- biologische Vielfalt und Lebensräume eine Vorsorge für unvorhergesehene Anforderungen in der Zukunft darstellen, die die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit natürlicher Ökosysteme erhöhen (siehe auch >> hier)
- biologische Vielfalt ein Wert an sich ist: Nicht nur Menschen haben ein Recht, auf der Erde zu leben, sondern auch alle anderen Arten - selbst wenn wir ihren Wert nicht kennen.
Bei der Auswertung der Szenarien zeigte sich, dass analog zur Erfahrung der Stadt New York der vorbeugende Schutz von Ökosystemen effektiver ist als die Reaktion auf bereits aufgetretene Probleme. Die beiden untersuchten proaktiven Szenarien unterschieden sich kaum in den Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, aber auf andere Bereiche: Das Szenario “TechnoGarden”, das auf das regionale Management von Ökosystemen in der Größe von Wassereinzugsgebieten durch Fachleute setzte, erreichte höheren materiellen Wohlstand auf Kosten sozialer Beziehungen (und daraus folgend etwas weniger Sicherheit); das Szenario “Adapting Mosaic”, das auf die Schulung und Einbindung der örtlichen Bevölkerung setzte, erreichte weniger materiellen Wohlstand, aber gute soziale Beziehungen:
Auswirkungen verschiedener Szenarien zum Schutz von Ökosystemen auf die Gesellschaft: Je weiter außen die Linie in dem Bewertungsrahmen liegt, desto positiver die Auswirkung. Deutlich wird, dass das Szenario “Adapting Mosaic” (siehe Text oben) bessere soziale Beziehungen hervorbringt, das Szenario “TechnoGarden” dagegen mehr materiellen Wohlstand. Abbildung aus Millennium Ecosystem Assessment: Biodiversity Synthesis, eigene Übersetzung
Welches Szenario also “besser” ist, hängt von unseren gesellschaftlichen Vorstellungen von zukünftigem Wohlstand ab (>> Eine neue Definition von Reichtum und Lebensqualität).
Die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen dauerhaft sichern
Die klassische - und weiterhin unverzichtbare - Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt, ist der Schutz gefährdeter Arten in Schutzgebieten. Insbesondere große, bekannte Arten wie Tiger und Panda übernahmen dabei die Funktion von “Paten” für gefährdete Lebensräume, in denen auch andere Arten überleben können.
Verbesserung und Ausweitung des Systems von Schutzgebieten
Ohne Gebiete, in denen der Schutz von Lebensräumen und Arten Vorrang vor allen anderen möglichen Nutzungen hat, wird es zumindest solange nicht gehen, bis wir flächendeckend eine naturverträgliche Wirtschafts- und Lebensweise entwickelt haben. Heute sind etwa 10 Prozent der Landfläche als Schutzgebiete ausgewiesen - trotz großer Anstrengungen sind aber viel dieser Schutzgebiete das Papier kaum wert, auf dem sie ausgewiesen sind. Indonesien etwa besitzt die weltweit zweitgrößten geschützten Waldgebiete, in denen große Holzkonzerne trotzdem kräftig abholzen - Indonesien gehört auch zu den weltweit korruptesten Ländern. Die Schutzgebiete müssen soweit gestärkt werden, dass sie ihrer Aufgabe - Lebensräume und Arten zu schützen - auch tatsächlich nachkommen können. Dies schließt eine Nutzung durch den Menschen nicht aus, solange diese den Schutzzweck nicht gefährdet (nebenbei: gerade dadurch können die Schutzgebiete zu Räumen werden, in denen Modelle wirklich zukunftsfähigen Wirtschaftens und Lebens erprobt werden).
Die bestehenden Schutzgebiete reichen jedoch selbst bei bestem Schutz nicht aus, die wichtigsten Lebensräume und die heutige biologische Vielfalt zu erhalten. Eine Ausweitung der Schutzgebiete ist daher erforderlich. Am wichtigsten ist dabei:
- Der Schutz der verbliebenen Großlandschaften, die bisher vom Menschen noch nicht flächendeckend zerstört wurden. Nach Angaben der Naturschutzorganisation Conservation International sind dies:
- das Amazonas-Gebiet
- der Kongo-Regenwald in Zentralafrika
- Neuguinea
- die nordamerikanischen Wüsten (im Südwesten der USA und Nordmexiko)
- die Miombo-Mopane-Wälder und Savannen Südafrikas.
- Die globalen hotspots der Artenvielfalt (>> mehr), jene Gebiete mit hoher Artenvielfalt, in denen die natürliche Vegetation bereits erheblich reduziert wurde: Wenn die Vernichtung von Lebensräumen hier nicht gebremst wird, trägt die Zerstörung dieser Gebiete in besonderem Umfang zum Verlust an Biodiversität bei.
Das Konzept der “hotspots” geht auf die Naturschutzorganisation Conservation International (CI) zurück. Daneben gibt es andere Konzepte: Die Organisation Wildlife Conservation Society (WCS, www.wcs.org), deren Schwerpunkt der Tierschutz ist, schlägt 568 der ursprünglichsten Naturregionen als Schwerpunkt vor, während der World Wide Fund for Nature (WWF, ) eine Initiative “Global 200” initiiert hat, die 238 Ökoregionen aufführt (Weblink am Ende dieser Seite).
 Die Hotspots der Artenvielfalt nach Angaben von Conservation International. Eigene Abbildung.
- Schutz der Urwälder und alter Waldbestände auch außerhalb der artenreichen Tropen und der hotspots
- Schutz der Seen, Flüsse und anderer Feuchtgebiete: Diese sind auch außerhalb der hotspots oft besonders artenreich und spielen eine wichtige Rolle im >> Wasserkreislauf der Erde.
- Schutz der Korallenriffe als der artenreichsten und am stärksten gefährdeten Meeresökosysteme
Wie groß Schutzgebiete sein müssen und wie groß der Anteil geschützter Fläche insgesamt sein sollte, um eine wirkungsvollen Schutz der Ökosysteme und ihrer Arten sicherstellen zu können, ist von Region zu Region unterschiedlich. Neben der Ausweitung von Schutzgebieten kommt es auch darauf an, die bestehenden Schutzgebiete durch Korridore naturnaher Gebiete miteinander zu verbinden: Nur so ist sichergestellt, dass diese nicht zu “Inseln” in einer lebensfeindlichen Umwelt werden, sondern das Lebewesen zu- und abwandern können und auf diese Weise von Zeit zu Zeit eine genetische “Auffrischung” stattfindet. Ihre Bedeutung nimmt durch den Klimawandel noch zu: Nur durch Korridore können Tiere und Pflanzen gegebenenfalls in andere Lebensräume “ausweichen”.
Naturschutz muss sich lohnen
Der Schutz dieser Ökosysteme trifft insbesondere in tropischen Ländern auf politischen Widerstand: Warum, so fragen sich dort viele, wollen die Industrieländer, die ihre natürlichen Lebensräume weitgehend vernichtet haben und damit reich geworden sind, nun ausgerechnet bei uns die Natur schützen? Viele dieser Staaten sehen etwa ihren Wald denn auch eher als Einkommensquelle und nicht als künftiges Naturschutzgebiet. Oft werden die Wälder aber auch von armen Menschen gerodet, die Acker- oder Weideland zum Überleben brauchen. Die Schutzstrategien für die Ökosysteme muss daher einen Gegenwert für die Menschen einschließen, die nahe am Wald leben - sei es, dass sie auf traditionelle Weise Nahrung und Arzneipflanzen nutzten und auch verkaufen dürfen, sei es, dass sie als bezahlte Naturführer arbeiten können oder ihnen Eintrittsgelder aus Schutzgebieten zukommen. Aus diesem Grund müssen die Schutzstrategien unbedingt gemeinsam mit Fachkräften vor Ort erarbeitet werden, die mit den politischen, religiösen und kulturellen Bedingungen vor Ort vertraut sind.
Aber auch die Industrieländer können einiges tun, um armen Ländern etwa den Erhalt von Wäldern zu erleichtern: Wälder stellen Senken für das Treibhausgas Kohlendioxid dar; die Rodung setzt dieses Treibhausgas frei. Wenn Entwicklungsländer in den Handel mit Lizenzen für Kohlendioxid-Emissionen einbezogen würden, gäbe dieses Anreize für die Erhaltung der Wälder. Ein anderer Ansatz ist die Förderung des Ökotourismus: Gerade Regionen mit hoher Artenvielfalt wie Tropenwälder, Korallenriffe oder Feuchtgebiete sind oft auch als Reiseziele interessant.
Ökosysteme, Wirtschaft und Lebensweise
Ökosystemare Dienstleistungen werden aber nicht nur in Schutzgebieten gebraucht: Es reicht also nicht aus, dort bedrohte Arten zu schützen - vielmehr muss die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen auch außerhalb von Schutzgebieten erhalten werden. Eine besondere Rolle spielen dabei wegen ihres hohen Anteils an der Flächennutzung Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei. Aber auch darüber hinaus tragen zukunftsfähige Wirtschafts- und Konsumweisen auch zum Erhalt der Ökosysteme und Artenvielfalt bei.
Die Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem auf die Ertragssteigerung mit wenigen besonders ertragreichen Sorten gesetzt (>> Industrielle Landwirtschaft). Diese Strategie hat den Vorteil, dass damit die Nutzung von natürlichen Ökosystemen beschränkt wird. Andererseits hat sie aber zu einer Abnahme der Vielfalt sowohl bei Nutz- wie bei Wildpflanzen geführt. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft (siehe >> hier) setzt auf eine größere Vielfalt von Nutzpflanzen und reduziert den Dünger- und Chemikalieneinsatz; beides ein Beitrag zur biologischen Vielfalt auch der Wildpflanzen. Dieser positive Beitrag kann durch gezielte Programme zum Artenschutz (etwa dem Schutz der artenreichen Ackerrandstreifen) weiter verstärkt werden.
Ebenso stellt eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder insbesondere in den Tropen eine Chance für die Artenvielfalt dar, zumal eine vielfältige Nutzung von Nahrungsmitteln und Arzneipflanzen oftmals der lokalen Bevölkerung höhere und dauerhaftere Einnahmen verschafft als eine Rodung. In den Weltmeeren ist die Fischerei verantwortlich für einen großen Teil der Abnahme der biologischen Vielfalt, und diese Überfischung ist nur mit öffentlichen Subventionen überhaupt lohnend. Zugleich führen diese dazu, dass die Küstenfischerei, ein wichtige Nahrungsquelle in armen Ländern, immer schwieriger wird. Diese Subventionen sind ein Musterbeispiel für Subventionen, die mit Gewinn eingespart werden können.
Nachhaltige Wirtschafts- und Konsumweisen tragen das ihre zum Erhalt der Artenvielfalt bei: Eine langsamer wachsende (und in ferner Zukunft gar wieder zurückgehende) Weltbevölkerung lindert den Druck auf Flächenumwandlung, um Nahrungsmittel anzubauen und Rohstoffe zu gewinnen; eine wesentlich rohstoffeffizienter Wirtschaft reduziert ebenfalls die Vernichtung natürlicher Lebensräume durch den Abbau von Rohstoffen. Ein sorgsamer Umgang mit Wasser vermindert den Druck auf Flüsse, Seen und Feuchtgebiete durch Wasserentnahme und Wasserverschmutzung, ein sparsamer Umgang mit Energie und der Ersatz fossiler durch erneuerbarer Energien mindert den Klimawandel (siehe Kasten).
Webtipp: Strategien zur wirtschaftlichen Anerkennung ökosystemarer Dienstleistungen entwickelt das >> Natural Capital Project von Universität Stanford, WWF und Nature Conservancy
Empfehlenswerte Websites
>> WWF Deutschland: Webseite der deutschen Sektion des World Wide Fund for Nature, eine der größten Naturschutzorganisationen
>> Der NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) ist eine wichtige, aus dem Bund für Vogelschutz hervorgegangene deutsche Naturschutzorganisation
>> Green Facts on Biodiversity: Übersichtliche Zusammenfassung des Millennium Ecosystem Assessment (siehe unten), der auch Strategien zum Schutz der Ökosysteme umfasst (englischsprachig)
>> Millennium Ecosystem Assessmant: Alle Materialien der bisher größten internationalen Studie über die globalen Ökosysteme als Lebensgrundlage für den Menschen zum Download (englischsprachig)
>> Conservation International: Webseite einer großen amerikanischen Naturschutzorganisation (englischsprachig)
>> Biodiversity Hotspots: Webseite der internationalen Naturschutzorganisation Conservation International zu den Hotspots zum Schutz der biologischen Vielfalt (englischsprachig)
>> Global 200 Ecoregions: Webseite des WWF und der National Geographic Society, die diese Regionen im Detail darstellen (englischsprachig).
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