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die Ackerbauern), und ließen die Tutsi als Mittelsmänner die Regierungsgewalt ausüben. Da die angeblichen Unterschiede zwischen Tutsi und Hutu aber nicht zu erkennen waren, gaben die Belgier, die nach dem ersten Weltkrieg die deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika als Ruanda-Urundi zugesprochen bekamen, im Jahr 1933 Ausweise aus, die die Zugehörigkeit festlegten - diese Ausweise sollten noch beim Völkermord 1994 über Leben und Tod entscheiden.
Die künstlich geschaffene Spaltung der einheimischen Bevölkerung verschärfte nämlich einen Konflikt, der im rechten Arm die hervorragenden natürlichen Bedingungen zum Fluch werden ließ: immer mehr Menschen lebten hier. Anfangs konnte die Fläche für den Ackerbau noch ausgeweitet werden, indem Bergwälder abgeholzt und Sümpfe trockengelegt wurden. Im Jahr 1960 wurde der Kongo und 1962 Ruanda-Urundi als Burundi und Ruanda sowie Uganda unabhängig. Insbesondere in den beiden kleinen Staaten Burundi und Ruanda kam es zu Spannungen zwischen Tutsi und Hutu: die Hutu wollte die Vorherrschaft der Tutsi brechen. In Burundi schafften es die Tutsi, an der Macht zu bleiben, in Ruanda gewannen jedoch die Hutu die Obermacht. Unterdessen wuchs die Bevölkerung in der Region weiter schnell an, die Wachstumsrate gehört zu den höchsten der Welt. Die Äcker für die einzelnen Familien wurden immer kleiner; außerhalb der Naturparks wurde 1985 jede mögliche Parzelle beackert. 1989 sanken dann noch die Kaffee- und Teepreise, und stürzten viele kleine Farmer in die Armut. Die von Tutsi dominierte Ruandische Patriotische Front (RPF) versuchte von Uganda aus, die von der Hutu-Mehrheit gestellte Regierung zu stürzen. Nachdem am 6. April 1994 das Flugzeug mit dem ruandischen Präsidenten bei der Landung in der Hauptstadt Kigali abgeschossen wurde (es ist bis heute nicht bekannt, wer dafür verantwortlich war), kam es zu einem über drei Monate anhaltenden Völkermord, in dem die Mehrheit der Hutu etwa drei Viertel der in Ruanda lebenden Tutsi tötete. Die Täter kamen aus Armee, Polizei und Milizen, aber auch Teile der Hutu-Zivilbevölkerung beteiligten sich daran, währen moderate Hutu genau wie Tutsi getötet wurden. Insgesamt starben mindestens 800.000, wahrscheinlich aber über eine Million Menschen. Der französische Ostafrikaforscher Gérard Prunier, der diesen Völkermord in seinem Buch „The Rwanda Crisis“ (1995) untersuchte, hält die Situation auf dem Land („zu viele Menschen auf zu wenig Land“) für eine der wesentlichen Ursachen vor allem für die Beteiligung der Zivilgesellschaft an diesem Völkermord. Auch Jared Diamond, der sich in seinem Buch „Kollaps“ (2005) mit dem Thema befasste, beschrieb den Bevölkerungsdruck als das Pulver im Pulverfass, dass zynische Politiker, die an der Macht bleiben wollten, dann zünden konnten.
Das Schlachten endete erst, als die RPF, die anlässlich des Völkermords ihren militärischen Kampf gegen die Hutu-Regierung wieder aufnahm, diese vertrieben und RPF-Anführer Paul Kagame selbst die Regierung übernommen hatte. Auch die RPF tötete bei ihrem Vormarsch mehrere zehntausend Hutu. Nach der Machtübernahme flohen Hunderttausende Hutu in den Osten Zaires, wo der Konflikt bis heute anhält. Zunächst aber half die neue Regierung Ruandas den Tutsi-Gegnern von Zaires Diktator Mobutu, diesen zu stürzen. Rebellenchef Kabila wurde 1997 Präsident und benannte Zaire in Demokratische Republik Kongo (kurz Kongo) um. Im Osten des Landes, in dem es reiche Vorkommen von Gold, Kupfer und Coltan (ein Erz, aus dem das in der Mikroelektronik verwendete Metall Tantal gewonnen wird) gibt, versuchten jedoch Milizen, die Macht an sich zu reißen – bald auch unterstützt von Kabilas ehemaligen Verbündeten in Ruanda und von Uganda. Zwischen 1998 und 2003 kam es erneut zum Krieg, in dem fünf Millionen Menschen zumeist an Krankheiten und Hunger starben – es war der tödlichste Krieg seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit Unterstützung Angolas und Simbabwes gelang es Kabila, sich an der Regierung zu halten; der Osten Kongos ist aber nach wie vor in der Hand von paramilitärischen Gruppen und Milizen. Dass diese systematisch Frauen vergewaltigen, interessierte die Weltöffentlichkeit allenfalls kurz im August 2009, als US-Außenministerin Hillary Clinton die Region besuchte. Auch die Nationalparks kommen nicht ungeschoren davon: 2007 wurden im Virunga Nationalpark sieben Berggorillas getötet, 2011 forderten 100.000 Anwohner in einer Petition, den Nationalpark deutlich zu verkleinern.
Ruandas Präsident Paul Kagame gilt heute als Reformer, der sein Land zu einem sicheren, wirtschaftlich erfolgreichen Musterstaat in der Region macht. Eine echte Opposition ist aber nicht zugelassen; vor den letzten Wahlen 2010 wurden Oppositionspolitiker und Journalisten ermordet, und Kagame erhielt über 93 Prozent der Stimmen. Außerdem: Ruanda ist weiter das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas, 40 Prozent sind unter 14 Jahre alt. Selbst wenn es gelingt, das Bevölkerungswachstum wie geplant zu stoppen, würde die Bevölkerung dreimal so groß werden wie vor dem Völkermord. Wie das Land so eine Bevölkerung ernähren soll, weiß niemand.
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