Hintergrundinformation
Eine kleine Geschichte der Menschheit
Von der Zeitenwende zum Zeitalter der
Entdeckungen

Der Handel zwischen den Zivilisationen der alten
Welt lieferte auch den Kartographen nützliche Informationen. Der römische
Astronom
und Geograph Ptolemäus erstellte im 2. Jahrhundert n. Chr. eine
Weltkarte, die über 1.000 Jahre lang die Grundlage der
westlichen
Geographie bildete. Das Original ist verschollen, die
Abbildung ist eine Gravur von Johannes Schnitzer aus dem Jahr 1482, die mit
den 12
Winden illustriert ist. Ptolemäus hat die Ausdehnung Asiens
überschätzt - ein Fehler, der möglicherweise Christoph Kolumbus ermutigte,
Asien auf dem Seeweg nach Westen zu suchen. Abb. aus >>
wikipedia commons (abgerufen 11.5.2013), gemeinfrei.
Christentum und Islam
Im östlichen Mittelmeerraum hatte ein halbnomadischer Stämmebund mit dem
Judentum eine einheitliche Kultur und Religion entwickelt, zu der der Glaube
an einen einzigen Gott gehörte. Im Jahr 63 v.u.Z. eroberte das Römische
Reich das Siedlungsgebiet in Palästina; viele Juden glaubten, ihr Gott werde
sie vor diesem Besatzer schützen. Darunter war ein jüdischer Wanderprediger,
der um 27 v.u.Z. begann, seine Lehre zu verkünden: Jesus von Nazareth. Seine
Lehre (“die Letzten werden die Ersten sein”) verschreckte auch manche
jüdische Synagoge; und er wurde durch die römischen Besatzer gekreuzigt. Am
dritten Tag nach seinem Tod verschwand seine Leiche aus dem Grab, und seine
Anhänger wollten ihn hier und da gesehen haben. Sie hielten ihn für den
jüdischen Messias und Sohn Gottes, der nach seinem Tod zu seinem Vater
zurückgekehrt war: Das ist die Grundlage des Christentums,
heute mit etwa zwei Milliarden Gläubigen die anhängerstärkste Religion der
Welt.
Das Römische Reich erreichte seine größte Ausdehnung um 120 n. Chr. Es
umfasste den gesamten Mittelmeerraum, Ägypten, Mesopotamien und Vorderasien,
Gallien und Britannien. Nur im Norden war es den
germanischen Cheruskern gelungen, das Reich im Jahr 9 n.Chr. in der
Schlacht am Teutoburger Wald zu schlagen; einige Jahre später
mussten die Römer auch ihre restlichen Truppen aus germanischem Gebiet
abziehen. 83 n.Chr. gelang es Kaiser Domitian wieder, germanisches Gebiet zu
erobern. Um die Grenze zu sichern, wurde der Bau eines Grenzwalls (Limes)
begonnen. Die Grenze blieb aber unruhig, ab 166 fielen etwa die Markomannen
mehrfach in das Römische Reich ein. Im 3. Jahrhundert begannen die am
Schwarzen Meer siedelnden Goten, die ihrerseits von den Hunnen bedrängt
wurden (siehe >> Völkerwanderung), den Balkan zu plündern, dabei kämpften (und
siegten) sei im Jahr 251 im heutigen
Bulgarien gegen die Römer, wurden aber 269 im heutigen Serbien vernichtend
geschlagen.
Auch innere Vertrauensverluste
durch selbstherrliche, immer weniger demokratisch kontrollierte Herrscher
und interne Kämpfe, die Energie von der Auseinandersetzung mit den
„Barbaren“ im Norden abzog, begannen das Reich zu schwächen. 284 teilt
Kaiser Diokletian, der das römische Reich für zu groß für einen Herrscher
hielt, das Reich in einen westlichen und einen östlichen Teil. Im Laufe der
Zeit fielen die beiden Teilreiche auseinander. Der westliche Teil wurde
immer von
germanischen Stämmen angegriffen und zerfiel (mehr dazu >>
hier). Das oströmische Reich fand mit
Konstantin dem Großen einen
fähigen Führer, er bekehrte sich zum Christentum und gründete an Stelle des
griechischen Byzantion am Bosporus die neue Hauptstadt Konstantinopel; die
günstig an einem Knotenpunkt der Land- und Seehandelsrouten lag.
Byzanz, wie
das oströmische Reich nun auch genannt wurde, überdauerte noch weitere
tausend Jahre. Ea hatte zwar immer wieder Auseinandersetzungen mit den
Sasaniden, die im Jahr 224 das Partherreich erobert hatten und das
Sasanidenreich (oder “drittes Perserreich”) begründeten; konnte
unter Justinian I. aber große Teile des alten römischen Reiches im Westen
wieder zurückerobern. Gleichzeitig verlor das Reich jedoch Gebiete an die
Sasaniden. Diese erlebten im 6. Jahrhundert eine Blütezeit, und förderten
den Austausch zwischen dem Orient und dem Westen. Aber dann überforderten
die Sasaniden-Könige ihr Heer und ihr Volk; auf die Eroberung Ägyptens 619
und das Vorrücken bis Konstantinopel 626 folgte die Niederlage gegen Byzanz
in der Schlacht bei Ninive 627. Beide Großmächte wurden durch diese
Auseinandersetzungen geschwächt, und es sollten mächtige Eroberer kommen,
die von ihrem neuen Glauben, dem Islam, angetriebenen Araber: Sie
vernichteten das Sasanidenreich und beschränkten Byzanz auf ein Kerngebiet
in Kleinasien.
Der Islam war in der arabischen Halbinsel entstanden, wo
der Überlieferung zufolge im Jahr 610 dem Propheten Mohammed erstmals der
Erzengel Gabriel erschien, der ihm nach und nach die Verse des Korans
offenbarte. Mohammeds Lehre von nur einem Gott stand im Widerspruch zur
Tradition vieler Götter; und die Stadt Mekka lebte nicht nur vom Handel der
Karawanen, sondern war auch ein bedeutendes Pilgerziel. Mohammed hatte hier
keine Zukunft und floh 622 nach Medina, knapp 400 Kilometer nördlich
gelegen. Die Stadt wurde zum Zentrum islamischen Lebens; und Mohammed wurde
zu ihrem geistlichen und weltlichen Führer. Er begann mit ersten “Razzien”
(Überfälle) gegen Karawanen nach Mekka; und war im Jahr 630 stark genug,
seine ehemalige Heimatstadt zu erobern. Eines der Glaubensprinzipien des
Islam ist der Dschihad, der offensive Kampf zur Ausbreitung des Islam, und
noch zu Lebzeiten Mohammeds begann ein Siegeszug. Nach Mohammeds Tod im Jahr
632 eroberten arabische Krieger in nur 80 Jahren Persien, Ägypten, Marokko
und schließlich Spanien, das Reich des Islam reichte von Lissabon am
Atlantik über große Teile des heutigen Spaniens und bis zum Indus und
Samarkand in Zentralasien. Religiöse, soziale und wirtschaftliche Missstände
führten zu Aufständen gegen die in Damaskus regierende Omaijaden-Dynastie,
die im Jahr 750 mit deren Ablösung durch die Abbasiden führte, die Bagdad
zur neuen Hauptstadt des islamischen Reichs machten. Ein Omaijaden-Prinz
konnte jedoch nach Andalusien fliehen und wurde 756 zum Emir von Córdoba,
dass zur Hauptstadt des moslemischen Spaniens wurde.
Ab 750 waren es nicht mehr militärische Eroberungen, sondern das Netzwerk
arabischer Händler, das die Ausbreitung des Islam wesentlich förderte. Nach
dem Ende des Römischen Reichs hatten diese ihre alte Rolle im Gewürzhandel
zurück erobert, und ihre Rolle bei der Ausbreitung des Islam zeigt sich
heute noch daran, dass Indonesien der bevölkerungsreichste muslimische Staat
ist - aber niemals militärisch vom Islam erobert wurde. Mohammed war selbst
ein Händler gewesen; und im 8. Jahrhundert begannen arabische Seefahrer
sogar, selbst bis nach China zu segeln, wo sie in Kanton handelten. Auf
diesen Reisen über den Indischen Ozean beruhen die Geschichten von Sindbad
dem Seefahrer; die Ausdehnung des islamischen Reichs sollte auch die Reise
des >> Ibn Battuta zeigen. Der Handel sorgte
dafür, dass Jade, Seide und Porzellan aus China in das islamische Reich
gelangten, aus >> Afrika Gold,
Elfenbein und Sklaven und aus Russland Pelze und Bernstein. Das Reich wurde im 9.
Jahrhundert zu einer Zivilisation, die nur in China ein Gegenstück
hatte.
Córdoba wurde mit 500.000 Einwohnern die größte Stadt Europas; am Hof
in Bagdad blühten Musik und Literatur; wobei auch die Kultur der eroberten
Völker - etwa der Perser - eine wichtige Rolle spielten. Ebenso wichtig war
Wissen: Mohammed hatte schließlich auch gesagt, dass die Tinte eines
Gelehrten wertvoller war als das Blut eines Märtyrers. 830 gründete der
Kalif al-Ma’mum in Bagdad das “Haus der Weisheit”, in dem klassische Texte
aus Griechenland und Indien und das bekannte Wissen über Medizin,
Mathematik, Naturwissenschaften und Astronomie wurden übersetzt und
zusammengefasst wurden. Avicenna fasste 1037 in seinem “Kanon der Medizin”
das medizinische Wissen seiner Zeit zusammen, das Buch sollte über hunderte
von Jahren Grundlage für die Ärzte bleiben. Neue Lebensmittel (Aprikosen,
Reis, Zucker) wurden nach Europa eingeführt, Baukunst und Lebensart
erreichten neue Höhen. 751 war den Arabern zudem bei Samarkand eine Gruppe
chinesischer Händler in die Hände gefallen, von denen sie ein Geheimnis
erfuhren, das die Geschichte Europas verändern sollte: die
Papierherstellung.
Während der islamische Glaube sich noch lange weiter ausbreiten sollte,
begann die weltliche Macht der Araber bereits im 10. Jahrhundert zu
zerfallen. 1031 zerfiel das Kalifat von Córdoba in eine Reihe zerstrittener
Teilreiche, während gleichzeitig die christlichen Reiche im Norden Spaniens
erstarkten. (Die Kämpfe sollten über 400 Jahre anhalten, aber schließlich
verloren mit der Kapitulation von Granada 1492 die “Mauren” ihre letzte
europäische Bastion. Das Gebiet des ehemaligen Persien wurde bereits 1055
von türkischen Seldschuken erobert (>>
hier);
1258 dann von den Mongolen. Danach war das 1250 in Kairo gegründete Mamluken-Reich
in Ägypten und Syrien (das es 1260 gegen die Mongolen verteidigen konnte)
das wichtigste arabische Reich - bis es 1516/17 von den Osmanen erobert
wurde [>>
hier].)
Die Ausbreitung der Religionen...
... belegt eindrücklich, wie verbunden die Menschen in
Europa, Asien und Nordafrika schon in den 1.000 Jahren um die Zeitenwende
waren. Es mag einhundert Jahre gedauert haben, bis eine Idee vom Mittelmeer
bis nach China gelangte (oder umgekehrt), aber der Austausch war da. Eine
wichtige Rolle spielte der Handel. Das Christentum
profitierte von dem weit verbreiteten Handelsnetz der Juden, von denen
manche den neuen Glauben übernahmen; die Rolle der Händler bei der
Ausbreitung des Islam ist oben dargestellt. Die Ausbreitung der Religionen
erinnert
aber auch, wer noch nicht an diesem Austausch teilnahm: Sie
gelangten nicht in den Süden Afrikas, nach Australien und Neuguinea und nach
Amerika.
China
In China wurden unter den späten Han die Kaiser immer schwächer – viele
kamen als Kinder oder gar Säuglinge an die Macht; und die Han-Dynastie
zerbrach unter wieder zunehmenden Nomadenangriffen im Norden und
Bürgerkriegen im Jahr 220. Nicht nur begann eine neue Zeit der Kriege und
des Hungers, die auf 60 Millionen Menschen gewachsene Bevölkerung litt auch
unter Seuchen (>>
mehr): Im Norden und im Zentrum Chinas entvölkerte etwa im Jahr 312 die
Pest weite Landstriche, weitere Epidemien folgten 322 und 423. Im 5.
Jahrhundert lebten in China nur noch etwa 25 Millionen Menschen. Erst 581
wurde das Land unter der Sui-Dynastie wiedervereinigt. Bewässerungsanlagen
erhöhten die Nahrungsproduktion, und der Bau des Großen Kanals begann, auf
dem Getreide vom Yangtze zur damaligen Hauptstadt Luoyang am Gelben Fluss
transportiert werden sollte. Die Sui wurde von der Tang-Dynastie abgelöst,
unter der China sich bis nach Zentralasien ausdehnte und es eine
wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit gab: Pilgerreisen führten unter
anderem zum Austausch mit Indien, buddhistische Texte wurden
Das Schiffswrack von Belitung
Einen einzigartigen Einblick in den chinesischen Handel zur Tang-Zeit
gibt ein vor der indonesischen Insel Belitung gefundes Wrack einer
arabischen Dau aus dem neunten Jahrhundert: Vor allem die Dekoration der
Keramikschalen mit buddhistischen als auch islamischen Motiven zeigt, dass
die Chinesen schon damals gezielt für den Export produzierten. Die blaue
Farbe für die Keramikschalen stammte aus Persien, also wurden auch schon
Rohstoffe eingeführt. Eine Goldtasse zeigt eine persische Tänzerin;
persische Musik und Tanz waren im damaligen China auch nach anderen Funden
wohl ”en vogue”. Der Handel auf der “Seidenstraße der Meere” (>>
mehr) wurde bis ins 12. Jahrhundert von den Arabern beherrscht, erst
danach segelten auch chinesische Schiffe auf dieser Route.
>>
Made in China (National Geographic über das Wrack von Belitung;
englischsprachig)
systematisch übersetzt, der Buchdruck mit hölzernen Stempeln half bei
ihrer Verbreitung, Hartporzellan und Schießpulver wurden erfunden. Nach dem
Ende der Tang-Dynastie im Jahr 907 zerfiel China in 10 Königreiche in
Südchina und 5 Dynastien im Norden, die im Jahr 960 von der Song-Dynastie
wiedervereinigt wurden. Unter ihr boomten Wirtschaft und Handel, es
entstanden Manufakturen – Ziegeleien, Lack- und Porzellanherstellung – und
mit der Weiterentwicklung des Buchdrucks wurden zahlreiche Werke verlegt und
Bibliotheken eröffnet. Frühreifender Reis ermöglichte in vielen Regionen
eine zweite Ernte, und machte viele Bergregionen für die Landwirtschaft
nutzbar - die Terrassenlandschaft in Südchina entstand. Dort wurden Tee und
Baumwolle angepflanzt; der Tee, für dessen Zubereitung Wasser gekocht werden
musste, verringerte die Infektionen durch Trinkwasser, was die
Bevölkerungsdichte im warmen Süden ansteigen ließ. Die spätere (ab 1126)
Hauptstadt Hangzhou war die größte Stadt der damaligen Welt, die chinesische
Bevölkerung wuchs bis 1200 auf 120 Millionen Menschen. Aber militärisch
sorgten Reitervölker aus den zentralasiatischen Steppen im Norden und Westen
immer wieder für Unruhen.
Die Teestraße nach Tibet
Tee, der vermutlich zuerst in den subtropischen Bergen
Sichuans und Yunnans angebaut wurde, war ein wertvolles Handelsgut.
Besonders beliebt war er in Tibet in den buddhistischen Klöstern. Und Tibet
hatte, was China zur Verteidigung gegen die Reitervölker brauchte: Pferde.
Seit dem 7. Jahrhundert entstanden daher Handelsrouten aus den
Teeanbaugebieten in China nach Tibet; im 13. Jahrhundert zu 25.000 Pferde
wurden im Jahr gegen Tee getauscht. Erst im 18. Jahrhundert verloren die
Pferde an Wert, aber nun begannen die Chinesen traditionelle Medizin zu
importieren - ein Geschäft, das bis heute anhält.
Das Reich der Mongolen
Schließlich waren die Reitervölker dennoch
erfolgreich erfolgreich: Die von Häuptling Temüdjin, der später Dschingis
Khan genannt werden sollte, vereinigten Nomadenvölker der zentralasiatischen
Steppen, virtuose Reiter und Bogenschützen, begannen Anfang des 13.
Jahrhunderts ihren Sturm auf die Nachbarländer; sie eroberten 1219 bis 1225
große Teile Persien, 1240 Kiew, zerstören 1241 Krakau und unterwarfen China
(1264 wurde Beijing [Peking] unterworfen und zur neuen Hauptstadt gemacht).
Unter Dschingis Khans Enkel Kublai Khan beherrschen die Mongolen ein Viertel
der Welt. Kublai Khan herrschte als chinesischer Kaiser; es war Kublai Khan,
an dessen Hof Marco Polo 17 Jahre verbracht hat - wenn er denn wirklich in
China war, was unter den Historikern umstritten ist. Ein anderer Enkel
Dschingis Khans, Hülegü, war 1258 mit der Eroberung Bagdads Herrscher über
Persien geworden, er nannte sich Ilchan (“friedlicher Herrscher”). Unter den
Mongolen befand sich die Seidenstraße erstmals unter einem Herrscher, für
sie sollte es eine Blütezeit sein: Reisen auf der Seidenstraße galt als
sicher, alle Art von Handelsgütern gelangten in den Westen. Und nicht nur
Handelsgüter, sondern auch chinesische Technologie, vom Buchdruck über das
Schießpulver bis hin zum Hochofen. China selber litt aber unter den
Mongolenkriegen - und dem im 13. Jahrhundert mit dem Ende der
mittelalterlichen Warmzeit wieder schlechter werdendem Wetter: Bis zum Jahr
1300 ging die Bevölkerung auf 80 Millionen Menschen zurück. Das persische
Reich der Mongolen, das diese wieder, wie die Sasaniden, Iran nannten,
erlebte dagegen ein goldenes Zeitalter. Es wurde aber, nachdem 1335 der
sechste Ilchan ohne Thronfolger starb, zum Streitapfel rivalisierender Clans
und ab 1370 von dem türkisch-mongolischen Heerführer Tamerlan unterworfen.
Die Ming-Dynastie
Die Entstehung des Mongolenreichs sollte der letzte der
erfolgreichen „Barbareneinfälle“ in China sein: Danach glichen Schusswaffen
die reiterische Überlegenheit solcher Angreifer mehr als aus. 1331 brach
erneut die Pest aus; die Zahl der Toten in den nächsten 20 Jahren wird auf
mindestens 20 Millionen geschätzt. Ein Deichbruch, der eine katastrophale
Flut am Gelben Fluss auslöste, zeigte den Chinesen, dass die Mongolen
endgültig die Gnade der Götter verloren hatten, und 1368 eroberten sie unter
Zhu Yuanzhang nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen ihr Land zurück.
Zhu Yuanzhang begründete als Kaiser Hongwu die Ming-Dynastie und machte
Nanjing zur neuen Hauptstadt. 1388 zerstörten die Chinesen die mongolische
Hauptstadt Karakorum. Riesige Bewässerungsprojekte vervielfachten die
chinesische Getreideernte, eine Milliarde Nutzbäume wurden gepflanzt, und
China erholte sich von den Zerstörungen der Kriege mit den Mongolen. 1421
wurde Beijing wieder zur Hauptstadt; die Stadt wurde völlig neu erbaut -
unter anderem entstanden die Verbotene Stadt und der Himmelstempel. 1492 war
die Ming-Dynastie ein blühender Staat: chinesische Seide, Tee und Porzellan
waren geschätzte Exportgüter, die auf der Seidenstraße und durch chinesische
Schiffe, die nun regelmäßig das Rote Meer und den Persischen Golf
erreichten, transportiert wurden. China wurde auch zur führenden Nation auf
See, und zwischen 1405 und 1433 erreichten riesige Seeexpeditionen mit über
300 Schiffen die Ostküste von Afrika und die arabische Halbinsel.
Das Reich
der Khmer
Im südlichen Südostasien war es einem Vasallenstaat gelungen, die
Herrschaft von Funan abzuschütteln: Um das Jahr 800 entstand das Reich der
Khmer mit der Hauptstadt Maga Nagara (die wir heute als Angkor kennen,
bekannt vor allem durch die Tempelanlagen Angkor Wat). Das Reich erstreckte
sich zu seiner Blütezeit im 12. Jahrhundert vom heutigen Vietnam bis zur
Malaiischen Halbinsel; seine Macht verdankte es der hochentwickelten
Wasserwirtschaft der Khmer: Bis zu 40 Meter breite Kanäle und riesige
Speicherseen sammelten die Wassermassen, die während der Monsunregen aus den
nördlich gelegenen Kulen Hills herabstürzten; und versorgten mittels
Bewässerungskanälen die Reisbauern in der Trockenzeit. So konnte konnte
drei- bis viermal jährlich Reis geerntet werden. Davon lebten zu den besten
Zeiten über eine Millionen Einwohner der Stadt Angkor, die mit über 1.000
Quadratkilometern die größte vorindustrielle Stadt überhaupt war (größer
etwa als das heutige Berlin). Über das Leben der Bewohner ist wenig bekannt,
ihre aus Holz erbauten Wohnhäuser und - nach chinesischen Quellen -
hirschledernen Schriften sind längst verrottet, da dass nur die Tempelbilder
und -inschriften Auskunft geben. Die Innenstadt Angkor Thom wurde genau nach
den Vorgaben indischer Texte über Königsstädte aufgebaut wurde.
Warum Angkor
im Jahr 1431 Hals über Kopf verlassen wurde (eine neue Hauptstadt entstand
nahe des heutigen Phnom Penh), ist noch ungeklärt: Wurde das Reich von
Thai-Völkern erobert? Nahm der Seehandel zu und war die neue Lage einfach
günstiger? Führte der Übergang zum Buddhismus zum Ende der bombastischen
Bauprojekte? Probleme mit der Wasserversorgung haben den Untergang
jedenfalls beschleunigt: Die Kanäle scheinen sich immer tiefer in den
Untergrund eingeschnitten zu haben, bis sie so tief lagen, dass sie die
Speicherseen nicht mehr füllen konnten; zwei Trockenperioden mit
ausbleibenden oder schwachen Monsunregen von 1362 bis 1392 und von 1415 bis
1440 scheinen Angkor dann den Rest gegeben zu haben. Angkor wurde aufgegeben
und weitgehend vergessen, bis die Tempel mit einem Reisebericht des
französischen Forschers Henri Mouhot im 19. Jahrhundert wieder ins
Bewußtsein der Weltöffentlichkeit geholt wurden.
Korea und Japan
Am
Mittellauf des Yalu entstand um die Zeitenwende ein Reich, das im 4.
Jahrhundert zum Königreich erstarke: Koguryo. Dieses gehörte wie die im
Süden der koreanischen Halbinsel entstehenden Reiche Paekche, Silla und die
Kaya-Konföderation zu den Vorläufern Koreas; Silla sollte im 7. Jahrhundert
mit chinesischer Hilfe Paekche und Koguryo unterwerfen und 676 schließlich
die ehemaligen chinesischen Verbündeten schlagen: Mit dem Vereinten Silla
(668 - 935) entstand der erste koreanische Einheitsstaat.
In Japan hatte der
Nassreisanbau zu einer sesshaften Lebensweise und einem starken
Bevölkerungswachstum geführt. Vermutlich Anfang des vierten Jahrhunderts
wurde das Land unter dem legendären Jimmu-Tenno zum Reich Yamato vereinigt;
der Jimmu-Tenno war der Legende nach ein Urenkel der Sonnengöttin Amaterasu
und wurde zum Ahnherr der bis heute herrschenden Dynastie. Über Korea
gelangten immer mehr chinesische Erfindungen und Einflüsse nach Japan,
darunter die chinesische Schrift und der aus Indien stammende Buddhismus. Ab
Mitte des 7. Jahrhundert wurde das Reich zu einem Beamtenstaat nach
chinesischem Vorbild mit dem Tenno (Kaiser) an der Spitze; 794 wurde
Heiankyo (das heutige Kyoto) neue Hauptstadt; und auf Grundlage der
chinesischen Schrift wurde bis zum 9./10. Jahrhundert ein eigenes
Schriftsystem entwickelt. Im Laufe der Zeit wurde jedoch der Provinzadel
immer mächtiger, während die Macht des Tenno schwand; ab 1185 übernahmen
faktisch Militärherrscher (Shogune) die Macht. In dieser Zeit wurden die
Samurai (“Krieger”) zum herrschenden Stand Japans.
Indien
Im Norden Indiens
wurde die Fremdherrschaft zentralasiatischer Völker ab etwa 330 n. Chr. vom
Gupta-Reich beendet, das vielen Historikern als “Goldenes Zeitalter” gilt.
Um 390 n. Chr. heiratete zudem die Tochter des Gupta-Herrschers Chandragupta
II. den König der Vakataka (die in Zentralindien die Satavahana abgelöst
hatten), so dass oft auch von der Gupta-Vakataka-Zeit gesprochen wird. In
dieser Zeit wurden Hinduismus und Buddhismus gleichermaßen gefördert; in Nalanda wurde die größte Universität der Antike errichtet und Sanskrit wurde
zur Staatssprache. Der indische Mathematiker Aryabhata (476 bis ca. 550)
berechnete die Position und Bahn der Planeten für damalige Verhältnisse
extrem genau; sein Wissen sollte später über muslimische Mathematiker nach
Europa gelangen.
Im frühen 6. Jahrhundert kehrten die zentralasiatischen
Reitervölker zurück: Die “Weißen Hunnen” eroberten große Teile des
westlichen und nördlichen Indien, das Gupta-Reich zerfiel. Im Jahr 711
gelangten muslimische Araber im Zuge der Ausbreitung des Islam (siehe oben)
in den Sindh (im heutigen Südpakistan). Aber erst ab Anfang des 11.
Jahrhunderts begann eine dauerhafte Begegnung des Islam mit Nordindien:
Zuerst in Form von Beutezügen der Ghaznawiden (einer muslimischen Dynastie
aus dem heutigen Iran); nachdem diese von den Ghuriden besiegt wurden, in
Form dauerhafter Herrschaft - aus den eroberten Gebieten sollte nach dem
Zerfall des Ghuriden-Reichs im Jahr 1206 das selbstständige Sultanat von
Delhi hervorgehen. Dieses wurde schnell zur wichtigsten Macht Nordindiens,
obwohl es immer wieder unter inneren Unruhen und Angriffen durch die
Mongolen litt. Eine Blütezeit erlebte das Sultanat von 1296 bis 1316 unter
Ala ud-din Khalji; und zwischen 1305 und 1312 eroberte es weite Gebiete in
Zentral- und Südindien, konnte sich dort aber nicht dauerhaft halten. Nach
1320 nahm Mohammed bin Tughluq einen erfolgreichen neuen Anlauf, aber 1335
fiel sein Heer bei einem Feldzug fast vollständig der Cholera zum Opfer;
Seuchen und Hunger trafen das Land auch in den Folgejahren und untergruben
das Ansehen der Herrscher. Ein langsamer Zerfall begann, und es entstanden
zahlreiche muslimische Staaten in Teilgebieten, die einst zum Sultanat
gehört hatten. Zudem konnten die Mongolen wieder in das geschwächte Gebiet
einfallen: 1398 plünderte der Mongolenherrscher Timur Delhi. 1451 fiel die
Stadt kampflos an Afghanen vom Stamme der Lodi, die wenigstens den weiteren
Zerfall des Sultanats aufhalten konnten.
Die Reisen des Ibn Battuta
Wie intensiv der Austausch zwischen den verschiedenen
Regionen Nordafrikas, Europas und Asiens war, zeigen auch die Reisen des
berberischen Forschungsreisenden Ibn Battuta: Zwischen 1325 und 1348
besuchte er die ganze islamische Welt. Aus Tanger im Marokko stammend,
bereiste er die arabische Halbinsel, die afrikanische Ostküste bis zum
heutigen Tansania, das Gebiet der Goldenen Horde, das Sultanat von Delhi (wo
wer als Richter in den Dienst des Sultans trat und über ein eigenes Harem
verfügte) und China (wohin er als Botschafter des Sultanats von Delhi
entsandt wurde; auf dem Weg dorthin blieb er jedoch erst einmal zwei Jahre
auf den Maldiven, und schließlich strandete sein Schiff auf dem Weg nach
China, das er erst im zweiten Anlauf erreichte). Insgesamt legt er 130.000
Kilometer zurück, und verfasste nach seiner Rückkehr nach Marokka das Buch “Rihla”
(Reisetext), eine der genauesten Beschreibungen der damaligen Welt.
Amerika
In Nordamerika sind die Kulturen der Anasazi im Südwesten der
heutigen USA und die Mississippi-Kultur im Tal des Mississippi diejenigen,
die die bemerkenswertesten Monumente hinterließen. Die Blütezeit der
Anasazi-Kultur begann ab 600 n.Chr., ab 700 n.Chr. begannen sie,
Häuser aus Stein zu bauen. Diese wurden oft in Steilwände eingepasst, und
sind mit fünf oder sechs Etagen und bis zu 600 Zimmern die größten Bauten
des präkolumbianischen Nordamerika. Die Mississippi-Kultur
entstand ab 900 n. Chr.; sie errichtete als einzige nordamerikanische Kultur
befestigte Städte. Die Schätzungen der Einwohnerzahl der Hauptsiedlung
Cahokia reichen von 8.000 bis 40.000 Einwohnern. Umstritten ist das Ausmaß
der Landwirtschaft in Nordamerika: Der Geograph William Doolittle von der
University of Texas vermutet, dass Indianer bereits auf zwei Dritteln der
Fläche der heutigen USA Landwirtschaft betrieben; auf der restlichen Fläche
legten sie häufig Feuer, um den Wuchs frischer Gräser zu ermöglichen, die
Hirsche und Bisons ernährten.
Roms Gegenstück in Mittelamerika war die Stadt Teotihuacán
im Hochlandbecken von Mexiko. Mit 125.000 bis 200.000 Einwohnern im Jahr 500
- soviel wie London 1.000 Jahre später haben sollte; mit Stadtvierteln, in
denen Menschen aus anderen Teilen Mittelamerikas leben, war sie “ein
embryonales New York City” (Tim Flannery). Im Jahr 750 wurde die Stadt
zerstört, vermutlich von den Tolteken. Die Tolteken waren
ein kriegerisches Nomadenvolk, das sesshaft wurde und Mexiko vom 10. bis 12.
Jahrhundert beherrschte. Wohl ab dem 12. Jahrhundert wanderte das kleine
Volk der Mexica, heute besser als Azteken bekannt, von
Norden nach Zentralmexiko ein. Sie bauten ihre Hauptstadt Tenochtitlán auf
einer Insel im Texcoco-See auf, auf dem sie mit Schlamm befüllte künstliche
Inseln aus Rohrschilf-Flechtwerk für die Landwirtschaft anlegten. 1492
umfasste das Reich der Azteken etwa 15 Millionen Menschen, es war das größte
vorkolumbianische Reich Amerikas. Tenochtitlán hatte damals rund 200.000
Einwohner; wie bald die spanischen Eroberer bescheinigen sollten, konnten
selbst Rom und Konstantinopel nicht mit der Pracht dieser Stadt mithalten.
Berühmt-berüchtigt wurden die Azteken in der Geschichte aber dank der
Menschenopfer, mit denen sie ihre Götter davon abhalten wollten, ihr Reich
wie das der Tolteken zu vernichten (deren letzter Herrscher Topiltzin sich
der Legende nach geweigert hatte, den Hunger der Götter zu stillen).
(Zu den Maya siehe >>
hier)
In Südamerika blühte bereits vor der Zeitenwende rund um den Titicaca-See
die noch weitgehend unbekannte Tiahuanaco-Kultur; sie
verfügte über eine hoch produktive Landwirtschaft mit Kartoffelanbau auf
erhöhten Feldern. In der Hauptstadt Tiahuanaco lebten im Jahr 500 etwa
50.000 Menschen. Später, zur Zeit der Azteken ab dem 13. Jahrhundert,
entstand in Peru das Zentrum des Inka-Reichs, das mit
ausgedehnter Terrassierung und Kanalisation den Höhepunkt der einheimischen
Landwirtschaft darstellte. Das Reich dehnte sich vom heutigen Kolumbien und
Ecuador im Norden bis ins heutige Chile im Süden aus; die Inka stellten
Werkzeuge und Waffen aus Kupfer und Bronze her und erbauten ein 40.000
Kilometer umfassendes Straßennetz. Zwei parallele Hauptstraßen erschlossen
das Reich vom Norden bis in den Süden, eine entlang der Küste und eine in
den Bergen. Die Hängebrücken aus Seilen, mit denen die Inka steile
Schluchten überbrückten, wurden zum Teil noch 300 Jahre später genutzt.
Afrika
Mit dem Handel wurde das Königreich von Aksum immer
mächtiger, es exportierte eigene Waren, aber auch solche, die es aus dem
afrikanischen Hinterland im Tausch gegen Rinder, Salz und Eisen erhielt. Im
Jahr 500 lebten in Aksum etwa 20.000 Menschen; zu den bekanntesten Bauwerken
gehören die Stelen, die an den Gräbern der Herrscher errichtet wurden. Die
größte Stele wog 700 Tonnen, und es war eine erstaunliche Leistung, sie von
dem 4 Kilometer entfernten Steinbruch in die Stadt zu bringen. Im 4.
Jahrhundert wurde Aksum als erster afrikanischer Staat christlich, zur
gleichen Zeit endete die Errichtung von Stelen. Ab dem 5. Jahrhundert begann
der Holzverbrauch für Eisenhütten, Ziegel- und Tonwarenherstellung und für
die Feuerstellen Tribut zu fordern; die Entwaldung führte zu zunehmender
Erosion. Zudem litt der Handelspartner Westrom unter Schwierigkeiten, und ab
dem Jahr 750 verkürzte sich die Regensaison: Spätestens im 9. Jahrhundert
wurde Aksum aufgegeben. (Die Nachfolgereiche im heutigen Äthiopien blieben
aber christlich und wurden zum mythischen “Reich des Priesters Johannes”.)
Schon um die Jahrtausendwende entstand das Reich von Kanem-Bornu
am Tschadsee, und seit dem 5. Jahrhundert war in Westafrika das mythische
Reich von Ghana (nicht mit dem heutigen Ghana zu
verwechseln) aufgestiegen; eine Entwicklung, die durch den immer bedeutender
werdenden Handel mit Gold eingeleitet wurde. Gold aus Afrika hatte einen
erheblichen Anteil am Goldverbrauch im europäischen Mittelalter, und wurde
seit dem 4. Jahrhundert durch die Sahara transportiert, wodurch das Reich
nach der Ausbreitung des Islam in Nordafrika auch mit diesem in Verbindung
stand. Über das Reich selbst ist wenig bekannt; die ersten schriftlichen
Quellen sind arabische Chronisten, die ebenso sehr die Vorurteile ihrer Zeit
wie Fakten widergeben. Islamische Berberarmeen zerstörten Ghana im Jahr
1076, konnten sich aber nicht lange halten. Im 13. Jahrhundert ging das
Reich von Ghana in das Reich Mali auf, ein islamisches
Großreich. In der um das Jahr 1100 gegründeten

Historische Handelsrouten durch die Sahara.
Gold, Sklaven und
Elfenbein sowie Steinsalz aus der Oase Teghaza waren
die wichtigsten
Handelsgüter. Eigene Abbildung nach SPIEGEL 31/2008, S.
123
Stadt Timbuktu trafen die Karawanen aus dem Norden auf das Gold
Westafrikas, das über den Niger transportiert wurden. Der Ort wurde “zur
größten Stadt, die Gott je geschaffen hat” (so ein muslimischer Gelehrter)
und zum Zentrum islamischer Gelehrsamkeit. Im 16. Jahrhundert sollen bis zu
50.000 Menschen in der Stadt gelebt haben, doppelt so viele wie heute; über
100.000 arabische Manuskripte warten zum größten Teil noch auf ihre
Erforschung. Bereits Ende des 14. Jahrhunderts begann das Reich aber zu
zerfallen. Sein Nachfolger war das 1465 gegründete Songhaireich
mit seinem Kerngebiet im heutigen Mali, dessen Herrscher ebenfalls zum Islam
übertraten.
Auch in Südafrika führte der Handel zur Entstehung bedeutender Kulturen.
Das Klima war hier für die Rinderhaltung besser geeignet als weiter
nördlich, so dass neben dem Ackerbau die Rinderhaltung große Bedeutung
erlangte. Arabische Händler nutzen aber auch die günstigen Monsunwinde an
der Ostküste Afrikas, und im Laufe der Zeit entstanden bedeutende
Handelsplätze: Aus dem 11. bis 13. Jahrhundert stammen die Königsgräber von
Mapungubwe im heutigen Südafrika, Funde von Porzellan aus China zeigen die
Reichweite des damaligen Handels. Mit trockener werdendem Klima begann der
Aufstieg von Great Zimbabwe, Hauptstadt eines Reiches, das sich von der
Kalahari im heutigen Botswana bis zum Indischen Ozean erstreckte. In der
Stadt lebten 10.000 bis 30.000 Menschen; die Mauern der Stadt sind nach den
Pyramiden der größte Steinbau des vorkolonialen Afrikas (dzimba dzemabwe
bedeutet “Steinhäuser”, und gab dem Land den Namen). Zwischen dem 11. und
16. Jahrhundert fand in diesem Reich etwa ein Drittel der weltweiten
Metallproduktion statt, ein Großteil des Handels lief über das muslimische
Kilwa im heutigen Tansania, das Ibn Battuta (>>
mehr) im 14. Jahrhundert als außergewöhnlich schöne Stadt beschrieb.
Ende des 15. Jahrhunderts begann der Niedergang von Great Zimbabwe -
vermutlich hatte die Stadt ihre Brennholzvorräte abgeholzt, das Land
übernutzt und überweidet und bekam Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung;
seine Rolle übernahmen Mutapa im Norden und Torwa im Westen. Das wichtigste
Handelsgut war auch hier Gold, und als 1497 Vasco de Gama bei seiner
Umrundung Afrikas im Sambesidelta mit Gold beladene arabische Boote sah, war
das Interesse europäischer Eroberer geweckt (mehr >>
hier).
Nordeuropa
Die in Skandinavien angesiedelten Bauern handelten mit Pelzen,
Robbenfellen und Honig; allesamt in Mitteleuropa begehrte Luxusgüter. 793 n.
Chr. begann ein neuer Abschnitt: Mit einem Überfall auf das reiche Kloster
Lindisfarne begann eine fast 300 Jahre andauernde Phase von
Wikingerüberfällen – vikingár bedeutet Räuber – und schließlich sogar festen
Ansiedelungen in anderen Ländern. Die Wikinger fuhren über russische Flüsse
bis ins Kaspische Meer, handelten mit Byzanz und gründeten das Fürstentum
Kiew, den Vorläufer des modernen Russland. Sie fuhren an die Ostküste
Englands und an der Nordwestküste Europas entlang und über die Straße von
Gibraltar ins Mittelmeer, wo sie Italien überfielen, sowie an die Nord- und
Westküste Großbritanniens. Begünstigt durch das warme Wetter während der >>
mittelalterlichen Warmzeit, entdeckten die Wikinger die Färöerinseln,
besiedelten um 870 Island und um 980 Grönland; um das Jahr 1.000 erreichten
sie Neufundland und möglicherweise auch die Küste Nordamerikas. Dort
vertreiben jedoch die Ureinwohner sie nach einem Jahrzehnt wieder. Auch in
Europa wussten die Bewohner sich immer besser zu verteidigen, so dass die
skandinavischen Reiche sich wieder auf den Handel beschränkten: Norwegen
wurde für seinen getrockneten Kabeljau bekannt. (Später entdeckten die
Basken die Kabeljaugründe vor Neufundland, als der Franzose Jacques Cartier
das Gebiet für Frankreich in Besitz nahm, stieß er dort auf baskische
Fischer: Entdecker posaunen ihre Ergebnisse in die Welt hinaus, Fischer
hüten ihre Geheimnisse [Mark Kurlansky].)
Von der Völkerwanderung zu den germanischen Reichen
Der >>
westliche Teil des römischen Reichs hatte seit Konstantins Tod einen
eigenen Kaiser, seine Lage besserte sich nicht: Bürgerkriege und Umstürze
lockten weiter germanische Stämme an, die leichte Beute witterten. Dazu kam,
dass diese ihrerseits
von
aus Asien einfallenden Völkern (“Völkerwanderung”)bedrängt
wurden: im 4. Jahrhundert erreichten die Hunnen das Siedlungsgebiet der
Goten am Schwarzen Meer, die daraufhin über die Donau zogen. 378 schlugen
diese "Westgoten" bei Adrianopel ein römisches Heer, 382 wurden sie in der Donauregion
angesiedelt und von den Römern als Hilfstruppen rekrutiert. Als 395 das römische Reich
endgültig geteilt wurde, wählten sie einen König (Alarich) und begannen eine
erneute Wanderung. Dabei belagerten Alarichs Truppen 408 Rom, zogen gegen
ein reiches Lösegeld wieder ab, plünderten 409 die Getreidevorräte im römischen Hafen Ostia und
wendeten sich 410 wieder Rom zu, diesmal nahmen sie die Stadt ein.
Unterdessen fielen die Sachsen in das von den Römern
aufgegebene Britannien ein; und waren 406 die Vandalen über den Rhein und
quer durch Gallien zur Iberischen Halbinsel gezogen. Den Römern gelang es
aber, die Goten in ihre Dienste zu nehmen, sie wurden die 418 bei Toulouse angesiedelt,
wo sie das Tolosanische Reich gründeten. Die Vandalen setzten 429
von Gibraltar aus nach Afrika über und eroberten 439 Karthago - 442 erkannte
auch Rom das vandalische Königreich an. 455 überfielen die Vandalen Rom
dennoch, und plünderten die Stadt. Unterdessen verstärkten ab 434 unter Attila die
mittlerweile im heutigen Ungarn siedelnden Hunnen ihre Angriffe auf Byzanz
und ab 451 auf Westrom. Dabei wurden sei aber zweimal unter gotischer
Beteiligung in Gallien geschlagen, und nach Attilas Tod 453 zerfiel das
Hunnenreich. Die im Einflussbereich der Hunnen verbliebenen "Ostgoten"
gewannen dadurch ihre Unabhängigkeit zurück, mussten aber ihre Heimat
verlassen. Zugleich versuchte Byzanz, Ostrom zu retten, und ging auch gegen
die Vandalen vor - diese konnten den Angriff 468 aber zurückschlagen. 476
übernahm der germanische Söldnerführer Odoaker die Macht in Rom. Dieser
überwarf sich mit Byzanz, als er das (im heutigen Niederösterreich gelegene)
Rugierreich zerstörte. Der Kaiser bot daraufhin den
Ostgoten Italien an: Von 489 bis 493 eroberten diese unter Theoderich das
Land. Theoderich versuchte, mit Bündnissen das alte Reich auf eine neue
Grundlage zu stellen: Seine Töchter verheiratete er mit den Königen der
Westgoten und der Vandalen, er selbst heiratete die Schwester des
Frankenkönigs.
Die Schwäche Ostroms hatten vor allem Westgoten und weiter nördlich die Franken
genutzt, um ihre Gebiete zu vergrößern. Die Westgoten hatten ihr Reich bis
an die Ligurischen Alpen ausgedehnt und (bis auf suebische Gebiete im
Nordwesten) die ganze Iberische Halbinsel erobert; die Franken das Reich des
Syragus (um das heutige Paris) überrannt. Damit trafen Westgoten und Franken
aber aufeinander, angesichts des fränkischen Expansionsdrangs scheiterte
Theoderichs Bündnispolitik: 507 kam es zur Schlacht bei Poitiers. Die
Westgoten verloren und verlegten ihre
Hauptstadt nach Toledo ("Toledanisches Reich"). Unterdessen strebte Byzanz
unter Kaiser Justitian, das 534 das Vandalenreich vernichtet hatte, die
gewaltsame Aneignung Ostroms an. und wandte sich danach gegen die Ostgoten.
Nach langen Kämpfen unterlagen diese 552. Italien wurde ab 568 bis auf
wenige Enklaven von den Langobarden (die ihrerseits von den Awaren aus
Pannonien vertrieben wurden) besetzt. Damit ging die Völkerwanderung zu
Ende; die Langobarden regierten bis 774 und entfernten Italien wieder von
byzantischen Einfluss. Ihre Zeit ging erst zu Ende, als Karl der Große kam.
Der Aufstieg der Franken hat
auch damit zu tun, dass im dichtbesiedelten Mittelmeergebiet die Bevölkerung vom 2. bis zum
5. Jahrhundert durch eine Reihe von Seuchen - vermutlich Pocken, Masern,
Grippe und die Pest - deutlich zurückgegangen war. Im dünner besiedelten Norden standen
mittlerweile eiserne Werkzeuge zur Verfügung, so dass die
Hartholzwälder leichter gerodet und schwere Böden besser bearbeitet
werden konnten. So nahm hier die Bevölkerung zu.
Auch die typisch europäischen „Schlachtrösser“ wurden den
wild weidenden Pferden der Mongolen und Araber an Kraft und im
Schlachtgetümmel überlegen. So gelang es 732 den Franken unter Karl von Martell bei Tours mit einem Reiterheer, die Araber, die fast die gesamte
>> iberische Halbinsel erobert hatten, aufzuhalten.
Ab 771 erreichte das Reich
unter Karl dem Großen seine größte Macht und Ausdehnung. Nach seinem Tod
zerfiel es in zahlreiche Fürstentümer: Der westliche Teil sollte Frankreich
werden, im östlichen Teil begann 936 mit der Krönung des Sachsen Otto I. die
deutsche Geschichte.
Der spätere Name “Heiliges Römisches Reich Deutscher
Nation” zeigt, in wessen Nachfolge dieses Reich sich sah. Bereits Karl der
Große hatte zur Sicherung und Verwaltung seines Reichs die Lehen eingeführt:
Seine Getreuen, die Vasallen, erhielten riesige Ländereien mitsamt der
ansässigen Bauern, die teils als kleinere Lehen an Untervasallen
weiterverteilt wurden. Die Lehnsherren lebten von den Abgaben der Bauern,
die zudem als Frondienste öffentliche Arbeiten verrichten mussten, während
die Lehnsherren als Ritter die militärische Macht des Kaisers
sicherstellten. Diese Feudalordnung beherrschte bald weite Teile Europas.
Trost im mühseligen Leben der unteren Stände bot vor allem die Hoffnung auf
ein späteres Leben im Paradies; die Religion stand im Mittelalter wie nie
zuvor im Mittelpunkt des Lebens - und ohnehin war die römische Kirche das
eigentlich verbindende Elemente des Reichs. Weitere Verbesserungen der
landwirtschaftlichen Technik, insbesondere die Übernahme der in China
bereits vor der Zeitenwende erfundenen Streichbretter (mit denen beim
Pflügen die Erde gewendet und Unkräuter begraben werden) und des Kumts an
Stelle des Jochs (mit dem Pferde und Ochsen viel wirkungsvoller Wagen und
Pflüge ziehen konnten) sowie >>
verbessertes Klima ließen die Einwohnerzahlen weiter ansteigen.
Viele Christen konnten es sich nun leiten, ins Heilige Land pilgern. Die
muslimischen Araber ließen dieses zu - aber seit das Heilige Land 1071 von
türkischen Seldschuken erobert wurde, wurden die Pilger oftmals beraubt oder
getötet.
Stichwort: Seldschuken und Osmanen
Die Seldschuken waren zentralasiatische Nomaden. Als die
zentralasiatische Steppe während der mittelalterlichen Warmzeit immer
trockener wurde, zogen sie gen Westen, eroberten 1055 Bagdad, besiegten 1071
das byzantinische Heer und begannen danach mit der Besiedelung Anatoliens.
Ihr Erbe wurden später von den Osmanen übernommen, deren Reich mehrere
Jahrhunderte lang die vorherrschende Macht in Kleinasien war. 1453 eroberten
die in Europa Türken genannten Osmanen mit Konstantinopel eine bedeutende
christliche Stadt; 1516/17 mit dem Mamluken-Reich die größte arabische
Macht.
Die Welt um das Jahr 1000
Im Jahr 1000 lebten wohl um die 300 Millionen Menschen auf der Erde; in
Europa herrschte mit der mittelalterlichen Warmzeit ein mildes Klima - die
Wikinger hatten so Island und Grönland entdeckt und besiedelt und erreichten
im Jahr 1001 Neufundland, wo sie eine Siedlung gründeten. Diese erste
Entdeckung Amerikas blieb aber folgenlos, und die Siedlung wurde bald wieder
aufgegeben. In Europa festigten sich die beiden christlichen Kulturen unter
ihren beiden Schutzherren, dem römisch-deutschen Kaiser Otto III. und dem
byzantinischen Kaiser Basileios II. Vom lukrativen Gewürzhandel waren die
Europäer aber abgeschnitten, dieser lief wieder über arabische
Zwischenhändler. Aber auch die islamische Welt war tief
gespalten: In das Abbasiden-Kalifat in Bagdad, das Fatimiden-Kalifat in
Nordafrika mit Sitz in Kairo und das in Córdoba (al-Andalus) ansässige
Omaijaden-Kalifat. Dennoch griffen islamische Truppen immer wieder den
Norden Spaniens an, und sollten 1026 den Norden Indiens erobern. In Kontakt
mit dem islamischen Nordafrika standen auch die Reiche im Westen und Osten
Afrikas, etwa Ghana im Westen und Aksum im Osten; Groß-Simbabwe in Südafrika
unterhielt sogar eigene Handelsbeziehungen nach China. Im Süden Indiens bekämpfen
sich die Fürsten des Chalukya- und des Chola-Reichs; in Südostasien blühte
das Reich der Khmer. In China begann die Blüte der Song-Dynastie und
nördlich davon, in der heutigen Mandschurei, dominierten die Kitan-Reitersoldaten
- in gewisser Weise Vorläufer der Mongolen - das Liao-Reich.
Die Reiche Amerikas hatten im Jahr 1000 nach allem, was wir
wissen, weder untereinander noch - einer Wikingersiedlung zum Trotz - gar
mit den Reichen Eurasiens Kontakt. Nordamerika wurde von der
Mississippi-Kultur mit der Hauptstadt Cahokia beherrscht; in Mittelamerika
war die klassische Zeit der Maya im zentralen Tiefland bereits vorbei, aber
auf der Halbinsel Yucatán besiedelten die Itzá-Maya die möglicherweise
bereits zuvor bewohnte Stadt Chichén Itzá (erneut) und gründeten ein neues
Maya-Reich im Norden. In Südamerika blühte die Huari-Kultur, ein Vorläufer
der Kultur der Inka.
Mit dem Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. im Jahr 1095 begann eine
200jährige Phase der Kreuzzüge, vorgeblich um das heilige
Land aus den Händen der „Ungläubigen“ (Moslems) zu befreien. Seitens des von
den Seldschuken gefährdeten Byzantinischen Reichs spielten aber auch
Machtinteressen mit. Der Aufruf stieß auf gewaltige Resonanz: Auch hier
spielte nicht nur die Hoffnung auf das verheißene Paradies für diejenigen,
die im heiligen Streit fallen, eine Rolle, sondern auch das Weglaufen vor
schwierigen Lebensverhältnissen und die Hoffnung auf reiche Beute. 1099
eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem. Aber die Muslime gaben nicht so einfach
auf, weitere Kreuzzüge waren notwendig. Dabei zeigte sich, dass die
Überlegenheit der starken europäischen Pferde nicht absolut war: 1187 ließ
Saladin das Heer der europäischen Kreuzritter auf sich zustürmen, wich im
letzten Augenblick aus, und fiel ihnen dann in den Rücken. Er hatte damit
die richtige Strategie für seine schnellen Araberpferde gefunden, und
beendete endgültig die Macht des christlichen Adels im Heiligen Land.
Renaissance und Humanismus
Während der Kreuzzüge kamen die Westeuropäer mit einer weit überlegenen
Zivilisation in Kontakt. Viele sahen zum ersten Mal im Leben imposante Städte,
lernten Stoffe wie Samt und Seide und orientalische Gewürze kennen. Der
Handel zwischen Abend- und Morgenland nahm schon während der Kreuzzüge
wieder zu
und machte italienische Hafenstädte wie Venedig und Genua reich und mächtig.
Ab dem 13. Jahrhundert begann dann mit rasch zunehmendem Handel auch im
restlichen Europa der Aufstieg der Städte. Es entstand der Kaufmannsstand;
Handel und Handwerk blühten. Bauern konnten auf dem Markt ihre Überschüsse
anbieten, sich mit dem erwirtschafteten Geld schließlich freikaufen und die
Städte gehen – der Satz „Stadtluft macht frei“ wurde zu dieser Zeit geprägt.
Erste Universitäten entstanden in Städten wie Paris, Cambridge, Prag oder
Heidelberg. Latein war die Sprache dieser neuen Universitäten, und die
römische und (ab Ende des 14. Jahrhunderts vermittelt durch Gelehrte aus
Byzanz) griechische Antike wurde wiederentdeckt, verbunden mit der
Wertschätzung der Würde des Menschen.
Um arabische Zwischenhändler beim lukrativen Gewürzhandel zu umgehen,
wollte man auch das Wissen über die Erde erweitern: die Texte von Ptolemäus und Strabon wurde mit modernen
Erkenntnissen verbunden. Ab 1245 schickte der Papst
Delegationen zum mongolischen Großkhan, um mit diesem ein Bündnis gegen die
Muslime zu schmieden; italienische Händler versuchten, Kontakte nach Asien
aufzubauen. Zu diesen gehörten Niccolò und Maffeo Polo,
die auf ihrer zweiten Reise Niccolòs Sohn Marco mitnahmen, dessen
Reisebericht weit verbreitet wurde. 1269 kauften genuesische Kaufleute die
Stadt Caffa am Schwarzen Meer, 1291 versuchten Schiffe aus Genua
erstmals, auf dem Seeweg nach Indien zu gelangen.
Die Pestepidemie 1347 bis 1352
Erste Gerüchte erreichten den Westen bereits Anfang 1346: Reisende
berichteten, dass die Städte Chinas von einer verheerenden Pest betroffen
waren, und Ende des Jahres wurde es zur Gewissheit. Auch Indien war
betroffen. Im gleichen Jahr belagerte ein mongolisches Heer die genuesische
Handelsstadt Caffa auf der Krim. Eine Pestepidemie schwächte die
Angreifer, die den Angriff abbrachen - aber ihre Leichen zurückließen. Als
die Pest auch in Caffa ausbrach, gingen die Genueser auf ihre Schiffe und
fuhren in die Heimat zurück. Was sie nicht wussten: Sie hatten die Pest an
Bord. Im Oktober 1347 legten sie in Messina auf Sizilien an - und wenige
Tage später brach hier die Pest aus. Die Seeleute wurden wieder
fortgeschickt, und brachten die Pest nach Genua, Venedig und Pisa. Damit war
der Weg für die weitere Ausbreitung frei: 1348 erreichte sie Sevilla und
Paris, 1349 Deutschland und London. 1352 erreichte sie Moskau. Genaue Zahlen
über die Folgen der Pest sind schwierig zu ermitteln, die besten Schätzungen
liegen bei einem Drittel bis der Hälfte der Bevölkerung, die der Pest zum Opfer fielen,
also etwa 25 bis über 35 Millionen Menschen. Erst etwa 200 Jahre später, um 1550,
erreichte die Bevölkerungszahl in Europa wieder 75 Millionen Menschen wie
vor der Pestepidemie.
Die Pestepidemie sollte das Leben in Europa auch indirekt
verändern: Der Glaube an die Kirche, die die Vernichtung ganzer Familien
nicht verhindern konnte, wurde erschüttert; und ebenso der Feudalismus: Da
jetzt Arbeitskräfte fehlten, nahm der Wert der Arbeitskraft zu, Landbesitzer
und andere Interessenten mussten ihren Arbeiten jetzt etwas bieten, sonst
warben andere sie ab. Viele Landarbeiter nutzten die neue Freiheit auch, um
in die Städte zu gehen.
In den europäischen Städten, die im Unterschied zu den Städten der alten
Hochkulturen und zu den Städten der Moslems halbautonom waren – in China
konnte der Kaiser über den Wohnort der Menschen verfügen, in Europa mussten
die Stadtherrscher um die Bürger werben – sehen viele Historiker eine der
Ursachen für die spätere industrielle Revolution (>>
mehr).
Leistung spielte eine zunehmende Rolle: Manche Handwerker waren besser als
andere - und hatten mehr Kunden. Erfindungen wie das Pferdegeschirr erhöhten
die Leistung der Pferde als Zugtiere; Wasser- und Windräder führten zur
Mechanisierung vormals menschlicher oder tierischer Arbeit etwa in den
Mühlen. Kurbeln und Zahnräder ermöglichten die Richtungsänderung der Kraft
oder die Umwandlung von Dreh- in Kolbenbewegungen, so konnten auch Tuch
gestampft, Metall gehämmert oder Blech gewalzt werden. Bereits im 13.
Jahrhundert begann auch die Herstellung von Waren in Manufakturen. An den
Universitäten wurden die Grundlagen dieser Techniken systematisch erforscht.
Die Universitäten hatten auch Bedarf an Büchern, die viel billiger
hergestellt werden konnten, nachdem Papier hergestellt (>>
mehr)
werden konnte und Johannes Gutenberg in Mainz den Druck mit der Erfindung
beweglicher Metalllettern revolutioniert hatte.
Von den neuen technischen
Entwicklung profitierte auch das Militär: Ab Anfang des 14. Jahrhunderts
wurde die Kanone eingesetzt; und Ende des 15. Jahrhunderts konnten die
christlichen Heere bereits Dutzende von Kanonen - gezogen von Hunderten von
Pferden - gegen die Moslems in Granada einsetzen. Auch die Seefahrt wurde
weiterentwickelt: Der glatt beplankte Rumpf des Mittelmeerraums wurde mit
dem Heckruder der Hansekogge kombiniert; das viereckige Rahsegel, mit dem
man günstige Winde ausnutzen konnte, mit dem dreieckigen Lateinersegel, mit
dem gegen den Wind segeln konnte. So brauchte man keine Ruderer mehr, die
zuvor im Mittelmeerraum verbreitete Galeere wurde von der Karacke, die mehr
als tausend Tonnen Ladung aufnehmen konnte, und der schnellen und wendigen
Karavelle abgelöst. Die Karacke war auch stark genug, Kanonen zu tragen, und
sollte daher auch als Kriegsschiff genutzt werden. Aber die Schiffe waren
nicht alles, genauso wichtig war die Entwicklung der Portolane
(Seefahrerhandbücher) mit genauen Karten und die Einführung des von den
Chinesen über Inder und Araber nach Europa gelangten Kompass und des
Astrolabiums: Voraussetzungen für die >> Entdeckung der Welt
durch die Europäer.
Die Wurzeln der industriellen Revolution (I)
Bereits im Mittelalter, meinen viele Historiker, liegen die Wurzeln der
industriellen Revolution: Zu dieser Zeit holte Europa den wissenschaftlichen
und technischen Vorsprung anderer Zivilisationen, vor allem China und dem
Islam, auf – und überholte diese sogar. Einer, der die Frage intensiv
untersucht hat, ist der Wirtschaftshistoriker David S. Landes mit seinem
Buch >>
„Wohlstand und Armut der Nationen“, in dem er fragt, „warum die einen
reich und die anderen arm sind“ (so der Untertitel). Er weist darauf hin,
dass selbst zur Blütezeit des Islam in den Jahren 750 bis 1.100, als dieser
der Lehrmeister Europas war, zwar die Wissenschaft blühte, aber die Technik
wesentlich langsamere Fortschritte machte: Die Erkenntnisse wurden nicht
angewandt, da im Islam für Fragen des Geistes (im weitesten Sinne) die
Glaubensgelehrten zuständig waren. Er zitiert den Historiker Ibn Chaldun,
der folgende Anweisung zum Umgang mit einer in Persien gefundenen Bibliothek
mit einer „unbeschreiblich große[n] Zahl von Büchern und wissenschaftlichen
Manuskripten“ aufzeichnete: „ Wirf sie ins Wasser. Wenn, was sie enthalten,
rechte Weisung ist, hat Gott uns bessere Weisung gegeben. Ist es Irrweg, hat
Gott uns dagegen geschützt.“ Religionsführer mochten es selten, wenn man
überlieferte Weisheiten anzweifelte.
Auch im konfuzianischen China war Fortschritt kein Wert. Zwar war China
im Mittelalter die technisch führende Weltregion: Schon im 12. Jahrhundert
kannten die Chinesen eine mit Wasserkraft beschriebene Maschine zum Spinnen
von Hanf; sie sollen bereits Ende des 11. Jahrhunderts mit Hochofentechnik
125.000 Tonnen Roheisen produziert haben; die Schiffsexpeditionen der
Ming-Dynastie wurden früher, mit besseren navigatorischen Kenntnissen und
mit größeren Schiffen durchgeführt als die Seefahrten der Europäer. Sie
dienten aber anderen Zwecken: China wollte repräsentieren, nicht handeln –
schließlich gab es im Reich der Mitte alles, was nötig war. Im Ming-China
war der Konfuzianismus wieder erstarkt, China hielt sich für das Zentrum der
Welt. Die Chinesen waren gute Kartographen - ahnten aber nicht, dass die
Erde ein Kugel war. So gaben sie sogar den Schiffbau auf – ab 1436 wurden
keine Schiffe mehr gebaut. 1525 wurden gar alle seetüchtigen Schiffe
zerstört und ihre Eigner festgenommen.
Ganz anders verlief die Entwicklung in Europa. Hier wurde das
mittelalterlich-christliche Weltbild durch das wissenschaftlicher geprägte
Weltbild der Renaissance abgelöst. Als Inbegriff des Renaissance-Menschen
gilt Leonardo da Vinci, der nicht nur die „Mona Lisa“ malte, sondern auch
Wissenschaftler, Techniker und Erfinder war. In Europa fehlte eine starke
zentrale Macht wie im Islam oder im China, die diese Entwicklung
unterdrücken konnte - im Gegenteil, in den Universitäten fanden kritische
Geister ein Zuhause. Mit der Weiterentwicklung des Buchdrucks durch Johannes
Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts konnte das Wissen schneller und weniger
fehleranfällig verbreitet werden - auch der moderne Buchdruck wurde in China
(wo er mangels eines Alphabets schwieriger umzusetzen war) und im Islam (wo
er den Koran entweiht hätte) erst sehr verzögert eingesetzt; in Europa (und
bald auch in den europäischen Kolonien) förderten billige(re) Bücher die
Verbreitung von Wissen. Die ersten Reisen (siehe unten) warfen neue Fragen
auf - auf der Südhalbkugel gab es neue, zuvor nie gesehene Sterne. Kein
Wunder, dass nach der Navigation die Astronomie blühte: Zu den großen
Geistern der Renaissance gehörten die Astronomen Nicolaus Kopernikus und
Galileo Galilei. Mit ihren auf genauen Beobachtungen und Messungen und den
daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen beruhenden Entdeckungen (mehr >>
hier)
gehören sie zu den Begründern der modernen Wissenschaft (>>
mehr).
Siehe auch: >>
Die
Wurzeln der Industriellen Revolution (II)
Die Erde ist rund - Europa entdeckt die Welt
Die immer besseren Möglichkeiten der Navigation versprachen auch Abhilfe
für eine weiteres Problem: den Gewürzhandel in islamischer Hand. Ein Sohn des portugiesischen Königs, Heinrich der
Seefahrer, startete 1418 als Gouverneur der Algarve ein Programm,
um einen Seeweg nach Indien entdecken. Portugiesische Seefahrer wagten sich
in den Atlantik hinaus und entdeckten
1419 Madeira, 1427 die Azoren und 1445 die Kapverdischen Inseln.
Madeira war für den Anbau von Zuckerrohr geeignet, den die Europäer bei den
Arabern kennen gelernt hatten und der hohe Profite versprach.
Als 1453
Konstantinopel an die Osmanen fiel und die islamische Welt nun alle Handelswege zwischen
Asien und Europa kontrollierte, verstärkten die Portugiesen die Suche nach
einem Seeweg nach Indien, der um Afrika herum führen musste. Im Zeitalter
der Segelschiffe konnte dies nur hervorragenden Seefahrern gelingen, denn
die Atlantikküste Afrikas bot kaum Häfen und ungünstige Winde. Aber die
Portugiesen kannten mittlerweile die Strömungen und Winde des Atlantik und
konnten zudem mit dem Jakobsstab genauer als andere die geographische Breite
bestimmen; sie segelten weit nach Westen, fast bis nach Brasilien (von dem
sie nichts wussten) und nutzten dann den Falklandstrom und die Westwinde der
Rossbreiten, um die afrikanische Küste zu erreichen. Schon 1434 hatte
Gil Eanes das Kap Bojador überwunden, dass bis dahin als
das Ende der schiffbaren Welt gegolten hatte. (Um seinen Matrosen zu
beweisen, dass das Wasser dort nicht kochte, wie die Legende behauptete,
holte er es in einem Weinfass an Bord und steckte seine Hand hinein - ein
Beispiel, wie an der Schwelle zur Neuzeit die praktische Anschauung begann,
den Aberglauben des Mittelalters zu überwinden.) Die Westküste Afrikas
lieferte erste Reichtümer – Gold, Elfenbein und Sklaven; und wurde immer
weiter erkundet; 1471 überquerten die Portugiesen den Äquator; 1482 wurde in
São Jorge da Mina (Elmina im heutigen Ghana) der erste Handelsposten
eröffnet. 1488 erreichte Bartolomeu Dias die Südspitze
Afrikas; der Weg nach Indien stand somit offen.
Einen anderen Seefahrer, den Italiener Christoph Kolumbus,
hatte Portugal mehrfach abgewiesen: Portugal hatte 1487 Ferdinand von Olmen
mit zwei Schiffen nach Westen geschickt, der nie zurückkam; und es
erkannte außerdem richtig, dass Kolumbus - basierend auf der Karte von
Ptolemäus und den Berichten von Marco Polo - den Weg nach Indien deutlich unterschätzte.
Kolumbus wandte sich nach Spanien. Nachdem dort die Könige mit der
Kapitulation Granadas im Jahr 1492 die Muslime auf europäischem Boden
endgültig besiegt hatten, kannte Kolumbus die Königin für sein Vorhaben
gewinnen, Indien nicht über Afrika, sondern immer nach Westen segelnd zu
erreichen. Anfang August 1492 startete er, und
im Oktober erreichte er eine Insel, die „in der Indianersprache Guanahani
hieß“ (aus seinem Bordtagebuch): Indianersprache – Kolumbus glaubte noch
drei weitere Reisen lang und bis zu seinem Tod, dass die Inseln zu Asien
gehörten; noch heute werden sie „Westindische Inseln“ genannt. Aber anderen
Seefahrern wurde schnell klar, dass er eine neue, unbekannte Welt entdeckt
hatte: Amerika. Kolumbus war zunächst enttäuscht, dass er kein Gold fand –
nichts hätte die Könige mehr von seinen Reisen überzeugt. Aber er erkannte,
dass die Inseln für den Anbau von Zuckerrohr geeignet waren, den er von den
Kanaren und Madeira kannte, und so sollte es auch kommen. Auch England
suchte Ostindien im Westen: 1497 segelte der Venezianer John Cabot
in englischem Auftrag über den Atlantik und wurde zu ersten Europäer, der
nordamerikanisches Festland betrat - er hielt es für China. Auf seiner
zweiten Fahrt 1498 wollte er mit fünf Schiffen entlang der Küste “Chinas”
nach Japan gelangen, wo er den Ursprung der Gewürze vermutete - nur ein
Schiff kehrte zurück, das von Cabot blieb verschollen.
Für die Portugiesen war die Nachricht von der Entdeckung Amerikas durch
Spanien ein Schock. Portugal fürchtete, um die Früchte seiner Entdeckungen
gebracht zu werden; und um einen Konflikt zwischen den katholischen Mächten
Spanien und Portugal zu vermeiden, teilte der Papst 1493 die Welt auf: Eine
Hälfte ging an Spanien, die andere an Portugal. 1494 wurde die Grenze im
Vertrag von Tordesillas noch einmal verschoben, daher fiel später Brasilien
den Portugiesen zu. Um Indien endgültig zu sichern, stach 1497 Vasco
da Gama in See, umrundete die Südspitze Afrikas und segelte bis
nach Indien. Dort landete er an der Malabarküste, nahe dem heutigen Kalikut.
Diese Küste war ein Drehkreuz des Gewürzhandels, hier trafen sich
chinesische Dschunken und arabische Daus. Nach über zwei Jahren kam da Gama
zurück, und berichtete von den Gewürzpreisen in Indien: Sie versprachen
riesige Profite. (Und außerdem war ihm nicht entgangen, dass die arabischen
und chinesischen Schiffe unbewaffnet waren - die bewaffneten portugiesischen
Schiffe also gute Chancen hatten, sich ihren Anteil zu sichern.) Am Osterdienstag des Jahres 1500 erreichte Cabral auf
seinem Weg nach Indien die Küste Brasiliens und nahm das
Land für Portugal in Besitz; 1511 erreichten erstmals portugiesische Schiffe
die Gewürzinseln (die heute indonesischen Molukken); 1513 folgte der Spanier
Vasco Nuñez de Balboa Gerüchten über ein Meer im Westen, kämpfte sich durch
den Dschungel der Landenge von Panama und sah als erster Europäer den
Pazifik. 1519 startete Ferdinand Magellan
die erste Weltumsegelung, auf der er die die Südspitze Südamerikas auf der
nach ihm benannten Magellan-Straße umrundete. Magellan wurde auf den
Philippinnen von Einheimischen getötet, aber seine Mission bewies zweierlei:
Kolumbus hatte tatsächlich einen neuen Kontinent entdeckt, und die Erde war
tatsächlich rund.
Über die nächsten 90 Jahre kartierten europäische Seefahrer einen großen
Teil der Küsten dieser Erde; abgeschlossen wurde diese Erkundung erst noch
einmal 200 Jahre später mit den Fahrten von James Cook (>>
mehr)
und der Kartierung der amerikanischen Pazifikküste im Jahr 1794 durch George
Vancouver. Beide waren im englischen Auftrag unterwegs - kein Zufall, denn
das Zentrum des weltpolitischen Geschehens hatte sich zwischenzeitlich nach
Nordwesteuropa verschoben.
Weiter mit:
>>
Die
Plünderung der neuen Welt