Strategien für die Zukunft

Wie können wir den Klimawandel beenden?

Auf dieser Seite erfahren Sie, ab wann die Folgen des Klimawandels unkalkulierbar werden, was dieses für unseren Ausstoß an Treibhausgasen bedeutet; wer die Verantwortung für den Klimawandel jetzt und in Zukunft trägt und darum handeln muss; was der Klimaschutz kostet und was unser Handeln für Folgen haben wird: eine zweite Industrielle Revolution.

Was bedeutet ein Ziel von 2 Grad Celsius?
Die Mathematik des Klimawandels

Das Ziel, der Erderwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten, wurde im Dezember 2009 in die - rechtlich allerdings nicht bindende - “Kopenhagener Vereinbarung” aufgenommen (>> hier). Damit wurde das Ziel der Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro (>> hier), einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern, erstmals weltweit mit einer Zahl konkretisiert.

Ist eine Erwärmung um 2 Grad nicht “gefährlich”?

Auch wenn eine Temperaturerhöhung um zwei Grad Celsius als Ziel der Klimapolitik genannt wird, bedeutet dies nicht, dass dann keine Folgen des Klimawandels zu beklagen wären - im Gegenteil: Diese treten schon heute auf (siehe >> hier). Eine Erwärmung um zwei Grad würde nach heutigem Wissen unter anderem bedeuten, dass 10 Millionen Menschen zusätzlich von Fluten an den Küsten betroffen wären; dass die Atolle und Inselstaaten im Indischen und Pazifischen Ozean akut bedroht wären; zahlreiche Korallenriffe abstürben; im Mittelmeerraum und im südlichen Afrika 20 bis 30 Prozent weniger Wasser verfügbar wäre und die Ernten in tropischen Regionen um 10 bis 20 Prozent zurückgehen würden (siehe >> Der Klimawandel - Womit wir in Zukunft rechnen müssen). Die Bewältigung dieser Folgen wird schon erhebliche Anstrengungen erfordern und viel Geld kosten (>> hier). Die Allianz kleiner Inselstaaten (>> AOSIS), die durch den Klimawandel ihre Existenz gefährdet sieht, fordert daher auch eine Begrenzung des Klimawandels auf 1,5 Grad Celsius.

Andererseits ist bereits heute eine Temperaturerhöhung um etwa 1,4 °C unausweichlich, da sie aus den bereits freigesetzten Treibhausgasen folgen wird (>> hier). Die Forderung der Inselstaaten gilt daher gemeinhin als unrealistisch, da sie praktisch einen sofortigen Stopp der Emissionen bedeuten würde. Andere treten aber für noch ambitioniertere Ziele ein: Die vom amerkanischen Umweltjournalisten Bill McKibben initiierte Initiative 350.org setzt sich dafür ein, durch aktive Maßnahmen der Kohlenstoffspeicherung etwa in Böden und durch die Forstwirtschaft (>> hier) die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre wieder auf 350 ppm zu senken. Mehr: >> www.350.org. Das wichtigste Argument für das 2-Grad-Ziel ist, dass jenseits Rückkoppelungen eintreten können, die zu unvorhersehbaren Folgen führen (>> hier) - und in letzter Konsequenz den Bestand der Zivilisationen, so wir ihn heute kennen, gefährden. Ob wir diese Folgen noch bewältigen könnten, weiß niemand. Die 2 Grad Celsius sind also bereits ein Kompromiß: Es würde nach Ansicht der meisten Wissenschaftler helfen, wenigsten die katastrophalen Folgen für große Teile der Welt zu vermeiden.

Das 2-Grad-Ziel bedeutet, dass die Konzentration der Treibhausgase nicht über 440/450 ppm Kohlendioxid-Äquivalent steigen darf; und die Emissionen um über 60 Prozent gesenkt werden müssen; oder aber dass insgesamt nicht mehr als 750 Milliarden Tonnen emittiert werden dürfen (siehe Kasten).

Wie viel Treibhausgase dürfen wir noch produzieren?

Durch energiebedingte Emissione werden zur Zeit im Jahr gut 26,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben (>> hier), das entspricht etwa 7,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (1 Tonne Kohlenstoff entsprechen 3,667 Tonnen Kohlendioxid). Die natürlichen Ökosysteme können netto etwa 11,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aufnehmen, so dass netto etwa 15 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in der Atmosphäre verbleiben - dadurch erhöht sich die Konzentration in der Atmosphäre von zur Zeit 385 ppm um 2 ppm pro Jahr. Die kritische Grenze von 400 ppm würde bei gleich bleibenden -> Emissionen also bereits im Jahr 2016 erreicht.

Spätestens dann dürfte nur noch so viel Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe abgegeben werden, wie die Ökosysteme aufnehmen können. Also 11,5 Milliarden Tonnen, ein Rückgang auf gut 43 Prozent des aktuellen Werts? Leider reicht das nicht, denn bei steigenden Temperaturen nehmen die natürlichen Ökosysteme weniger Kohlenstoff auf als heute; bei einer Erwärmung um 2 °C wohl nur noch 10 Milliarden Tonnen Kohlendioxid*. Das bedeutet, dass wir statt heute 26,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in Zukunft nur noch diese 10 Milliarden Tonen im Jahr freisetzen dürften, global ein Rückgang um über 60 Prozent. Auch dieser Wert könnte langfristig noch zu hoch sein, da der Klimawandel heute durch Aerosole in der Luft verlangsamt wird (>> hier), diese aber gesundheitliche Folgen haben (>> hier) und daher ebenfalls verringert werden müssen - zum Ausgleich ihres Einflusses muss die Kohlendioxid-Konzentration auch nach 2050 weiter verringert werden.

Nun würde die Entwicklung natürlich nicht so verlaufen, dass wir sieben Jahre gleich bleibende Emissionen hätten, und dann den Rückgang von einem Jahr auf das nächste bewältigen würden. Wie die folgende Abbildung zeigt, wäre für die insgesamt freigesetzte Menge an Kohlendioxid auch bedeutend, wie der Rückgang verliefe: Bei einem schnellen Beginn (Abb. a) würde insgesamt viel weniger Kohlendioxid freigesetzt als bei weiterem Zögern (Abb. b). In dem Fall würden wir die kritische Konzentrationsgrenze erst einmal überschreiten und müssten dies später mit noch drastischeren Verringerungen wieder ausgleichen.

Reduktion der Kohlendioxidemissionen: Zwei Szenarien

Die insgesamt freigesetze Menge unterscheidet sich deutlich, ja nachdem, ob schnell
einschneidende Maßnahmen ergriffen werden (Kurve a) oder das Handeln weiter hinausgezögert
wird (Kurve b). Abb. nach Monbiot: Heat, Seite 18.
 

Wann wir die kritische Menge an Kohlendioxid in der Atmosphäre erreichen, hängt aber in erster Linie von der Gesamtmenge ab, die freigesetzt wird. In einer kürzlich in der Zeitschrift nature veröffentlichten Studie (nature 458: Seite 1158-1162), zeigen Malte Meinshausen und seine Mitautoren, dass die Gesamtemissionen für den Zeitraum von 2000 bis 2050 etwa 1000 Milliarden Tonnen Kohlendioxid betragen dürften, wenn die 2-Grad-Grenze eingehalten werden soll. Davon dürften heute bereits gut 250 Milliarden Tonnen emittiert sein (siehe oben), es blieben etwa 750 Milliarden Tonnen. Wann diese Menge erreicht wird, hängt (siehe oben) davon ab, wie schnell eine Trendwende erreicht wird:

Kohlendioxid-Emissionen 2010 bis 2050, bei der die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt bliebe
Möglicher Verlauf der Kohlendioxid-Emissionen 2010 bis 2050, bei denen
weltweit insgesamt 750 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen würden
und die Erderwärmung auf 2 Grad beschränkt bliebe. Je später die Wende
beginnt, desto stärker muss später reduziert werden - und desto unwahrscheinlicher
wird die Einhaltung der 2-Grad-Grenze. Abb. aus >>
WBGU Sondergutachten 2009.

Damit sind die Überlegungen aber noch nicht beendet: Bisher haben wir nur die globalen Emissionen insgesamt betrachtet. Diese sind aber weltweit sehr ungleich verteilt, siehe >> unten. Daraus folgen für die reichen Industrieländer weiter gehende Einschränkungen, siehe >> Wie viel Treibhausgase sind pro Kopf erlaubt?

* Auf dem G-8-Gipfel 2009 erklärten die Industriestaaten, der globale Ausstoß müsse bis 2050 gegenüber 1990 halbiert werden: Dies wäre ein Zielwert von 10,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.

Wer muss handeln?

Global muss die Kehrtwende beim Ausstoß an Kohlendioxid also möglichst bald beginnen, und bis 2050 muss der Ausstoß mindestens um über 60 Prozent zurückgehen, um katastrophale Folgen des Klimawandels zu vermeiden. Aber weder Ursachen noch Folgen des Klimawandels sind gleichmäßig über die Welt verteilt: Für den Klimawandel zahlen diejeninigen am meisten, die am wenigsten dazu beigetragen haben (>> Die Folgen des Klimawandels). Das tief liegende Bangladesh etwa leidet besonders unter dem ansteigenden Meeresspiegel; aber ein durchschnittlicher Bewohner von Bangladesh produziert 240 Kilogramm Kohlendioxid im Jahr, ein Deutscher 9.600 Kilogramm. Die alten Industrieländer sind ohne Frage die Verursacher des heute stattfindenden Klimawandels (siehe im Detail >> hier) - aber heute ist China der weltgrößte Verursacher von Kohlendioxid-Emissionen. Diese Situation nutzen beide Seiten, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben - und selber zu wenig zu tun. Eine gerechte Lösung muss sowohl die historische Verantwortung der “alten” Industrieländer als auch die schnell wachsenden Emissionen von Schwellenländern und künftig auch vieler heutigen Entwicklungsländer gerecht werden. Auch haben die Industrieländer die Verantwortung, das Modell für die aufstrebenden Staaten zu liefern: Wie sollen diese vom Klimaschutz überzeugt werden, wenn die bisherigen Hauptverursacher nicht selbst ausreichend handeln?

Die “Besitzstandswahrung” der Industrieländer wird scheitern, schon weil sich Schwellenländer wie China und Indien kaum bereit erklären werden, zu unseren Gunsten auf ihr Wirtschaftswachstum zu verzichten. Nur die Aussicht, dass in Zukunft jeder Mensch das gleiche Recht auf Emissionen hat, wird wohl gemeinsames Handeln ermöglichen - wir werden uns damit abfinden müssen, die Kohlendioxid-Emissionen mit allen anderen teilen zu müssen. Dieses Ziel wird etwa von Angela Merkel und dem WBGU geteilt. Der WBGU schlägt in seinem “Budgetansatz” aus dem Jahr 2009 (>> hier) vor, ein demographisches Referenzjahr für die Bevölkerungszahl zu vereinbaren (etwa 2010), um keine Anreize für weiteres Bevölkerungswachstum zu schaffen - auf dieser Basis sollen dann künftige Emissionsrechte festgelegt werden.

Wie viel Treibhausgase sind pro Kopf erlaubt?
(in einer gerechten Welt)

Ausgehend von einer maximalen jährlichen Abgabe von 10 Milliarden Tonnen Kohlendioxid und einer im Jahr 2050 zu erwartenden Weltbevölkerung von 9,1 Milliarden Menschen (>> hier) bleiben knapp 1,1 Tonnen pro Kopf. Für das Industrieland Deutschland mit heute 9.600 kg pro Kopf heißt dieses: Wir müssen unsere Emissionen bis 2050 um fast 90 Prozent reduzieren. Dieses kann zum Teil dadurch geschehen, dass die reichen Länder die notwendigen Maßnahmen (entsprechend der drei unten genannten Strategien) in Entwicklungs- und Schwellenländern bezahlen; ein Ansatz, der im englischen Sprachraum als “Contraction and Convergence” bekannt ist.

Aus dem globalen Emissionsbudget und der Referenz-Bevölkerungszahl würden nach den Vorstellungen des WBGU verbindliche nationale Emissionsbudgets erstellt werden. Mit entsprechenden “Fahrplänen” müsste den Staaten dann zeigen, wie sie ihr Emissionsbudget einhalten wollen. So können nationale Eigenverantwortung und Rechenschaftspflicht gegenüber der Weltgemeinschaft miteinander verbunden werden. Das Emissionsbudget der einzelnen Länder könnte (Option I des WBGU) bereits die Emissionen seit 1990 berücksichtigen, um die historische Verantwortung der Industrieländer miteinzubeziehen: Bei einem auf die Bevölkerungszahl bezogenem Verteilungsschlüssel hätte etwa Deutschland seine Emissionsrechte bis 2050 schon aufgebraucht, die Amerikaner hätten bereits mehr als als das Doppelte emittiert. Andere Länder, etwa China und Indien hätten jedoch große “Guthaben” - und könnten diese an die Industrieländer verkaufen, und mit den Einnahmen eigene Maßnahmen zur Emissionsminderung bezahlen.

Der WBGU glaubt jedoch nicht, dass diese Option in den Industriestaaten politisch durchsetzbar wäre, seine Option II ist eine Gleichbehandlung aller Menschen ab dem Startjahr des Vertrages, im besten Fall also ab 2010. Für den Zeitraum 2010 bis 2050 stünden jedem Menschen im Durchschnitt 2,7 Tonnen zur Verfügung, am Ende des Zeitraums müsste der Wert von 1,1 Tonnen/Kopf (siehe oben, der WBGU nennt 1 Tonne/Kopf) erreicht sein. Auch in diesem Fall würde das Emissionsbudget der Industriestaaten kein “weiter so” erlauben (siehe folgende Abbildung); und um die Trendwende nicht hinauszuzögern, schlägt der WBGU auch die Festlegung von Zwischenzielen für das Jahr 2020 vor. Die historische Verantwortung müsste jedoch separat über Finanztransfers für Anpassungsmaßnahmen ausgeglichen werden (>> hier).


Geschätzte Emissionen an Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen im Jahr 2008 und mittleres
Jahresbudget nach WBGU Option II (siehe Text). Abb. aus >>
WBGU Sondergutachten 2009.

Erkennbar ist: Die Länder, die heute pro Kopf viel Kohlendioxid produzieren (Ländergruppe 1, Staaten wie die USA, Deutschland oder Japan), werden ihre Emissionen sehr stark reduzieren müssen - was oben schon deutlich wurde; aber auch die Schwellenländer mit mittlerem Pro-Kopf-Verbrauch (Ländergruppe 2; besonders relevant: China, Staaten wie Argentinien, Chile und Mexiko) würden nach diesem Modell ihre Politik ändern müssen. Die Länder mit heute niedrigen Kohlendioxid-Emissionen (Ländergruppe 3, besonders relevant: Indien) hätten dagegen ein Pfand in der Hand: Sie könnten Emissionsrechte an die Länder der ersten beiden Gruppen verkaufen und damit sowie mit Technologietransfers ihre Entwicklung auf einer klimaverträglichen Grundlage beschleunigen und finanzieren. Der Charme dieser Lösung: Die Industrie- und Schwellenländer hätten ein eigenes Interesse daran, Ländern wie Indien, Bangladesch, Pakistan oder Äthiopien dabei zu helfen, denn nur so blieben ausreichend Emissionsrechte über, mit denen der drastische Emissionsrückgang bei den heutigen Klimasündern abgefedert werden könnte. Auch hätten die Industrieländer ein Interesse an Technologiepartnerschaften mit Schwellenländern wie China, damit diese nicht als Konkurrenten auf dem Markt für Emissionsrechte werden.

Mögliche Kohlendioxid-Emissionsverläufe verschiedener Ländergruppen mit und ohne Emissionshandel
Emissionsverlauf von Ländern der Ländergruppen 1, 2 und 3 (siehe Text) mit und ohne
Emissionshandel. Abb. aus >>
WBGU Sondergutachten 2009.

Ohne einen Ausgleich zwischen den Ländern müssten etwa die USA ihre Emissionen innerhalb von 10 Jahren auf 0 herunterfahren, eine unrealistische Erwartung. Der Ausgleich von Emissionsrechten im Rahmen eines globalen Kohlendioxid-Emissionshandelssystems würde Ihnen erlauben, trotzdem ihren Beitrag zu leisten, indem sie Klimaschutzmaßnahmen in solchen Ländern bezahlen, die ihre Rechte so nicht ausschöpfen müssen und übertragen könnten. Um den Ausgleich von Emissionsrechten zu organisieren und die jeweiligen nationalen “Fahrpläne” auf Plausibilität und Umsetzbarkeit prüfen zu können, schlägt der WBGU eine “Weltklimabank” vor (>> mehr). Diese könnte auch einen Fonds für Anpassungsmaßnahmen verwalten und Kredite für Klimaschutzmaßnahmen vergeben. Ergänzend zu den Regelungen für fossile Brennstoffe müssten nach den Vorstellungen des WBGU Regelungen in Bezug auf Landnutzungsänderungen getroffen werden.

Der Budgetansatz des WBGU könnte eine Weg aufzeigen, um aus den gegenseitigen Schuldzuweisungen auszubrechen. Technisch ist die notwendige Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes machbar; sie erfordert vor allem drei Strategien:

  • Massive Effizienzsteigerungen quer durch die Kette der Energieerzeugung, -verteilung und -nutzung
  • Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien
  • Geologische Kohlenstoffspeicherung

Informationen hierzu finden Sie unter >> Strategien gegen den Klimawandel

Andere Treibhausgase

Mit Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen sind 60 Prozent der Klimawirkung erfasst, für Kohlendioxid-Emissionen aus Entwaldung schlägt der WBGU eine eigene, unabhängige Regelung vor, da sich viele Voraussetzungen (Messbarkeit, Kontrollierbarkeit stark von denen aus fossilen Brennstoffen unterscheiden (>> mehr). Methan und Lachgas könnten im Budgetansatz mit untergebracht werden, und für die fluorierten Treibhausgase (>> mehr) schlägt der WBGU eine eigene Regelung nach dem Vorbild des Montreal-Protokolls zum Schutz der Ozonschicht (>> hier) vor. Dagegen schlägt der WBGU vor, künftig auch die bisher im Kioto-Protokoll nicht berücksichtigten Treibhausgase Ruß und troposphärisches Ozon einzubeziehen. Da diese kurzlebig sind, lässt sich durch Emissionsminderungen hier eine schnelle (wenn auch einmalige) Entlastung erzielen.

Was kostet die Zukunft?

Mit den Kosten dieser Strategien beschäftigen sich Energiesystem-Ökonomie-Modelle, die die Auswirkungen des Umbaus des Energiesystems auf die Volkswirtschaft untersuchen. Eine aktuelle Untersuchung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zeigt, dass die Kosten bei einem halben Prozent des globalen Bruttosozialprodukts liegen: Bis zum Zieljahr 2050 würde das Wirtschaftswachstum um gut zwei Monate verzögert. Diesen Kosten stehen im Falle des Nichthandelns die Schadenskosten gegenüber: Diese liegen rund zwanzigmal so hoch! (Wobei bei den Schadensberechnungen die Unsicherheiten, aber auch die grundsätzlichen Probleme besonders hoch sind: Welchen Wert nimmt man für ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten an - oder gar für ein Menschenleben? (Siehe hierzu auch den >> Kommentar zum Stern-Report.) Ein Teil dieser Anpassungskosten ist aber sowieso fällig, denn auch eine Erwärmung um die für akzeptabel gehaltenen 2 Grad verursacht Schäden (>> mehr), die bezahlt werden müssen - nicht umsonst interessieren sich beispielsweise die Rückversicherer brennend für das Thema Klimawandel. Sowohl die Kosten für den Kampf gegen den Klimawandel als auch für die Anpassung gegen seine Folgen werden aber steigen, je länger wir warten, da dann der Handlungsbedarf zunimmt.

Zum Thema siehe auch >> Die Kosten des Klimawandels und >> Anpassung an den Klimawandel.

Feuertaufe für eine nachhaltige Welt

In ihrem Buch “Der Klimawandel” fragen sich Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schellnhuber, ob wir Menschen die Feuertaufe für die im Entstehen begriffene Weltgesellschaft bestehen oder auf eine “Ultima-Ratio”-Strategie zurückgreifen, wozu großtechnische Lösungsvorschläge gehören: künstliche Eisendüngung des Planktons, um so Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen, Raketenladungen mit Schwefelpartikeln, die die Reflektion des Sonnenlichts in der oberen Atmosphäre erhöhen sollen, Spiegel im Weltraum zur Ablenkung der Sonnenstrahlen... Doch, solche Ideen werden diskutiert! Rahmstorf und Schellnhuber dazu: “Die historische Erfahrung lehrt leider, dass die Menschheit in der Krise nur allzu bereit ist, zu den fragwürdigsten Mitteln zu greifen und den Korken aus der vermeintlichen Wunderflasche zu ziehen.”

Hoffen wir, dass die zweite Alternative wahr wird und die “moderne Weltgesellschaft mit ihren nahezu unbeschränkten Möglichkeiten der nachhaltigen Zukunftsgestaltung” den Geist der zweiten Industrielle Revolution aus der Flasche lässt. Oder noch weitergehend: Der Klimawandel zeigt, dass das unseren Fortschritt zugrundelegende Prinzip von Versuch und Irrtum nicht länger haltbar ist - die Folgen der heute ausgestoßenen Treibhausgase sind ja erst in einigen Jahrzehnten zu spüren, wenn die Verursacher längst keine Verantwortung mehr tragen. Es muss durch das Prinzip von Erkenntnis und Verhaltensänderung ersetzt werden, verlangt also, dass wir “handeln, bevor es wehtut”: Für Olaf Hohmeyer, Prof. für Energie- und Ressourcenwirtschaft an der Universiät Flensburg, ist dies “eine neue Entwicklungsstufe der Zivilisation”.

Was diese Herausforderung von anderen, rein technischen Herausforderungen wie den gerne genannten Vergleich mit dem Flug zum Mond unterscheidet, ist folgendes: Sie enthalten nicht nur eine technische Komponente, sondern wir alle tragen mit unserem Verhalten zum Klimawandel bei - wir alle müssen daher auch einen Beitrag leisten. Manche der geforderten Taten sind eigentlich ein Gewinn: Energiesparlampen statt Glühbirnen sparen ja mehr Geld an Stromkosten ein, als ihre Anschaffung kostet; aber es nützt nicht, wenn die Industrie das 1,5-Liter-Auto entwickelt (>> mehr), wenn dieses dann nicht gekauft wird, der Absatz von Geländewagen aber weiter steigt. Oder wenn wir das 1,5-Liter-Auto kaufen, die Einsparungen aber mit einem einzigen zusätzlichen Flug wieder zunichte machen ... Sie ahnen es schon, die wirkliche Herausforderung ist nicht die Technik! Und nach allen Erfahrungen mit freiwilligen Verhaltensänderungen - die Herausforderung wird wohl nur zu bewältigen sein, wenn die Schäden durch den Ausstoß von Kohlendioxid in den Preis einfließen - dazu mehr im folgenden Kasten.

Ein Preis für Kohlendioxid

Technisch ist die notwendige Reduzierung der Treibhausgase machbar, wie zahlreiche Untersuchungen zeigen. Aber wie kann sie gesellschaftlich durchgesetzt werden? Ökonomen halten den Klimawandel für “das größte Marktversagen, das wir je sahen” (>> Stern-Report), und schlagen vor, dem Ausstoß einen Preis zu geben: Dies kann eine Steuer sein, oder (da Steuern unbeliebt sind) ein Emissionshandelssystem (>> hier), das aber ausgeweitet werden müsste und bis hin zum Zertifikatehandel für alle Bürger gehen könnte.

Dieses geht so: Jeder Bürger erhält eine (politisch aufgrund der Umweltziele festgelegte) “Basisversorgung” mit Kohlendioxid-Zertifikaten, die zum Einkauf von Gütern und Dienstleistungen berechtigen, die die Emission von Kohlendioxid verursachen: Strom, Heizöl, Gas, Kohle, Benzin, Diesel, Flugtickets, Bahnfahrkarten, ... Reichen die Zertifikate nicht mehr aus, muss er weitere hinzukaufen. Sie werden von denen verkauft, die ihre Zuteilung nicht verbrauchen - zu einem Preis, der entsprechend der Nachfrage an einer Börse gebildet wird. Auf diese Weise kann jeder sich entscheiden, ob er sein Geld lieber für Zertifikate ausgibt, oder nicht besser doch für eine Hausisolierung. Die Hoffnung der Ökonomen: Der Markt sorgt dafür, dass die preiswertesten Lösungen sich durchsetzen. Die Nachfrage nach Produkten, die nur wenig Kohlendioxid freisetzen, sollte zunehmen - und einen Anreiz für die Industrie bieten, solche Produkte zu entwickeln. Über die Menge an verteilten Zertifikaten kann der Staat kontrollieren, wieviel Kohlendioxid insgesamt freigesetzt wird; je knapper die Menge, desto höher wird der Preis der gehandelten Zertifikate werden, und desto lohnender die Entwicklung von Alternativen.

In England wird die Idee inzwischen ernsthaft diskutiert; eine Machbarkeitsstudie zeigte, dass die privaten Kohlendioxid-Konten innerhalb von fünf Jahren einzuführen wären. In Deutschland schlugen etwa Toralf Staud und Nick Reimer in ihrem Buch >> Wir Klimaretter einen solchen Handel vor.

Weiter mit:
>>
Strategien gegen den Klimawandel

Zwei Konzepte zur Bekämpfung des Klimawandels werden hier vorgestellt:
>>
Keile gegen den Klimawandel - Die Ideen von Socolow und Pacala
>>
Das Klimaschutzkonzept des Umweltbundesamtes

>>
Anpassung an den Klimawandel

Praktische Ansätze zur Reduzierung der Erderwärmung gibt es inzwischen auch zahlreiche; einige der interessantesten finden Sie hier:

Gute Beispiele - empfehlenswerte Websites

Carbon Reduction Stategy - Initiative der Regionen Norfolk und Norwich, ihren CO2-Ausstoß bis 2025 um 60 Prozent zu reduzieren (englischsprachige >> Web-Site).

US Mayors Climate Protection Agreement - Klimaschutzinitiative von über 700 amerikanischen Städten, die u.a. die Kyoto-Vorgaben einhalten und möglichst übertreffen wollen (englischsprachige >> Web-Site)

The Climate Group - Gemeinnützige Organisation, die Städte und Firmen zu klimafreundlichem Verhalten anregt (englischsprachige Web-Site), Beispiele und Fallstudien für Maßnahmen finden sich >> hier.

Eine deutschsprachige Site mit aktuellen Informationen zum Klimaschutz:
>>
www.waswirtun.de

© Jürgen Paeger 2006 - 2011

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Geoengineering” gilt manchem als die Lösung, sollten wir bei der Verringerung der Emissionen als Treibhausgasen scheitern: Mit technischen Mitteln soll die Sonnenstrahlung abgeschattet und die Erde so abgkühlt werden. Als praktikable Möglichkeit gilt das Einbringen von Schwefelpartikeln in die Atmosphäre. Da diese jedoch ausgewaschen werden, muss ständig weiterer Schwefel nachgeliefert werden. Was der Schwefel nach dem Auswaschen auf der Erde anrichtet, darüber liest man wenig. Andere bevor- zugen daher die Idee, Spiegelfolien zwischen Sonne und Erde in den Weltraum zu bringen. Wir kriegen wir die aber wieder weg, wenn uns die fossilen Brennstoffe ausgehen und der Kohlendioxid-Nachschub zu Ende geht? Sollte nicht gerade der Klimwandel uns gelehrt haben, dass wir die Ökosysteme noch immer nicht gut genug kennen, um globale Eingriffe wirklich verantworten zu können?

>>
mehr (National Geographic: Shading the Earth, englisch- sprachig)