Hintergrundinformation

Eine kleine Geschichte der Menschheit
Von der Entdeckung zur Eroberung

Sowohl in Amerika als auch im Indischen Ozean folgten auf die Entdecker die Eroberer. Die Spanier und Portugiesen bauten riesige Kolonialreiche auf; Franzosen, Holländer und Engländer stürzten sich ebenfalls auf die lukrativen Geschäfte; Afrika wurde zum Bestandteil eines Dreieckshandels mit Sklaven. In Eurasien wurde Sibirien kolonialisiert, und im Pazifischen Ozean Neuguinea, Australien und Neuseeland.

Spaniens El Dorado

Die Spanier erkundeten von der Karibik aus die Festlandsküste nach Norden und nach Süden; und trafen schließlich an der Küste von Yukatan auf Indianer, die in steinernen Städten wohnten: die Azteken. Im Jahr 1519 erreichte Hernán Cortés mit seiner 500 Mann starken Truppe die Hauptstadt Tenochtitlán, und traute seinen Augen kaum: allein der Marktplatz fasste 60.000 Menschen, und endlich gab es Gold und Silber in Mengen. Die Azteken empfingen die Spanier zunächst freundlich; sie waren unsicher, ob es sich bei der Ankunft der weißhäutigen Fremden nicht um die verheißene Rückkehr des Gottes Quetzalcoatl handelte. Als aber die Spanier anfingen, ihre Schätze zu stehlen, entschlossen sie sich zum Kampf, und Cortés musste fliehen. Im folgenden Jahr kam er mit Verstärkung zurück und eroberte und zerstörte Tenochtitlán. Dieser Sieg konnte den zahlenmäßig weit unterlegenen Spaniern nur gelingen, da sie einerseits zahlreiche von den Azteken unterdrückte einheimische Völker als Verbündete gewinnen konnten, und andererseits über Gewehre, eiserne Rüstungen und Pferde verfügten: allesamt neu für die Azteken und alleine geeignet, Panik unter ihnen auszulösen. Außerdem hatte Cortés’ Verstärkung einen tückischen Verbündeten mitgebracht: Pockenviren. Die Wirkung auf die Azteken, die erstmals dieser Krankheit ausgesetzt werden, war verheerend; 1522 war das Aztekenreich zerstört. Die Spanier setzten sich an ihre Stelle als Herrscher des Landes. 1530/31 wurden noch die Masern eingeschleppt, 1546 das Fleckfieber. Die Bevölkerung Mexikos schrumpfte vor allem in Folge der Krankheiten, die die Spanier mitgebracht hatten, im Jahrhundert nach der Ankunft der Spanier von 25 Millionen auf 1 bis 2 Millionen. (In Südamerika insgesamt starben - die Zahlen sind umstritten - zwischen 40 und 90 Prozent der Bevölkerung an eingeschleppten Krankheiten.)

Zehn Jahre nach der Zerstörung des Aztekenreichs hörten die Spanier von einem noch reicheren Volk in Südamerika, und fanden tatsächlich Küstendörfer, die in Gold zu schwimmen schienen. Der Rest ist Geschichte: Francisco Pizarro bat den Inkaherrscher um ein Gespräch, nahm ihn gefangen und verlangte von den Inkas, einen Raum mit Gold zu füllen, wenn sie ihn lebend wiederhaben wollten. Die Inkas brachten das Gold; Pizarro tötete den Inkaherrscher trotzdem. Noch 40 Jahre, bis 1572, kämpften die Inkas gegen die Spanier, aber auch hier gaben die von den Europäern mitgebrachten Krankheiten, ihre überlegenen Waffen und Ausrüstungen letztendlich den Ausschlag. Einen starken Staat besiegt zu haben, brachte den Spaniern einen Vorteil: Sie konnten das bestehende System weiternutzen. So nutzen sie den mita genannten Frondienst der Inka, um Arbeitskräfte für die Silberminen in den Anden zu finden, die Spaniens Kolonialreich finanzieren sollten. Die Maya dagegen, deren Staat schon lange zerfallen war, waren viel schwieriger zu unterjochen - vollständig gelang dies bis heute nicht.

Portugals Reich im Osten

Während die Spanier die einheimischen Kulturen zerstörten, mussten die Europäer sich im riesigen, tropischen und weit entfernten Asien mit den einheimischen Kulturen arrangieren. Den Portugiesen gelang es, ausgewählte Stützpunkte im Indischen Ozean in ihre Gewalt zu bringen: Mombasa und Malindi an der afrikanischen Ostküste, Ormuz am Eingang des persischen Golfes, Goa (ihre wichtigste Basis, ein Hauptumschlagplatz für Pfeffer), Malakka (der Zugang zu den Gewürzinseln) und Macao (von hier aus dominierten sie den vom Minghof für Chinesen verbotenen und daher lukrativen Handel mit Japan). Es gelang den Portugiesen zwar nie, den Handel durch arabische, persische und indische Schiffe völlig zu unterbinden, aber in den besten Zeiten liefen etwa 40 Prozent des Gewürzhandels durch portugiesische Hände; dazu kam der Handel mit Seide aus China und Diamanten aus dem indischen Golconda. Als ihr Anteil am Handel zurückging, versuchten die Portugiesen, sich schadlos zu halten, indem sie Handelslizenzen für den innerasiatischen Warenaustausch verkauften: Sie wurden mit anderen Worten zu den „Raubrittern des Indischen Ozeans“ (so der Wirtschaftshistoriker David Landes). Als Spanien und Portugal im Jahr 1580 in Personalunion vereinigt wurden, konnten die Niederländer und Engländer, die mit Spanien im Krieg lagen, diesen auf Portugal ausdehnen, und die „legale Piraterie“ zwischen Engländern und Holländern einerseits und Spaniern und Portugiesen andererseits begann. Im Verlauf des nächsten Jahrhunderts verlor Portugal die meisten seiner Stützpunkte. Portugals große Zeit war damit vorbei. Die Rolle der Portugiesen im Gewürzhandel sollte zum großen Teil die niederländische Ostindische Kompanie (siehe >> Kasten) übernehmen, deren Imperium später von der Regierung der Niederlande übernommen wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Kern Indonesiens wurde.

Die Handelsgesellschaften

Die Entdeckung- und Eroberungsfahrten der Spanier und Portugiesen wurden oft - in der Hoffnung auf neue Beschaffungs- und Absatzmärkte - von ausländischen Kaufleuten mitfinanziert. Mehrere Staatsbankrotte (etwa Spaniens 1557 und 1575) schwächten aber den Süden Europas, und stärkten den Nordwesten. In London wurde im Jahr 1599 die East India Company gegründet; in Amsterdam 1602 die Ostindische Kompanie. Beide wollten im lukrativen Gewürzhandel mitverdienen. Die Ostindische Kompanie bestand aus Kapitalgebern, die den “Mitreedern” (um der Gesellschaft anzugehören, musste man Eigentumsanteile an einem Schiff nachweisen) Geld für ihre Geschäfte überließen, die Gewinne sollten geteilt werden. Damit war sie ein Vorläufer der heutigen Kommanditgesellschaft. Die Ostindische Kompanie war sehr erfolgreich (1610 schüttete sie 75 Prozent Dividende aus), und so wurde 1621 ihre Schwester, die Westindische Kompanie für den Handel mit der Karibik und der Neuen Welt gegründet - ihre Gewinne machte sie mit Gold und Sklaven. Auch Schweden und Frankreich gründeten - neben anderen - eigene Handelskompanien.

Die Ostindische Kompanie sollte 1652 auch eine Verpflegungsstation in einer Bucht am Kap der Guten Hoffnung, wie die Portugiesen die Südspitze Afrikas genannt hatten, einrichten - die Kap-Stadt. 1657 wurde ein Teil der Angestellten zu freien Bürgern, aus der Station eine richtige Kolonie. Um den Anbau zu gewährleisten, setzten die Bauern (Buren) zuerst Sklaven ein, aber mit steigender Nachfrage nach Sklaven aus Brasilien, der Karibik und Amerika (>> hier) holten sie auch neue Siedler ins Land - darunter aus Frankreich vertriebene Hugenotten (>> hier), die ihre Vorstellungen von einem gottgefälligen Leben durchsetzen wollten. Der Gott der Hugenotten teilte die Welt in oben und unten, und unten waren die Heiden, die als Sklaven die Arbeit verrichten sollten. Die sich aber wehrten, und so wurde das 18. Jahrhundert zu einer Folge von Kriegen zwischen Buren und den afrikanischen Völkern, die Südafrika besiedelten (>> mehr).

Von Piraten und Händlern - England in Indien und China

England begann erst unter Elisabeth I. (>> mehr) ernsthaft, sich am Wettrennen um die Gewürzinseln zu beteiligen. 1577 startete Francis Drake eine Weltumsegelung - und hatte einen Freibrief, spanische Schiffe und Häfen zu plündern. Er brachte aber nicht nur geraubtes Gold und Silber mit, sondern auch Muskatnüsse. Das erweckte das Interesse der Londoner Kaufleute; die Engländer konnten den Holländern im Indischen Ozean aber zunächst kein Paroli bieten und konzentrierten sich daraufhin auf das nördliche Indien. 1661 ließen sie sich in Bombay nieder und gründeten 1690 eine Handelsniederlassung in Kalkutta. Dort kauften sie Baumwollgarne und –stoffe, und veränderten damit die Kleidung in Europa und den überseeischen Kolonien grundlegend: Baumwollkleidung war wie geschaffen für heiße Regionen und konnte in Europa als Unterwäsche verwendet werden – ganz neue Ansprüche an Sauberkeit und Gesundheit entstanden. Die britische East India Company wurde ab 1765 von einer reinen Handelsgesellschaft zur Territorialmacht, als der Nawab von Bengalen ihr die Verwaltung Bengalens antrug. Danach benutzten sie das Silber, mit dem sie zuvor indische Waren bezahlt hatte, um in Kanton Porzellan, Seide und Tee zu kaufen und nach Europa und sogar bis Amerika zu bringen. Derart auf den Geschmack gekommen, weiteten die Briten ihre Territorialherrschaft immer weiter aus - so sollte das British Empire in Indien entstehen.

In China war unter den Qing (>> mehr) der Handel mit Europäern auf den Hafen von Kanton beschränkt worden - den Chinesen waren die aggressiven Praktiken der europäischen Händler wohl bekannt. Ohnehin war für die Engländer in Kanton der Handel mit China schwierig - die Chinesen wollten außer Silber nichts von dem, was die Engländer anzubieten hatten. So begannen sie, sich immer stärker auf den illegalen Handel mit dem in Bengalen angebauten Opium zu verlegen - eine Entwicklung, die später zu den Opiumkriegen führen sollte.

Englands Kolonien in Nordamerika

Die erste erfolgreiche englische Siedlung auf amerikanischem Boden war Jamestown im heutigen US-Bundesstaat Virginia. Die Region im Süden der Chesapeake-Bucht war von Powhatan-Indianern besiedelt, die hier Mais, Kürbis und Bohnen in Mischkultur anbauten, fischten, jagten und sammelten. Erste Versuche der Spanier und Engländer, sich hier anzusiedeln, waren durch Angriffe der Indianer beendet worden. Ab 1607, und nach einigen Hungerjahren, waren die Engländer hier schließlich erfolgreich, zumal sie mit dem Tabak eine kommerziell erfolgreiche Feldfrucht fanden. Der Tabakanbau begründete mit seinem Arbeitskräftebedarf die Sklavenhaltung in Nordamerika, und legte die Grundlage für das spätere Plantagensystem der Südstaaten.

Als „Väter des amerikanischen Volkes“ gelten jedoch die puritanischen „Pilgerväter“, die Ende 1620 am Cape Cod in Massachusetts landeten und die Kolonie Plymouth gründeten. Diese kamen in ein Land, in dem die indianische Bevölkerung wenige Jahre zuvor durch eine Seuche – vermutlich die Pest, die frühere Forschungsreisende mitgebracht hatten – dezimiert worden war und keine ernste Bedrohung mehr darstellte. Auch diese Kolonie hatte ernste Schwierigkeiten, aber später sollten viele Siedler mit Kabeljaufang und –handel (mehr >> hier) reich werden. Mit dem Kabeljauhandel wurde Neuengland zur internationalen Handelsmacht. Dem Gesetz nach hätte die Kolonie ihre Waren eigentlich nur über das englische Mutterland vertreiben dürfen, praktisch wurde der Handel zunächst geduldet. Erst ein Jahrhundert später versuchten die Briten, ihre Kolonie an die Kandare zu nehmen (im Jahr 1733 mit dem Molassegesetz, das die Zuckereinfuhr aus der nichtbritischen Karibik mit Zöllen belegte) - zu spät: lang andauernde Zoll- und Steuerstreitigkeiten führten 1773 zur Boston Tea Party, die schließlich zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1775 - 1783 führte, der mit der Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika endete.

Siehe auch >> Eine kleine Kolonialgeschichte der USA.

Portugal in der Neuen Welt

Neben dem Handel im indischen Ozean bauten die Portugiesen große Zuckerrohrplantagen in ihrem Teil der neuen Welt auf – in Brasilien. Für die Arbeiten auf den Zuckerrohrplantagen begann ab 1534 der Import afrikanischer Sklaven (siehe >> hier). Um 1600 war Brasilien der größte Zuckerproduzent der Welt; später kamen die karibischen Inseln als weitere Produzenten hinzu. Mit der Entdeckung der Festlandreiche hatten die Spanier das Interesse an der Karibik weitgehend verloren; sie überließen die Inseln den nachfolgenden Holländern, Engländern und Franzosen. Die Holländer hatten in Brasilien den von den Portugiesen eingeführten Zuckerrohranbau kennen gelernt, und Engländer und Franzosen übernahmen ihn von den Holländern.

Die Zuckerproduzenten führten eine ganz neue Form des Anbaus an, die später von Tabak- und Baumwollpflanzern übernommen wurde: die Sklavenplantage, die sich ab 1580 verbreitete und ab 1680 für 150 Jahre die Wirtschaft Brasiliens, der Karibik und des Südostens Nordamerikas dominierte. Als Herkunftsland für die Sklaven war auch Afrika in das entstehende weltweite Handelsnetz eingebunden.

Sklavenhandel in Afrika

Die Sklavenhaltung in Amerika war keine neue Erfindung: Sklaven wurden in China, in Indien, im antiken Griechenland und Rom und bei amerikanischen Indianern gehalten; auch die russischen Leibeigenen waren nichts anderes. Auch der Sklavenhandel in Afrika hatte eine alte Tradition: Islamische Handelskarawanen (>> mehr) handelten mit (vor allem weiblichen) Sklaven, und auch in Afrika selbst wurden Sklaven gehalten. Den Überseehandel mit afrikanischen Sklaven begründeten 1441 die Portugiesen, die Sklaven nach Portugal, auf Madeira und auf die Kanarischen Inseln brachten, wo sie Zucker anbauten. Der Erfolg lockte Nachahmer, und 1534 begann der transatlantische Sklavenhandel (mit einem Schiff nach Brasilien). Bald stiegen auch die Engländer und andere Nationen in den profitablen Handel ein. Über die Zahl der Sklaven, die von Afrika vor allem nach Brasilien und in die Karibik, aber auch in andere lateinamerikanische Regionen und die südlichen Staaten Nordamerikas verschleppt wurden, besteht keine Einigkeit. Alleine nach Brasilien wurden zwischen 3,5 und 5 Millionen Menschen verschleppt; insgesamt waren es mindestens zehn Millionen. Dazu viele Millionen Menschen, die in Afrika starben, bevor sie die Küste erreichten oder die Überfahrt nicht überlebten. Die Bedingungen auf den Sklavenschiffen, wo die Sklaven oft unter Deck angekettet waren, waren unerträglich - man erkannte Sklavenschiffe schon vom weitem an ihrem Gestank. Auf manchen Schiffen starb jeder dritte während der Überfahrt.

Der Sklavenhandel konnte auch deshalb so lange blühen, weil er in Afrika willige Helfer hatte: Sklaven an die Europäer zu verkaufen, war ein lukrativer Weg, Kriegsgefangene loszuwerden; daneben stand ein ganz eigenes Unternehmertum - mit einem Pferd und einem Gewehr konnte man reich werden, wenn man nur genug Menschen für den Sklavenhandel fing (wobei es sich gut traf, dass die Europäer Männer bevorzugten, während die Afrikaner lieber Frauen behielten, die traditionell die Feldarbeit machten). Noch heute wissen viele Afrikaner genau, wer früher einmal Sklavenhalter und wer Sklave war. In der neuen Welt angekommen, begann die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen. Den Plantagenbesitzern und Aufsehern galten schwarze Sklaven nicht mehr als Tiere – die hohe Sterblichkeitsrate der Sklaven sagt alles über ihre Behandlung. Ständig mussten neue Sklaven nachgekauft werden. (Als im Gefolge der Aufklärung die Idee allgemeiner Menschenrechte aufkam und zunächst der Sklavenhandel abgeschafft wurden, wurde die Behandlung der Sklaven etwas besser - die Sklaven mussten nicht nur überleben, sondern sollten sich auch vermehren.)

Die Kolonialisierung Sibiriens

Mitte des 16. Jahrhunderts gab Zar Iwan IV. der Handelsfamilie Stroganow das alleinige Handelsrecht in Sibirien, wo es vor allem Pelze zu holen gab: Damit begann die koloniale Erschließung dieser Region, in der eine halbe Millionen Menschen mit etwa 100 verschiedenen Sprachen lebten. Die Stroganows verpflichteten hierzu kampferprobte Kosaken aus der südrussischen und ukrainischen Steppe; und 1640 erreichten diese die Pazifikküste. 1652 trafen sie am Amur auf Chinesen, und nach einigen Zusammenstößen wurde 1689 die russisch-chinesische Grenze festgelegt. Die sibirischen Ureinwohner mussten Tribut in Form von Pelzen zahlen, im 17. Jahrhundert deckten die Pelzeinkünfte knapp ein Zehntel des Haushalts des Kreml. Als die Pelztiere selten wurden, überquerten russische Jäger die Beringstraße: Etwa ab 1730 jagten sie auch in Alaska, 1810 erreichten sie das nördliche Kalifornien - hier trafen die russische und die englisch/französische Pelzjagd (>> mehr) zusammen.

Die andere Seite der Welt: Neuguinea und Australien

Neuguinea und Australien wurden um 1.600 v. Chr. (Neuguinea) bzw. 1.500 v. Chr. (Australien) von austronesischen Seefahrern erreicht, die Hunde, Schweine und Hühner mitbrachten. Seither bestand ein regelmäßiger Kontakt mit in Indonesien angesiedelten Völkern, und im Tausch gegen Gewürze und Federn erhielten die Einwohner asiatische Waren bis hin zu chinesischem Porzellan. Mit dem Eintreffen der Portugiesen im Jahr 1511 auf den Molukken änderten sich aber alle hier möglicherweise entstehenden politischen Beziehungen. Neuguinea wurde 1526 von den Portugiesen „entdeckt“, aber erst ab 1880 von Europäern besiedelt: Malaria und andere Tropenkrankheiten verhinderten zunächst eine dauerhafte Ansiedelung. Dann erwarb Holland den Westen, Großbritannien und das deutsche Reich den Osten. Der östliche Teil ist heute Kern des unabhängigen Staates Papua-Neuguinea, der Westteil wurde 1963 von Indonesien annektiert. Bis heute versuchen die Ureinwohner, als Westpapua die Unabhängigkeit zu erreichen.

Im Jahr 1606 wurde Australien von den Europäern (dem Holländer Willem Jansz) entdeckt, ist aber wieder in Vergessenheit geraten. Als James Cook 1768 bis 1771 auf einer großen wissenschaftlichen Expedition nach Tahiti segelte (er sollte die Dauer eines Venusdurchgangs auf der Südhalbkugel messen, und in Tahiti erhoffte man einen wolkenlosen Himmel - mit der an verschiedenen Orten gemessenen Dauer wollten die Astronomen der britischen Royal Society die Entfernung der Sonne von der Erde berechnen), hatte er noch einen zweiten Auftrag: Er sollte endlich den Südkontinent finden, der die Landmassen des Nordens ausbalancieren musste - eine Notwendigkeit, an die viele damals fest glaubte. Cook glaubte selber nicht an diesen Kontinent - als erfahrenem Seemann sagte ihm die kräftige Dünung, dass im Süden nur Meer zu finden sein würde. Als er soweit nach Süden gesegelt war, wie befohlen, drehte er nach Westen ab, umd das im Jahr 1642 von dem Holländer Abel Tasman entdeckte Neuseeland zu kartieren. Cooks Karte war so gut, dass sie noch 200 Jahre später verwendet wurde; zunächst half sie den Wal- und Roggenfängern, die sich auf Neuseeland ansiedelten. Die Ureinwohner, die Maori, galten als sehr kriegerisch, handelten aber mit den Einwanderern, von denen eine ganze Reihe bald sogar unter den Maori lebten.

James Cook segelt aber nach Australien weiter und nahm es 1770 formell für die britische Krone in Besitz. Er kartierte die Ostküste, und als Cook nach fast drei Jahren nach England zurückkehrte, setzen seine Karten den Standard für zukünfige Expeditionen. 1772 startet Cook seine zweite Reise, und diesmal hat er einen Chronometer dabei, mit dem er den Längengrad bei jedem Wetter genau bestimmen konnte - der Chronometer zeigte die Zeit an seinem Heimatort an, der Vergleich mit der Ortszeit zeigte, wie weit er sich nach Westen oder Osten von diesem entfernt hatte. Damit wurde die Navigation - und entsprechend die Karten - noch einmal erheblich verbessert, und Cook erstellte eine genaue Karte der Südhalbkugel der Erde. Die Besiedelung Australiens begann 1788 mit der Einrichtung einer Sträflingskolonie (>> mehr); James Cook startete 1776 noch eine dritte Expedition, auf der er die Nordwestpassage (den Seeweg zum Pazifik nördlich des amerikanischen Kontinents) suchen und kartieren sollte. Auf dieser Tour entdeckte er Hawaii, wo er 1779 nach einem Streit von Einheimischen erstochen wurde. (Die Nordwestpassage sollte erst 1903 - 1906 von dem norwegischen Polarforscher Roald Amundsen komplett per Schiff durchfahren werden. Ein von Amundsen geleitetes Team war es auch, das 1911 als erste Menschen den Südpol erreichte (wer als erster den Nordpol erreichte, ist umstritten, vermutlich war dies 1909 der amerkanische Polarforscher Robert Peary); und Amundsen endeckte 1918 bis 1920 auch noch die Nordostpassage, den Seeweg um Sibirien herum. Die “Entdeckung” der weißen Flecken auf der Erde wurde mit der Erstbesteigung des höchsten Berges der Erde, des Mount Everest, durch Edmund Hillary und Tenzing Norgay im Jahr 1953 abgeschlossen.)

Weiter mit:

Die militärischen Entwicklungen, die den Europäern geholfen hatten, trotzt ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Reiche der Azteken und Inka zu erobern und sich in Asien zu halten, gingen weiter; neue Früchte und globaler Handel veränderten das Leben; die Umwälzungen veränderten auch die Gedanken der Menschen - überall auf der Erde begann eine neue Zeit.
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Eine neue Zeit (1500 bis 1800)

© Jürgen Paeger 2006 - 2011

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Die Krankheiten der Europäer waren aus zwei Gründen in Amerika so katastrophal: Zum einen hatten sich die Europäer in den Jahrtausenden des Zusammenlebens mit Haustieren an deren Krankheiten angepasst (>> mehr), zum anderen geht die Bevölkerung Amerikas auf wenige Einwanderer zurück, war also genetisch sehr gleichartig.

Der afrikanische Sklavenhandel in die Neue Welt begann an der Westküste, im heutigen Senegal und Ghana, dehnte sich bald bis ins heutige Angola aus und erfasste ab dem 18. Jahrhundert von Mozambique ausgehend auch die Ostküste.

Er betraf etwa zehn Mal so viele Menschen wie der Sklavenhandel durch die Sahara, das Rote Meer und den Indischen Ozean.

Zur Bestimmung des Breitengrades benutzt James Cook ein neues Instrument: den Sextanten. Er ist einfacher zu bedienen als der ältere >> Jakobsstab.

Sextant
Sextant: Über den oberen Spiegel und einen zweiten, halbdurchlässigen Spiegel kann der Beobachter Horizont und Mittagsonnen zugleich anvisieren und auf einer Skala den Einfallswinkel der Sonne ablesen. Eigene Abb., verändert nach Joaquim Alves Gaspar, aus wikipedia, >> Sextant, abgerufen 14.3.2010, Lizenz: >> cc 2.5.