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Hintergrundinformation
Eine kleine Geschichte der Menschheit Neue Herausforderungen (1945 bis heute)
 Mit einer Kampagne des gewaltlosen “zivilen Ungehorsams” trug Mahatma Gandhi dazu bei, dass Indien 1947 unabhängig wurde. (Foto: Der Salzmarsch (>> hier) von 1930; Fotograf unbekannt, aus >> wikipedia. Public Domain)
Die Folgen des Zweiten Weltkriegs
Im Februar 1945 hatten Churchill, Roosevelt und Stalin auf einer Konferenz in Jalta die Grundzüge einer künftigen Völkergemeinschaft festgelegt - und beschlossen, Deutschland nach dem Sieg in vier Besatzungszonen aufzuteilen. Die in Jalta entworfene Charta der Vereinten Nationen trat im Oktober 1951 in Kraft. Die Vereinten Nationen sollen “künftige Generationen vor der Geißel des Krieges bewahren” (aus der Charta); 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. 1975 wurde die allgemeine Anerkennung der Menschenrechte zum Bestandteil der Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) - dies sollte Dissidenten und Menschenrechtsbewegungen in Osteuropa beflügeln und damit indirekt zum Zusammenbruch des Ostblocks beitragen (>> hier). Da Weltwirtschaftskrise und Nationalismus als wichtige Kriegsursachen galten, wurden weitere internationale Organisationen geschaffen, um für wirtschaftliche Entwicklung und Menschenrechte zu sorgen: Die Weltbank und der Weltwährungsfonds sollten die Weltwirtschaft neu ordnen und den Freihandel einrichten, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) sollte Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen - und aus ihm ging schließlich die Welthandelsorganisation (WTO) hervor.
In der Potsdamer Konferenz vom Sommer 1945, als es um die Zukunft Deutschlands ging, wurde aber deutlich, dass die Alliierten längst gespalten waren: Russland hatte in Jalta große Teile Osteuropas zugesprochen bekommen, und Briten und Amerikaner wollte insbesondere den Polen betreffenden Teil revidieren. Aber Stalin setzte sich durch, die Oder-Neiße-Linie wurde zur deutsch-polnischen Grenze und die Vertreibung der im Osten zurückgebliebenen Deutschen wurde beschlossen. Stalin sprach weiterhin von der Notwendigkeit einer weltweiten Ablösung des Kapitalismus durch den Kommunismus. Viele Historiker glauben zwar, dass Stalin, der immer misstrauisch war, nur redete und Osteuropa eher als Pufferzone gegen die Amerikaner sah - schließlich hat er acht Millionen Soldaten der Roten Armee demobilisiert und wusste genau, dass die Sowjetunion nicht mehr kriegsfähig war. Das hinderte ihn aber nicht, nach mehr Einfluss zu streben, wie der kommunistische Staatsstreich 1948 in der Tschechoslowakei zeigen sollte; und Amerikaner, Briten und Franzosen fürchteten eine Ausbreitung des Kommunismus in Europa. Churchill sprach 1946 erstmals von einem “Eisernen Vorhang”, der Europa teile. Die Amerikaner wollten dieser Entwicklung den wirtschaftlichen Aufbau Europas entgegensetzen, und starteten 1946 ihr European Recovery Program (in Deutschland als Marshall-Plan bekannt geworden). Unverkennbar wurde die Spaltung, als Stalin auf die Währungsreform mit der Blockade Berlins reagierte - die fast ein Jahr andauernde Versorgung der Stadt durch amerikanische, britische und französische Flugzeuge wandelte das Bild der ehemaligen westlichen Besatzungsmächte in Schutzmächte vor der Sowjetunion, die nun endgültig als Bedrohung wahrgenommen wurde. Die Blockade war zugleich der Beginn des Kalten Krieges (>> mehr).
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Die Nachkriegsordnung
Deutschland war nach Kriegsende auch moralisch zerstört: Der Bombenkrieg hatte Millionen Wohnungen zerstört, und Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten suchten ebenfalls eine Bleibe. Im Winter fehlte Kohle zum Heizen; viele Menschen hungerten. Amerikaner und Briten trieben die Deutschen in den von ihnen besetzen Zonen energisch an, sich selbst zu helfen - aus ganz pragmatischen Gründen: Sie wollten zuerst die teuren Hilfslieferungen einstellen; und später verhindern, dass Deutschland kommunistisch wird. Es folgte das Wiederaufbauprogramm des US-Außenministers Marshall und im Juni 1948 die Wirtschaftreform; und ebenfalls 1948 gewannen die USA auch die Franzosen für die Gründung eines neuen deutschen Staates. Am 1. Juli 1948 erhielten die westlichen Zonen den Auftrag, eine Verfassung für eine neue Bundesrepublik (der amerikanische Generalgouverneur General Lucius Clay war ein überzeugter Föderalist) zu erarbeiten. Zur Umsetzung dieses Auftrages mussten die Länder nahezu gezwungen werden, da die Sowjetzone nicht beteiligt war: Die Länder fürchteten um die deutsche Einheit. Das deutsche Grundgesetz trat am 24. Mai 1949 in Kraft; Konrad Adenauer, zuvor Vorsitzender des verfassungsgebenden Parlamentarischen Rats, wurde erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard konnte - gegen manche Skepsis - die freie Marktwirtschaft durchsetzen und gilt als Vater des “Wirtschaftswunders”; bis 1973 wuchs die Wirtschaft jedes Jahr im Schnitt um 6 Prozent. In Ostdeutschland war nach der Gründung der Bundesrepublik die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet worden.
In Italien hatte der Wiederaufbau schon 1943 mit dem geglückten Putsch gegen Mussolini begonnen; die befreiten Teile Italien wurden als Alliierte gesehen. Gegen die deutschen Besatzer im Norden formierte sich die Resistenza, der Widerstand, die nach der Befreiung Roms 1944 die Regierung in den besetzten Gebieten übernahm. Im Juni 1946 stimmte Italien in einer Volksabstimmung für die Einführung der Republik; die Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung wurden von den Christdemokraten gewonnen.
Japan blieb nach dem Krieg von den Amerikanern unter General MacArthur besetzt. Japan sollte demokratisiert und entmilitarisiert werden; aber als sich in China der Sieg der Kommunisten abzeichnete (>> hier), wurde Japan auch als Verbündeter gebraucht: Die Aufarbeitung der Kriegsschuld blieb sehr beschränkt und formalistisch, der Kaiser wurde etwa nie angeklagt (stattdessen gab es aber eine antikommunistische Säuberungswelle). 1947 trat eine mit amerikanischer Hilfe erarbeitete neue Verfassung in Kraft, 1951 wurde Frieden geschlossen und im April 1952 wurde Japan wieder unabhängig. In der Folgezeit hat sich Japan, ähnlich wie Deutschland, vor allem auf den wirtschaftlichen Aufbau konzentriert; beide Länder wurden vor allem Kraft ihrer Wirtschaft wieder zu angesehenen Mittelmächten.
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Europa wächst zusammen
Der Kalte Krieg sollte Europa spalten, ließ den Westen Europas aber dichter zusammenrücken: Um einerseits Deutschland in den Westen einzubinden, andererseits Handelshemmnisse abzubauen, gründeten 1951 Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande in Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, auch “Montanunion”). 1957 gründeten diese Staaten auch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom), die die gemeinsame Entwicklung der Atomenergie vorantreiben sollte. 1967 wurden alle drei zu den Europäischen Gemeinschaften zusammengelegt; aus dieser ging 1993 die Europäische Union (EU) hervor, die nach mehreren Erweiterungsrunden heute 27 Mitgliedsstaaten umfasst. Die Europäische Gemeinschaft / Europäische Union hat wesentlich dazu beigetragen, dass Krieg heute in Europa undenkbar ist; der gemeinsame Wirtschaftsraum der wirtschaftlichen Entwicklung Europas wesentliche Impulse verliehen. Dagegen erscheinen oftmals gehörte Kritikpunkte, wie Bürgerferne oder Demokratiedefizit unbedeutende (wenn auch verbesserungswürdige) Probleme.
Vom Apartheidsstaat zur Regenbogennation - Südafrika
In Südafrika verschärfte sich die Diskriminierung der schwarzen Einwohner mit dem Wahlsieg der National Party im Jahr 1948: Die Rassentrennung (Apartheid) wurde offizielle Politik. Die Schwarzen durften das ihnen zugeteilte Land nur mit Erlaubnis und einem “Pass” verlassen. Der Widerstand gegen diese Politik wurde unter anderem vom African National Congress (ANC) organisiert. 1960 zogen 8.000 Demonstranten zu einer Polizeistation bei Johannesburg, um sich verhaften zu lassen, die Polizei schoss auf die unbewaffnete Menge und tötete 69 Menschen; die UNO verurteilte Südafrika, die Regierung verbot den ANC und dieser kündigte das Ende der Gewaltlosigkeit an. 1962 wurde der ANC-Führer Nelson Mandela verhaftet, und die Regierungen Europas und Amerikas übten sich in Nachsicht mit (dem rohstoffreichen) Südafrika. Parallel zur schwarzen Bürgerrechtsbewegung entstand aber auch in Südafrika eine Black-Consciousness-Bewegung, und 1976 protestierten in Soweto 15.000 Schulkinder dagegen, dass künftig die Hälfte des Unterrichts in Afrikaans (der Sprache der Buren) erfolgen sollte - wieder schoss die Polizei in die Menge und tötete und verletzte Hunderte von Kindern. 1977 wurde (zum wiederholten Male) der Anführer der Black-Consciousness-Bewegung, Steve Biko, verhaftet - und starb an den Folgen der Polizeifolter. Über Jahre stand Südafrika danach kurz vor dem Bürgerkrieg, die Regierung versuchte, die Lage mit Todesschwadronen unter Kontrolle zu bekommen, die Apartheidgegner töteten. Diese Politik isolierte Südafrika aber dann doch international, und die weiße Regierung unter Pieter Willem Botha begriff, dass sie Südafrika so in den Ruin führen würde. Nach jahrelangen Geheimverhandlungen mit dem ANC und dem immer noch gefangenen Nelson Mandela wurde 1990 von Bothas Nachfolger de Klerk das Verbot des ANC aufgehoben und Mandela freigelassen. Nach Jahren der Gespräche über eine neue Verfassung (und blutigen Kämpfen zwischen dem ANC und der von Zulus dominierten Inkatha Freedom Party) wurde 1994 der 75-jährige Nelson Mandela mit über 62 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Mandela machte sich mit zahlreichen großherzigen Gesten um die Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen verdient. Aber auch wenn einige Schwarze inzwischen reich wurden: Die Kluft zwischen Arm und Reich konnte in dem Land noch nicht verringert werden.
Gewaltlos in die Freiheit
In Indien hatte 1920 der Rechtsanwalt Mohandas (genannt “Mahatma”) Gandhi die Führung des Indischen Nationalkongress übernommen, der sich seit 1885 für die Unabhängigkeit Indiens einsetzte. Unter Gandhi gewann die Bewegung erheblich an Bedeutung. Seien erste Kampagne war die “Nichtzusammenarbeit”; Gandhi glaubte, dass einhunderttausend Briten auf Dauer ohne die Hilfe der dreihundert Millionen Inder das Land nicht regieren könnten. Die Strategie war von Lew Tolstoi und Henry David Thoreau beeinflusst; der “zivile Ungehorsam” schloss die Übertretung ungerechter Gesetze ein, lehnte aber Gewalt ab. Gandhis Kampagne gilt seither als Musterbeispiel des gewaltlosen Widerstands. Ein Beispiel war der “Salzmarsch” von 1930: Mit zum Schluss 2.500 Anhängern zog Gandhi zur Küste und sammelte dort Salz - ein Gesetzesverstoß, da Salzgewinnung ein Monopol des Staates war. 1936 gewann der Nationalkongress unter dem neuen Präsidenten Jawaharlal Nehru (der eng mit Gandhi zusammenarbeitete) bei Provinzialwahlen 7 von 9 Provinzen, die (1906 vom Nationalkongress abgespaltene) Muslimliga war der große Verlierer. Deren Präsident Mohammed Ali Jinnah begann daraufhin immer stärker, auf die Gründung eines unabhängigen Muslimstaates hinzuarbeiten.
Im Zweiten Weltkrieg kämpften zwei Millionen indische Soldaten für die britische Armee, die zudem in Indien Ware auf Kredit kaufte. 1942 haben die Briten (nach anfänglichen japanischen Erfolgen [>> hier] und auf Druck der USA) Indien erstmals die Unabhängigkeit nach Kriegsende angeboten; allerdings setze die Muslimliga jetzt alles auf die Gründung zweier Staaten. 1946 kam es in Kalkutta zu Massakern von Muslimen an Hindus; der bengalische Ministerpräsident hoffte, so Kalkutta zur Hauptstadt eines künftigen Pakistan zu machen. Das klappte nicht, aber eine bleibende Zwietracht zwischen Hindus und Muslimen war gesät. Die Zweistaatlichkeit war nicht mehr zu vermeiden: 1947 wurden Indien und Pakistan unabhängig. Der von den Briten festgelegte Grenzverlauf sorgte vor allem im Pandschab für Unruhen, bei denen mehrere Hunderttausend Menschen ums Leben kamen; in Kalkutta verhinderte die Anwesenheit Gandhis Racheakte der Hindus an den in Indien bleibenden Muslimen. Die Spaltung Indiens kostete eine Million Menschen das Leben, und 26 Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen - die größte Vertreibung in der Geschichte der Menschheit. 40 Millionen Moslems blieben jedoch in Indien.
Erster Premierminister des unabhängigen Indien war Jawaharlal Nehru. Nehru war ein überzeugter Demokrat und schaffte es, in Indien ein funktionierendes parlamentarisches System aufzubauen; wirtschaftlich orientierte er sich an der Sowjetunion. Präsident Pakistans wurde Mohammed Ali Jinnah, der ein Präsidialsystem bevorzugte; der Präsident entschied und regierte mit Hilfe der Bürokratie und des Militärs. Nach Jinnahs Tod behielt das Militär dauerhaft die Macht im Land (mal direkt, mal eher im Hintergrund). Das ehemalige Fürstentum Kaschmir, dessen Bevölkerung mehrheitlich muslimisch, dessen Maharadscha aber Hindu war, war 1947 unabhängig geblieben, wurde aber 1949 von pakistanischen Freischärlern besetzt, worauf es Indien um Hilfe und Anschluss an Indien bat. Indien schickte Truppen - und traf auf pakistanische Truppen. Die UNO vermittelte einen Waffenstillstand, die Waffenstillstandslinie von 1949 ist noch heute faktisch die indisch- pakistanische Grenze. 1954 schloss sich Pakistan dem nach dem Koreakrieg entstehenden amerikanischen Bündnissystem (>> mehr) an; Indien blieb “blockfrei”, orientierte sich als Reaktion aber noch enger an der Sowjetunion. 1965 marschierte Pakistan in Indien ein und versuchte, Kaschmir von Indien abzuschneiden, wurde aber von Indien schnell zurückgedrängt. Diese Aktion führte auch zu Autonomieforderungen Ostpakistans, die 1971 zur Entstehung des unabhängigen Bangladesh’ führte (womit die Zweinationen-Theorie der Muslimliga, die angesichts von 40 Millionen Moslems in Indien ohnehin merkwürdig war, endgültig ad absurdum geführt wurde).
1974 zündete Indien seine erste Atombombe und wurde damit Atommacht (was in Pakistan ebenfalls ein Atomprogramm auslöste; das Land zündete schließlich 1998 eine Atombombe). Indien blieb aber von Unruhen und Unabhängigkeitsbewegungen, unter anderem der Sikh, die einen eigenen Staat im Punjab forderten, geprägt. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Wirtschaft reformiert, und der indische Wirtschaftsaufschwung begann. Dieser wird allerdings durch vorgeblich religiöse Unruhen und Bombenanschläge (etwa 1992 und 2008 in Bombay, 2002 in Gujarat) immer wieder überschattet, zumal die Armen im Land kaum von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren. Auch der Krisenherd Kaschmir ist längst nicht beruhigt, 1999 versuchte Pakistan erneut einen Einmarsch; und in den letzten 20 Jahren kosten von Pakistan unterstützte terroristische Aktivitäten dort knapp 30.000 Menschen das Leben.
Mao Zedong und die chinesische Revolution II
Der Sieg der Amerikaner über Japan im Zweiten Weltkrieg hatte auch den Krieg in China beendet; und der Konflikt zwischen Kuomintang und Kommunistischer Partei (KPCh) verschärfte sich wieder. Amerikanische Vermittlungsversuche scheiterten, und Mitte 1946 brach der Bürgerkrieg wieder aus. Trotzt deutlicher zahlenmäßiger Unterlegenheit konnte die “Volksbefreiungsarmee”, wie der Armee der KPCh jetzt hieß, den Krieg gewinnen. Dazu trug auch bei, dass sie auf dem Land mehr Unterstützung fand, und auch Arbeiter, Unternehmer und Intellektuelle in den Städten zunehmend von der korrupten Kuomintang enttäuscht waren; zum Schluss liefen auch noch Truppenteile zur Volksbefreiungsarmee über. 1949 fiel Peking und Mao Zedong rief die Volksrepublik China aus; er wurde “Vorsitzender des Zentralrats der Volksregierung”. Chiang Kai-shek floh mit einer halben Million Soldaten (sowie Chinas Goldreserven und den Schätzen des Nationalmuseums) nach Taiwan. In der Volksrepublik wurden über eine Million Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet, 1953 hatte die KPCh unangefochten die Macht im Lande.
Anfänglich kooperierte China intensiv mit der Sowjetunion, die insbesondere beim sozialistischen Wirtschaftsaufbau, der auf Schwerindustrie basierte, Modell stand. Dieser erfolgte in China aber nicht im gleichen Maße (>> hier) auf Kosten der Landwirtschaft, deren Kollektivierung auch weniger Widerstand hervorrief. Damit begann eine Abkehr vom sowjetischen Modell, und 1957 setzte Mao durch, dass die Intellektuellen aufgefordert wurden, ihre Kritik an der Partei offen zu äußern (Hundert-Blumen-Kampagne). Die vehement losbrechende Kritik erschreckte die Partei, die schon knapp sechs Wochen später die Kampagne wieder abbrach - und die Kritiker zu Hunderttausenden verbannte oder hinrichtete. Hiermit begannen die “zwanzig verlorenen Jahre” bis zu Maos Tod, denn das Land verlor die Mitarbeit seiner fähigsten Köpfe. Im Mai 1958 wandte das Land sich endgültig von der sowjetischen Politik ab, mit dem “Großen Sprung nach vorne” begann die eigentliche maoistische Reform: Die Produktionsgenossenschaften wurden zu Volkskommunen, bis hin zu den Wohnhäusern wurde alles Eigentum in die Kommune überführt. Kleine Fabriken in den Dörfern sollten für den örtlichen Bedarf produzieren - zum Symbol hierfür wurde die Stahlerzeugung “im Hinterhof”. Die Bauern wurden massenhaft für staatliche Infrastrukturprojekte eingesetzt, die Felder von ihren (unerfahrenen) Frauen bestellt. 1958 rettete außergewöhnlich gutes Wetter die Ernte, danach folgte die Katastrophe - die größte Hungersnot der bisherigen Menschheitsgeschichte mit 30 bis 40 Millionen Hungertoten (und zu allem Überfluss erwies sich auch der “Volksstahl” aus den örtlichen Stahlöfen als unbrauchbar).
Mao zog sich aus der praktischen Politik zurück, und die Pragmatiker in der Parteiführung um Generalsekretär Deng Xiaoping begannen, die Wirtschaft neu aufzubauen. Aber Mao hatte nicht aufgegeben: 1966, mit 72 Jahren, rief er die Jugend in China zum Aufstand gegen diejenigen in der Partei, die sich “auf den Weg des Kapitalismus” begeben hatten, auf. So begann die Kulturrevolution, ab 1967 regierte in China die Gewalt: Die aus Schülern und Studenten gebildeten “Roten Garden” demütigten und quälten Lehrer, Professoren, Schriftsteller, Künstler und andere Intellektuelle; und bald auch Parteikader und Regierungsbeamte. Deng Xiaoping wurde verbannt, andere Minister zu Tode gefoltert. Schließlich begannen bürgerkriegsartige Kämpfe rivalisierender Roter Garden untereinander, woraufhin Mao die Volksbefreiungsarmee losschickte, die Kämpfe zu beenden. Vier Millionen Oberschüler und Studenten wurden zur Umerziehung aufs Land geschickt. Die Zahl der Toten in der Kulturrevolution ist umstritten, sie geht in die Millionen. Die letzten Jahre Maos waren eine “bleierne Zeit” (Konrad Seitz), nach Kämpfen am Grenzfluss Ussuri wurde die Sowjetunion zum Hauptfeind erklärt und zum Staunen der Welt ein Bündnis mit den USA geschlossen. 1976 starb Mao.
Nach Maos Tod setzten sich die Pragmatiker in der Partei durch, denen es vor allem auf politische Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung ankam; im September 1978 übernahm Deng Xiaoping die Führung der KPCh. In einem planwirtschaftlichen Rahmen erhielten die Marktmechanismen mehr Bedeutung, fachliche Kompetenz wurde in der Wirtschaft wichtiger als politische Linientreue. Erster Schritt war die “Dekollektivierung” der Landwirtschaft, die Bauern erhielten ehemaliges Kollektivland zur Bewirtschaftung und konnten die Ernte frei verkaufen; die Ernährung verbesserte sich innerhalb weniger Jahre (vor allem in den Städten - auf dem Land zeigte sich, dass es neben der Chance auf Reichtum auch die Möglichkeit zur Verarmung gab; viele Bauern wanderten in die Städte ab und speisen dort das Heer der Wanderarbeiter). Auch in den Städten wurde Privatinitiative erst geduldet, dann gefördert; der chinesische Markt für westliche Unternehmen geöffnet, die in “Sonderwirtschaftszonen” wie Shenzhen bei Hongkong Steuer- und Zollvergünstigungen erhielten. Eine Demokratisierung war damit jedoch nicht verbunden; 1989 wurde etwa eine Studentendemonstration auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen-Platz) in Peking blutig niedergeschlagen - mit etwa 3.000 Toten. 1997 starb Deng Xiaoping, seine Politik und die stürmische wirtschaftliche Entwicklung gingen aber weiter. Zunehmende Bedeutung erlangten die ökologischen (>> mehr) und sozialen Folgen des schnellen Wirtschaftswachstums (wachsende Ungleichheit zwischen Küste und Innenland, Stadt und Land, Gewinnern und Verlierern), die bisher nur durch immer mehr Wachstum bekämpft werden. Wie krisenfest diese Strategie ist, bleibt offen.
Der Kalte Krieg
Der Kalte Krieg gewann seine Brisanz aus der Atombombe: Nach der Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki war diese zu einem Alptraum der Menschheit geworden. Albert Einstein soll gesagt haben: “Ich weiß zwar nicht, wie der Dritte Weltkrieg geführt, wohl aber, wie der Vierte ausgetragen wird: mit Stöcken und Steinen.” Die Amerikaner hatten nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Atombomben gebaut - vor allem aus Kostengründen: Dem amerikanischen Präsidenten Truman war eine konventionelle Aufrüstung zu teuer. Aber weit früher als von den Amerikanern erwartet, 1949, verfügte auch die Sowjetunion über Atombomben. Damit begann ein atomares Wettrüsten, das beide Supermächte in die Lage versetzen sollte, die Welt mehrfach zu zerstören und sie mehrfach an den Rand eines Atomkriegs führte.
Der Koreakrieg und seine Folgen
Die erste Krise war der Überfall des kommunistischen Nordkorea auf Südkorea am 25. Juni 1950. Nordkorea wurde von China und (wie sich erst später herausstellte) 70.000 mit chinesischen Uniformen getarnten Soldaten der sowjetischen Luftwaffe unterstützt; Südkorea von einer (vor allem amerikanischen) UNO-Truppe, die von dem US-Oberkommandierenden in Japan, General MacArthur geleitet wurde. MacArthur schickte Heilig Abend 1950 eine Liste mit 24 chinesischen Zielen in die USA, die er mit der Atombombe angreifen wollte, was Verteidigungsminister Dean Acheson aber ablehnte. So blieb der Koreakrieg ein konventioneller, bei dem 1,3 Millionen Soldaten und drei Millionen Zivilisten starben; es war auch ein Krieg, bei dem über 3.000 Tonnen Napalm eingesetzt wurden - eine Brandwaffe, die schwer heilbare Verbrennungen auslöst und kaum mit Wasser gelöscht werden kann. Zu einem Waffenstillstand kam es erst 1953 nach Stalins Tod; Korea blieb bis heute geteilt.
Der Koreakrieg änderte die amerikanische Strategie gegenüber der Sowjetunion. Die NATO wurde zur Militärallianz ausgebaut und durch ein weltweites Bündnissystem ergänzt (die Sowjetunion gründete als Antwort den Warschauer Pakt und baute ihr eigenes Bündnissystem auf, musste Loyalität freilich mehrfach gewaltsam erzwingen); die amerikanischen Militärausgaben vervielfachten sich; das Atomwaffenarsenal wurde ausgebaut und 1952 die erste Wasserstoffbombe getestet (begleitet von einer nach Senator McCarthy benannten, bis Ende 1954 anhaltenden antikommunistischen Gesinnungsschnüffelei). Die Bundesrepublik Deutschland lehnte sich endgültig an den Westen an - und diskutierte ihre Wiederbewaffnung. Stalins Tod änderte nichts an der sowjetischen Herrschaft in Osteuropa: 1953 walzten Panzer der Roten Armee einen Volksaufstand in der DDR nieder (genau wie 1956 in Ungarn). Die USA und ihre Verbündeten riskierten keinen militärischen Konflikt, um den Völkern zu helfen: Präsident Dwight D. Eisenhower (1953 bis 1961) glaubte nicht, dass ein Krieg im Atomzeitalter gewinnbar sei - was ihn nicht hinderte, in Europa auf eine Strategie der angedrohten massiven Atomvergeltung für den Fall eines sowjetischen Angriff zu setzen; er war überzeugt, dass die Sowjetunion diesen nicht riskieren würde.
In der Sowjetunion war Nikita Chruschtschow aus den Diadochenkämpfen um Stalins Nachfolge als Sieger hervorgegangen; in den USA löste 1961 John F. Kennedy Eisenhower als Präsident ab - und unterstützte im April eine Invasion von durch die CIA ausgebildeten Exil-Kubanern in der Schweinebucht auf Kuba, die schnell scheiterte. Amerika war blamiert, und Chruschtschow nahm eine alte Drohung zur Kündigung des Viermächtestatus’ von Berlin wieder auf. Kennedy erklärte, dies würde eine “globale Kettenreaktion” nach sich ziehen, er wollte notfalls Atomwaffen einsetzen. Chruschtschow beschränkte sich auf die Abriegelung des Ostsektors, am 13. August 1961 begann der Mauerbau. Dabei standen sich am 27. & 28. Oktober am Checkpoint Charly sowjetische und amerikanische Panzer 16 Stunden lang gegenüber: Walter Ulbricht wollte (ohne Absprache mit der Sowjetunion, wie heute bekannt ist) alliierte Offiziere kontrollieren lassen (eine Verletzung der Siegerrechte), Chruschtschow glaubte, der Westen wolle die Mauer durchbrechen; die Welt stand, so der sowjetische Diplomat Walentin Falin später, “Sekunden und Meter ... [vor] einem Unglück.”
Die Kubakrise und ihre Folgen
Im Herbst 1962 entdeckten die Amerikaner, dass die Sowjetunion heimlich atomare Mittelstreckenraketen auf Kuba stationierte. Sowjetische Atomraketen, die San Francisco erreichen konnten, wollten die USA auf keinen Fall dulden, und wenige Tage später stand die Welt erneut vor einem Atomkrieg; Kennedy dachte ernsthaft an einen Luftangriff (weil der fälschlicherweise glaubte, die Raketen wären noch nicht einsatzbereit); Verteidigungsminister McNamara bremste. Schließlich entdeckte der CIA, dass die Raketen bereits einsatzbereit waren, und damit war ein Luftangriff zu gefährlich; Kennedy enthüllte nun die Stationierung in einer Fernsehansprache und begann eine Blockade Kubas. Als Chruschtschow nach fünf Tagen die Atomraketen abziehen wollte, drängte Kubas Fidel Castro auf “Verteidigung, wie schrecklich sie auch ausfallen möge”, und gleichzeitig schossen sowjetische Militärs ein amerikanisches Spionageflugzeug über Kuba ab. Die US-Militärs drängten auf Angriff, aber jetzt bremste Kennedy - er ging auf ein Angebot Chruschtschows zum Abzug der Raketen gegen einen amerikanischen Invasionsverzicht auf Kuba ein, und Chruschtschow ordnete sofort den Abbau der Waffen an.
Nach der Kubakrise änderten sowohl die USA als auch die Sowjetunion ihre Politik: Kennedy hatte erkannt, dass ein Krieg unmöglich geworden war, und wollte an der Entspannung arbeiten (was in Deutschland insbesondere der Berliner Bürgermeister Willy Brandt und sein Vertrauter Egon Bahr aufgriffen); Chruschtschow hatte erkannt, dass die Sowjetunion ohne Anerkennung des Status quo nicht friedlich neben den USA bestehen konnte (und hatte mit Grenzkonflikten mit China, die 1964 ebenfalls ihre erste Atombombe zündeten, und innenpolitischen Problemen genug andere Baustellen). Die neue Politik überstand auch Kennedys Ermordung und Chruschtschows Sturz; Lyndon B. Johnson, ab 1968 Richard Nixon und Leonid Breschnew führten sie weiter. Daran änderte auch der Vietnamkrieg wenig - ein Bürgerkrieg, der 1946 als Kampf gegen die französische Kolonialmacht begonnen und 1954 zur Spaltung des Landes in Nord- und Südvietnam geführt hatte, in den die USA ab 1964 direkt eingriffen, worauf die Sowjetunion mit verstärkten Waffenlieferung an den Norden antwortete. Für die Amerikaner wurde der Krieg im Dschungel zu einem Desaster: Militärisch konnten sie ihn nicht gewinnen, und in Amerika und Europa entstand eine Antikriegsbewegung, und der Protest beflügelte die “68er”-Protestbewegung. 1973 zogen die Amerikaner ab, und 1975, als die USA vom “Watergate-Skandal” abgelenkt waren, stürmten nordvietnamesische Truppen Saigon, Vietnam wurde wiedervereinigt. Der Krieg hatte zwei bis drei Millionen Tote gefordert, eine halbe Millionen Krüppel und 900.000 Waisen hinterlassen.
Währenddessen hatte die Sowjetunion den “Prager Frühling” 1968 mit Panzern niedergeschlagen - für die Entspannungspolitik nicht viel mehr als ein Verkehrsunfall, da im eigenen Machtbereich der Sowjetunion geschehen. In Deutschland begann ab 1969 die neue sozialliberale Regierung ihre (von den Amerikanern kritisch beobachtete) Ostpolitik, in den USA organisierte der neue amerikanische Sicherheitsberater Henry Kissinger 1972 stattfindende Besuche Nixons in China und der Sowjetunion. Bei dem Besuch in Moskau wurde eine kooperative Krisenbewältigung vereinbart - außerhalb Europas ging die Stellvertreterpolitik aber wie gewohnt weiter: Die Amerikaner lieferten 1972 Waffen an den Iran und stürzten 1973 Salvador Allende in Chile, die Sowjetunion unterstützte den Irak und griff 1975/76 in Angola und 1977 in Äthiopien militärisch ein. Belastet wurde das Verhältnis aber vor allem, als die Sowjetunion 1979 in Afghanistan einmarschierte.
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Die Kraft der Menschenrechte
Im “Korb III” der KSZE-Schlussakte hatten alle Staaten zugesichert, die Menschenrechte und Grundfreiheiten zu beachten, einschließlich der wirksamen Ausübung politischer Rechte und Freiheiten. Dieser zunächst von vielen kaum beachtete Teil entwickelte ein beachtliche Kraft: Bürgerrechtsbewegungen wie das “Komitee zur Verteidigung der Arbeiter” in Polen, die “Charta 77” in der Tschechoslowakei oder die unabhängige Friedensbewegung in der DDR (“Schwerter zu Pflugscharen”) beriefen sich auf diesen Korb III, in der Sowjetunion wurden gar “Helsinki-Gruppen” gegründet. 1980 entstand in Polen mit der “Solidarnosc” die erste freie Gewerkschaft, worauf die Sowjetunion mit der Verhängung des Kriegsrechts reagierte. In Ostdeutschland gab es noch eine andere Bewegung: Diejenigen, die unter Berufung auf Korb III ihre Ausreise betrieben. Die Menschen- und Bürgerrechtsgruppen wie die Ausreisewilligen höhlten das Reich der Sowjetunion von innen aus.
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Iran: Vom Schah zur islamischen Republik
Im Iran hatten 1941 Briten und Sowjets den Schah Reza Pahlavi wegen seiner freundschaftlichen Kontakte zu Hitler abgesetzt und seinen 21-jährigen Sohn Mohammed Reza Pahlavi zum neuen Schah ernannt. Nachdem der nationalistische Premierminister Mohammed Mossadegh 1951 die iranischen Ölfelder verstaatlicht hatte (>> mehr), unterstützten England und die USA einen Putsch gegen ihn. Seither herrschte der Schah mit eiserner Hand, Unterstützung der USA und seines 1957 gegründeten Geheimdienstes Savak. Die vom Schah angestrebte Modernisierung nach westlichem Vorbild scheiterte jedoch, eine fehlerhafte Bodenreform (das verteilte Land war zu klein und nicht fruchtbar genug) ließ die Landbevölkerung in die Städte strömen, vor allem in die Slums von Teheran; eine korrupte Oberschicht und eine galoppierende Inflation machten auch der Mittelschicht das Leben schwer. So bildete sich eine breite Opposition, an dessen Spitze sich der in Frankreich im Exil lebende Rechtsgelehrte (Ajatollah) Ruhollah Chomenei setzte. 1978 wurde das Kriegsrecht in Kraft gesetzt, im Januar 1979 verließ der Schah den Iran und am 1. Februar kehrte Chomenei aus dem Exil zurück. Er trieb die Liberalen und Linken, die die Opposition mitgetragen hatten, in den Untergrund und gründete die “Islamische Republik Iran”, mit der “Herrschaft des führenden Rechtsgelehrten” - Chomenei selber. Durch diese Revolution hatte der Iran die Unterstützung der USA verloren, und das verleitete den Nachbarn Irak unter Saddam Hussein zum Angriff auf den alten Erzfeind. Der Irak setzte auch Chemiewaffen ein (hier sehen manche Landeskenner die Geburtsstunde des iranischen Strebens nach der Atombombe); der Iran antwortete mit “Menschenwellen”, für die auch Kinder in den Krieg geschickt wurden. Der irakisch-iranische Krieg endete nach acht Jahren und einer Millionen Toten mit einem Patt. Chomenei starb 1989, eine neue Verfassung trennte unter seinem Nachfolger Ali Chamenei geistliche und politische Führung. 1997 gewann der gemäßigte Mohammed Chatami die Präsidentenwahl, seine Reformbemühungen wurden aber von konservativen Kräften und den religiösen Führern vereitelt. 2004 kehrten die Konservativen an die Macht zurück, und machten 2005 den ultrakonservativen Bürgermeister Teherans, Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten. International umstritten sind vor allem die Atompläne Irans, der vermutlich mit aller Kraft an der Atombombe arbeitet (>> mehr). Die Präsidentschaftswahlen 2009 waren nach Ansicht der Opposition manipuliert; wochenlange Demonstrationen machten deutlich, dass es im Iran eine starke, “grüne Bewegung” (grün ist die Farbe des Islam, der Hoffnung und war die Farbe der Opposition gegen den Schah) genannte Opposition gegen Ahmadinedschad gibt.
Der Afghanistankrieg und seine Folgen
Mit dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan begann eine neue Runde der Konfrontation. Die Sowjetunion hatte wohl gefürchtet, dass der islamische Widerstand gegen die prosowjetische Regierung in Kabul auf angrenzende Sowjetrepubliken überspringen könnte. Der Sozialismus sollte gewissermaßen am Hindukusch verteidigt werden, aber US-Präsident Jimmy Carter reagierte mit einer massiven Erhöhung der Verteidigungsausgaben und unterstützte heimlich die “heiligen Krieger” (Mudschahidin). 1981 wurde Ronald Reagan US-Präsident, und verstärkte die Unterstützung (er finanzierte auch Osama bin Laden, der Freiwilligentrupps gegen die Kommunisten anwirbt). Es war ein barbarischer Krieg, in dem die Sowjets gezielt ganze Dörfer ausrotteten, dennoch (oder deshalb?) wurde er zum Desaster: Die Sowjetunion zog 1988 sieglos ab, 1 - 1,5 Millionen Menschen waren gestorben, fünf Millionen Menschen geflohen. Der Krieg ging als Bürgerkrieg weiter, bis die Taliban einen islamistischen Gottesstaat errichten konnten; manche islamistische Gruppe wie Osama bin Ladens Al-Qaida sollte bald gegen den Westen kämpfen.
Unterdessen war die Aufrüstung wieder aufgelebt. Der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte schon 1977 eine “Nachrüstung” gefordert, falls die Sowjetunion wie geplant ihre Mittelstreckenraketen SS-4 und SS-5 durch moderne SS-20 ersetzen sollte, und dies beschloss die NATO 1979. 1983 kündigte er ein weltraumgestütztes Raketenabwehrsystem (Strategic Defense Initiative - SDI) an, mit dem die USA sowjetische Raketen bereits in der Startphase zerstören wollten. Im Westen entstand gegen NATO-Beschluss zur “Nachrüstung” und Reagans SDI eine Friedensbewegung (in Bonn demonstrierten am 10. Oktober 1981 über 300.000 Menschen), die mit dem Entstehen der GRÜNEN auch parlamentarischen Einfluss erhielt. Auch in den USA wendete sich die Stimmung in der Öffentlichkeit gegen den kalten Krieg. 1982 war Leonid Breschnew gestorben, und nach zwei schnell verstorbenen Nachfolgern wurde 1985 Michael Gorbatschow Generalsekretär in Moskau. Er hatte versprochen, den auch in der Sowjetunion unpopulären Krieg in Afghanistan zu beenden, und verkündete 1987 Offenheit (“Glasnost”) als neues Prinzip und die Umgestaltung der Sowjetunion (“Perestroika”) als Ziel. Das Wettrüsten betrachtete er dabei als Hindernis, und bot weit reichende Abrüstung an. Nach einigem Zögern und unter dem Druck der Öffentlichkeit ging Reagan darauf ein: Im Oktober 1986 vereinbarten Reagan und Gorbatschow die Beseitigung aller Mittelstreckenwaffen in Europa und die Reduzierung der strategischen Waffen um 50 Prozent. Gorbatschow erklärte auch, jedes sozialistische Land habe die Freiheit, seinen “eigenen Weg” zu gehen. China zeigte auf seine Weise, was es davon hielt, und schoss in der Nacht des 3. Juni 1989 eine Demonstration auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking zusammen; aber in Deutschland wurde am 9. November 1989 die Mauer in Berlin geöffnet, ohne dass ein Schuss fiel. Unterdessen kämpfte Gorbatschow darum, die Sowjetunion zusammenzuhalten. Vergebens: Im August 1991 gab es einen Putschversuch, und wenige Tage später trat er zurück. Im Dezember setze der russische Parlamentspräsident Boris Jelzin gemeinsam mit der Ukraine und Weißrussland den Unionsvertrag außer Kraft - die Sowjetunion war aufgelöst.
Das Ende der Geschichte?
Mit dem Ende des Kalten Krieges sahen manche schon “das Ende der Geschichte” heranziehen (so ein Buchtitel des amerikanischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama), die liberale Demokratie habe endgültig gesiegt. Inzwischen sieht dies kaum noch jemand so. Spätestens seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001, als Terroristen von Al-Qaida entführte Flugzeuge auf das Verteidigungsministerium und zivile Ziele in den USA richteten, steigen die Militärausgaben weltweit wieder (zwischen 2001 und 2006 um real 30 Prozent). Dabei geht es oft nicht um Terrorbekämpfung
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Der Afghanistankrieg, Teil II
Als Strafaktion gegen al-Qaida und die Taliban in Afghanistan, die den Drahtzieher Osama bin Laden beherbergen sollten, begann die Nato-Invasion Afghanistans nach dem Terroranschlag in New York. Der im “Petersberger Abkommen” Ende 2001 vereinbarte Stufenplan zur Demokratisierung des Landes ist jedoch aufgrund der durch Rivalitäten zwischen Völkern und Stämmen nach zwischenzeitlicher Besserung wieder schlechteren Sicherheitslage bisher nicht umsetzbar; nach Ansicht von Landeskennern hält der Westen auch deshalb an Präsidenten Hamid Karzai und seiner Vetternwirtschaft fest, weil er Afghanistan in Wirklichkeit vor allem für Militärbasen (Nachbarland Iran ...) und für Pipeline-Routen vom Kaspischen Meer (und nicht aus dem Iran ...) nach Pakistan und Indien braucht; Afghanistan besitzt zudem reiche Rohstoff- und Wasservorkommen, an denen auch China und Russland interessiert sind. Al-Qaida-Hauptquartier ist jedenfalls längs Pakistan, und das Land ist bevorzugter Nato-Partner.
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(siehe Kasten oben), sowohl in Russland wie in den USA sind einerseits als Folge des Kalten Krieges jede Menge Unternehmen und Institutionen entstanden, die von der Rüstung leben und die jetzt auf den Erhalt vermeintlicher Überlegenheit drängen; andererseits entstanden etwa mit dem Streben Nordkoreas oder des Irans nach der Atombombe ganz neue Herausforderungen. Und sowohl Russland als auch China ließen eine kapitalistische Marktöffnung zu, deren langfristige Folgen sich erst noch zeigen werden. Eine heute überall spürbare Auswirkung hat der Kalte Krieg auf die ganze Welt gehabt: Den Siegeszug des Internets (>> mehr).
Das Internet spiegelt eine zunehmende Vernetzung der Welt durch Datenströme wieder; gleichzeitig wurde die “bipolare” Weltordnung des Kalten Krieges - hier die USA und ihre Verbündeten, dort die UdSSR und der Sowjetblock - durch eine “multipolare” Weltordnung abgelöst, in der Staaten wie China oder Wirtschaftsräume wie der asiatische Pazifikraum, aber auch internationale Organisationen und Vereinbarungen eine zunehmende Rolle spielen. In der Wirtschaft half das Internet (und niedrige Transportkosten), wahrhaft “transnationale” Unternehmen entstehen zu lassen - auch deutsche Unternehmen lassen ihre Buchhaltung längst in Indien erledigen. Obwohl der Anteil des internationalen Handels auch in anderen geschichtlichen Phasen schon sehr hoch war, ist durch diese Verknüpfungen die Globalisierung wieder zum Thema geworden. Manche Staaten, etwa die asiatischen Tigerstaaten (>> mehr) profitierten besonders von der durch das Internet ermöglichten weltweiten, gleichzeitigen Verfügbarkeit von Informationen; andere, etwa Afrika südlich der Sahara, werden im Vergleich immer ärmer. Arme Länder werden in der globalisierten Welt oft nur als Rohstofflieferant angesehen, wodurch sich etwa die Umweltverschmutzung durch Minen dort konzentriert (während die reichen Länder stolz darauf sind, wie “sauber” sie geworden sind).
Das Internet ermöglichte auch die Ausweitung der internationalen Finanzmärkte, die in manchen Ländern wie England bis zu 40 Prozent der Wirtschaftsleistung erbrachten , was sich in der gegenwärtigen Krise als enorme “Wirtschaftsblase” herausstellt - keine neue Entwicklung, ähnliche Blasen habe zahlreiche Innovationen, vom Eisenbahnbau bis zum Internet, begleitet. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise zeigt aber auch, wie schnell durch die globale Verknüpfung weltweite Krisen entstehen können; der Klimawandel (>> mehr) zeigt, dass dies längst auch bei der Umweltverschmutzung der Fall ist (siehe auch Kasten).
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Husten durch Kaschmir
Kaschmirwolle ist eine der wertvollsten Naturfasern - trotzdem ist Kleidung aus Kaschmir (oder “Cashmere”) in den letzten Jahren immer preiswerter geworden. Ein großer Teil der Wolle stammt heute aus China, wo im Zuge von Maos “Besiedelung des Westen” im Alashan-Plateau an der Grenze zur Mongolei riesige Herden der Kaschmirziege angesiedelt wurden. Die einst nomadischen Hirten wurden zu Sesshaftigkeit gezwungen - und das Land derart überweidet, dass hier heute immer wieder Sandstürme entstehen, die nicht nur China betreffen, sondern auch Korea, Japan und sogar die USA erreichen.
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Und der erleichterte Transport lässt sich nicht auf Waren beschränken; in Zeiten des Fernsehens und des Internets werden immer mehr Menschen die enormen Unterschiede im Lebensstandard deutlich; es gibt längst einen florierenden Menschenschmuggel und -handel (auch das Verbrechen ist globalisiert) von den armen in die reichen Länder, und es gibt globale Terrornetzwerke. Bereits 1987 stellt die von den Vereinten Nationen eingesetzte Brundtland-Kommission fest: Die wirtschaftliche Entwicklung der armen Länder kommt nicht voran, da immer mehr Menschen in Armut leben, gleichzeitig verschlechtert sich der Zustand der Umwelt. Das Internet hat hieran nichts geändert: Länder, die nicht über ausreichende Voraussetzungen - von zuverlässiger Stromversorgung über Breitbandverbindungen bis zu den notwendigen Kenntnissen - verfügten, wurden noch weiter abgehängt (die berühmte “digitale Kluft”). Die Brundtland-Kommission prägte als Antwort auf diese Probleme den Begriff von der nachhaltigen Entwicklung: "Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können." Der Weg bis dahin ist noch weit, insofern scheint ein “Ende der Geschichte” nicht in Sicht.
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© Jürgen Paeger 2006 - 2010
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