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Hintergrundinformation
Die Geschichte der Erforschung der Energie
Energie - und insbesondere die Umwandlung von Wärme in nutzbare Arbeit - wurde mit der Nutzung der Dampfmaschine auch zu einem wissenschaftlichen Thema, dessen Erforschung die Grundlage für unsere heutige Energienutzung legte.
 Das von Benoît Clapeyron entwickelte Diagramm des Carnot-Zyklus (>> hier) war ein wichtiger Schritt zum Verständnis thermodynamischer Prozesse (siehe Text). Lesebeispiel: Bei der isothermen Expansion in einer Dampfmaschine (von 3 nach 4) nimmt Dampf Wärme aus der Kohlefeuerung auf und vergrößert sein Volumen V, dabei nimmt der Druck p ab. Abbildung verändert aus wikipedia, >> Carnot-Prozess, abgerufen 2.8.2011, Lizenz: >> c.c. 3.0
Von den Anfängen zum Energieerhaltungssatz
Das Wort Energie taucht zum ersten Mal in Aristoteles’ Metaphysik als energeia auf und steht dort für das Prinzip des Bewegens und Hervorbringens, das das Mögliche zum Wirklichen machte. Als solche war es eine philosophische Verallgemeinerung, mit der Veränderungen erklärt werden konnten. Wärme war für Aristoteles eine eigene und unzerstörbare Substanz.
Einer der ersten Naturforscher, die sich mit dem Thema beschäftigen, war der schottische Naturforscher Joseph Black (der Entdecker des Kohlendioxids, >> mehr): Er entdeckte, dass Eis beim Schmelzen Wärme aufnimmt, ohne seine Temperatur zu verändern. Damit hat er als erster einen Unterschied zwischen Wärme und Temperatur gemacht, und prägte den Begriff der latenten Wärme, die irgendwie im Eis gespeichert wurde, aber nicht zu einer messbaren Temperaturänderung führte. Black hielt aber in der Tradition von Aristoteles die Wärme für einen Stoff, wie auch der französische Chemiker Antoine Lavoisier (einer der Väter der modernen Chemie, >> mehr), der Wärme für eine unsichtbare Substanz hielt, die sich zwischen den Molekülen anderer Substanzen aufhielt.
Die moderne wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema begann mit der Nutzung der Dampfmaschinen (>> mehr). Die Firma Boulton & Watt verkaufte ihre Dampfmaschinen zunächst nicht, sondern verleaste sie; als Nutzungsentgelt verlangte sie ein Drittel der gegenüber der Newcomen-Dampfmaschine eingesparten Brennstoffkosten. Damit wurde es interessant, die Vorgänge in den Maschinen zu erforschen, wie James Watt selbst es mit dem Studium der Temperatur-, Druck- und Volumenverhältnisse in seinen Dampfmaschinen begann. Grundlegend theoretisch durchdrungen wurde die Dampfmaschine aber erst 1824 von dem französischen Physiker Sadi Carnot, der damit die Wärmelehre (Thermodynamik) begründete. Carnot erklärt die Vorgänge in den Dampfmaschinen auch für alle anderen Arten von Wärmekraftmaschinen allgemeingültig, indem er den Vorgang in einen theoretischen Modellprozess mit vier umkehrbahren Einzelschritten zerlegte:
- Isotherme Kompression: Ein Fluid (im Falle der Dampfmaschine der Dampf) wird mit einem kalten Temperaturreservoir in Kontakt gebracht (im Fall der Dampfmaschine das in den Kolben eingedüste Wasser), wodurch sich sein Volumen verringert und Wärme vom Fluid in das kalte Temperaturreservoir übergeht;
- Adiabatische* Kompression: Das Gas wird mittels mechanischer Arbeit verdichtet (im Falle der atmosphärischen Dampfmaschine durch den vom Luftdruck angetriebenen Kolben);
- Isotherme Expansion: In Kontakt mit einem heißen Temperaturreservoir (bei der Dampfmaschine durch Öffnen des Dampfventils) expandiert das Fluid, dabei wird Wärme vom heißen Temperaturreservoir aufgenommen;
- Adiabatische* Expansion: Das Fluid expandiert unter Verrichtung mechanischer Arbeit, bis die Ausgangssituation wieder erreicht ist.
Bei dem Prozess wird also Wärme von einem heißen Temperaturreservoir auf ein kaltes Temperaturreservoir übertragen und dabei mechanische Arbeit geleistet. Carnot glaubte, dass die Wärme dabei erhalten blieb; fand aber auch heraus, dass der Anteil an Wärme, der in mechanische Arbeit umgewandelt werden kann (die Effizienz e) von den Temperaturen der beiden Reservoirs abhängt: je größer die Differenz, desto mehr mechanische Arbeit kann gewonnen werden. Der theoretisch höchstmögliche Wirkungsgrad e beträgt e = 1 - (Temperatur kaltes Reservoir / Temperatur heißes Reservoir). Da zudem das kalte Reservoir nicht kälter als die Umgebungstemperatur sein konnte, kann Wärme niemals vollständig in mechanische Arbeit umgewandelt werden. 1834 wurde Carnots Entdeckung von dem französischen Physiker Benoît Clapeyron in einem Diagramm grafisch dargestellt (>> oben), das noch heute die Grundlage thermodynamischer Untersuchungen ist. Da jeder Einzelschritt in diesem “Carnot-Prozess” umkehrbar ist, kann eine umgekehrt arbeitende Wärmekraftmaschine unter Aufnahme mechanischer Arbeit Wärme aus dem kalten Medium aufnehmen und an das warme Medium abgeben - auf diesem Prinzip der Wärmepumpe beruht auch die Funktionsweise von Kühlschränken.
Der nächste große Erkenntnissprung hatte mit Dampfmaschinen nichts zu tun. 1840 nämlich ließ sich der deutsche Mediziner Julius Robert Mayer als Schiffsarzt auf dem holländischen Dreimaster Java nach Batavia (dem heutigen Jakarta) anheuern. Dort fiel im auf, das das venöse Blut seiner Patienten dort heller war als im heimischen Deutschland. Er schloss, dass es weniger oxidiert sei, da der Körper bei tropischen Temperaturen weniger Wärme produzieren muss. Nach seiner Rückkehr und Niederlassung als Oberwundarzt in Heilbronn beschäftige ihn die Frage, ob nicht auch die Wärme, die bei Muskelarbeit entsteht, auf die Oxidation von Blut zurückgeht, und vermutete, dass Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt werden könne - Wärme also demnach kein Stoff, sondern eine Form von Energie war. Diesem Vermutung nachgehend, zeigte er, dass Wasser durch Schütteln erwärmt werden konnte und veröffentlichte 1842 einen ersten Wert zur Umrechnung von Bewegungs- in Wärmeenergie. 1845 beschrieb er in seinem Büchlein “Die organische Bewegung im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel” zudem Muskeln als etwas Ähnliches wie Wärmekraftmaschinen, die Energie aus der Nahrung in Bewegung umwandelten.
Unabhängig von Mayer führte der britische Physiker James Prescott Joule zur gleichen Zeit thermodynamische Untersuchungen durch. Joule war hierzu durch die Entdeckung angeregt wurden, dass sich elektrische Leiter bei Stromdurchfluss erwärmten; und auch er entdeckte, dass Wasser durch mechanische Bewegung erwärmt werden konnte. Seine Entdeckungen und genaue Messungen hierzu veröffentlichte er 1850 und verwendete erstmal die Begriffe elektrisches und mechanisches Wärmeäquivalent. Ihm zu Ehren ist die SI-Einheit für Wärme und Arbeit heute als Joule benannt. Dass “seine” Entdeckung dem weitaus bekannteren Joule zugeschrieben wurden, trieb Mayer, der sich nicht wissenschaftlich ausdrücken konnte und von den zeitgenössischen Physikern zunächst nicht als ernstzunehmend angesehen wurde, in die Verzweiflung. Aber heute ist anerkannt, dass seine Arbeiten die Formulierung des Energieerhaltungssatzes durch den deutschen Physiologen und Physikers Hermann von Helmholtz vorwegnahmen; Helmholtz verfasste 1846 eine Arbeit “Ueber den Stoffwechselverbrauch bei Muskelaktionen” und veröffentlichte 1847 das Buch “Über die Erhaltung der Kraft”. Heute gilt der Energieerhaltungssatz (Energie kann in einem isolierten System* weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur umgewandelt werden) als erster Hauptsatz der Thermodynamik.
Vom Energieerhaltungssatz zur Entropie
Diese Weiterentwicklung leistete der deutsche Physiker Rudolf Clausius. Zwischen dem damaligen Verständnis des Carnot-Prozesses und dem Energieerhaltungssatz bestand ein Widerspruch, auf den der britische Physiker William Thomson (der spätere Lord Kelvin) als erster hingewiesen hat: Wie konnte die Wärme erhalten bleiben und gleichzeitig mechanische Arbeit geleistet werden? 1850 veröffentlichte Clausius sein Buch “Ueber die bewegende Kraft der Wärme und die Gesetze, welche sich daraus fuer die Wärmelehre selbst ableiten lassen”, darin formulierte er - die Erkenntnisse Carnots und Clausius’ verbindend - den Energieerhaltungssatz neu, indem er eine innere Energie U eines Systems einführte, Wärme als Energieform behandelte und die Beziehung zwischen innerer Energie U eines Systems und Wärmemenge Q und Arbeit W wie folgt formulierte: dU = dQ + dW (d steht für Differenz, die innere Energie eines Systems ändert sich also mit zu- oder abgeführter Wärme und zugeführter oder geleisteter Arbeit). Clausius erkannte auch, dass im Carnot-Prozess nicht wie von Carnot angenommen die zu- und die abgeführte Wärme gleich waren, sondern nur der Teil der Wärme, der nicht in mechanische Arbeit umgewandelt wurde, auf das kalte Energiereservoir übertragen wird. Damit erwies sich der Energieerhaltungssatz als richtig. Dass Wärme aber nur eine Form von Energie war, erklärte eine andere Beobachtung nicht, die auch Carnot schon gemacht hatte: Wärme kann spontan nur von einem heißen zu einem kalten Körper fließen, sie fließt niemals von alleine von einem kalten zu einem heißen Körper - Eis schmilzt in einem warmen Raum, da Wärme aus dem Raum ins Eis fließt; niemals entsteht in einem warmen Raum aber spontan Eis aus Wasser. Aus dieser Beobachtung heraus formulierte Clausius 1850 den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik: Es gibt keine Zustandsänderung, deren einziges Ergebnis die Übertragung von Wärme von einem Körper niederer auf einen Körper höherer Temperatur ist.
Schon Carnot hatte ja festgestellt, dass nicht die gesamte Wärmemenge in nutzbare Arbeit umgewandelt werden, sondern dass der umwandelbare Anteil von der Temperaturdifferenz zwischen den beiden Temperaturreservoirs abhing. Clausius erkannte, dass im Carnot-Prozess das Verhältnis von übertragener Wärme zu absoluter Temperatur* bei beiden Temperaturreservoiren gleich war: dQ heißes Reservoir / T heißes Reservoir = dQ kaltes Reservoir / T kaltes Reservoir. Wenn dieses Verhältnis aber konstant ist, kann es auch als eigene Größe beschrieben werden: dS = dQ/T. 1865 prägte Clausius für S den Begriff Entropie. Die Entropie ist wie Druck oder Temperatur eine Zustandsgröße, mit der ein System beschrieben werden kann. Bei Wärmezufuhr nimmt die Entropie eines Systems zu, bei Wärmeabfuhr ab. Da im Carnot-Prozess mehr Wärme zu- als abgeführt wird, netto also Wärme zugeführt wird, nimmt bei der Umwandlung von Wärmeenergie in mechanische Arbeit die Entropie zu. Praktisch äußert sich dies dadurch, dass unvermeidlich ein Teil der Wärme ungenutzt (als “Abwärme”) verloren geht; Physiker sprechen hier von “dissipierter” - verstreuter - Energie. Entropie kann also, anders als Energie, erzeugt werden. Da aber ohne Zufuhr von Energie Wärme nicht in andere Energieformen umgewandelt werden kann, kann Entropie nicht vernichtet werden. Damit kann der zweite Hauptsatz der Thermodynamik auch so formuliert werden, dass in einem isolierten System (also einem System ohne Energieaustausch mit seiner Umwelt) Vorgänge unmöglich sind, bei denen die Entropie abnimmt. Der zweite Hauptsatz schränkt somit den ersten Hauptsatz der Thermodynamik insofern ein, als nicht alle Energieumwandlungen, die nach dem ersten Hauptsatz möglich sind, auch tatsächlich von alleine stattfinden können.
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