Hintergrundinformation

Eine kleine Geschichte der Menschheit

Von der Zeitenwende bis zur Renaissance

Abbildung der Weltkarte des Ptolemäus

Der Handel zwischen den Zivilisationen der alten Welt lieferte auch den Kartographen nützliche Informationen. Der römische Astronom
und Geograph Ptolemäus erstellte im 2. Jahrhundert n. Chr. eine Weltkarte, die über 1.000 Jahre lang die Grundlage der westlichen
Geographie bildete. Das Original ist verschollen, die Abbildung ist eine Gravur von Johannes Schnitzer aus dem Jahr 1482, die mit den 12
Winden illustriert ist. Ptolemäus hat die Ausdehnung Asiens überschätzt – ein Fehler, der möglicherweise Christoph Kolumbus ermutigte,
Asien auf dem Seeweg nach Westen zu suchen. Abb. aus wikipedia commons (abgerufen 11.5.2013), gemeinfrei.

Römisches Kaiserreich und Christentum

Die römischen Truppen waren Augustus schon vor der Verleihung dieses Ehren­titels ergeben; die alten Eliten waren nach den Erfahrungen mit der Diktatur Julius Caesars und den Bürgerkriegen skeptischer. 23 v.u.Z. verzichtete Augustus daher auf das Amt des Konsuls, erhielt dafür aber die Befugnisse eines Tribuns – und einige Jahre später auch die eines Konsuls. Formell war er den anderen Senatoren gleichgestellt, faktisch hatte er dadurch als primus inter pares ("Erster unter Gleichen") die Macht; das alte Konsens­prinzip war durch Führung des "ersten Bürgers" ersetzt worden und die Bedeutung des Titels Imperator wandelte sich vom militärischen Befehlshaber zur Bezeichnung für den römischen Kaiser. Seine Macht nutzte Augustus, um nach den Bürgerkriegen die römische Ordnung wiederherzustellen, u.a. durch die Wiederbelebung der alten religiösen Kulte, hatte doch nach weit verbrei­tetem Glaube die Gunst der Götter Rom einst erst groß gemacht. Er löste das Problem der Landverteilung an die entlassenen Soldaten (die aufgrund der Enteignungen der vorherigen Besitzer immer wieder zu Unruhen geführt hatte), indem er eine Berufsarmee schuf, deren Soldaten bei der Entlassung eine fi­nanz­ielle Abfindung erhielten. Zur Unterstützung dieser Armee aus römischen Bürgern gab es Hilfstruppen aus den reichszugehörigen Völkern, deren Solda­ten bei der Entlassung das römische Bürgerrecht (aber ebenfalls kein Land mehr) erhielten.

Diese Truppen nutzte Augustus, um das schwer zu verteidigende römische Reich abzurunden. Dabei suchte er natürliche Grenzen und schloss etwa die Lücke zwischen dem Westen und dem Osten des römischen Gebietes durch die Eroberung des Balkans bis zur Donau. (Der Versuch einer Grenzziehung an der Elbe schei­terte jedoch, als es den germanischen Cheruskern gelungen, die Römer im Jahr 9 n.Chr. in der Schlacht am Teutoburger Wald zu schlagen; einige Jahre später mussten sie ganz auf die geplante Provinz Germania verzichten und zog seine Truppen an den Rhein zurück.) Im Osten gab es dem direkten römischen Herrschaftsgebiet vorgelagerte Königreiche, die unter römischem Einfluss standen, was es Rom ersparte, hier eigene Verwaltungsstrukturen aufzubauen (zu diesen "Klientelstaaten" gehörte das von König Herodes regierte Judäa). Rom erhielt weiter­hin bedeutende – und dank der regelmäßigen Nilfluten auch zuverlässige – Getreidelieferungen aus Ägypten; über Alexandria erhielt es zudem auch Luxusgüter aus dem "Indienhandel", der sich vertieft hatte, seit­dem Händler und Seefahrer gelernt hatten, direkt über das Rote Meer nach Indien zu segeln. Über Indien gelangte wohl auch schon Seide aus China nach Rom. Die als pax romana bezeichnete Wiederherstellung des inneren Friedens und der damit verbundene Wohlstand und die erfolgreiche Ausdehnung des Reiches sorgten dafür, dass Augustus' Machtfülle keinen Widerstand hervorrief. Damit das auch bei seinem Nachfolger so blieb, stellte Augustus seine Nachfolge früh klar: er verheiratete seine Tochter Julia mit seinem Stief- und Adoptivsohn Tiberius, dem er zudem an seinen Amtsgeschäften beteiligte. So überstand das Kaisertum den Tod Augustus' im Jahr 14 n.Chr.

Die Nachfolgeregelung blieb auch danach problematisch – der neue Kaiser musste sowohl von den Soldaten akzeptiert werden als auch die nicht immer deckungsgleichen Interessen der zivilen Eliten berücksichtigen; wenn das nicht gelang, konnte das – in den folgenden 200 Jahren geschah dies zweimal – wieder zu Bürgerkriegen führen. Aber im Großen und Ganzen waren die fol­genden 200 Jahre dennoch eine Zeit des inneren Friedens und des Wohlstands. Um den äußeren Frieden zu sichern, sollten die Grenzen weiter optimiert werden; dazu gehörte, die noch fehlenden Gebiete innerhalb von Rhein, Donau und Euphrat zu erobern und die Klientelstaaten zu römischen Provinzen zu machen. Um Gallien abzusichern, wurde ab 43 n.Chr. Britannien erobert (wo unter Kaiser Hadrian ein Grenzwall, der "Hadrianswall" errichtet wurde); um die Grenze zwischen Rhein und Donau zu verkürzen, begann unter Kaiser Domitian 83 n.Chr. die Eroberung germanischen Gebiets. Um diese Grenze zu sichern, wurde der "Obergermanisch-Rätische Limes" als Grenzwall erreichtet. Kaiser Trajan eroberte das Reich der Daker im Karpatenbogen (106 n.Chr.) und Armenien, Mesopotamien und Assyrien (114-116 n.Chr.). Mit der Verteidigung dieser letzten Eroberungen wäre das Reich aber überfordert gewesen, Kaiser Hadrian verzichtete daher sofort nach Amtsantritt (117 n.Chr.) auf diese drei Provinzen. Unter Trajan hatte das Römische Reich daher seine größte Aus­dehnung erreicht. In den folgenden Jahren ging es vor allem darum, An­griffe auf diese Grenzen abzuwehren, so gelang es unter Kaiser Marc Aurel, Angriffe der Parther im Osten abzuwehren (161-166). Auch die Nordgrenze blieb unruhig, ab 166 fielen etwa die germanischen Markomannen mehrfach in das Römische Reich ein (die Einfälle gelten manchem Historiker als Vorboten der Völkerwanderung); sie konnten nur unter großen Anstrengungen abgewehrt werden. Seit 165 suchte zudem eine vermutlich von heimgekehrte Legionären im Krieg gegen die Parther ins Land gebrachte Pandemie das Römische Reich heim, die "Antoninische Pest" (vermutlich eine Pockenepidemie). Sie führte zu einem Massensterben, alleine in Rom starben 2.000 Menschen am Tag. Möglicherweise verstarb auch Marc Aurel 180 bei einem Feldzug gegen die Markomannen (die ebenfalls, aber mit weniger gut dokumentierten Folgen, unter dieser Pest litten) an dieser Krankheit. Insgesamt hat sie wohl 7 bis 10 Millionen Menschen das Leben gekostet [604].

Umstritten ist, inwieweit die Antoninische Pest (die ab 189 abebbte) und die von ihr ausgelösten wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen zu den Problemen des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert beigetragen hat. Marc Aurels Sohn und Nachfolger Commodus jedenfalls, der die Besteuerung der Senatoren erhöhen wollte, wurde nach mehreren gescheiterten Attentats­versuchen 192 ermordet, und es begann eine Kette von gewaltsamen Machtüber­nahmen und Bürgerkriegen. Erschwert wurde die Lage durch erneute Angriffe germanischer Stämme im Norden, vor allem aber der Sassaniden (die im Jahr 224 das Partherreich erobert hatten und das Sassanidenreich oder “dritte Perserreich” begründet hatten) Osten; Kaiser Valerian starb in sassanidi­scher Gefangenschaft, in die er 260 geraten war. Am Schwarzen Meer fingen die dort siedelnden Goten (die ihrerseits von den Hunnen bedrängt wurden, siehe Völkerwanderung) an, den Balkan zu plündern. Dabei kämpften (und siegten) sie im Jahr 251 im heutigen Bulgarien gegen die Römer, wurden aber 269 im heutigen Serbien vernichtend geschlagen. Dazu kam eine erneute Pandamie, die "Cyprianische Pest": diese war 250 wohl in Äthiopien ausge­brochen und wütete schlimmer als die Antoninische Pest: in Rom sollen bis zu 5.000 Menschen am Tag gestorben sein. (Der Erreger ist unbekannt, wahr­schein­lich waren es ebenfalls die Pocken, vielleicht sogar eine Rückkehr der Antoninischen Pest.) Eine Folge der Kriege (und der Pest) war, dass sich die Schwerpunkte des römischen Reichs an seine Ränder, wo es verteidigt wurde, verschoben: die Militärverbände verteidigten ihre Heimat, ließen sich aber nicht ohne Widerstand in andere Regionen verlagern. Das begünstigte Auf­stände lokaler "Gegenkaiser". Erst Kaiser Aurelian konnte 273 nach der Aufstellung starker Reiterverbände, die in Norditalien stationiert waren, die Einheit des Reiches wiederherstellen. Um das Reich an den vielen Fronten besser steuern zu können, schuf Kaiser Diokletian 284 das "Kolle­gium": fortan sollten vier Teilkaiser für die Teile des Reichs zuständig sein, von denen zwei als Augusti den beiden Caesares übergeordnet waren. (Diese Aufteilung sollte letztendlich den Zerfall des Reiches in einen westlichen und einen östlichen Teil begünstigen. Der westliche Teil wurde infolge der Völkerwanderung immer wieder von germanischen Stämmen angegriffen und zerfiel.)

Diokletian hatte aber noch ein anderes Problem: die Christen. Im öst­lichen Mittelmeerraum hatte schon vor der Zeitenwende ein halbnomadischer Stämme­bund mit dem Judentum eine einheitliche Kultur und Religion entwickelt, zu der der Glaube an einen einzigen Gott gehörte. Im Jahr 63 v.u.Z. hatte das Römische Reich sein Siedlungsgebiet in Palästina erobert. Viele Juden glaub­ten, ihr Gott werde sie vor diesem Besatzer schützen – darunter war ein jüdischer Wanderprediger, der um 27 v.u.Z. begann, seine Lehre zu verkünden: Jesus von Nazareth. Diese Lehre (“die Letzten werden die Ersten sein”) ver­schreckte auch manche jüdische Synagoge; und er wurde durch die römischen Besatzer gekreuzigt. Am dritten Tag nach seinem Tod verschwand seine Leiche aus dem Grab, und seine Anhänger wollten ihn hier und da gesehen haben. Sie hielten ihn für den jüdischen Messias und Sohn Gottes, der nach seinem Tod zu seinem Vater zurückgekehrt war: das ist die Grundlage des Christentums (heute mit etwa zwei Milliarden Gläubigen die anhänger­stärkste Religion der Welt). In der Krise des 3. Jh. war es im Römischen Reich erneut zu einem Aufleben der überlieferten religiösen Kulte gekommen, das führte aber zum Konflikt mit dem Christentum: die Christen, die nur einen einzigen Gott akzeptierten, weigerten sich, die in den traditionellen Riten geforderten Opfer zu bringen, was die Römer irritierte, zumal die fanatischeren unter den Christen auch begannen, sie als "Heiden" zu be­zeichnen. Gelegentlich wurden die Christen daher zu Sündenböcken (so 64 unter Kaiser Nero, der ihnen die Schuld an einem katastrophalen Brand in Rom zuschob). Im 3. Jh. kam es dann unter den Kaisern Decian und Valerian zu Christen­verfolgungen; insgesamt konnten aber auch die Christen von der alten römischen Tradition der Freiheit der Religionsausübung profitieren und der Glauben sich daher ausbreiten [610]. Diokletian glaubte dagegen nicht an die Vereinbarkeit der römischen Lebensweise mit dem Christentum: erst entfernte er die Christen aus Armee und kaiserlichem Dienst, ab 303 begann er mit einer Christen­verfolgung, mit der ihre Kirche zerschlagen werden sollte (die Verfolgung endete im Westen des Reiches nach zwei Jahren, hielt im Osten aber auch unter Diokletians Nachfolger Galerius bis 311 an).

Das oströmische Reich fand 306 mit Konstantin dem Großen einen fähigen Führer. Zunächst war Konstantin "nur" Teilkaiser, aber die unter Diokletian herrschende Einigkeit unter den Teilkaisern war nach dessen Rücktritt 305 vorbei. Es kam erneut zu Bürgerkriegen, in deren Verlauf Konstantin zum Alleinherrscher werden sollte: erst besiegt er 312 bei Rom den Herrscher über Italien und Africa, Maxentius; 324 dann den Augustus des Ostens, Licinus. Im Vorfeld der Schlacht gegen Maxentius soll Konstantin eine Vision gehabt und ein leuchtendes Kreuz gesehen haben, worauf er das Christusmono­gramm auf die Schilder seiner Soldaten malen ließ; nach dem erfolgreichen Kampf stützte er seine Herrschaft auf das Christentum (ließ sich aber erst auf dem Sterbebett taufen). Das förderte die Verbreitung des Christentums im gesamten Mittelmeerraum. Konstantin gründete 330 zudem an Stelle des grie­chi­schen Byzantion am Bosporus das "neue Rom" – die neue Hauptstadt Konstan­tinopel. Diese profitierte auch von ihrer Lage an einem strategischen Handels­knotenpunkt zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer – das aus grie­chischen und ptolemäischen Zeiten stammende Handelsnetzwerk bestand im westlichen Mittelmeerraum nach wie vor.

Byzanz, wie das oströmische Reich nun auch genannt wurde, überdauerte noch weitere tausend Jahre. Kaiser Julian (361 – 363) versuchte noch einmal, das Christentum zurückzudrängen, aber ohne Erfolg, unter Kaiser Theodosius (379 – 395) begann dann sogar eine systematische Verfolgung der "Heiden": Opfer­riten wurden mit brutalen Strafen verfolgt, "heidnische" Statuen und Tempel zerstört, "heidnische" Bücher verbrannt [612]. Mit der Übernahme des Christentums als Staatsreligion gewannen aber auch die innerchristlichen Streitigkeiten an Bedeutung, etwa über die (menschliche oder göttliche) Natur des Christus (und damit auch über den Rang Marias – war sie "Mutter Gottes" oder nicht?). Die über diesen Fragen entstehenden Spannungen sollten dazu beitragen, dass die Christen später den islamischen Arabern nicht einig gegenüberstanden. Auch schwächte das Christentum die Rolle des Kaisers, stand doch jetzt ein allmächtiger Gott über diesem – und spielte daher der geistliche Leiter der Kirche, der Bischof von Rom (für den sich die Bezeichnung "Papst" einbür­gerte), als dessen "Vertreter auf Erden" eine zunehmende Rolle. Auch das alltägliche Leben änderte sich: An die Stelle des römischen Carpe diem ("Genieße den Tag"), das dazu aufforderte, das kurze Leben zu genießen, trat die Furcht davor, nach dem Ableben in Folge der Sünden auf der Erde in die Hölle zu gelangen. Das Verhältnis zur Körperlich­keit änderte sich: waren die alten Römer ausgesprochen sinnenfroh, wie etwa die Liebesgedichte eines Ovid zeigen, konnte Sex, der nicht ausschließlich der Zeugung von Nachwuchs diente, jetzt direkt in die Hölle führen. Der neue Gott und seine Bischöfe interessierten sich aber nicht nur für das, was in privaten Schlaf­zimmern geschah, auch Theatervorstellungen und Badehäuser fielen unter den christlichen Bann.

Politisch aber war Byzanz lange Zeit noch stark: es kam zwar immer wieder Auseinandersetzungen mit den Sassaniden, Byzanz konnte unter Justitian I. (525 – 567) aber große Teile des alten römischen Reiches im Westen wieder zurückerobern, darunter auch Italien. Gleich­zeitig verlor das Reich jedoch im Osten Gebiete an die Sassani­den. Zudem verheerte eine erneute Pandemie das römi­sche Reich, von der 541 zum ersten Mal aus Ägypten berichtet wurde: die Justitianische Pest erreichte 542 Konstantinopel; diesmal handelte es sich im Unterschied zur Antoninischen Pest tatsächlich um die (Beulen-)Pest (ausgelöst durch das Pestbakterium Yersinia pestis, wie inzwischen DNA-Proben aus der justitianischen Zeit [614] belegen). Die Pest fiel zusammen mit dem vollen Einsetzen der spätantiken kleinen Eiszeit (und folgte auf die möglicherweise durch Vulkanausbrüche ausgelös­ten besonders kalten Jahre 535/536 [wikipedia]); sie breitete sich in kurzer Zeit im gesamten römischen Reich (mit Ausnahme der Arabischen Halbinsel, wo eine überwiegend nomadische Bevölkerung lebte) aus und erreichte auch Persien. Die Zahl der Opfer ist unbekannt, Schätzungen reichen von 20 bis 50 Prozent der Bevölkerung des römischen Reiches. Die Pest klang nach etwa drei Jahren wieder ab, sollte allerdings in der Folgezeit (bis 770) etwa alle 15 bis 20 Jahre wieder auftreten. Im Jahr 664 erreichte sie dabei auch den Norden Europas bis nach Großbritannien.

Die Sassaniden erlebten im 6. Jahrhundert eine Blütezeit, während Byzanz nach Justitians Tod einen Teil seiner Ge­biets­gewinne (darunter Italien) – möglicherweise auch in Folge der Schwächung durch die Pest – wieder verlor. Das Verhältnis zwischen Rom und den Sassaniden blieb span­nungs­reich, umstritten blieben insbesondere der Kaukasus und Mesopotamien. Schließlich aber überforderten die Sassaniden-Könige ihr Heer und ihr Volk; auf die Eroberung Ägyptens 619 und das Vorrücken bis Konstantinopel 626 folgte die Niederlage gegen Byzanz in der Schlacht bei Ninive 627. Beide Großmächte wurden durch diese Ausein­ander­setzungen weiter geschwächt, und es sollten mächtige Eroberer kommen, die von ihrem neuen Glauben, dem Islam, angetriebenen Araber: Sie vernichte­ten das Sassaniden­reich und beschränkten Byzanz auf ein Kerngebiet in Klein­asien.

Der Islam und sein Reich

Der Islam war in der arabischen Halbinsel entstanden, wo der Überlieferung zufolge im Jahr 610 dem Propheten Mohammed erstmals der Erzengel Gabriel erschien, der ihm nach und nach die Verse des Korans offenbarte. Mohammeds Lehre von nur einem Gott stand im Widerspruch zur auch hier herrschenden Tradition vieler Götter; und seine Heimatstadt Mekka lebte nicht nur vom Handel der Karawanen, sondern war als Heiligtum einer örtlichen Gottheit auch ein bedeutendes Pilgerziel. Mohammed hatte hier keine Zukunft und floh 622 nach Medina, knapp 400 Kilometer nördlich gelegen. Die Stadt wurde zum Zentrum islamischen Lebens; und Mohammed wurde zu ihrem geistlichen und weltlichen Führer. Er begann mit ersten “Razzien” (Überfälle) gegen Karawanen nach Mekka; und war im Jahr 630 stark genug, seine ehemalige Heimatstadt zu erobern. Eines der Glaubensprinzipien des Islam ist der Dschihad, der offensive Kampf zur Ausbreitung des Islam, und noch zu Lebzeiten Mohammeds begann ein Siegeszug.

Nach Mohammeds Tod im Jahr 632 eroberten seine Nachfolger (die 661 die Hauptstadt nach Damaskus verlegten) und ihre Krieger zunächst große Teile des Sassanidenreichs sowie die syrischen und ägyptischen Provinzen des Byzantinischen Reichs. Anschließend – nach einem gescheiterten Versuch, Nubien zu erobern - stießen sie entlang der südlichen Mittelmeerküste in die Provinz Ifriqiya (das heutige Ostalgerien, Tunesien und Libyen) vor, eroberten 698 Karthago, gründeten das benachbarte Tunis und die Garnison Kairouan, zogen weiter nach Marokko setzten schließlich 711 auf die Iberische Halbinsel (al-Andalus) über – erst 732 wurden sie von den Franken gestoppt. In Zentralasien erreichten sie den Indus und Samarkand (mehr). Nur 80 Jahren nach Mohammeds Tod reichte das Reich des Islam von Lissabon am Atlantik bis nach Samarkand in Zentralasien.

Ein solch großes Reich war, wie schon das Römische Reich erfahren hatte, nicht leicht zusammenzuhalten, zumal auch die gemeinsame Religion nicht nur einte: die Anhänger des Islam stritten um die Frage, wer als legitimer Nachfolger (Kalif) von Mohammed gelten kann. Auch das Zusammenleben der Araber mit ihren mitgebrachten Stammesloyalitäten – die in der Ferne womöglich noch intensiviert wurden – mit den alten Kulturen der Syrer und Perser verlief nicht immer spannungsfrei. Mitte des 8. Jahrhundert vereinigte sich die Opposition gegen die in Damaskus regierende Umayyaden-Dynastie, die im Jahr 750 mit deren Ablösung durch die Abbasiden führte. Diese machten Bagdad zur neuen Hauptstadt des islamischen Reichs. Die ehemaligen sassanidischen Gebiete waren ihr Hauptinteresse, der Westen kümmerte sie weniger: so konnte ein Umayyaden-Prinz, dem es gelang, nach Andalusien zu fliehen, 756 zum Emir von Córdoba werden, der neuen Hauptstadt des moslemischen Spaniens, werden. Auch in Tunesien konnte 800 mit den Aghlabiden ein lokale Dynastie die Herrschaft übernehmen. Die Aghlabiden eroberten 827 Sizilien.

Ab 750 waren es aber nicht mehr überwiegend militärische Eroberungen, sondern das Netzwerk arabischer Händler, das die Ausbreitung des Islam wesentlich förderte. Nach dem Ende des Römischen Reichs hatten diese Händler ihre alte Rolle im Gewürzhandel zurückerobert, und ihre Rolle bei der Ausbreitung des Islam zeigt sich heute noch daran, dass Indonesien der bevölkerungsreichste muslimische Staat ist – aber niemals militärisch vom Islam erobert wurde. Mohammed war selbst ein Händler gewesen; und im 8. Jahrhundert begannen arabische Seefahrer sogar, selbst bis nach China zu segeln, wo sie in Kanton handelten. Auf diesen Reisen über den Indischen Ozean beruhen die Geschichten von Sindbad dem Seefahrer; die Ausdehnung des islamischen Reichs sollte auch die Reise des Ibn Battuta zeigen. Der Handel sorgte dafür, dass Jade, Seide und Porzellan aus China in das islamische Reich gelangten, aus Afrika Gold, Elfenbein und Sklaven und aus Russland Pelze und Bernstein.

Lediglich im westlichen Mittelmeer dauerte es eine Zeit, bis die durch die arabischen Eroberungen zerstörten alten Handelsnetze sich neu ausbildeten. Da es Muslimen untersagt war, in den Ländern Ungläubiger zu leben, lag der Handel dann oft in Händen jüdischer oder christlicher Kaufleute – darunter ganz neue Mitspieler wie die an einer Lagune gelegene Handelsstadt Venedig, die mit einem Salzmonopol zu Reichtum gekommen war, eine zentrale Rolle im Handel zwischen Westeuropa und Byzanz spielte und früh Kontakt zu den neuen muslimischen Herrschern aufnahm. Aber arabische Seeräuberei behinderte den Handel noch länger, erst im 9. Jahrhundert nahm er Fahrt auf. Im 10. Jahrhundert gewann eine weitere italienische Hafenstadt, Amalfi, eine zentrale Rolle im Handel mit dem islamischen Reich.

Dieses war im 9. Jahrhundert zu einer Zivilisation geworden, die nur in  China ein Gegenstück hatte. Córdoba wurde mit 500.000 Einwohnern die größte Stadt Europas; am Hof in Bagdad blühten Musik und Literatur; wobei auch die Kultur der eroberten Völker – etwa der Perser – eine wichtige Rolle spielten. Ebenso wichtig war Wissen: Mohammed hatte schließlich auch gesagt, dass die Tinte eines Gelehrten wertvoller war als das Blut eines Märtyrers. 830 gründete der Kalif al-Ma’mum in Bagdad das “Haus der Weisheit”, in dem klassische Texte aus Griechenland und Indien und das bekannte Wissen über Medizin, Mathematik, Naturwissenschaften und Astronomie wurden übersetzt und zusammengefasst wurden. Avicenna fasste 1037 in seinem “Kanon der Medizin” das medizinische Wissen seiner Zeit zusammen, das Buch sollte über hunderte von Jahren Grundlage für die Ärzte bleiben. Neue Lebensmittel (Aprikosen, Reis, Zucker) wurden nach Europa eingeführt, Baukunst und Lebensart erreichten neue Höhen. 751 war den Arabern zudem bei Samarkand eine Gruppe chinesischer Händler in die Hände gefallen, von denen sie ein Geheimnis erfuhren, das die Geschichte Europas verändern sollte: die Papierherstellung.

Während der islamische Glaube sich noch lange weiter ausbreiten sollte, begann die weltliche Macht der Araber bereits im 10. Jahrhundert zu zerfallen. 909 vertreiben die Fatimiden (deren erster Kalif seine Abstammung auf Mohammeds Tochter Fatima zurückführte) die Aghlabiden in Ifriqiya; 969 gelang ihnen die Eroberung Ägyptens und 979 die von Mekka und Medina. Die Hauptstadt des Fatimiden-Kalifats wurde Kairo. 1031 zerfiel das Kalifat von Córdoba in eine Reihe zerstrittener Teilreiche. Gleichzeitig erstarkten die christlichen Reiche im Norden Spaniens, und ermutigt von den internen Streitigkeiten begann die "Reconquista", die "Wiedereroberung" der Iberischen Halbinsel; beginnend mit der Invasion Siziliens durch die Normannen 1061 und der Eroberung Toledos 1085. Die Kämpfe sollten über 400 Jahre anhalten, aber schließlich verloren mit der Kapitulation von Granada 1492 die “Mauren” ihre letzte europäische Bastion (mehr). Auch woanders witterten die Nachbarn den Zerfall des islamischen Reiches: das ehemals sasanidische Gebiet wurde bereits 1055 von türkischen Seldschuken erobert (hier); 1258 dann von den Mongolen – was die endgültige Zerschlagung des Kalifats bedeutete. Den Rest des (im wesentlichen Ägypten und Syrien umfassenden) islamischen Reichs bedrohten die Ende des 11. Jahrhunderts einsetzenden Kreuzzüge: Das Fatimiden-Kalifat in Kairo wurde 1171 von den türkischstämmigen Zengiden gestürzt, die es um Hilfe beim Kampf gegen die Christen gebeten hatten. Diese begründeten die Ayyubiden-Dynastie, die selbst – nach dem Angriff des Sechsten Kreuzzuges – 1250 von den Mamluken (Militärsklaven, die als Heerführer große Macht gewonnen hatten) gestürzt wurden. Das Mamluken-Reich in Ägypten und Syrien (das sich 1260 gegen die Mongolen verteidigen konnte) war damit der wichtigste verbliebene Teil des arabischen Reichs.

Die Entstehung des Osmanischen Reichs

Als die zentralasiatische Steppe während der mittelalterlichen Warmzeit immer trockener wurde, zogen zentralasiatische Nomaden, die Seldschuken, gen Westen. Sie eroberten 1055 Bagdad und besiegten 1071 das byzantinische Heer. Unter den Angriffen der Mongolen zerfiel jedoch ab Mitte des 13. Jahrhunderts das seldschukische Reich. In Anatolien entstanden kleinere Fürstentümer; das Ende des 13. Jahrhunderts von Osman I. gegründete wurde zur Hauptmacht. Bald erweiterte er auf Kosten der anderen Fürstentümer und dann von Byzanz seinen Einflussbereich. Sein Enkel Murad baute die Janitscharen auf, die Elitetruppe der osmanischen Armee. Sie gewannen die Vorherrschaft in Kleinasien, und 1354 eroberten die Osmanen mit Gallipoli die erste Stadt in Europa. Der Vormarsch auf den Balkan endete 1389 mit einer Niederlage gegen Serbien ("Schlacht auf dem Amselfeld"); und 1402 mussten die Osmanen eine schwere Niederlage gegen den türkisch-mongolischen Heerführer Timur (Tamerlan) hinnehmen, der zuvor das iranisch-irakische Reich erobert hatte. Timur wandte sich anschließend gen China (verstarb aber auf dem Weg). Die Osmanen konnten sich schnell wieder erholen: 1453 eroberten sie mit Konstantinopel die letzte Bastion von Byzanz und die Kontrolle über den Weg ins Schwarze Meer. Unter Mehmed II., der davon träumte, das römische Reich (unter seiner Herrschaft) wiederherzustellen, besiegten die in Europa Türken genannten Osmanen Albanien und griffen 1480 Otranto in Süditalien an. Nach Mehmeds Tod 1481 endete die Expansion gen Westen jedoch. Seine Nachfolger konzentrierten sich auf den Osten: 1516/17 wurde das Mamluken-Reich in Ägypten erobert – die Araber wurden damit zum Teil des Osmanischen Reichs.

Die Ausbreitung der Religionen...

... belegt eindrücklich, wie verbunden die Menschen in Europa, Asien und Nordafrika schon in den 1.000 Jahren um die Zeitenwende waren. Es mag einhundert Jahre gedauert haben, bis eine Idee vom Mittelmeer bis nach China gelangte (oder umgekehrt), aber der Austausch war da. Eine wichtige Rolle spielte der Handel. Das Christentum profitierte von dem weit verbreiteten Handelsnetz der Juden, von denen manche den neuen Glauben übernahmen; die Rolle der Händler bei der Ausbreitung des Islam ist oben dargestellt. Die Ausbreitung der Religionen erinnert aber auch, wer noch nicht an diesem Austausch teilnahm: Sie gelangten nicht in den Süden Afrikas, nach Australien und Neuguinea und nach Amerika. 

China

Die (späte) Han-Dynastie

In China hatte Wang Mang sich im Jahr 9 zum Kaiser erklärt. Nach einer gescheiterten Bodenreform und katastrophalen Überschwemmungen des Jangtse im Jahr 11 brach jedoch eine Rebellion aus, die die Han wieder an die Macht bringen wollte. 23 u.Z. eroberten die Rebellen Chang'an und töteten den Kaiser. Neuer Kaiser wurde nach einem Streit in der Rebellenkoalition 25 u.Z. Guangwu. Er verlegte die Hauptstadt nach Luoyang. Die von ihm begründete spätere Han-Dynastie hatte aber mit der früheren neben dem Namen nicht viel gemeinsam; die Kaiser mussten sich von Anfang an mit lokalen Machthabern – "große Familien", die durch Landbesitz  oder Handel zu Reichtum gekommen waren – arrangieren. Die Kaiser wurden immer schwächer, ab 88 u.Z. kamen wieder Kinder auf den Thron; Marionetten des Hofstaates (620). Der Zerfall des Zentralstaates führte zur Entstehung messianischer Bewegungen und neuer religiöser Weltentwürfe, 142 u.Z. gründete Zhang Daoling eine daoistische Kirche. Der sehr wandelbare Daoismus nahm zahlreiche regionale Volksreligionen und selbst buddhistische Texte auf; er sollte die chinesische Kultur bis heute prägen (so geht die traditionelle chinesische Medizin auf daoistische Heilkünstler zurück). Die Han-Dynastie litt ab 168 unter (wahrscheinlich von einer Klimaverschlechterung ausgelösten [622]) Angriffen von Nomaden im Norden, und als sich 184 auch noch daoistisch inspirierte Gruppen gegen die Dynastie wendeten und die Generäle, die gegen sie kämpften, schließlich selber die Hauptstadt Luoyang brandschatzten, versank das Land in Bürgerkriegen. Der Versuch des Generals Cao Cao, das ganze Reich in seine Hand zu bekommen, scheiterte in der in China sehr berühmten (624) Schlacht von Chibi.

Die Drei Reiche und die Teilung des Reiches

Im Jahr 220, nach Cao Caos Tod, rief sein Sohn Cao Pi sich zum Kaiser einer neuen Dynastie aus, woraufhin sich die starken Männer in Sichuan und im Südosten, Liu Bei und Sun Quan, ebenfalls zu Kaisern erklärten: Es begann die Zeit der Drei Reiche. China war jetzt politisch seinen großen Naturräumen folgend gegliedert: das Reich Wei umfasste das Lößgebiet im Nordosten, das Reich Shu-Han das von Bergen umgebene Sichuan-Becken und das Reich Wu das Yangzi-Tal. Zugleich dehnte es seinen Einfluss aus: Wu erschloss den Süden bis in die tropischen Küstenregionen (Guangzhou) und begann sogar mit der Seefahrt, seine Flotten gelangte bis in Reich Funan. Wei nahm den Norden der koreanischen Halbinsel ein, knüpfte Verbindungen nach Japan und vertiefte seine Kontakte mit den Nomadenvölkern in Zentralasien (von denen es den gusseisernen Steigbügeln übernahm, der berittenen Bogenschützen besseren Halt gab). 263 eroberte Wei das Reich Shu-Han und 280 das Reich Wu, aber bald nach dem Tod des Reichseinigers Sima Yan zerfiel das Reich, 30 Dynastien und Königreiche entstanden und zerfielen in den folgenden Jahrhunderten.

Es begann eine neue Zeit der Kriege und des Hungers, die auf 60 Millionen Menschen gewachsene Bevölkerung litt auch unter Seuchen: Im Norden und im Zentrum Chinas entvölkerte etwa im Jahr 312 die Pest weite Landstriche, weitere Epidemien folgten 322 und 423. Im 5. Jahrhundert lebten in China nur noch etwa 25 Millionen Menschen. Andererseits kam es in dieser Zeit nachlassenden Einflusses der Reiche zu einer Blüte bei Dichtung, Malerei und Kalligraphie, die sich von religiösen und politischen Bindungen befreiten; außerdem gewann der von Händlern auf dem Seeweg nach Guangzhou und mit Kamelkarawanen nach Nordchina gelangte Buddhismus an Bedeutung. Vermischt und angereichert mit daoistischen Elementen wurde er im Süden mit der Liang-Dynastie und im Norden und den Nördlichen Wei zur „Staatsreligion“. Indische Schriften wurden systematisch ins chinesische übersetzt, und chinesische Mönche reisten ab Ende des 4. Jh. nach Indien, um die Lehre besser zu verstehen und weitere Texte nach China zu bringen. Die von den Nördlichen Wei erbauten riesigen Grottentempel von Yungang und Longmen erinnern noch heute an die diese Zeit. Die Nördlichen Wei bauten ab 493 auch die zuletzt 311 zerstörte Hauptstadt Luoyang wieder auf: als 15 km² großes ummauertes Rechteck, in dem breite Nord-Süd- und Ost-West-Straßen 220 ummauerte Viertel abgrenzten, in denen 500.000 Menschen lebten und 1.367 buddhistische Tempel standen. Unterdessen war es den aus dem Altai-Gebirge stammenden Kök-Türken gelungen, ganz Mittel- und Zentralasien zu einem Reich zu vereinen; dieses wurde zu einer Bedrohung Chinas: die Nachfolger der Nördlichen Wei mussten den Frieden an ihrer Nordgrenze mit bis zu 100.000 Bahnen Seide jährlich erkaufen.

Sui- und Tang-Dynastie

War es, wie schon bei der Entstehung des ersten Kaiserreichs, dieser Druck, der zur Wiedervereinigung führte? Jedenfalls gelang es dem Herzog von Sui, sich 581 des Kaiserthrons im Norden (der 552 schon Sichuan eingenommen hatte) zu bemächtigen und bis 589 die Dynastien im Süden zu besiegen: China war wieder ein Reich. Die Sui-Dynastie war kurzlebig, aber unter Kaiser Wen wurden die alten Eliten entmachtet und Beamte nach einer Prüfung ihrer strategischen Fähigkeiten (und der Kenntnis der kanonischen Schriften) ausgewählt, nach dem Vorbild Luoyangs eine neue, gelplante Hauptstadt (Daxing) beim alten Chang'an erbaut und mit dem Bau des Kaiserkanals zur Versorgung der Hauptstadt begonnen. Sein Nachfolger Yang baute eine zweite Hauptstadt in Luoyang vollendete den Bau des Kaiserkanals und ließ die Große Mauer ausbauen. Insbesondere der Kaiserkanal und das mit diesem verbundene Kanalsystem, mit dem Felder be- und entwässert und auf dem Güter transportiert werden konnten, sollte zum Rückgrat des Reiches werden. Allerdings kamen bei seinem Bau von den 5 Millionen Zwangsarbeitern 2,5 Millionen um; und nach Überschwemmungen am Huanghe 611 brachen erste Aufstände aus. Als 612–614 auch noch ein Feldzug gegen das Koguryŏ-Reich in Korea scheiterte (bei dem eine Million Soldaten umgekommen sein sollen), übernahmen die alten Eliten die Führung der Aufstände: 617/8 nahm der General Li Yuan Daxing und Luoyang ein und bestieg den Thron: der Beginn der Tang-Dynastie. Daixing wurde wieder in Chang'an umbenannt.

Nachdem Li Yuan bis 624 andere Rebellenregimes, die sich ebenfalls als Sui-Nachfolger sahen, niedergeschlagen hatte, folgte ihm 627 sein Sohn Li Shimin als Taizong auf dem Thron. Er besiegte die Kök-Türken und wurde auch deren "Himmlischer Khan" und damit zum Herrscher über die zentralasiatische Steppe. (Zwei Feldzüge nach Korea scheiterten allerdings, und in Tibet wuchs unter dem ersten König Songtsen Gampo, dessen Einfluss bis nach Sichuan reichte, ein neuer Gegner heran.) In die Zeit Taizongs fiel die legendäre Pilgerfahrt des Mönches Xuanzang nach Indien (626), eine neue, verbindliche Fassung der konfuzianischen "Fünf kanonischen Schriften" und ein daoistischer Kanon wurde erstellt (627). Es begann eine Blütezeit mit zunehmendem Handel und kulturellem Austausch; es entstanden Handelszentren wie Dunhuang, wo Nord- und Südrouten der Seidenstraße zusammentrafen, in Guangzhou liefen Schiffe aus Malaysia und Java, Indien und Ceylon, Arabien und Persien ein. In Yangzhou, wo sich Yangzi und Kaiserkanal trafen, wurden die Waren verteilt, auch arabische und persische Kaufleute lebten in diesem "Venedig des Ostens". Chang'an wurde mit einer Million Einwohnern zur größten Stadt der Welt, persische Musik und blonde Tänzerinnen entzückten im Vergnügungsviertel der Oststadt (628). Taizongs Nachfolger Gaozong unterwarf die Thai-Reiche Champa und Zhenla sowie die drei Reiche der koreanischen Halbinsel, im Norden und Westen rebellierten allerdings die Türken und griffen die Tibeter wichtige Handelsrouten an. Dazu kamen Fluten und Dürren, die zu Hungersnöten führten. Eine Nachfolgerin, Wu Zhao (630), verlagerte die Hauptstadt wieder in das leichter zu versorgende Luoyang und verteidigte das Reich erfolgreich gegen Türken und Tibeter. 712 begann mit Kaiser Xuanzong eine zweite Blütezeit der Tang: Straßen und Kanäle wurden instandgesetzt, Getreidespeicher gegen die Hungersnöte gebaut. Die unter den Sui eingeführten Beamtenprüfungen wurden weiter ausgebaut. Xuanzong soll daneben 30.000 Künstler unterhalten haben, vor allem die Dichtkunst erreichte neue Höhen; er errichtete Tempel für Laozi und verfügte, dass jeder Haushalt eine Kopie von Laozis Daode jing besitzen müsse, das er zum wichtigsten kanonischen Werk erklärte. Zugleich wurde der Chan-(japanisch: Zen-)Buddismus zur einflussreichsten buddhistischen Schule.

Das Ende der Tang leiteten im 8. Jahrhundert bei kälter und trockener werdendem Klima die Nachbarstaaten ein: Tibet im Westen, die Türken und später die Uiguren (die 744 die Türken besiegt hatten) im Norden. Zur Verteidigung brauchten die Tang (teure) Berufssoldaten. Dazu kam 751 ein neuer Gegner, die Araber. In der Schlacht am Talas-Flüsse besiegten die Abbasiden die Truppen der Tang, die Tang verloren den Westen, und danach begann das Reich zu bröckeln. Den Todesstoß verlieh ihm der Aufstand des Generals An Lushan, der 755 den Kaiser in Exil trieb; in weiten Teilen brach die Ordnung zusammen. Die zentralasiatischen Gebiete fielen an die Tibeter und die Uiguren. Die Handelswega nach Westen waren blockiert, 763 konnten die Tibeter sogar kurzzeitig Chang'an besetzen. Zwar konnten die Tang sich noch 150 Jahre an der Macht halten, aber das Reich siechte eher dahin: es war vom Krieg gekennzeichnet, in weiten Teilen herrschten Generäle, anderswo gewannen Großgrundbesitzer an Einfluss. Die alte Weltoffenheit ging verloren, 842–845 kam es zu Buddhistenverfolgungen, 40.000 Tempel wurden zerstört (ganze 49 verblieben); 879 wurden in Guangzhou 120.000 Moslems, Christen und Juden von Rebellen umgebracht. 880/81 wurden Luoyang und Chang'an von Rebellen zerstört, deren Generäle teilten das Land unter sich auf.

Song-Dynastie

Nach dem „offiziellen“ Ende der Tang-Dynastie im Jahr 907 (ein General hatte den Kaiser unter seine „Obhut“ genommen und eine eigene Dynastie gegründet) zerfiel das Land in 5 Dynastien im Norden und 10 Königreiche im Süden. Und verlor Land: Vietnam konnte 939 die chinesische Herrschaft abwerfen, große Teile Yunnans wurden seit 750 vom Königreich Nanzao (seit 937 Dali) gehalten. Im Norden wurden die Khitan (ursprünglich Xianbei-Stämme aus der Mandschurei) zu einer Großmacht: sie nahmen die gesamte Mongolei ein, eroberten 938 16 nordchinesische Präfekturen und 947 Kaifeng. Sie nahmen den Dynastienamen Liao an und errichteten eine neue Südliche Hauptstadt im heutigen Beijing. Wieder war es ein General, der gegen diese Bedrohung kämpfte, der das Reich einigte. 960  bestieg Zhao Kuangyin als Kaiser Taizu den Thron und begründete die Song-Dynastie. Bis 979 eroberte er fast ganz China. Sein Nachfolger Taizong erlitt jedoch 986 bei dem Versuch, die nordchinesischen Präfekturen von den Khitan zurückzuerobern, eine böse Niederlage. Das Reich der Song blieb kleiner als das der Tang, der Frieden im Norden wurde mit Verträgen gesichert, die die Song zu Vasallen der Khitan machte: jährlich mussten bis zu 200.000 Ballen Seide und 100.000 Unzen Silber gezahlt werden.

Aber dieser Frieden kostete das Land nur einige Prozent seines Haushalts, und obgleich die Song weiter ein großes stehendes Heer unterhielten (allerdings war das Militär jetzt der Zivilverwaltung unterstellt: Zhao Kuangyin sollte der letzte General sein, der sich auf den Thron putschte), reichten die Mittel für eine erneute Blüte des Landes. Das von den Sui und Tang eingeführte Prüfungssystem wurde ausgebaut; eine bestandene Prüfung war die Garantie wenn nicht für ein Amt, so doch für Wohlstand und Einfluss: der „Adel des Pinsels“ wurde zu einer Stütze der Song-Verwaltung vor Ort. Das Zentrum der Landwirtschaft verschob sich nach Süden, der Nassfeldbau, schnell reifende Reissorten und die Erfindung der Wasserpumpe, die die Anlage von Reisterrassen an Berghängen erlaubte, vervielfachten die Reiserträge. Auf den Terrassen wurden auch Baumwolle und Tee angebaut; der Tee, für dessen Zubereitung Wasser gekocht werden musste, verringerte die Infektionen durch Trinkwasser und trug so ebenfalls zur zunehmenden Bevölkerung bei.

Die Teestraße nach Tibet

Tee, der vermutlich zuerst in den subtropischen Bergen Sichuans und Yunnans angebaut wurde, war ein wertvolles Handelsgut. Besonders beliebt war er in Tibet in den buddhistischen Klöstern. Und Tibet hatte, was China zur Verteidigung gegen die Reitervölker brauchte: Pferde. Seit dem 7. Jahrhundert entstanden daher Handelsrouten aus den Teeanbaugebieten in China nach Tibet; im 13. Jahrhundert zu 25.000 Pferde wurden im Jahr gegen Tee getauscht. Erst im 18. Jahrhundert verloren die Pferde an Wert, aber nun begannen die Chinesen traditionelle Medizin zu importieren – ein Geschäft, das bis heute anhält.

Mit den Erträgen blühte das Handwerk auf: Porzellanbrennereien produzierten Millionen Gefäße, Hochöfen bis zu 125.000 Tonnen Roheisen im Jahr. Mit der Erfindung der Schleuse konnte das Kanalnetz weiter ausgebaut werden, es umfasste schließlich über 50.000 Kilometer. Da die Handelsstraßen im Nordwesten versperrt waren und die arabischen Daus nach dem Massaker von Guangzhou 879 ausblieben, begannen die Song selber mit der Seefahrt: bald überquerten Dschunken mit über 1.000 t den Indischen Ozean, den sie 400 Jahre lang beherrschen sollten; chinesisches Porzellan (634) gelangte bis nach Ostafrika. Im 11. Jahrhundert lebten in Kaifeng, der (nicht mehr geplanten) Hauptstadt, eine Million Menschen.

Aber 1113 gelang es den Jurchen, Stämmen aus der Mandschurei, eine Föderation zu bilden; 1115/16 eroberten sie das Stammland der Liao und nahmen den Dynastienamen Jin an. Die Song verbündeten sich mit den Jin gegen die Liao; gemeinsam konnten sie deren Südliche Hauptstadt erobern. Aber dann wendeten sich die Jin gegen die Song, 1126 eroberten sie Kaifeng und dann ganz Nordchina. Ein Song-Prinz ließ sich in Huangzhou zum Kaiser krönen und machte die Stadt „vorübergehend“ zur Hauptstadt. Als er 1141 einen Friedensvertrag mit den Jin schloss, wurde das Provisorium zur Dauerlösung: China blieb in Jin im Norden (wo 4 Millionen Jurchen und 50 Millionen Chinesen lebten) und den Südlichen Song geteilt. 

Das Reich der Mongolen

Wieder waren es "Reitervölker" (636), die diesen Zustand beendeten: Die 1206 von Häuptling Temüdschin, der seither Dschingis Khan genannt wurde, vereinigten Nomaden der zentralasiatischen Steppen, virtuose Reiter und Bogenschützen, begannen einen Sturm auf ihre Nachbarländer. 1215 griffen sie das Jin-Reich an und eroberten und zerstörten Beijing, wandten sich dann aber zunächst nach Mittelasien: 1218 eroberten sie das Khitan-Reich, 1219 bis 1225 große Teile Persiens. 1226 zogen die Mongolen erneut gegen China, bei diesem Feldzug starb Dschingis Khan. Sein Reich wurde unter seinen vier Söhnen aufgeteilt: Ögödai erhielt das mongolische Stammland mit Nordchina, die anderen Söhne die Gebiete der "Goldenen Horde" an Ob und Irtysch, in Zentralasien und in Persien. Sie dehnten das mongolische Reich weiter aus: Das Ilkhanat in Persien dehnte sich bis an den Persischen Golf und das Schwarze Meer aus, das Khanat der Goldenen Horde griff 1240 Kiew an und  zerstörte 1241 Krakau; Ögodai unterwarf 1233 die nach Kaifeng geflohenen Jin, sein Nachfolger Möngke eroberte das Königreich Dali (Nanzao) und Möngkes Nachfolger Kublai Khan begründete 1271 in Beijing das Yuan-Khanat. Nach hartem Kampf ergab sich 1276 der Song-Hof in Hangzhou, die letzten Song-Kämpfer wurden 1279 von Guangzhou in einer Seeschlacht geschlagen. China war nur mehr ein Teil des mongolischen Reichs, das ein Viertel der Welt umfasste. Unter den Mongolen befand sich die Seidenstraße erstmals unter einem Herrscher, für sie sollte es eine Blütezeit sein: Reisen auf der Seidenstraße galt als sicher, alle Art von Handelsgütern gelangten in den Westen. Und nicht nur Handelsgüter, sondern auch chinesische Technologie, vom Buchdruck über das Schießpulver bis hin zum Hochofen. Europäische Missionare und Händler kamen nach China (es war Kublai Khan, an dessen Hof Marco Polo 17 Jahre verbracht hat – wenn er denn wirklich in China war, was unter den Historikern umstritten ist).

Die Mongolen hatten zuerst daran gedacht, China zu einem Weideland zu machen, sahen aber, dass hier große Reichtümer zu holen waren, erbauten eine neue (nach dem Vorbild von Chang'an geplante) Hauptstadt (Dadu, beim heutigen Beijing) und übernahmen große Teile das bestehenden Verwaltungssystems. Der Kaiserkanal wurde über die Berge von Shandong in die neue Hauptstadt Dadu verlängert, eine technische Meisterleistung, Bau und Unterhalt waren aber astronomisch teuer. Solche Bauprojekte und teure Feldzüge führen zu hoher Steuerbelastung, und – die mittelalterliche Warmzeit ging zu Ende – als kalte Jahre mit Missernten und Hungersnöte dazukamen, 1331 erneut die Pest ausbrach (die Zahl der Toten in den nächsten 20 Jahren wird auf mindestens 20 Millionen geschätzt) und am Gelben Fluss katastrophale Überschwemmungen auftraten, zeigte dies den Chinesen, dass die Mongolen endgültig die Gnade der Götter verloren hatten. Nur mit ihrer Militärmacht konnten auch die Mongolen das Land nicht halten, zumal die Nachfolger von Kublai Khan eher schwach waren: die Rebellen der "Roten Turbane" unter Zhu Yuanzhang eroberten in jahrzehntelangen Auseinandersetzungen ihr Land zurück. Als sie 1368 in die Hauptstadt Dadu einzogen, war der mongolische Khan mit seiner Gefolgschaft geflohen. Auch das persische Ilkhanat zerbrach nach einem goldenen Zeitalter, als 1335 der Khan ohne Thronfolger starb, und wurde ab 1370 von dem türkisch-mongolischen Heerführer Tamerlan unterworfen; das zentralasiatische Tschagatai-Khanat zerbrach ab 1334 in Bürgerkriegen. Nur das Khanat der Goldenen Horde überstand bis in 15. Jahrhundert, als es mit dem Erstarken Russlands, Polen und Litauens zerfiel, das Krim-Khanat als letzter Rest konnte sich bis 1783 halten.

Die Ming-Dynastie

Zhu Yuanzhang begründete als Kaiser Hongwu ("Große Militärmacht", zugleich seine Regierungsdevise) die Ming-Dynastie und nannte Dadu in Beiping ("der Norden ist befriedet") um; zu seiner Hauptstadt machte er Nanjing. Sein Heer verfolgte die Mongolen bis in die Mongolei, 1388 zerstörte es die Hauptstadt Karakorum. Seine Macht im Inneren sicherte er brutal: Der Kanzler – das Amt stand seit den Qin an der Spitze der Verwaltung – und 45.000 seiner Anhänger wurden umgebracht, das Amt abgeschafft. Weiteren "Säuberungen" fielen 100.000 Menschen zum Opfer. Wer mehr als eine halbe Tagesreise unternehmen wollte, brauchte eine Genehmigung; die Menschen wurden einer erblichen Klasse zugeordnet, Berufswechsel bestraft. Gefördert wurde die Landwirtschaft; riesige Bewässerungsprojekte vervielfachten die chinesische Getreideernte, eine Milliarde Nutzbäume wurden gepflanzt. Dadurch erholte sich China von den Zerstörungen der Kriege mit den Mongolen. Nach Hongwus Tod brach ein Nachfolgekrieg aus, den 1402 Zhu Di für sich entschied. Dieser (Regierungsdevise Yongle – "Ewige Freude") machte 1420 Beijing wieder zur Hauptstadt - die weitgehend verfallene einstige Hauptstadt der Mongolen musste von 100.000 Handwerkern und einer Million Arbeitern völlig neu erbaut werden; unter anderem entstanden jetzt die Verbotene Stadt und der Himmelstempel. Die Pracht und den Glanz Chinas demonstrierte auch die riesige kaiserliche Flotte, die zwischen 1405 und 1433 unter Admiral Zheng He sieben Fahrten unternahm. Über 300 Schiffen, darunter mit Seide und Porzellan beladene "Schatzschiffe", erreichten nicht nur die arabische Halbinsel, sondern befuhren auch die Ostküste Afrikas. Die Herrscher der besuchten Länder wurden reich beschenkt, mussten im Gegenzug aber Tribut zahlen – das "Reich der Mitte" sah sich als Zentrum der Welt, andere hatten sich unterzuordnen, um die Gunst des Herrschers genießen zu dürfen.

Aber ein Jahrzehnt nach dem Tod des Yongle-Kaisers 1424 wurde die Seefahrt plötzlich eingestellt, die Flotte abgewrackt. Die Kosten waren wohl doch zu hoch, und außerdem rührten sich die Mongolen wieder: 1449 schlugen die westmongolischen Oiraten die Ming-Truppen und entführten den Kaiser (worauf seine Witwe ihn in den "Ruhestand" entließ und einen Nachfolger bestimmte); zum Schutz vor den Mongolen entstand ab etwa 1470 die "Große Mauer", wie wir sie heute kennen, ein Schutzwall an der Grenze zur Mongolei. Das Reich wandte sich nach innen, der Außenhandel war sogar verboten worden. Aber die Einwohnerzahl des Ming-Reichs war bis 1500 auf 155 Millionen angewachsen.

(zur späten Ming-Dynastie)

Das Reich der Khmer

Im südlichen Südostasien war es einem Vasallenstaat gelungen, die Herrschaft des Reichs von Funan abzuschütteln: Um das Jahr 800 entstand das Reich der Khmer mit der Hauptstadt Maga Nagara (die wir heute als Angkor kennen, bekannt vor allem durch die Tempelanlagen Angkor Wat). Das Reich erstreckte sich zu seiner Blütezeit im 12. Jahrhundert vom heutigen Vietnam bis zur Malaiischen Halbinsel; seine Macht verdankte es der hochentwickelten Wasserwirtschaft der Khmer: Bis zu 40 Meter breite Kanäle und riesige Speicherseen sammelten die Wassermassen, die während der Monsunregen aus den nördlich gelegenen Kulen Hills herabstürzten; schützten vor Überschwemmungen und versorgten mittels Bewässerungskanälen die Reisbauern in der Trockenzeit. So konnte konnte drei- bis viermal jährlich Reis geerntet werden. Davon lebten im 12. und 13. Jahrhundert die rund 750.000 Einwohner der Stadt Angkor, die mit über 1.000 Quadratkilometern die größte vorindustrielle Stadt überhaupt war (größer etwa als das heutige Berlin) – und nicht die einzige im Reich der Khmer. Über das Leben der Bewohner ist wenig bekannt, ihre aus Holz erbauten Wohnhäuser und – nach chinesischen Quellen – hirschledernen Schriften sind längst verrottet, da dass nur die Tempelbilder und -inschriften Auskunft über das damalige Leben geben. Die Innenstadt Angkor Thom wurde genau nach den Vorgaben indischer Texte über Königsstädte aufgebaut, ist also (wie auch die anderen Khmer-Städte) eine Planstadt.

Allerdings trug die Bewässerung wohl auch zum Untergang von Angkor bei: Als immer mehr Wälder für Reisfelder abgeholzt wurden, nahm die Erosion zu und die Kanäle verschlammten (640). Dazu kam, dass die Lage der Stadt mit zunehmendem Seehandel ungünstig war; vielleicht hat auch die Konversion des Königs Jayavarman VII. das Ende bombastischer Bauprojekte befördert. Zwei Trockenperioden mit ausbleibenden oder schwachen Monsunregen von 1362 bis 1392 und von 1415 bis 1440 scheinen Angkor dann den Rest gegeben zu haben, möglicherweise wurde die Stadt auch 1431 und 1432 von Thai-Völkern geplündert. Eine neue Hauptstadt entstand nahe des heutigen Phnom Penh, Angkor wurde weitgehend vergessen, bis die Tempel mit einem Reisebericht des französischen Forschers Henri Mouhot im 19. Jahrhundert wieder ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit geholt wurden.

Korea und Japan

Am Mittellauf des Yalu entstand um die Zeitenwende ein Reich, das im 4. Jahrhundert zum Königreich erstarkte: Koguryŏ. Dieses gehörte wie die im Süden der koreanischen Halbinsel entstehenden Reiche Paekche, Silla und die Kaya-Konföderation zu den Vorläufern Koreas. Nachdem der Tang-Kaiser Gaozong nach drei vergeblichen Versuchen Chinas die drei Reiche erobern konnte, sich aber 676 wegen Schwierigkeiten an der tibetischen Front wider zurückziehen musste, gewann Silla die Vorherrschaft: Mit dem Vereinten Silla (668–935) entstand der erste koreanische Einheitsstaat. Auf dieses folgte Goryeo (von dem sich das "Korea" der westlichen Sprachen ableitet). 1231–1238 wurde die koreanische Halbinsel von den Mongolen erobert wurde, Goryeo wurde zum Vasallen. 1369 unterwarf es sich der chinesischen Ming-Dynastie.

In Japan hatte der Nassreisanbau zu einem starken Bevölkerungswachstum geführt. Vermutlich Anfang des vierten Jahrhunderts wurde das Land unter dem legendären Jimmu-Tenno zum Reich Yamato vereinigt; der Jimmu-Tenno war der Legende nach ein Urenkel der Sonnengöttin Amaterasu und wurde zum Ahnherr der bis heute herrschenden Dynastie. Über Korea gelangten immer mehr chinesische Erfindungen und Einflüsse nach Japan, im 5./6. Jahrhundert übernahm das Land die chinesische Schrift und den Buddhismus. Ab Mitte des 7. Jahrhundert wurde das Reich zu einem Beamtenstaat nach chinesischem Vorbild mit dem Tennō (Kaiser) an der Spitze; 794 wurde Heian-kyō (das heutige Kyōto) nach dem Vorbild Chang'ans als neue Hauptstadt gebaut; und auf Grundlage der chinesischen Schrift wurde bis zum 9./10. Jahrhundert ein eigenes Schriftsystem entwickelt. Das Tang-Erbe blieb nach dem Untergang der Dynastie in vieler Hinsicht in Japan lebendiger als in China: noch heute schlafen die Japaner oft auf den in China längst verschwundenen Tatami-Matten, der Tang-Kimono wurde zum japanischen Kleidungsstück schlechthin und der Zen-Buddhismus wurde in Japan weitergepflegt. Im Laufe der Zeit wurde jedoch der Provinzadel immer mächtiger, während die Macht des Tennō schwand; ab 1185 übernahmen faktisch Militärherrscher (Shōgune) die Macht. In dieser Zeit wurden die Samurai (“Krieger”) zum herrschenden Stand Japans. 1274 und 1281 scheiterten zwei Versuche der Mongolen, Japan zu erobern, an heftigen Stürmen - die Geburtsstunde des Begriffes "Götterwind" (Kamikaze).

Indien

Im Norden Indiens wurde die Fremdherrschaft zentralasiatischer Völker ab etwa 330 n. Chr. vom Gupta-Reich beendet, das vielen Historikern als “Goldenes Zeitalter” gilt. Um 390 n. Chr. heiratete zudem die Tochter des Gupta-Herrschers Chandragupta II. den König der Vakataka (die in Zentralindien die Satavahana abgelöst hatten), so dass oft auch von der Gupta-Vakataka-Zeit gesprochen wird. In dieser Zeit wurden Hinduismus und Buddhismus gleichermaßen gefördert; in Nalanda wurde die größte Universität der Antike errichtet und Sanskrit wurde zur Staatssprache. Der indische Mathematiker Aryabhata (476 bis ca. 550) berechnete die Position und Bahn der Planeten für damalige Verhältnisse extrem genau; sein Wissen sollte später über muslimische Mathematiker nach Europa gelangen.

Im frühen 6. Jahrhundert kehrten die zentralasiatischen Reitervölker zurück: Die “Weißen Hunnen” eroberten große Teile des westlichen und nördlichen Indien, das Gupta-Reich zerfiel. Im Jahr 711 gelangten muslimische Araber im Zuge der Ausbreitung des Islam in den Sindh (im heutigen Südpakistan). Aber erst ab Anfang des 11. Jahrhunderts begann eine dauerhafte Begegnung des Islam mit Nordindien: Zuerst in Form von Beutezügen der Ghaznawiden (einer muslimischen Dynastie aus dem heutigen Iran); nachdem diese von den Ghuriden besiegt wurden, in Form dauerhafter Herrschaft – aus den eroberten Gebieten sollte nach dem Zerfall des Ghuriden-Reichs im Jahr 1206 das selbstständige Sultanat von Delhi hervorgehen. Dieses wurde schnell zur wichtigsten Macht Nordindiens, obwohl es immer wieder unter inneren Unruhen und Angriffen durch die Mongolen litt. Eine Blütezeit erlebte das Sultanat von 1296 bis 1316 unter Ala ud-din Khalji; und zwischen 1305 und 1312 eroberte es weite Gebiete in Zentral- und Südindien, konnte sich dort aber nicht dauerhaft halten. Nach 1320 nahm Mohammed bin Tughluq einen erfolgreichen neuen Anlauf, aber 1335 fiel sein Heer bei einem Feldzug fast vollständig der Cholera zum Opfer; Seuchen und Hunger trafen das Land auch in den Folgejahren und untergruben das Ansehen der Herrscher. Ein langsamer Zerfall begann, und es entstanden zahlreiche muslimische Staaten in Teilgebieten, die einst zum Sultanat gehört hatten. Zudem konnten die Mongolen wieder in das geschwächte Gebiet einfallen: 1398 plünderte der Mongolenherrscher Timur Delhi. 1451 fiel die Stadt kampflos an Afghanen vom Stamme der Lodi, die wenigstens den weiteren Zerfall des Sultanats aufhalten konnten.

Die Reisen des Ibn Battuta

Wie intensiv der Austausch zwischen den verschiedenen Regionen Nordafrikas, Europas und Asiens war, zeigen auch die Reisen des berberischen Forschungsreisenden Ibn Battuta: Zwischen 1325 und 1348 besuchte er die ganze islamische Welt. Aus Tanger im Marokko stammend, bereiste er die arabische Halbinsel, die afrikanische Ostküste bis zum heutigen Tansania, das Gebiet der Goldenen Horde, das Sultanat von Delhi (wo wer als Richter in den Dienst des Sultans trat und über ein eigenes Harem verfügte) und China (wohin er als Botschafter des Sultanats von Delhi entsandt wurde; auf dem Weg dorthin blieb er jedoch erst einmal zwei Jahre auf den Malediven, und schließlich strandete sein Schiff auf dem Weg nach China, das er erst im zweiten Anlauf erreichte). Insgesamt legt er 130.000 Kilometer zurück, und verfasste nach seiner Rückkehr nach Marokka das Buch “Rihla” (Reisetext), eine der genauesten Beschreibungen der damaligen Welt.

Amerika

In Nordamerika sind die Kulturen der Anasazi im Südwesten der heutigen USA und die Mississippi-Kultur im Tal des Mississippi diejenigen, die die bemerkenswertesten Monumente hinterließen. Die Blütezeit der Anasazi-Kultur begann ab 600 n.Chr., ab 700 n.Chr. begannen sie, Häuser aus Stein zu bauen. Diese wurden oft in Steilwände eingepasst, und sind mit fünf oder sechs Etagen und bis zu 600 Zimmern die größten Bauten des präkolumbianischen Nordamerika. Die Mississippi-Kultur entstand ab 900 n. Chr.; sie errichtete als einzige nordamerikanische Kultur befestigte Städte. Die Schätzungen der Einwohnerzahl der Hauptsiedlung Cahokia reichen von 8.000 bis 40.000 Einwohnern. Umstritten ist das Ausmaß der Landwirtschaft in Nordamerika: Der Geograph William Doolittle von der University of Texas vermutet, dass Indianer bereits auf zwei Dritteln der Fläche der heutigen USA Landwirtschaft betrieben; auf der restlichen Fläche legten sie häufig Feuer, um den Wuchs frischer Gräser zu ermöglichen, die Hirsche und Bisons ernährten.

Roms Gegenstück in Mittelamerika war die Stadt Teotihuacán im Hochlandbecken von Mexiko. Mit 125.000 bis 200.000 Einwohnern im Jahr 500 - soviel wie London 1.000 Jahre später haben sollte; mit Stadtvierteln, in denen Menschen aus anderen Teilen Mittelamerikas leben, war sie “ein embryonales New York City” (Tim Flannery). Im Jahr 750 wurde die Stadt zerstört, vermutlich von ihren Bewohners selbst – Anzeichen für einen Angriff von außen gibt es nicht. Erst zweihundert Jahre später sollten die Tolteken, ein kriegerisches Nomadenvolk, das um diese Zeit sesshaft wurde und Mexiko vom 10. bis 12. Jahrhundert beherrschte, die Macht in der Stadt übernehmen. Die toltekischen Itzá machten auch Nord-Yucatán mit Chichén Itza zum neuen Zentrum der Maya-Kultur; Mitte des 13. Jahrhundert wurde die Stadt vom benachbarten Mayapán besiegt, das damit zur beherrschenden Macht aufstieg. 200 Jahre später wurde auch diese Stadt zerstört, und als die Spanier 1517 an der Nordostküste Yucatáns landeten, fanden sie hier mehrere untereinander zerstrittene Maya-Herrschaften vor.

Wohl ab dem 12. Jahrhundert war unterdessen das kleine Volk der Mexica, heute besser als Azteken bekannt, von Norden nach Zentralmexiko eingewandert. Sie hatten ihre Hauptstadt Tenochtitlán auf einer Insel im Texcoco-See aufgebaut, auf dem sie mit Schlamm befüllte künstliche Inseln aus Rohrschilf-Flechtwerk für die Landwirtschaft anlegten. 1492 umfasste das Reich der Azteken etwa 15 Millionen Menschen, es war damit das größte vorkolumbianische Reich Amerikas. Tenochtitlán hatte damals rund 200.000 Einwohner (vielleicht auch 300.000); wie bald die spanischen Eroberer bescheinigen sollten, konnten selbst Rom und Konstantinopel nicht mit der Pracht dieser Stadt mithalten. Berühmt-berüchtigt wurden die Azteken in der Geschichte aber dank der Menschenopfer, mit denen sie ihre Götter davon abhalten wollten, ihr Reich wie das der Tolteken zu vernichten (deren letzter Herrscher Topiltzin sich der Legende nach geweigert hatte, den Hunger der Götter zu stillen).

In Südamerika blühte bereits vor der Zeitenwende rund um den Titicaca-See die noch weitgehend unbekannte Tiahuanaco-Kultur; sie verfügte über eine hoch produktive Landwirtschaft mit Kartoffelanbau auf erhöhten Feldern. In der Hauptstadt Tiahuanaco lebten im Jahr 500 etwa 50.000 Menschen. Ab 100 n. Chr. entwickelte sich im Tal des Moche südlich des heutigen Trujillo die Moche-Kultur als Kulturnachfolger der Chavín. Die Moche bauten komplexe Bewässerungsanlagen mit Aquädukten; mit dem Wasser aus den Bergen konnten sie Landwirtschaft in der Küstenwüste betreiben. Unter ihnen blühten Handwerk und Handel, in den Moche-Siedlingen lebten bis zu 15.000 Menschen. Die Moche-Sonnenpyramide "Huaca del Sol" ist vermutliche der größte massive Bau, der in Südamerika je errichtet wurde. Vermutlich auf Grund extremer Trockenheiten in Folge mehrerer El-Niño-Jahre und Starkregen in den Folgejahren verließen die Moche um 600 ihr Stammgebiet und erbauten 150 km nördlich eine neue Hauptstadt am Fluss Lambayeque, aber es gelang ihnen nicht, die Kultur zu stabilisieren. 100 Jahre später enden die Spuren.

Ab dem 13. Jahrhundert, also etwa zeitgleich mit den Azteken, entstand in Peru das noch viel größere Inka-Reich mit der Hauptstadt Cuzco. Dieses dehnte sich vom heutigen Kolumbien und Ecuador im Norden über das Zentrum Peru bis ins heutige Chile im Süden aus. Die ausgedehnten Terrassen und Bewässerungskanäle zeigten die ganze Kunst der einheimischen Landwirtschaft; die Inka stellten Werkzeuge und Waffen aus Kupfer und Bronze her und erbauten ein 40.000 Kilometer umfassendes Straßennetz. Zwei parallele Hauptstraßen erschlossen das Reich vom Norden bis in den Süden, eine entlang der Küste und eine in den Bergen. Die Hängebrücken aus Seilen, mit denen die Inka steile Schluchten überbrückten, wurden zum Teil noch 300 Jahre später genutzt.

Afrika

Das Handelsnetz im Indischen Ozean machte das Königreich von Aksum immer mächtiger, es exportierte eigene Waren, aber auch solche, die es aus dem afrikanischen Hinterland im Tausch gegen Rinder, Salz und Eisen erhielt. Im Jahr 500 lebten in Aksum etwa 20.000 Menschen; zu den bekanntesten Bauwerken gehören die Stelen, die an den Gräbern der Herrscher errichtet wurden. Die größte Stele wog 700 Tonnen, und es war eine erstaunliche Leistung, sie von dem 4 Kilometer entfernten Steinbruch in die Stadt zu bringen. Im 4. Jahrhundert wurde Aksum als erster afrikanischer Staat christlich, zur gleichen Zeit endete die Errichtung von Stelen. Ab dem 5. Jahrhundert begann der Holzverbrauch für Eisenhütten, Ziegel- und Tonwarenherstellung und für die Feuerstellen Tribut zu fordern; die Entwaldung führte zu zunehmender Erosion. Zudem litt der Handelspartner Westrom unter Schwierigkeiten, und ab dem Jahr 750 verkürzte sich die Regensaison: Spätestens im 9. Jahrhundert wurde Aksum aufgegeben. (Die Nachfolgereiche im heutigen Äthiopien blieben aber christlich und wurden zum mythischen “Reich des Priesters Johannes”.)

Schon vor der Zeitenwende war das Reich von Kanem-Bornu am Tschadsee entstanden, und seit dem 5. Jahrhundert war in Westafrika das mythische Reich von Ghâna (nicht mit dem heutigen Ghana zu verwechseln) aufgestiegen; eine Entwicklung, die durch den immer bedeutender werdenden Handel mit Gold eingeleitet wurde. Gold aus Afrika hatte einen erheblichen Anteil am Goldverbrauch im europäischen Mittelalter, und wurde seit dem 4. Jahrhundert – ermöglicht durch das über Persien und Ägypten nach Nordafrika gelangte Kamel, das viel länger als andere Reittiere ohne Wasser überleben kann – durch die Sahara transportiert. Nach der Ausbreitung des Islam in Nordafrika standen die afrikanischen Reiche auch mit diesem in Verbindung und wurden in den Handel mit der gesamten islamischen Welt einbezogen: schon im 8. Jahrhundert berichteten chinesische Quellen aus Afrika (650). In Nordafrika begannen manche Berber, sich auf die Kameltreiberei zu konzentrieren, die bis dahin von Schwarzen bewohnten Oasen der Sahara zu erobern und einen (Sklaven-)Handel mit den Sûdân, den Schwarzen, zu beginnen. Im 9. Jahrhundert wurde das "Land der Schwarzen" erstmals in arabischen Quellen beschrieben; die Chronisten gaben zwar ebenso sehr die Vorurteile ihrer Zeit wie Fakten wieder, aber berichten doch von Handel mit Salz und Gold über die Sahara hinweg. Im 12. Jahrhundert konvertierte der König von Ghâna zum Islam und die Hauptstadt wurde an einen Fluss verlegt (an den Senegal? den Niger? – sie wurde bis heute nicht gefunden). Woher das Gold kam, verrieten die schwarzen Händler aber nicht; sie bezogen es selbst von anderen Händlern, den Wangâra, aus dem Süden. Im 13. Jahrhundert ging das Reich von Ghâna in das Reich Mâli auf, ein islamisches Großreich. In der um das Jahr 1100

Historische Handelsrouten durch die Sahara

Historische Handelsrouten durch die Sahara. Gold, Sklaven und
Elfenbein sowie Steinsalz aus der Oase Teghâza waren die wichtigsten
Handelsgüter. Eigene Abbildung nach SPIEGEL 31/2008, S. 123

gegründeten Stadt Timbuktu trafen die Karawanen aus dem Norden auf das Gold Westafrikas, das über den Niger transportiert wurden. Der Ort wurde “zur größten Stadt, die Gott je geschaffen hat” (so ein muslimischer Gelehrter) und zum Zentrum islamischer Gelehrsamkeit. Im 16. Jahrhundert sollen bis zu 50.000 Menschen in der Stadt gelebt haben, doppelt so viele wie heute; über 100.000 arabische Manuskripte warten zum größten Teil noch auf ihre Erforschung. 1324 hatte der König von Mâli eine Pilgerreise zu den heiligen Stätten des Islam unternommen, und in Kairo mit seinem (großzügig verteilten) Reichtum beeindruckt. Auch die Lage der Hauptstadt Mâlis ist unbekannt, wir kennen sie nur aus Beschreibungen, z.B. von Ibn Battuta. Aber bereits Ende des 14. Jahrhunderts begann das Reich zu zerfallen, die wichtige Handelsstation Gao wurde von Kûkiyâ, der Wiege des 1465 gegründeten Songhaireiches erobert. Die Herrscher des Songhaireiches mit seinem Kerngebiet im heutigen Mali traten ebenfalls zum Islam über. Kulturen gab es in Afrika aber auch jenseits der "Großreiche", der Strukturen zumeist auf Wohlstands- und damit Machtgefälle infolge des Fernhandels beruhte, so etwa in den Yoruba-Stadtstaaten im Südwesten Nigerias mit der heiligen Stadt Ile-Ife.

Auch in Ost- und Südafrika führte der Handel zur Entstehung bedeutender Kulturen. Das Klima war hier für die Rinderhaltung besser geeignet als weiter nördlich, so dass diese neben dem Ackerbau große Bedeutung erlangte. Aden, wo sich die Handelshäuser und Warenlager befanden, war zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zur Drehscheibe des Handels mit Indien geworden; die arabischen Händler luden ihre Waren in der Hafenstadt Aidhab von Kamelen auf Schiffe um und nutzten dann die günstigen Monsunwinde an der Ostküste Afrikas, wo im Laufe der Zeit bedeutende Handelsplätze entstanden. Auch im Osten gab es Gold, das Händler aus dem südlicheren "Land der Sofala" brachten. Die waren aber nur Zwischenhändler, das Gold stammte aus dem Landesinneren. Aus dem 11. bis 13. Jahrhundert stammen die Königsgräber von Mapungubwe im heutigen Südafrika, Funde von Porzellan aus China zeigen die Reichweite des damaligen Handels, der neben Gold auch Elefantenelfenbein umfasste. Mit trockener werdendem Klima begann der Aufstieg von Great Zimbabwe, Hauptstadt eines Reiches, das sich von der Kalahari im heutigen Botswana bis zum Indischen Ozean erstreckte. In der Stadt lebten 10.000 bis 30.000 Menschen; die Mauern der Stadt sind nach den Pyramiden der größte Steinbau des vorkolonialen Afrikas (dzimba dzemabwe bedeutet “Steinhäuser”, und gab dem Land den Namen). Zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert fand in diesem Reich etwa ein Drittel der weltweiten Metallproduktion statt. Ein Großteil des Handels lief über das muslimische Kilwa im heutigen Tansania, das Ibn Battuta im 14. Jahrhundert als außergewöhnlich schöne Stadt beschrieb. Ende des 15. Jahrhunderts begann der Niedergang von Great Zimbabwe – vermutlich hatte die Stadt ihre Brennholzvorräte abgeholzt, das Land übernutzt und überweidet und bekam Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung; seine Rolle übernahmen Mutapa im Norden und Torwa im Westen. Das wichtigste Handelsgut war auch hier Gold, und als 1497 Vasco da Gama bei seiner Umrundung Afrikas im Sambesidelta mit Gold beladene arabische Boote sah, war das Interesse europäischer Eroberer geweckt.

Nord- und Westeuropa

Die in Skandinavien angesiedelten Bauern handelten mit Pelzen, Robbenfellen und Honig; allesamt in Mitteleuropa begehrte Luxusgüter. 793 n. Chr. begann ein neuer Abschnitt: Mit einem Überfall auf das reiche Kloster Lindisfarne begann eine fast 300 Jahre andauernde Phase von Wikingerüberfällen – vikingár bedeutet Räuber – und schließlich sogar festen Ansiedelungen in anderen Ländern. Die Wikinger fuhren über russische Flüsse bis ins Kaspische Meer, handelten mit Byzanz und gründeten das Fürstentum Kiew, den Vorläufer des modernen Russland. Sie fuhren an die Ostküste Englands und an der Nordwestküste Europas entlang und über die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer, wo sie Italien überfielen, sowie an die Nord- und Westküste Großbritanniens. Begünstigt durch das warme Wetter während der  mittelalterlichen Warmzeit, entdeckten die Wikinger die Färöerinseln, besiedelten um 870 Island und um 980 Grönland; um das Jahr 1.000 erreichten sie Neufundland und möglicherweise auch die Küste Nordamerikas. Dort vertreiben jedoch die Ureinwohner sie nach einem Jahrzehnt wieder. Auch in Europa wussten die Bewohner sich immer besser zu verteidigen, so dass die skandinavischen Reiche sich wieder auf den Handel beschränkten: Norwegen wurde für seinen getrockneten Kabeljau bekannt. (Später entdeckten die Basken die Kabeljaugründe vor Neufundland, als der Franzose Jacques Cartier das Gebiet für Frankreich in Besitz nahm, stieß er dort auf baskische Fischer: Entdecker posaunen ihre Ergebnisse in die Welt hinaus, Fischer hüten ihre Geheimnisse [Mark Kurlansky].)

Von der Völkerwanderung zu den germanischen Reichen

Der westliche Teil des römischen Reichs hatte seit Konstantins Tod einen eigenen Kaiser, seine Lage besserte sich nicht: Bürgerkriege und Umstürze lockten weiter germanische Stämme an, die leichte Beute witterten. Dazu kam, dass diese ihrerseits von – vermutlich in Folge einer einsetzenden Abkühlung des Klimas – aus Asien einfallenden Völkern (“Völkerwande­rung”)bedrängt wurden: im 4. Jahrhundert erreichten die Hunnen das Sied­lungsgebiet der Goten am Schwarzen Meer, die daraufhin über die Donau zogen. 378 schlugen diese "Westgoten" bei Adrianopel ein römisches Heer, 382 wurden sie in der Donauregion angesiedelt und von den Römern als Hilfstruppen rekrutiert. Als 395 das römische Reich endgültig geteilt wurde, wählten sie einen König (Alarich) und begannen eine erneute Wanderung. Dabei belagerten Alarichs Truppen 408 Rom, zogen gegen ein reiches Lösegeld wieder ab, plünderten 409 die Getreidevorräte im römischen Hafen Ostia und wendeten sich 410 wieder Rom zu; diesmal nahmen sie die Stadt ein.

Unterdessen fielen die Sachsen in das von den Römern aufgegebene Britannien ein; und waren 406 die Vandalen über den Rhein und quer durch Gallien zur Iberischen Halbinsel gezogen. Den Römern gelang es aber, die Goten in ihre Dienste zu nehmen: 416 nahmen sie den Kampf gegen die Vandalen auf der Iberischen Halbinsel auf (und wurden die 418 bei Toulouse angesiedelt, wo sie das Tolosanische Reich gründeten). Die schwer unter Druck geratenen Vandalen setzten 429 von Gibraltar aus nach Afrika über und zogen entlang der Küste in Richtung (des 29 v.u.Z. als römische Kolonie wieder aufgebauten und inzwischen wieder zur drittgrößten Stadt des Mittelmeerraus gewordenen) Karthago. 439 eroberten sie die Stadt; und 442 erkannte auch Rom das vandalische Königreich an. 455 überfielen die Vandalen Rom dennoch, und plünderten die Stadt. Unterdessen verstärkten ab 434 unter Attila die mittlerweile im heutigen Ungarn siedelnden Hunnen ihre Angriffe auf Byzanz und ab 451 auf Westrom. Dabei wurden sie aber zweimal unter gotischer Beteiligung in Gallien geschlagen, und nach Attilas Tod 453 zerfiel das Hunnenreich. Die im Einflussbereich der Hunnen verbliebenen "Ostgoten" gewannen dadurch ihre Unabhängigkeit zurück, mussten aber ihre Heimat verlassen. Zugleich versuchte Byzanz, Ostrom zu retten, und ging auch gegen die Vandalen vor – diese konnten den Angriff 468 aber zurückschlagen. 476 übernahm der germanische Söldnerführer Odoaker mit der Absetzung des Kaisers die Macht in Rom. Er überwarf sich mit Byzanz, als er das (im heutigen Niederösterreich gelegene) Rugierreich zerstörte. Der Kaiser bot daraufhin den Ostgoten Italien an: Von 489 bis 493 eroberten diese unter Theoderich das Land. Theoderich versuchte, mit Bündnissen das alte Reich auf eine neue Grundlage zu stellen: Seine Töchter verheiratete er mit den Königen der Westgoten und der Vandalen, er selbst heiratete die Schwester des Frankenkönigs.

Im Westen hatten vor allem Westgoten und weiter nördlich die Franken die Schwäche Ostroms genutzt, um ihre Gebiete zu vergrößern. Die Westgoten hatten ihr Reich bis an die Ligurischen Alpen ausgedehnt und (bis auf suebische Gebiete im Nordwesten) die ganze Iberische Halbinsel erobert; seitens der Franken hatte Chlodwig I. aus dem Haus der Merowinger eine ganze Reihe fränkischer Kleinkönige getötet und ihre Nachfolge angetreten und schließlich das Reich des Syagrius (des letzten verbliebenen römischen Herrschers in Gallien, rund um das heutige Paris) überrannt. Damit trafen Westgoten und Franken aber aufein­ander, angesichts des fränkischen Expan­sions­drangs scheiterte Theo­derichs Bündnispolitik: 507 kam es bei Poitiers zur Schlacht zur Schlacht zwischen Franken und Westgoten. Auch das Eingrei­fen Theoderichs konnte nicht verhindern, dass die Westgoten große Teile Galliens an die Franken verloren. Sie verlegten ihre Hauptstadt nach Toledo ("Toledanisches Reich"). Theoderich sicherte sich die Provence und hielt die Franken damit vom Mittelmeer fern. Diese wiederum konnten 508 – 511 auch das rheinfränkische Königreich übernehmen und ihre Macht bis zum Rhein ausdehnen.

Unterdessen strebte Byzanz unter Kaiser Justitian, nachdem er 534 das Vandalenreich vernichtet hatte, die Wiederherstellung der römischen Vor­herrschaft über das gesamte Mittelmeergebiet an und wandte sich gegen die Ostgoten. Nach langen Kämpfen unterlagen diese 552. Die Kräfte Byzanz' reichten aber nicht, die Einheit dauerhaft wiederherzu­stellen: Italien wurde ab 568 bis auf wenige Enklaven von den Langobarden (die ihrerseits von den Awaren aus Pannonien vertrieben worden waren) besetzt. Damit ging die Völker­wanderung zu Ende; die Langobarden regierten bis 774 und der byzan­tische Einfluss nahm wieder ab. Aber die Auseinandersetzungen mit Byzanz hatten die Ostgoten beschäftigt, so dass die Westgoten ihre Expansions­politik wieder vorangetrieben hatten: unter Chlodwigs Söhnen drangen sie nach Thüringen, Bayern, in den Siedlungsraum der Alamannen und der rätischen Alpenromanen vor und eroberten die Provence und Burgund. Im 7. Jh. verloren die Merowinger allerdings an Einfluss, die fränkische Politik wurde zu­nehmend von den "Hausmeiern" (ursprünglich Hausverwalter, die aber im Laufe der Zeit immer mehr Einfluss gewannen) bestimmt. Dem Hausmeier Karl Martell gelang es 732 bei Tours mit einem Reiterheer, die Araber, die fast die gesamte iberische Halbinsel erobert hatten, aufzuhalten. Dem Sieg verdankte er auch den typisch europäischen „Schlachtrössern“, die mittlerweile den den wild weidenden Pferden der Mongolen und Araber an Kraft und im Schlacht­getümmel überlegen waren. 751 wurde ein Sohn Karl Martells, Pippin der Jüngere, fränkischer König - die "Karolinger" lösten die Merowinger ab. Unter Pippins Sohn Karl dem Großen erreichte das Reich seine größte Macht und Ausdehnung, 774 eroberte dieser auch das Langobardenreich. Nach Karls Tod zerfiel das Reich jedoch in zahlreiche Fürstentümer: Der westliche Teil sollte Frankreich werden, im östlichen Teil begann 936 mit der Krönung des Sachsen Otto I. die deutsche Geschichte.

Der spätere Name “Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation” zeigt, in wessen Nachfolge dieses Reich sich sah. Bereits Karl der Große hatte zur Sicherung und Verwaltung seines Reichs die Lehen eingeführt: Seine Getreuen, die Vasallen, erhielten riesige Ländereien mitsamt der ansässigen Bauern, die teils als kleinere Lehen an Untervasallen weiterverteilt wurden. Die Lehnsherren lebten von den Abgaben der Bauern, die zudem als Frondienste öffentliche Arbeiten verrichten mussten, während die Lehnsherren als Ritter die militärische Macht des Kaisers sicherstellten. Diese Feudalordnung beherrschte bald weite Teile Europas.

Trost im mühseligen Leben der unteren Stände bot vor allem die Hoffnung auf ein späteres Leben im Paradies; die Religion stand im Mittelalter wie nie zuvor im Mittelpunkt des Lebens – und ohnehin war die römisch-katholische Kirche das eigentlich verbindende Elemente des Reichs. Chlodwig I. hatte sich 498 katholisch taufen lassen, und Karl der Große erneuerte das römische System mit einem Bischof als geistlichem Oberhaupt einer Stadt und ihres Umlandes - mit dem Bischof der Metropole, in der der Provinzstatthalter ansässig war, als "Metropolit", der Vorrang gegenüber seinen Amtsbrüdern besaß (später Erzbischof genannt). Übergreifende Fragen wurden auf Versammlungen der Bischöfe, den Synoden und Konzilen, besprochen. Besondere Autorität besaß weiterhin der Bischof von Rom, der Papst. Allerdings gab es nun auch den Bischof von Konstaninopel, ebenfalls Kaiserstadt, was immer wieder zu Spannungen um den Vorrang führte – und 1054 zu einer dauerhaften Spaltung der Kirche.

Ab etwa Mitte des 10. Jahrhunderts erhöhten sich die Temperaturen in Europa (mittelalterliche Warmzeit). Davon profitierten insbesondere der Westen und der Norden, wo die Gefahr von Ernteausfällen sank und bis Anfang des 14. Jahrhunderts in großem Umfang Wälder gerodet und Sümpfe trockengelegt wurden. Die Fläche, die für die Landwirtschaft zur Verfügung stand, wuchs. Im Laufe der Zeiten setzten sich zudem weitere Verbesserungen der landwirt­schaft­lichen Technik durch, insbesondere die in China bereits vor der Zeitenwende erfundenen Streichbretter (mit denen beim Pflügen die Erde gewendet und Unkräuter begraben werden), das Kumt an Stelle des Jochs (so dass Pferde und Ochsen viel wirkungsvoller Wagen und Pflüge ziehen konnten) sowie eiserne Werkzeuge, mit denen die Hartholz­wälder des Nordens leichter gerodet und schwere Böden besser bearbeitet werden konnten. So begann die Bevölkerung zu wachsen, in Europa von 35 Millionen Menschen im Jahr 1100 auf über 70 Millionen im Jahr 1300. Die steigende Zahl der Menschen sollte das Leben im Westen Europas dauerhaft verändern. Mit steigendem Wohlstand wuchs die Bedeutung des Handels; in Italien, wo die Zentral­gewalt nur dem Namen nach existierte, entstanden weitgehend autonome Handelsstädte wie Genua und Pisa, die (wie auch das schon länger aktive Venedig) sowohl mit dem Norden Europas als auch mit Byzanz sowie dem islamischen Reich handelten und damit zu großem Reichtum gelangten. Viele Christen konnten es sich damit auch leisten, ins Heilige Land pilgern.

Die Welt um das Jahr 1000

Im Jahr 1000 lebten wohl um die 300 Millionen Menschen auf der Erde; in Europa herrschte mit der beginnenden mittelalterlichen Warmzeit ein mildes Klima – die Wikinger hatten so Island und Grönland entdeckt und besiedelt und erreich­ten im Jahr 1001 Neufundland, wo sie eine Siedlung gründeten. Diese erste Entdeckung Amerikas blieb aber folgenlos, und die Siedlung wurde bald wieder aufgegeben. In Europa festigten sich die beiden christ­lichen Kulturen unter ihren beiden Schutzherren, dem römisch-deutschen Kaiser Otto III. und dem byzantinischen Kaiser Basileios II. Konstantinopel mit wahr­scheinlich etwa 400.000 Einwohnern war die größte Stadt der christ­lichen Welt. Vom lukrativen Gewürzhandel waren die Europäer aber abge­schnitten, dieser lief wieder über arabische Zwischenhändler. Aber auch die islamische Welt war tief gespalten: In das Abbasiden-Kalifat in Bagdad, das Fatimiden-Kalifat in Nordafrika mit Sitz in Kairo und das in Córdoba (al-Andalus) ansässige Umayyaden-Kalifat; Córdoba war mit etwa 500.000 Ein­wohnern größer als Konstantinopel. Und trotzt der Spaltung griffen islamische Truppen immer wieder den Norden Spaniens an, und sie sollten 1026 den Norden Indiens erobern. In Kontakt mit dem islamischen Nordafrika standen auch die Reiche im Westen und Osten Afrikas, etwa Ghana im Westen und Aksum im Osten; Groß-Simbabwe in Südafrika unterhielt sogar eigene Handelsbeziehungen nach China. Im Süden Indiens bekämpfen sich die Fürsten des Chalukya- und des Chola-Reichs; in Südostasien blühte das Reich der Khmer. In China begann die Blüte der Song-Dynastie und nördlich davon, in der heutigen Mand­schurei, dominierten die Khitan-Reitersoldaten - in gewisser Weise Vorläufer der Mongolen – das Liao-Reich.

Die Reiche Amerikas hatten im Jahr 1000 nach allem, was wir wissen, weder untereinander noch – einer Wikingersiedlung zum Trotz – gar mit den Reichen Eurasiens Kontakt. Nordamerika wurde von der Mississippi-Kultur mit der Hauptstadt Cahokia beherrscht; in Mittelamerika war die klassische Zeit der Maya im zentralen Tiefland bereits vorbei, aber auf der Halbinsel Yucatán besiedelten die Itzá-Maya die möglicherweise bereits zuvor bewohnte Stadt Chichén Itzá (erneut) und gründeten ein neues Maya-Reich im Norden. In Südamerika blühte die Huari-Kultur, ein Vorläufer der Kultur der Inka.  

Die Westkirche und die Kreuzzüge

Nach der Jahrtausendwende nahm insbesondere der Einfluss der römisch-katho­lischen Kirche weiter zu: neue Mönchsorden entstanden und gründeten zahl­reiche Klöster; in den Gemeinden wurden Priester als ständige Vertreter der Kirche eingesetzt und Kirchen gebaut. 1054 schickte Papst Leo IX. eine Dele­gation nach Konstan­tin­opel, die den Patriarchen dazu bringen sollte, die Vormachtstellung des Papstes anzuerkennen. Der weigerte sich und exkommuni­zierte die Delegation, und diese im Gegenzug den Patriarchen: seither gingen die römisch-katho­lische und die griechisch-orthodoxe Kirche getrennte Wege. Während der Patriarch mit dem Ende der byzantinischen Herrschaft in Italien in den 1060er Jahren und dem Verlust Anatoliens in den 1070er Jahren an Ein­fluss verlor, konnte Papst Nikolaus 1059 durchsetzen, dass die Kardinäle den Papst selbst (ohne Einfluss des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs) wäh­len konnten. Die neue Macht der Kirche zeigte sich auch an den immer größer­en Kathedralen, die überall im Westen im neuen romanischen Stil entstanden.

Vom Bau der Kathedralen und dem, was man dabei über die Baukunst lernte, pro­fi­tierte auch die weltliche Baukunst: Es begann der Bau von Burgen, mit denen der Grundherr die Menschen auf seinem Land besser schützten konnte. Mit Burgen und berittenen Soldaten (den "Rittern") konnten man auch Plün­derern wie den Wikingern oder den Magyaren (die aus der Pannonischen Tief­ebene kommend 955 durch Westeuropa gezogen waren) besser widerstehen. Und man konnte sie auch nutzen, um gegen den Islam zu kämpfen: 997 hatte Alman­sor noch die nordspanische Pilgerstadt Santiago de Compostela geplündert; nach seinem Tod 1002 und den darauf folgenden internen Machtkämpfen begann der Zerfall des Kalifats von Córdoba. Die christlichen Königreiche begannen mit Angriffen auf dessen Nordgrenze und errichteten Kirchen und Burgen, um das Land für den christlichen Glauben zu sichern. Aber noch wichtiger: Die muslimischen Araber hatten bis dahin Pilgerreisen von Christen ins Heilige Land zugelassen – aber seit das Heilige Land 1071 von türkischen Seldschuken erobert worden war, wurden die Pilger oftmals beraubt oder getötet. Die Seldschuken bedrohten auch den byzantinischen Kaiser, der 1095 den Papst bat, seinen christlichen Brüdern im Osten zu Hilfe zu kommen. Papst Urban II., der hoffte, so doch noch die päpstliche Vorrangstellung über die ge­samte Christenheit zu sichern, rief noch im selben Jahr die Christen auf, die heilige Stätten aus den Händen der "Ungläubigen" (Moslems) zu befreien. Damit begann eine 200jährige Phase der Kreuzzüge. Der Aufruf stieß auf gewaltige Resonanz: Dabei spielte nicht nur die Hoffnung auf das verheißene Paradies für diejenigen, die im heiligen Streit fallen, eine Rolle, sondern auch das Weglaufen vor schwierigen Lebens­­ver­hält­nissen und die Hoffnung auf reiche Beute. 1099 eroberten die Kreuzfahrer nach einem Zug über den Balkan und Anatolien Jerusalem. Unter­stützt wurden die Kreuzfahrer von Schiffen aus Genua, Pisa und (ein wenig später) Venedig – was den italienischen Handels­städten dauerhafte Handels­privilegien mit den neu gegründeten Kreuzfahrer­staaten und die Seeherrschaft im Mittelmeer ver­schaffte. Diese nutzten sie auch, um die Piraterie ernst­haft zu bekämp­fen, was wiederum den Handel mit der nordafrikanischen Küste (wo etwa das Gold von den Karawanenrouten in der Sahara gehandelt wurde) aufblühen ließ. Den Asienhandel monopolisierten allerdings die Araber – christlichen Schiffen wurde während der Kreuzzüge das Befahren des Roten Meeres verboten.

Die Erfindung des Kapitalismus

Die ersten Ansätze des Kapitalismus (660) finden sich vermutlich im Fern­handel, der etwa das China der Han-Dynastie mit dem römischen Reich ver­band: den Kaufleuten jener Zeit war Gewinnstreben nicht fremd, wenn auch der Gewinn eher einem guten Leben als der „Kapitalakkumulation“ – also dem erneuten Investieren des Gewinns in weitere Unternehmungen – galt. Im arabischen Großreich blühte ab dem 8. Jahrhundert der nach dem Untergang des römischen Reichs zurückgegangene Fernhandel erneut auf; hier wurde das Kapital für neue Unternehmungen auch bereits – zumindest teilweise – durch den erneuten Einsatz von Gewinnen bereitgestellt und das Kapital selbst „fruchtbar gemacht“, indem Geld mit Gewinn verliehen wurde (zahlreiche Ratgeber verrieten dazu, wie das Zinsgebot des Koran umgangen werden konnte). Auch in China brachten gewinnorientierte Kaufleute insbesondere unter der handelsfreundlichen Song-Dynastie wieder erheblichen Wohlstand hervor. Sie betrieben bereits eigene Werkstätten, die Lohnarbeiter be­schäftigten.

In Europa nahm der Fernhandel erst mit den Kreuzzügen einen neuen Auf­schwung, und vom 12.-15. Jahrhundert entstanden insbesondere in  Nord­italien (in den weitgehend unabhängigen Stadtrepubliken Venedig, Pisa und Genua, etwas später auch in Florenz) und Süddeutschland (etwa in Nürnberg und Augsburg) zahlreiche Neuerungen, die den späteren Kapitalismus prägen sollten (siehe auch Eine kleine Geschichte des Geldes). So entstand etwa das Unternehmen: eine eigenständige „Rechtsperson“, deren Partner (und später auch Teilhaber) den Gewinn teilten (und anfangs noch mit ihrem gesamten Privatvermögen für Verluste hafteten, im 15. Jahrhundert wurde in Florenz die Haftung erstmals „beschränkt“, also begrenzt). Die doppelte Buchführung wurde entwickelt und der bargeldlose Geldtransfer. Zudem dehnte sich der Gedanke der Kapitalakkumulation über den Handel hinaus aus, Geld wurde auch mit Geldwechsel, Kreditvergabe und anderen Bankgeschäften, also mit Geld selbst als Ware, verdient (als Sicherheit für Kredite an Herrscher erhielten die Kaufleute mitunter das Recht, die Steuern einzusammeln oder Handelsmonopole; selbst der Papst nahm Kredite und verlieh Kaufleuten dafür das Recht, für ihn Abgaben einzusammeln); und schließlich begannen die Kaufleute auch in die Warenproduktion zu investieren, beispielsweise in der Wollproduktion in Florenz und den Niederlanden. Dieser „Kaufmanns­kapitalismus“ blieb jedoch insgesamt eine Randerscheinung, die mittelalter­lichen Gesellschaften waren überwiegend von Selbstversorgung und dem Tauschhandel geprägt.

Weiter: Der Aufstieg des Kapitalismus

Und auch, wenn die Christen schon aus zahlenmäßiger Unterlegenheit die weitere Glaubensausübung der Muslime tolerierten (oder tolerieren mussten), gaben die Muslime das heilige Land nicht so einfach auf. Nachdem sie 1144 den Kreuzfahrerstaat Edessa (in Nordsyrien) zurückerobert hatten, rief der Papst zu einem – letztlich erfolglosen – Zweiten Kreuzzug auf. Als die Christen 1169 Ägypten angriffen, wurden die dort regierenden Fatimiden nach einem Volksaufstand abgesetzt, und unter der neuen Ayyubidendynastie waren Ägypten und Syrien vereint, so dass sie nicht mehr so leicht gegeneinander auszu­spielen waren. 1187 konnte Saladin das Frankenheer schlagen (dabei zeigte sich, dass die Überlegenheit der starken europäischen Pferde nicht absolut war: Saladin ließ das Heer der europäischen Kreuzritter auf sich zustürmen, wich im letzten Augenblick aus, und fiel ihnen dann in den Rücken. Er hatte damit die richtige Strategie für seine schnellen Araber­pferde gefunden). Er nahm Jerusalem ein und beendete endgültig die Macht des christlichen Adels im Heiligen Land. Auch mit dem Dritten Kreuzzug gelang es nicht, Jerusalem zurückzuerobern. Als 1204 der Vierte Kreuzzug gar mit der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer endete (die mit der Beute die Flotte Venedigs für die Verschiffung bezahlten), war auch der Papst geschockt. (Der Fünfte Kreuzzug war schon anders als seine Vorgänger: Friedrich II. wollte die Muslime nicht mehr töten, er handelte die Rückgabe Jerusalems an die Christen aus.)

Byzanz, das schon zuvor von den Normannen aus Sizilien und immer wieder von den Seldschuken angegriffen wurde und von dem sich Trapezunt abgespalten hatte, wurde anschließend in Teilstaaten geteilt. Der größte, das Kaiser­reich Nikaia, konnte 1261 Konstantinopel zurückerobern, aber das Reich war nur noch ein Schatten seiner einstigen Größe. Der große Gewinner war Venedig, das jetzt die einst byzantinischen Handelswege kontrollierte und die Insel Kreta in Besitz nahm. Im westlichen Mittelmeerraum war nach der christlichen Rückeroberung großer Teile der iberischen Halbinsel unterdessen mit Katalonien und seinem Zentrum Barcelona sowie dem 1229 unter Jakob I. ("dem Eroberer") zurückeroberten Mallorca und dem französischen Montpellier eine weitere Handelsmacht in der Entstehung begriffen. 1281 erreichten drei Schiffe aus Genua und Mallorca London, und danach begannen die Schifffahrt aus dem Mittelmeer und im Atlantik zusammenzuwachsen. Allerdings nahm, da nun keine zentrale Macht mehr das Mittelmeer befriedete, auch die Piraterie wieder zu.

Renaissance und Humanismus

Während der Kreuzzüge waren die Westeuropäer mit einer weit überlegenen Zivilisation in Kontakt gekommen. Viele hatten zum ersten Mal im Leben imposante Städte gesehen, Stoffe wie Samt und Seide und orientalische Gewürze kennengelernt. Der Handel zwischen Abend- und Morgenland nahm schon während der Kreuzzüge wieder zu und machte, wie oben dargestellt, italie­nische Hafenstädte wie Venedig und Genua reich und mächtig. Das starke Wachs­tum der europäischen Bevölkerung führte insbesondere im 13. Jahrhundert zur Entstehung zahlreichen Märkte und Städte (alleine in Westfalen stieg deren Zahl von 6 im Jahr 1180 auf 138 im Jahr 1300). Damit änderte sich das Leben der Menschen: Auf den Märkten konnte man auch Waren kaufen, die man selber kaum herstellen konnte. Größere Märkte zogen Menschen von weither an, und bezogen ihre Ware aus den großen Handelsstädten wie Brügge und Gent in Flandern, die wiederum Waren aus London oder den baltischen Staaten bezogen. Das nordeuropäische Handelsnetzwerk stand über Messen in der französischen Champagne mit den südeuropäischen Handelsstädten in Verbindung; in ganz Europa begann der Aufstieg der Städte und entstand der Kaufmannsstand. Europas Städte waren im Unterschied zu den Städten der alten Hochkulturen und zu den Städten der Moslems halbautonom – im Falle der italienischen Stadtrepubliken sogar völlig Unabhängig. In China konnte der Kaiser über den Wohnort der Menschen verfügen, in Europa mussten die Städte um die Bürger werben. Damit der Handel funktionierte, brauchte er ein nachvollziehbares Recht, die ersten schriftlichen Sammlungen von Rechtsvorschriften entstanden (und führten sogar, wie im Falle der 1215 in England verfassten "Magna Carta" dazu, dass die Rechte des Königs gegenüber dem Adel eingeschränkt werden konnten). Rechtsvorschriften musste man aber lesen können, was wiederum Schulen und Bildung notwendig machte. Erste Univer­sitäten ent­standen in Städten wie Paris, Cambridge, Prag oder Heidelberg. Latein war – wie in der römisch-katholischen Kirche – die länderübergreifende Sprache dieser neuen Universitäten.

Lange Zeit blieb aber die Kirche der wichtigste Kulturträger; Kultur basier­te auf dem von der römischen Kirche vermittelten Erbe des alten Israel. Seit dem 12. Jahrhundert wurde aber auch das Erbe der Griechen und der Römer wiederentdeckt, das in den arabischen Bibliotheken überlebt und nach der Wiedereroberung ehemals von den Arabern beherrschter Städte wieder zugäng­lich wurde. In Südeuropa wurden ganze Bibliotheken ins Lateinische über­setzt; bei ihrer Verbreitung spielten die Klöster ein wichtige Rolle, die oft eigene Bibliotheken besaßen, in denen die Übersetzungen eingingen. Die Mönche verbreiteten das Wissen nicht nur (auch in den Klostenschulen), son­dern dachten es auch manchmal auch weiter: So begann etwa der Leiter der Domschule von Notre-Dame in Paris, Pierre Abaelard, die Widersprüche in den Schriften der Kirchenväter mit Hilfe von Aristoteles' Logik zu untersuchen. Dass er damit die Logik neben den Glauben stellte, grenzte damals an Ketzer­ei. Der franziskanische Naturphilosoph Roger Bacon lehrte im 13. Jahrhundert an den Universtitäten London und Oxford und forderte naturwissenschaftlichen Unterricht an den Universitäten. Bereits im 12. Jh. waren auch die arabi­schen Ziffern in den Westen gelangt; das me­di­zinische Wissen der Araber, das Avicenna in seinem "Kanon der Medizin" zusammen­gestellt hatte, war von Gerhard von Cremona übersetzt worden und unter­stützte die Anfänge einer wissenschaftlichen Medizin. Hofübersetzer in Pa­ler­mo hatten das das Werk des am Hofe Roger II. lebenden ara­bi­schen Geografen Mohammed al-Idrisi mit einer Karte der damals bekannten Welt übersetzt.

Geografisches Wissen war besonders gefragt, denn um arabische Zwischen­händler beim lukrativen Gewürzhandel zu umgehen, brauchte man das antike Wissen, aber auch die Erkenntnisse der Araber. Mit den mongolischen Eroberungen hatte sich ein neuer Handelsweg durch Asien eröffnet, und ab 1245 schickte der Papst Delegationen zum mongolischen Großkhan, um mit diesem ein Bündnis gegen die Muslime zu schmieden. Italienische Händler versuchten, Kontakte nach Asien aufzubauen. Zu diesen gehörten Niccolò und Maffeo Polo, die auf ihrer zweiten Reise Niccolòs Sohn Marco mitnahmen, dessen Reisebericht später weit verbreitet wurde. 1269 kauften genuesische Kauf­leute die Stadt Kaffa am Schwarzen Meer; und 1291 versuchten Schiffe aus Genua erstmals, auf dem Seeweg nach Indien zu gelangen.

Unterdessen nahmen am Ende des 13. Jahrhunderts die Fehlernten zu: zum einen ging die mittel­alterliche Warmzeit zu Ende, zum anderen hatten die intensiven Ernten der letzten Jahrhunderte die Böden an Nährstoffen verarmen lassen. 1309 führten dann starke Regenfälle überall in Europa zu einer Hungersnot, 1315 verdarb starker Regen die Frühjahrsaussaat und führte zu einer bis 1317 anhaltenden Hungersnot, der 10 Prozent der Bevölkerung – mehrere Millionen Menschen – zum Opfer fielen. Aber es sollte noch schlimmer kommen, die seit 770 in Europa verschwundene Pest kam zurück.

Der "Schwarze Tod": die Pest-Pandemie 1347 bis 1352

Erste Gerüchte, dass die Städte Chinas von einer verheerenden Pest betrof­fen seien, hatten den Westen bereits Anfang 1346 erreicht. Ende des Jahres wurde es zur Gewissheit; auch Indien war betroffen. Im gleichen Jahr traf die Seuche auch ein mongolisches Heer, das gerade die genuesische Handels­stadt Kaffa auf der Krim belagert: Tausende der Angreifer starben binnen Tagen. Sie mussten den Angriff abbrechen, ließen aber ihre Leichen zurück. Es wurde sogar berichtet, dass sie diese vor ihrem Abzug mit ihren Belagerungskatapulten in die Stadt geschossen haben sollen. Ob das so war oder nicht, die Seuche griff auf Kaffa über. Die Überlebenden flüchteten auf 13 Schiffen - sie brachten die Seuche nach Konstantinopel, wo im September 1347 die Pest ausbrach. Ein Sklavenschiff aus dem Schwarzen Meer brachte die Pest nach Alexandria; und im Oktober 1347 legte ein Flücht­lings­schiff aus Kaffa in sizilianischen Messina auf Sizilien an – wo wenige Tage später die Pest ausbrach. Die Seeleute wurden wieder fortgeschickt, und brachten die Pest nach Genua, Venedig und Pisa. Damit war der Weg für die weitere Ausbreitung frei: 1348 erreichte sie Tunis, Sevilla und Paris, 1349 Deutsch­land und London. 1352 erreichte sie Moskau. Genaue Zahlen über die Folgen dieser – nach der Justitianischen Pest – zweiten Pandemie – wegen der schwarzen Beulen in Leisten und Achselhöhlen der Opfer auch Beulenpest oder einfacher "Schwarzer Tod" genannt, sind schwierig zu ermitteln; die besten Schätzungen liegen bei einem Drittel bis 60 Prozent der Bevölkerung, die der Pest zum Opfer fielen, also etwa 25 bis über 45 Millionen Menschen.

Wie sich zeigen sollte, war das nur die erste Welle dieser Pandemie, die Pest kehrte bis ins 18. Jahrhundert alle paar Jahre nach Europa und in die islamische Welt zurück. Ob die Pest dazwischen lokal in Rattenpopulation überdauerte oder, wie neue Forschungen vermuten lassen, bei Klimaänderungen immer wieder neu aus dem Innern Asiens nach Europa und in die islamische Welt gelangte, ist noch nicht klar [676]. Auch die folgenden Epidemien waren furchtbar, die zweite Welle 1361/62 tötete etwa in England noch ein­mal zehn Prozent der Menschen; manchmal, wie 1563 in Venedig, 1649 in Sevilla, 1656 in Neapel, 1665 in London oder 1720/21 in Marseille töteten Pestausbrüche auch mehr als 20 Prozent der Bevölkerung. Aber sowohl die Sterberaten als auch die Folgen waren nicht mit dem "Schwarzen Tod" von 1347 bis 1352 zu vergleichen – dieser kam überraschend (die Erinnerungen an die Justiti­anische Pest waren längst verloren gegangen), an eine regelmäßig wieder­kehrende Pest gewöhnte sich die Menschheit und entwickelte auch Strategien, mit ihr umzugehen. Auch wenn die Ursachen der Pest nicht be­kannt waren, war vielerorts der Zusammenhang zwischen den Handelsrouten und der Ausbreitung der Pest erkannt worden, und so wurde etwa in der Handelsstadt Venedig, wo eine Kommission aus "Weisen" die Stadtregierung beriet, die "Quarantäne" für Seuchenverdächtige eingeführt (von "quaranta", 40, da diese 40 Tage isoliert wurden); seit 1423 wurde Kranke in eigenen Krankenhäusern isoliert (und 1485 eine der ersten Gesundheitsbehörden eingerichtet). Auch die Abriegelung ganzer von der Pest betroffener Regio­nen durch (oft vom Militär bewachte) "Sanitärkordons" sollte gegen die Ausbreitung der Pest helfen (den längsten, 1.900 Kilometer lang, errichte­ten die Habsburger. Solche Maßnahmen halfen, aber eben nur teilweise, da einerseits die Maßnahmen nicht lückenlos umgesetzt werden konnten, und die Ursache der Krankheit unbe­kannt war (obgleich die Pest in Innerasien "Rattenpest" hieß, aber dieser Hinweis war in Europa damals vermutlich nicht bekannt.) Auch andere Maßnahmen, die ergriffen wurden, wie das Reinigen der Abwasserkanäle und das Einsammeln von Abfällen, halfen gegen die Pest (hinter ihnen stand die damals weit verbreitete "Miasmentheorie", wonach Krankheiten durch faulige Prozesse in Luft oder Wasser verursacht würden – aber sie waren eben auch gegen Ratten wirksam). Um den Kranken zu helfen, stellten Städte (nachdem anfänglich Quacksalber mit selbst herge­stellten, unwirksamen Heilmitteln den Leuten viel Geld aus der Tasche gezogen hatten) Pestärzte ein; die später oft - um sich vor Ansteckung zu schützen - mit Duftstoffen gefüllte Schnabelmasken vor dem Gesicht trugen (diese "Schnabeldoktoren" prägten lange das Bild der Pest). All die Maßnahmen mögen dazu beigetragen haben, dass die zweite Pestpandemie im 17. und 18. Jahrhundert in Europa nach und nach abebbte: die letzten Epidemien war die von 1720/21 in Marseille und der Provence sowie von 1770 in Moskau.

Todesraten wie in der ersten, aber auch mancher der folgenden Wellen ließen die Überlebenden traumatisiert zurück. Die Reaktionen waren unterschied­lich: die einen glaubten, die Pest sei eine Strafe Gottes für einen sünd­haften Lebenswandel des Menschen und gingen in Sack und Asche, andere gaben sich den "ungezügelsten Leidenschaften" (so ein Chronist aus Tirol) hin. Es kam zu Plünderungen von Häusern, deren Bewohner an der Pest gestorben waren, und auf der Suche nach Sündenböcken wurden die Juden als "Brunnen­vergifter" [680] in vielen Regionen systematisch abgeschlachtet (obgleich sie natürlich ebenso von der Pest betroffen waren wie die Christen). Diese Pogrome gehören zu den dunkelsten Seiten der Reaktion auf die Pest. Dennoch brach auf Dauer die Gesell­schaft nicht zusam­men, sondern wurde sogar gestärkt: am besten kamen Städte und Länder durch die Pest, wo etwa wie in Venedig Gesundheitsbehörden den Kampf gegen die Krankheiten organisierten. Allen wiederkehrenden Epidemien zum Trotz überstand die Menschheit die Pest: etwa 200 Jahre nach dem "Schwarzen Tod" erreichte die Bevölkerungs­zahl in Europa wieder 75 Millionen Menschen, so viele wie vorher. Diese lebten aber anders als zuvor. Der Glaube an die Kirche, die die Vernichtung ganzer Familien nicht verhindern konnte, wurde erschüt­tert; und ebenso der Feudalismus: Da Arbeits­kräfte knapp wurden, wurde Arbeits­kraft wertvoller. Viele Leib­eigene, die ihre Familien verloren hatten, hatten zudem nichts mehr zu verlieren und rebellierten oder gingen in die Städte. Wenn die Landbesitzer ihre Bauern halten wollten, mussten sie ihnen die Pacht deutlich senken und sie ordentlich behandeln, sonst wurden sie von anderen abgeworben oder nutzten die Gelegenheit, um eben­falls in die Städte zu gehen. Für manche wurde das Leben nach der Pest offenbar deutlich besser!

Neben Hunger und Pest prägten auch Krieg und Eroberung das 14. Jahrhundert. Namentlich der Hundertjährige Krieg, in dem es wesentlich um den Versuch der englischen Könige – die seit der Eroberung Englands durch den normannischen Herzog Wilhelm I. im Jahr 1066 französischer Herkunft waren – ihre Ansprüche auf den französischen Thron durchzusetzen. Die Schlacht von Crécy 1346 ge­wan­­nen die zahlenmäßig unterlegenen Engländer dank zahlreicher Bogen­schützen. Anders als die Ritter mit ihren Lanzen mussten sich Bogenschützen ihren Gegnern nicht bis auf Nahkampfentfernung nähern und konnten ihre Gegner mit geringerer Gefahr für sich selbst töten, solche "Fernwaffen" sollten den Krieg bis heute prägen. Der englische König Edward III. erkannte auch, dass (die aus China nach Europa gekommenen) Kanonen ähnliches leisten konnten, und befahl die Produktion von Schießpulver, das im Tower von London gelagert wurde.

Auch das 15. Jahrhundert blieb von diesem und anderen Kriegen geprägt. Der Hundertjährige Krieg wurde in England nach seinem Ende (die Engländer ver­loren 1453; der Krieg trug dazu bei, sowohl in Frankreich als auch in England ein National­bewusst­sein entstehen zu lassen, aus dem England und Frankreich als getrennte Staaten hervorgehen sollten) als Rosenkrieg fortgesetzt, die italienischen Handelsstädte griffen sich mit Hilfe von condottieri genannten Söldnern gegenseitig an, die Hanse kämpfte gegen die Spanier und die Niederländer, ... Ob diese Kriege den technischen Fort­schritt im 15. Jahrhundert (der auch im Krieg nützte) gefördert oder geschadet (da sie ihm Geld entzogen haben) haben, ist umstritten. Aber im 15. Jahrhundert begann auch die Renaissance. Als Inbegriff des Renaissance-Menschen gilt Leonardo da Vinci, der nicht nur die „Mona Lisa“ malte, sondern – die Reihe mittelalterlicher "Bastler" fort­führend – auch Wissen­schaftler, Techniker und Erfinder war. Erfindungen wie das Pferdegeschirr erhöhten die Leistung der Pferde als Zugtiere; Wasser- und Windräder führten zur Mechanisierung vormals menschlicher oder tier­ischer Arbeit etwa in den Mühlen. Kurbeln und Zahnräder ermöglichten die Richtungsänderung der Kraft oder die Umwandlung von Dreh- in Kolben­bewegungen, so konnten auch Tuch gestampft, Metall ge­hämmert oder Blech gewalzt werden. Ende des 15. Jahrhunderts konnten die christlichen Heere bereits Dutzende von Kanonen – gezogen von Hunderten von Pferden – gegen die Moslems in Granada einsetzen. Bereits im 13. Jahrhundert hatte zudem die Herstellung von Waren in Manufakturen gegonnen. An den Universitäten wurden die Grundlagen dieser Techniken systematisch erforscht. Die Universitäten hatten auch Bedarf an Büchern, die viel billiger hergestellt werden konnten, nachdem Papier hergestellt werden konnte und Johannes Gutenberg in Mainz den Druck mit der Erfindung beweglicher Metalllettern revolutioniert hatte. Leistung spielte eine zunehmende Rolle: Manche Handwerker waren besser als andere – und hatten mehr Kunden. Manche Historiker sehen hierin eine der Wurzeln für die spätere industrielle Revolution.

Die Wurzeln der industriellen Revolution (I)

Bereits im Mittelalter, meinen manche Historiker, liegen die Wurzeln der industriellen Revolution: Zu dieser Zeit holte Europa den wissenschaft­lichen und technischen Vorsprung anderer Zivilisationen, vor allem China und dem Islam, auf – und überholte diese sogar. Einer, der die Frage intensiv untersucht hat, ist der Wirtschaftshistoriker David S. Landes mit seinem Buch „Wohlstand und Armut der Nationen“, in dem er fragt, „warum die einen reich und die anderen arm sind“ (so der Untertitel). Er weist darauf hin, dass selbst zur Blütezeit des Islam in den Jahren 750 bis 1.100, als dieser der Lehrmeister Europas war, zwar die Wissenschaft blühte, aber die Technik wesentlich langsamere Fortschritte machte: Die Erkenntnisse wurden nicht angewandt, da im Islam für Fragen des Geistes (im weitesten Sinne) die Glaubensgelehrten zuständig waren. Er zitiert den Historiker Ibn Chaldun, der folgende Anweisung zum Umgang mit einer in Persien gefundenen Bibliothek mit einer „unbeschreiblich große[n] Zahl von Büchern und wissenschaftlichen Manuskripten“ aufzeichnete: „Wirf sie ins Wasser. Wenn, was sie enthalten, rechte Weisung ist, hat Gott uns bessere Weisung gegeben. Ist es Irrweg, hat Gott uns dagegen geschützt.“ Religionsführer mochten es selten, wenn man überlieferte Weisheiten anzweifelte.

Auch im konfuzianischen China war Fortschritt kein Wert. Zwar war China im Mittelalter die technisch führende Weltregion: Schon im 12. Jahrhundert kannten die Chinesen eine mit Wasserkraft beschriebene Maschine zum Spinnen von Hanf; sie sollen bereits Ende des 11. Jahrhunderts mit Hochofentechnik 125.000 Tonnen Roheisen produziert haben; die Schiffsexpeditionen der Ming-Dynastie wurden früher, mit besseren navigatorischen Kenntnissen und mit größeren Schiffen durchgeführt als die Seefahrten der Europäer. Sie dienten aber anderen Zwecken: China wollte repräsentieren, nicht handeln – schließ­lich gab es im Reich der Mitte alles, was nötig war. Im Ming-China war der Konfuzianismus wieder erstarkt, China hielt sich für das Zentrum der Welt. Die Chinesen waren gute Kartographen – ahnten aber nicht, dass die Erde eine Kugel war. So gaben sie sogar den Schiffbau auf – ab 1436 wurden keine Schiffe mehr gebaut. 1525 wurden gar alle seetüchtigen Schiffe zerstört und ihre Eigner festgenommen.

Ganz anders verlief die Entwicklung in Europa. Hier wurde das mittel­alterlich-christliche Weltbild durch das wissenschaftlicher geprägte Weltbild der Renaissance abgelöst. In Europa fehlte eine starke zentrale Macht wie im Islam oder in China, die diese Entwicklung unterdrücken konnte – im Gegenteil, in den Universitäten fanden kritische Geister ein Zuhause. Mit der Weiterentwicklung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts konnte das Wissen schneller und weniger fehleranfällig verbreitet werden – auch der moderne Buchdruck wurde in China (wo er mangels eines Alphabets schwieriger umzusetzen war) und im Islam (wo er den Koran entweiht hätte) erst sehr verzögert eingesetzt; in Europa (und bald auch in den europäischen Kolonien) förderten billige(re) Bücher die Verbreitung von Wissen. Die ersten Reisen  warfen neue Fragen auf – auf der Südhalbkugel gab es neue, zuvor nie gesehene Sterne. Kein Wunder, dass nach der Navigation die Astronomie blühte: Zu den großen Geistern der Renaissance gehörten die Astronomen Nicolaus Kopernikus und Galileo Galilei. Mit ihren auf genauen Beobachtungen und Messungen und den daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen beruhenden Entdeckungen (hier) gehören sie zu den Begründern der modernen Wissenschaft (mehr).

Siehe auch: Die Wurzeln der Industriellen Revolution (II)  

Von der Entwicklung und dem Wachstum der Städte profitierte auch das Land, von dem aus die Städte – teilweise, denn viele Städter hatten eigene Gärten und hielten Hühner und Schweine – versorgt wurden. Im Umkreis der Städte entstand Obst- und Gemüsegartenbau; auch wurden "Industriepflanzen" wie die Farblieferanten Waid und Krapp angebaut. Ein England und im Mittelmeergebiet wurden Wollschafe in großer Zahl gehalten. Mit zunehmendem Wohlstand in den Städten wuchs auch die Nachfrage nach Fleisch; in dem Mittel- und Hoch­gebirgen konnte der kaum lohnende Ackerbau zugunsten des Alpbetriebs aufge­geben werden; in den Grünlandgebieten Nordeuropas und den Grasländern Ungarns wurden Rinderherden in die Städte getrieben. Aber für die Viehzucht wurde nicht nur unproduktives Ackerland genutzt: Insbesondere in England wurden auch Felder mit Hecken und Zäunen eingehegt (enclosure) und als Viehweide genutzt.

Auch die Seefahrt wurde weiterentwickelt: Der glatt beplankte Rumpf des Mittelmeerraums wurde mit dem Heckruder der Hansekogge kombiniert; das viereckige Rahsegel, mit dem man günstige Winde ausnutzen konnte, mit dem dreieckigen Lateinersegel, mit dem gegen den Wind segeln konnte. So brauchte man keine Ruderer mehr, die zuvor im Mittelmeerraum verbreitete Galeere wurde von der Karacke, die mehr als tausend Tonnen Ladung aufnehmen konnte, und der schnellen und wendigen Karavelle abgelöst. Die Karacke war auch stark genug, Kanonen zu tragen, und sollte daher auch als Kriegsschiff genutzt werden. Aber die Schiffe waren nicht alles, genauso wichtig war die Entwicklung der Portolane (Seefahrerhandbücher) mit genauen Karten und die Einführung des von den Chinesen über Inder und Araber nach Europa gelangten Kompass und des Astrolabiums: Voraussetzungen für die Entdeckung der Welt durch die Europäer.

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Die Unterwerfung der Welt durch Westeuropa

© Jürgen Paeger 2006 – 2020

Der deutsche Begriff Kaiser ist von "Caesar" abgeleitet; der Name wurde mit Augustus, der "Imperator Caesar Augustus" war, zum Titel.

Der Bischof von Konstantinopel wurde, da in der mächtigeren Haupt­stadt ansässig, bald wichtiger als der Papst in Rom. Zwischen beiden gab es wenig Kontakt, sogar die Sprache entwickelte sich auseinander: Grie­chisch wurde zur Sprache der öst­lichen Kirche, Latein zur Sprache der westlichen. Hieraus sollte die Spaltung in katho­lische und orthodoxe Kirche entstehen – die bis heute bleibende große Spaltung des Christentums.

Anfang des 11. Jahrhunderts schreib der persische Dichter Ferdausi die “Schahname” (“Buch der Könige”). Die über 50.000 Verse wurden zum persi­schen Nationalepos. Der im 14. Jahr­hundert lebende Hafis inspirierte Goethe zu seinem “West- östlichen Diwan”.

Es sollte noch bis 1151 dauern, bis im maurischen Spanien die erste  Papier­mühle Europas entstand, als älteste deutsche gilt die Gleißmühle in Nürnberg, die um 1390 in Betrieb ging.

Buchtipp: Leo Afri­ca­nus war ein Mos­lem, der viele Jahre unter Christen lebte und eines der ersten Bücher über Afrika schrieb. Seine Ge­schichte beschreibt Natalie Zemon Davis: Leo Africanus (Wagenbach 2008) – “ein grandioses Meisterwerk” (DIE ZEIT).

Der Tempel Angkor Wat wurde in nur 37 Jahren mit Hilfe von 120.000 Arbeitern und 60.000 Arbeits- elefanten erbaut.

Die Ausgrabungen im ehemaligen Khmer- Reich werden heute vor allem von der französischen École française d’Extrême- Orient (EFEO) voran­getrieben, die auch den zur Zeit laufen­den Wiederaufbau des Baphuon-Tempels leitet.
www.efeo.fr

Die Ghuriden stammen aus der Region Ghor im heutigen Afgha­nistan, die Erobe­rung Indiens wurde von Muizz ad-Din Muhammad angeführt.

Der 1987 von einem Team unter Walter Alva ausgegrabene “Señor von Sipán” ist der bekannteste Fürst der Moche, er wurde am Fuße einer Lehmpyramide mit reichen Grabbeigaben bestattet.

Im Laufe der Zeit bildeten sich damals die heute in Europa gesprochenen Spra­chen heraus:  Fran­ken und Westgoten übernahmen den lateinischen Dialekt ihrer Gebiete, aus dem sich die fran­zösische und die spanische Sprache entwickelten.

Im Norden entwickel­te sich dagegen die germanischen Spra­chen zur hollän­dischen, deutschen, englischen und schwe­dischen Sprache.

Im Osten, wohin slawische Völker nachgerückt waren,  entwickelten sich die slawischen Sprachen: tschech­isch, polnisch, serbokroatisch und russisch.

Alle drei Sprach­gruppen sind indo-europäische Spra­chen, die in den Steppenregionen Westasiens ent­standen sind.

Den Buchdruck hat um 1041 ein Chinese namens Bi Sheng er­funden; in China mit seiner Wort­schrift konnte sich das Sys­tem gegenüber der Holzschnitt­methode nicht durch­setzen.

Die Galeere ist ein Ruderboot mit zu­sätz­licher Besegel­ung; die Karacke ein großes Segelschiff mit viereckigem Rah- und dreieckigem Lateinersegel, ähn­lich wie die kleine­re Karavelle.

Portolankarten sind mit Windrosennetzen versehen, die bei der Kursbestimmung mit dem Kompass halfen. Das Astro­labium diente der Höhenmessung von Gestirnen am Himmel und damit der Be­stim­mung des Brei­ten­grades.