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Das globale Ökosystem
Kern und Haut der Erde - Gestein und Boden (Lithosphäre und Pedosphäre)
Die beiden innersten “Schalen” des Ökosystems Erde werden von den Gesteinen (Lithosphäre) und dem Boden gebildet (Pedosphäre): Die Gesteine sind wichtige Lagerstätten für mineralische und andere Rohstoffe, wie die fossilen Brennstoffe, und bilden bei ihrer Verwitterung gemeinsam mit totem organischem Material den Boden. Der Boden ist die Grundlage für die Erzeugung der allermeisten unserer Nahrungsmittel; als Voraussetzung für die Entstehung der Landwirtschaft ist er auch die Basis unserer Zivilisation.
Boden, eine Mischung aus anorganischen Mineralien und totem organischem Material. Foto: U.S. Department of Agriculture.
Die Erdkruste besteht aus Gesteinen (>> Die Erde), die die innerste “Schale” des Ökosystems Erde bildet; nach dem Schalenmodell “Lithosphäre” genannt. Darauf befindet sich eine dünne Schicht, in der zerbröseltes Gestein sich mit organischem Material, mit Wasser und Luft mischt - dem Boden (“Pedosphäre”). Der Boden ist wohl das verkannteste Ökosystem auf der Erde: Es ist ein unglaublich artenreicher, faszinierender Lebensraum, von dem unser aller Überleben abhängt. Böden wandeln tote organische Materie wieder in Mineralien um, die als Nährstoffe für Pflanzen dienen und so in den Kreislauf der Natur zurückkehren; mit wachsender Weltbevölkerung wird der Erhalt fruchtbarer Böden immer wichtiger, um unsere Ernährung zu sichern - aber in der Öffentlichkeit interessiert sich kaum jemand für den Boden, er kann weitgehend ungestraft immer weiter zerstört werden.
Böden wandeln tote organische Materie in Nährstoffe um - sie schließen den Kreislauf des Lebens
Der Boden, von dem wir leben
Schon vor Milliarden Jahren, sobald die Gesteine fest wurden, begann unter dem Einfluss von Wind, Temperaturunterschieden und bald auch der ersten Niederschläge (siehe >> Die Erde) die Verwitterung der Gesteine: Temperaturunterschiede lassen das Gestein ausdehnen und wieder zusammenziehen; dabei entstehen Risse, in die Wasser eindringen kann, welches dann beim Gefrieren das Gestein auseinandersprengt oder durch gelöste Stoffe chemisch angreift. Dann löst es im Gestein enthaltene Stoffe und Mineralsalze heraus, wodurch das Gestein zerfällt. Als sich dann auch das Leben auf der Erde entwickelte (siehe >> Das Leben), verstärkten die Ausscheidungen der Organismen den Prozess der chemischen Verwitterung, vermischte sich organisches Material mit den anorganischen Gesteinsstückchen, mit Wasser und Luft: Es entstanden die ersten Böden.
Eine enorme Vielfalt an Lebewesen
Während der Milliarden Jahre andauernden Evolution der Lebewesen entstand im Boden eine enorme Vielfalt an Lebewesen, von den Biologen “Edaphon” genannt - eine Vielfalt, die mindestens so groß ist wie die im Regenwald oder in Korallenriffen. Bekannt sind am ehesten noch die großen Bodentiere: Regenwürmer, Tausendfüßler oder Insektenlarven. Sie fressen Pflanzenreste und zerkleinern sie damit. Von ihrem Kot lebt viele Mikroorganismen, die erst ein genauer Blick mit dem Mikroskop erkennbar macht: Bakterien, Pilze und Algen. Sie zerlegen die organischen Stoffe in Kohlendioxid, Wasser, Stickstoffverbindungen und Nährsalze und schließen so den Stoffkreislauf des Lebens (>> mehr). Sie zersetzen auch die Körper abgestorbener Tiere - und dies sind nicht nur der abgestorbenen Pflanzenzerkleinerer, sondern auch der Tiere, die von diesen leben (etwa Maulwürfe, Spinnen, Hunderfüßler oder Insekten) oder von den Bakterien, Pilzen und Algen (zum Beispiel die einzelligen Geißel- und Wechseltierchen). Auch die lebenden tierischen Einzeller werden von Bakterien gefressen, und diese wiederum von Fadenwürmern. Milben jagen dagegen bevorzugt Pilze. Die im Boden lebenden Tiere und die Mikroorganismen lockern den Boden und sorgen für seine Durchlüftung - so kommt Sauerstoff in den Boden, der wiederum für viele Abbauvorgänge gebraucht wird. Dazu kommen Stoffwechselprodukte, die Gesteinspartikel und Humusteilchen zu “Bodenkrümeln” verkleben, in deren Hohlräumen ebenfalls Luft und Wasser gespeichert werden. Im Idealfall besteht ein Boden zur Hälfte aus Mineralstoffen und Humus, zu 30 Prozent aus Wasser und zu 20 Prozent aus Luft.
Anderes Ausgangsgestein, anderer Boden
Welche Böden sich bilden, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Ausgangsgestein, welches die Verwitterungsgeschwindigkeit und die chemische Charakteristik des Boden bestimmt, vom Klima (heißes Klima und hohe Niederschläge fördern die Verwitterung), von der Vegetation und der Tierwelt ab, die wiederum vom Klima und der Bodencharakteristik beeinflusst werden. Auf kalkarmem Silikatgestein entsteht bei ausreichender Feuchtigkeit zum Beispiel die Braunerde, die braune Farbe entsteht durch durch aus dem Gestein gelöste Eisensalze. Auf Kalkgestein entstehen dagegen oft ein Rendzina-Boden, der meist reich an Steinen ist (Rendzina stammt von polnisch rzedzic = rascheln, weil der Pflug an den Steinen kratzt und daher raschelt). Ein besonders fruchtbarer Boden entstand auf vom Wind verfrachteten Mineralien, dem Löss: die Schwarzerde.
Die Basis der Landwirtschaft und der Zivilisationen
Die Bildung von Böden ist ein langwieriger Prozess, aber im Laufe der Zeit wurde nahezu die gesamte Erdoberfläche mit Böden bedeckt. Außerhalb der Gewässer hängt alles Leben vom Boden ab. Böden waren die Grundlage für die Entstehung der Landwirtschaft und damit der menschlichen Zivilisationen (>> Das Zeitalter der Landwirtschaft), er ist noch heute die Grundlage für unsere Ernährung: Über 90% aller Nahrungsmittel werden – direkt oder über den Umweg als Tierfutter – auf Böden erzeugt. Die Fruchtbarkeit von Böden wird wesentlich von der Verfügbarkeit wichtiger Nährstoffe für die Pflanzen bestimmt, wobei das Bodenwasser als Transporteur ebenfalls unverzichtbar ist: Pflanzen können Mineralien nur in gelöster Form aufnehmen. Eine wichtige Rolle spielt auch der Gehalt an Wasserstoffionen (H+): Sie bestimmen, ob der Boden sauer oder basisch reagiert; der pH-Wert (mit dem der Gehalt an Wasserstoffionen gemessen wird) beeinflusst die Lösbarkeit vieler Nährstoffe - kalkarme, saure Böden sind meist mineralarm.
Etwa 12 Prozent der Erdoberfläche werden für den Ackerbau genutzt, weitere 24 Prozent als Weideland. Von dieser Fläche, die nur in den Tropen (auf Kosten der Regenwälder) noch auszudehnen ist, muss eine wachsende Weltbevölkerung (siehe >> hier) ernährt werden. Die Methoden der >> industriellen Landwirtschaft gehen oft auf Kosten der Böden (siehe >> hier), jedes Jahr gehen ca. 23 Milliarden Tonnen Boden verloren. Dazu kommt die Bodenzerstörung durch Schadstoffe, durch Bebauung und anderes (>> mehr). Als Grundlage unserer Ernährung sind die Böden aber die Grundlage unserer Existenz. Wir sollten wohl anfangen, uns wieder mehr für unsere Böden zu interessieren.
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