaliger Pelzjäger, der zum Erfinder geworden war - die erste Anlage zur industriellen Tiefkühlung. Gemeinsam mit der 1921 eingeführten Filettiermaschine entstand eine ganz neue Ware: Fischstäbchen, die ein enormer Erfolg waren (wobei der Kabeljau zunehmend von anderem Fisch verdrängt wurde - der Fisch in den Stäbchen ist immer das, was es gerade noch gibt). Im Zweiten Weltkrieg wurden beide Neuerungen dann kombiniert: Aus maschinengetriebenen Schiffen und Tiefkühltechnik gingen die heutigen Fabrikschiffe hervor, bei denen der Fang gleich an Bord verarbeitet und tiefgefroren wird. Das Auffinden von Fischschwärmen wurde durch Sonar und Aufklärungsflugzeuge erleichtert (insofern sind die Fischschwärme wohl auch ein “Kollateralschaden” des Kalten Krieges, dann das Sonar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich zum Aufspüren sowjetischer U-Boote weiterentwickelt); heute werden auch Wärmesensoren auf Satelliten (und deren GPS-Daten) für den Fischfang genutzt.

Die Auswirkungen der neuen Technik wurden erstmals im Ersten Weltkrieg deutlich: Als die britischen Trawler eingezogen wurden, erholten sich die Kabeljaubestände, so dass 1917 und 1918 der isländische Küstenfischfang steigende Erträge hatte. Als die Briten zurückkehrten und in den 1920er Jahren die Deutschen dazukamen, sank er wieder. Ebenso brachte der Zweite Weltkrieg eine Erholungspause für die Fischbestände; nun fischten hier nur noch die Isländer, die mit den Rekordpreisen zu Kriegszeiten gutes Geld verdienten. Nach dem Krieg versuchten die Isländer, den Zugang zu den Fischgründen mit einer Ausdehnung seiner Hoheitsgewässer auf vier Meilen (1950) und später zwölf Meilen (1958) zu beschränken, was zum ersten “Kabeljaukrieg” (so die englische Presse) führte: Die Briten fischten unter dem Schutz britischer Kriegsschiffe, bis sie 1961 die Zwölfmeilenzonen anerkannten. 1971 dehnte Island seine Hoheitsgewässer auf 50 Meilen aus, 1975 auf 200 Meilen, beides begleitet von weiteren “Kabeljaukriegen”. Den Kabeljau rettete Island so aber nicht: Zuerst mussten die Flotte beschränkt werden, seit 1984 wurden Fangquoten eingeführt, seit 1995 dürfen höchstens 25 Prozent des Bestandes gefischt werden - die alten Fangmengen werden bei weitem nicht mehr erreicht. Aber immerhin erholen sich die Bestände langsam, Island gilt heute als Beispiel für gutes Management des Kabeljaus.

Schlimmer traf es Neufundland, das seit 1948 zu Kanada gehört. Als 1977 die Zweihundertmeilenzone eingeführt wurde, sah Kanada die Chance, die reichen Kabeljaugründe für eine ökonomischen Aufschwung Neufundlands zu nutzen. Und tatsächlich wurde die Hochseefischerei wieder zu einem ertragreichen Wirtschaftszweig; die Küstenfischerei litt jedoch unter sinkenden Erträgen. Die Schuld gaben die Küstenfischer den Grundschleppnetzen der Hochseefischerei - es kamen keine Fische mehr zum Laichen an die Küste. Noch 1989 weigerte sich Kanadas Fischereiminister, mit den Küstenfischern zu reden. Drei Jahre später, 1992, waren die Bestände soweit zurückgegangen, dass er die Aussetzung des Kabeljaufangs im nördlichen Atlantik verfügen musste; 1994 wurde das Moratorium auf die gesamte Küste Kanadas ausgedehnt. Bis heute sind die Bestände jedoch nicht wieder angestiegen. Niemand weiß genau, woran dieses liegt. Möglicherweise haben andere Arten wie Rochen, Glattrochen und Dornhaie die ökologische Nische des Kabeljaus besetzt und fressen seine (frühere) Nahrung, die nun keine großen Kabeljaubestände mehr ernähren kann. Die Ökologie der Meere ist immer noch nicht gut genug verstanden, um eine sichere Antwort zu wissen. Die einst so reichen Fischgründe Neufundlands sind jedenfalls erschöpft, und die Arbeitsplätze, um derentwillen sie vernichtet wurden, sind auch verloren.

Literaturtipp: Mark Kurlansky: Kabeljau. Der Fisch, der die Welt veränderte. List Taschenbuch Verlag 2000.

Alternative Aquakultur?

Schon heute stammen über 40 Prozent der Meeresfische aus Mastanlagen: Gäbe es Lachs nur als Wildfang, wäre er für die meisten Kunden längst unbezahlbar. Auch die Aquakultur hat indes ihre Probleme: Zum einen werden immer noch Fische eigens als Futter für die Farmen gefangen (Farmen mit Ökosiegel beziehen ihr Futter dagegen etwa aus den Resten von Filettierbetrieben), zum anderen können die Abwässer in strömungsarmen Buchten ansammeln. Für Garnelenbecken werden oftmals Mangroven vernichtet.

Aber Aquakultur ist wohl der einzige Weg, den wachsenden Appetit der Menschheit auf Fisch und Meeresfrüchte zu decken. Umso wichtiger also, dass die Betriebe umweltschonend arbeiten. Für die Wasserqualität ist eine Verlagerung der Farmen aufs Meer oftmals die beste Lösung. Bei der Bio-Aquakulturen werden Schädlinge wie Seeläuse statt mit Antibiotika mit Putzerfischen bekämpft. Für Verbraucher ist ein Ökosiegel die beste Orientierung: Bio-Lachs oder Bio-Garnelen aus Aquakultur sind auch für Naturschutzorganisationen wie den WWF empfehlenswert. Inzwischen ist es sogar gelungen, Kabeljau in Farmen zu züchten; im Jahr 2007 kamen bereits 13.000 Tonnen Zuchtkabeljau auf den Markt - und ist nach Angaben von Gourmetköchen sogar besser als der Wildfang (Der Spiegel 7/2009).

Vertiefende Literatur: Impacts of Biodiversity Loss on Ocean Ecosystem Services. Science Vol. 314 (2006), no. 5800, pp. 787 - 790; Plenty More Fish in the Sea? The Economist 3.1.2009 (Special Report on the Sea).

>> FAO-Weltfischerei-Report: >> www.fao.org/fishery/sofia/en (englischsprachig); eine deutschsprachige Zusammenfassung gibt es >> hier.

Siehe auch:
>>
Eine kleine Geschichte des Walfangs

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Das große Aussterben
>>
Die Verschmutzung der Ozeane

Ähnliche Themen:
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Lebensraum Ozean

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