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Das Zeitalter der Landwirtschaft
Ernährung, Gesundheit und Bevölkerung
Die Landwirtschaft erlaubte es, wesentlich mehr Menschen zu ernähren. Obwohl die Ernährung einseitiger wurde und die Ausbreitung der Landwirtschaft und die Zunahme des Handels auch viele neue Krankheiten entstehen sich über große Teile der Erde ausbreiten ließ, wuchs im Laufe der Zeit die Bevölkerung erheblich an.
 Die Entwicklung der Bevölkerung im Agrarzeitalter: Seit der Erfindung der Landwirtschaft bis zum Beginn der Industriellen Revolution wuchs die Menschheit von 4 bis 8 auf 800 Millionen Menschen. Eigene Abbildung.
Die Landwirtschaft konnte im Vergleich zu Jägern und Sammlern mehr Menschen von einem gegebenen Stück Land (>> mehr), und diese erhöhte “Tragfähigkeit” des Landes wurde auch genutzt: Bekamen die Frauen der Jäger und Sammler nur alle drei bis vier Jahre ein Kind (mehr kleine Kinder hätten die Nomaden ja ihren Wanderungen behindert), nahm die Kinderfolge bei den sesshaften Bauern zu; Arbeitskräfte wurden ja gebraucht. Die Ernährung der Bauern war aber weniger vielseitig und weniger ausgewogen als die der Jäger und Sammler. Zwar ist unser Wissen über deren Gesundheit lückenhaft; heute noch lebende Jäger- und Sammlergesellschaften sind kein Maßstab, da diese in die unwirtlichsten Gegenden abgedrängt wurden - aber selbst diese sind besser ernährt als frühe Ackerbauern, es gibt keine verbreitete Mangelernährung (wohl aber - und davon kann man auch bei früheren Jägern und Sammlern ausgehen - einen begrenzten Parasitenbefall, der auf ungenügend gekochtes Fleisch und unsauberes Trinkwasser zurückgeht). Die Menge der Nahrung ist aber entscheidend: Im Zeitraum von vor 9.000 Jahren bis vor 6.500 Jahren verdoppelt sich die Menschheit.
Der Kampf um die Nahrung
Auf Basis der gemachten Erfahrungen und mit zunehmenden Wissen wurde der Anbau Schritt für Schritt verbessert und verfeinert. Der Hakenpflug löste Grabstock und Hacke ab; im Mittelalter wurde in Europa die Dreifelderwirtschaft eingeführt - Wintergetreide, Sommergetreide und Brache wechselten sich ab. Im Unterschied zur antiken Zweifelderwirtschaft lag das Land nun nur noch jedes dritte (statt in jedem zweiten Jahr) brach. Mit Beginn der Eisenzeit (>> mehr) konnten größere Flächen beackert werden: Mit Eisenwerkzeugen konnte der Wald in Mitteleuropa gerodet; Moore wurden trockengelegt, Meere und Flussmündungen eingedeicht. Die eiserne Pflugschar war auch für schwere Böden geeignet und verbesserte den Pflug erheblich. Immere bessere Technik ließ die Menschheit immer schneller wachsen: Die nächste Verdoppelung dauerte nur noch 2.000 Jahre, die darauf folgende 1.500 Jahre, die nächsten 1.000 Jahre und 900 Jahre.
Die Ernten und damit Tragfähigkeit des Landes und die Bevölkerung wuchsen immer schneller; der Hunger wurde aber mit den steigenden Erträgen keineswegs besiegt - im Gegenteil: Jäger mussten sich auf der Jagd mehr anstrengen, wenn die Tiere seltener wurden; die Landwirtschaft führte aber dazu, dass immer mehr Menschen von immer weniger Pflanzen abhängig wurden. Schlechtes Wetter und eine schlechte Ernte konnten schon eine Hungersnot bedeuten, zwei schlechte Ernten hintereinander eine Katastrophe. Schlechte Ernährung bedeutete schlechte Gesundheit, und auf Hungerszeiten folgten daher oft Seuchen, die der geschwächten Bevölkerung zusätzlich zusetzten (siehe >> unten). Details über diese Entwicklung sind am ehesten aus Europa, aber auch aus China bekannt. In Frankreich gab es zwischen 970 und 1100 – eigentlich eine gute Zeit für die Landwirtschaft – 60 Hungerjahre; in der Toskana litten die Menschen zwischen 1351 und 1767 in 111 Jahren Hunger. Gute Zeiten gab es etwa im Mittelalter - was aber auch daran lag, dass nach der Pestepidemie von 1347 bis 1352 (>> hier) die Bevölkerungszahl stark zurückgegangen war (siehe auch >> unten). In China gab es im Zeitraum von 108 v. Chr. bis zum Jahr 1910 in genau 1.828 Jahren in mindestens eine Provinz Hunger, also in mehr als 9 von 10 Jahren - Hungersnöte waren fast eine Konstante. Während einer Hungersnot zu Zeiten der Mongolenherrschaft starben mehrere Millionen Menschen, Krankheitsepidemien von 1586-89 und 1639-44 führten jeweils zum Tod eines Fünftels der Bevölkerung.
Die allererste Globalisierung
Ab dem 7. Jahrhundert brachte die Ausbreitung des Islams einen verstärkten Austausch zwischen den Landwirtschaftsregionen in Asien und Europa. Die wichtigste Pflanze für die Zukunft der Landwirtschaft sollte das Zuckerrohr werden, dass mit den Arabern nach Europa gelangte (>> mehr). Aber auch Hartweizen sollte in Nordafrika (Couscous) und Italien (Nudeln) eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Limetten), die im 10. Jahrhundert Spanien erreichten, und neue Gemüsearten wie Spinat und Auberginen.
Der Einfluss des Klimas
Die Erträge wurden aber nicht nur durch neue Arten gesteigert, sondern hingen immer auch vom Klima ab, wie am Beispiel Europa deutlich wird: Warme Zeiten sind gute Zeiten, kalte Zeiten bedeuteten Probleme. So konnten in einer warmen Phase von 800 bis 1200 die Norweger Island und Grönland besiedeln und dort Landwirtschaft betreiben; in England wurde Wein angebaut und der Ackerbau breitete sich zum Leidwesen der Schafhirten bis nach Schottland aus.
Danach kühlte es in Europa ab, und die beiden verregneten Jahre 1315 und 1316 führten zur größten Hungersnot des mittelalterlichen Europas. Die Ernten betrugen nur noch die Hälfte der normalen Menge, die Preise für Weizen stiegen auf ein Mehrfaches. Tiere wurden geschlachtet, da es keine Futtermittel mehr gab, und verendete Tiere wurden gegessen – mit der Folge von Krankheitsausbrüchen. Dies war nicht das schlimmste: Zahlreiche Berichte belegen Kannibalismus, mitunter organisiert – in Schlesien wurden hingerichtete Gefangene verspeist. Millionen Menschen starben.
Zwischen 1430 und 1850 führte die Abkühlung in Europa zur sogenannten „Kleinen Eiszeit“ (>> mehr); sie führte zur Aufgabe der Landwirtschaft auf Grönland und zur Halbierung der Bevölkerung Islands, in Schottland wurde der Ackerbau und in England der Weinanbau aufgegeben.
Neue Krankheiten
Neben Hunger traten Mangelkrankheiten auf: Blutarmut durch Eisenmangel ist in Amerika nachgewiesen, seit Mais einen großen Anteil an der Ernährung hat. In China war bereits vor 4.000 Jahren Beriberi verbreitet, eine Mangelkrankheit, die auf Vitamin-B1-Mangel bei Ernährung mit überwiegend geschältem Reis zurückgeht. Skorbut, ausgelöst durch Vitamin-C-Mangel, ist seit 3.500 Jahren in Ägypten nachgewiesen. Nicht nur Hunger, auch eine unausgewogene Ernährung macht Menschen anfälliger für Krankheiten, und auch hier gab es unheilvolle Entwicklungen.
Mit der Zähmung und Domestizierung von Wildtieren lebten zudem die Menschen eng mit diesen zusammen, zahlreiche Tierkrankheiten sprangen dabei auf den Menschen über: Die Pocken beispielsweise haben sich - vor Tausenden von Jahren - aus den Kuhpocken entwickelt; im Jahr 165 u.Z. gelangten sie nach Europa, wo sie ein als “antoninische Pest” bekanntes Massensterben auslösten. (Vermutlich ging es auch einen Pockenausbruch in China 161/162 zurück - was nahelegt, dass schon damals die Handelsrouten auch freie Bahn für Krankheiten bedeuteten.) 251 - 256 folgte eine erste Masernepidemie in Rom. Da Masern sich durch direkten Kontakt oder Tröpfcheninfektion ausbreiten, profitierten sie von der hohen Bevölkerungsdichte in den entstehenden Städten. Die dritte Geißel der Menschheit wurde die Pest. Die offene Kulturlandschaft und die gelagerte Vorräte hatten auch Tiere angezogen, die zuvor nicht heimisch waren: Nach Europa kamen etwa Hausmaus und Hausratte aus Asien. Das Pestbakterium wird von Flöhen von Ratten auf Menschen übertragen. Die erste nachgewiesene Pestepidemie ist die Justitianische Pest, die im Jahr 542 in Konstantinopel ausbrach (vermutlich wurde sie aus Indien nach Ägypten und von dort mit einem Getreideschiff nach Konstantinopel gebracht). In den rattenverseuchten Hafenstädten des oströmischen Reiches starben ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung. Im Jahr 610 erreichte die Pest mit einem Schiff aus Indien den chinesischen Hafen Kanton: ein Viertel der Bevölkerung starben. Die verheerendsten Folgen hatte aber die Pestepidemie im Mittelalter (>> hier). Sie war in Zentralasien ausgebrochen und breitete sich von dort nach China aus, und von dort über Krim und Mittelmeer nach ganz Europa. In Europa starben etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung am “Schwarzen Tod” - 20 bis 25 Millionen Menschen. Für die nächsten 350 Jahre kehrte die Pest regelmäßig wieder.
Andere Krankheiten, die Eurasien und Afrika verheerten, waren Tuberkulose und Diphterie (Abstammung vom Rind), Grippe (von Schweinen und Vögeln), Lepra (vom Wasserbüffel) und das von Läusen übertragene Fleckfieber. Die Wurmkrankheit Schistosomiasis hat durch die Arbeit in Bewässerungskanälen zugenommen, heute sind etwa 200 Millionen Menschen davon befallen.
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