Das Zeitalter der Landwirtschaft

Anmerkungen & Quellen

Die Entstehung der Landwirtschaft

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006: Nicht alle Autoren teilen die Einschätzung, dass es den frühen Bauern schlechter ging als den Wildbeutern. Hansjörg Küster (Am Anfang war das Korn. C. H. Beck, München 2013) schreibt etwa, dass Leben in einer bäuerlichen Siedlung wäre kalkulierbarer und sicherer gewesen, unter der Bedingung, dass es dort genügend Vorräte gab (Seite 71). Die Hinweise auf Mangelernährung an Skelette und Zähnen früher Bauern zeigen aber, dass diese Bedingung oftmals wohl nicht erfüllt war. Der Historiker Yuval Noah Harari bezeichnet in seiner "Kurzen Geschichte der Menschheit" die Vorteile des bäuerlichen Lebens daher als "Ammenmärchen" – Bauern arbeiteten mehr als die Jäger und bekämen zum Dank eine ärmere Kost – für Harari ist die landwirtschaftliche Revolution sogar der "größte Betrug der Geschichte".

008: Tom Standage: Der Mensch ist, was er isst. Artemis & Winkler 2010, S. 28.

012: Auch diese Annahme wird mitunter bezweifelt. Zwischen Westasien und China gab es bereits früh in der Geschichte Handel und damit auch die Möglichkeit eines Informationsflusses – es kann also tatsächlich nicht ausgeschlossen werden, dass die Landwirtschaft in China eine Folge der westasiatischen Landwirtschaft ist. Wenn die Kultivierung von Pflanzen in Ostasien bereits vor der Besiedelung Amerikas stattgefunden hätte, könnte auch das dortige Wissen mit den Menschen gewandert sein – und angeblich 14.000 bis 15.000 Jahre alte fossile Reiskörner, die 2003 in Südkorea gefunden wurden, lassen auch dieses möglich erscheinen. Die weitaus meisten Archäologen und Biologen denken aber, dass die Landwirtschaft mehrfach unabhängig voneinander entstanden ist.

014: David R. Montgomery: Dreck. Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert (oekom-Verlag 2010).

020: Vor dem Beginn der Landwirtschaft waren die Dörfer des Natufien 0,2 bis 0,3 Hektar groß, vor 9.000 Jahren bereits 2 bis 3 Hektar. Archäologen bezeichnen die Zeit ab 9.500 v. Chr., als Einkorn, Gerste, Emmer und Hülsenfrüchte angebaut wurden, als "vorkeramisches Neolithikum". Der ältere Abschnitt A dauerte bis 8.600 v. Chr., der jüngere Abschnitt B von 8.600 v. Chr. bis 6.200 v. Chr., in diesem Abschnitt wurden statt runder rechteckige Häuser gebaut, vor allem aber Ziegen und Schafe als Haustiere gehalten. Quellen: Marcel Mazoyer und Laurence Roudart: Histoire des agricultures du monde, Éditions du Seuil, Paris 2002, S. 106; Hermann Parzinger: Vor- und Frühgeschichte. In: Geschichte der Welt – Die Welt vor 600. C.H. Beck 2017.

Vor 8.200 Jahren begann dann in der Region die Herstellung von Keramik (das "keramische Neolithikum" der Archäologen): durch Brennen wurden Tongefäße dicht und hielten dauerhaft, damit wurde die Aufbewahrung von Lebensmitteln einfacher. Sie waren so dauerhaft, dass einige Gefäße bis heute überdauerten und Archäologen wichtige Hinweise geben: diese unterscheiden anhand der Keramik und ihrer Verzierungen verschiedene Kulturen (ob unterschiedliche Keramik auch andere Unterschiede bedeuten, ist jedoch eine ganz andere Frage).

022: Diesen schönen Ausdruck habe ich von Yuval Noah Harari: >> Eine kurze Geschichte der Menschheit. Meist ist einfach von "Überfluss-Hypothese" die Rede.

040: Jacques Cauvin. Quelle: Marcel Mazoyer und Laurence Roudart: Histoire des agricultures du monde, Éditions du Seuil, Paris 2002, S. 111, siehe auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Jacques_Cauvin.

Die Entstehungsgebiete der Landwirtschaft

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110: Vaughan, D. A. et al. (2008): The evolving story of rice evolution". Plant Science 174 (4): 394–408. doi:10.1016/j.plantsci.2008.01.016.

112: Huang, X. et al. (2012): A map of rice genome variation reveals the origin of cultivated rice. Nature 490: 497-501. doi:10.1038/nature11532.

114: Mark Kurlansky: Salt. A World History (Jonathan Cape 2002)

Der Siegeszug der Landwirtschaft

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310: David Abulafia (2013): Das Mittelmeer. Frankfurt, S. Fischer Verlag, S. 39.

314: David Abulafia (2013): Das Mittelmeer. Frankfurt, S. Fischer Verlag, S. 38, 40.

330: Gangal, Kavita et al. (2014): The Near-Eastern Roots of the Neolithic in South Asia, PLoS ONE, 9 (5): e95714, doi:10.1371/journal.pone.0095714.

360: Völker, die Bantusprachen sprechen, einer Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen, die auf ein Proto-Niger-Kongo zurückgehen, das vermutlich vor über 10.000 Jahren in Westafrika entstanden ist. Die Bantu besitzen aber kein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl, das Wort bedeutet einfach “Mensch”.

Die Folgen der Landwirtschaft

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740: Der Begriff stammt und die Darstellung zu dem Thema beruht auf Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit.

760: Eine kurze Geschichte der Menschheit, S. 131.

770: Die ersten europäischen Besucher der mesopotamischen Palastruinen erkannten die Keilschrift nicht einmal als Schrift, sondern hielt sie für Verzierungen. Die Wiederentzifferung der Keilschrift, die sich ja im Laufe der Zeit verändert hat und zudem in verschiedenen Sprachen und Dialekten geschrieben war, ist eine der großen wissenschaftlichen Leistung des 19. Jahrhundert.

Ernährung, Gesundheit, Bevölkerung

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horizontale Streifen im Zahnschmelz ...: Tom Standage: Der Mensch ist, was er isst. Artemis & Winkler 2010, S. 29.

Gesundheit der Ackerbauern im Niltal: John Krebs: Food. A Very Short Introduction. Oxford University Press 2013, S. 14.

Größe der Ackerbauern in der Türkei und Griechenland: Tom Standage, a.a.O. S. 30.

Die Rolle des Salzes als erstem internationalem Handelsgut hat Mark Kurlansky in seinem Buch "Salt. A World History" (Jonathan Cape 2002) herausgearbeitet. Die deutsche Ausgabe des Buches ist leider nur noch antiquarisch erhältlich. Aus diesem Buch stammen auch die Aussagen über die Entstehung der Sojasauce (Seite 19 f. in der Vintage Taschenbuchausgabe 2003) und die Gründung von Sfax (Seite 46).

Mesopotamien, Ägypten: Essen im Zweistromland und im alten Ägypten. In: Brockhaus Horizonte: Essen ist Leben. F.A. Brockhaus/wissenmedia 2012, Seite 36-37.

Die ersten Staaten

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540: Es ist schwer, hierüber genaue Angaben zu finden. Belegt ist aber der rund 4.400 Jahre alte Hafen mit Kaianlagen in Lothal, siehe wikipedia: Lothal.

550: David Abulafia (2013): Das Mittelmeer. Frankfurt, S. Fischer Verlag, S. 51.

Eine andere Welt: China – Die Darstellung der chinesischen Geschichte beruht im wesentlichen auf Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Frankfurt: Suhrkamp 1988 und Kai Vogelsang: Geschichte Chinas. Stuttgart: Reclam 2013 (3. Aufl.).

574: Vogelsang, Seite 33 ff.

576: siehe Vogelsang, Seite 57 ff.

Von der Zeitenwende bis zur Renaissance

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620: Kai Vogelsang: Geschichte Chinas. Stuttgart: Reclam 2013 (3. Aufl.), Seite 183. Auf diesem sehr lesenswerten Buch beruhen große Teile der Darstellung der chinesischen Geschichte auf dieser Seite.

622: siehe Vogelsang, Seite 191.

624: Die im 17. Jahrhundert veröffentlichte "Geschichte der Drei Reiche" von Luo Guanzhong erzählt von dieser Zeit und dieser Schlacht. Er gilt als einer der vier klassischen Romane Chinas und ist noch heute sehr populär ("Jeder Chinese kennt diesen Roman" [Vogelsang, S.195]), 2008 wurde er verfilmt. Einer der Helden, Guan Yu, ein Kampfgefährte Liu Beis, wird noch heute als Gott des Krieges und Schützer des Volkes (wie immer das zusammenpasst ...) in Zehntausenden Guandi-Tempeln, davon 1.600 offiziellen, verehrt.

626: Sie lieferte den Stoff für die "Reise nach Westen" von Wu Cheng'en, einem weiteren der vier klassischen Romane und noch heute eine der Hauptquellen für die Kultur Indiens und Zentralasiens in dieser Zeit.

627: Da die konfuzianische und daoistische Literatur eine wichtige Rolle in der Ausbildung der Beamten, die die Tang von den Sui übernahmen, spielte, war dies natürlich auch eine Einengung des Spielraums bei ihrer Auslegung: sie wurde nunmehr staatlich kontrolliert. Taizong ließ auch konfuzianische Tempel (!) errichten; die Konfuzius-Verehrung nahm wie die Verehrung daoistischer und buddhistischer Götter religiöse Züge an.

628: Damit kein falscher Eindruck entsteht: Chang'an war, wie zuvor schon Luoyang, eine am Reißbrett geplante Stadt und spiegelte eine strenge Ordnung wieder. Die quadratischen, nach Gewerben und Herkunft getrennten Wohnblöcke waren von Mauern umgeben, die Tore wurden nachts versperrt. Wer ohne Genehmigung nach der Sperrstunde auf den Straßen erwischt wurde, wurde mit 20 Stockhieben bestraft – in gewisser Weise ähnelte das Leben dem in einer Militärkaserne. Im damaligen China machte Stadtluft eher nicht frei. Erst ab dem 8. Jahrhundert wurden die Städte freizügiger (was mit der Mongolenherrschaft wieder endete).

630: Wu Zhao (auch als Wu Zetian bekannt), eine Konkubine seines Vaters, war von Gaozong nach dessen Tod als seine eigene Konkubine in den Palast zurückgeholt worden und schaffte es 655, dass Gaozong sich scheiden ließ und sie heiratete. 660 übernahm sie nach einem Schlaganfall Gaozongs dann selbst die Regierung und brachte nach seinem Tod 683 nacheinander zwei ihrer Söhne auf den Thron, bis sie ihn 690 selber bestieg. Der Tang-Adel, der nach dem Tod Gaozongs gegen Wu Zhao rebellierte, wurde mit Hilfe einer Geheimpolizei brutal unterdrückt. "Niemand, so heißt es, der in ihre Verliese in Luoyang geworfen und der grauenhaften Folter ihrer Schergen ausgesetzt wurde, sei lebend wieder herausgekommen." (Vogelsang, S. 260).

634: Das um 600 herum erfundene Porzellan war ein im Rest der Welt vielbestauntes chinesisches Wunder: sein Geheimnis war der hochreine Ton Kaolin, der mit Feldspat vermischt und bei 1.300 °C gebrannt wurde. Auf den Schiffsrouten zwischen Südchina und Basra am Persischen Golf entwickelte sich ab dem 10. Jahrhundert eine regelrechte „Porzellanroute“, auf der Millionen Gefäße in den Westen gelangten. Erst 1708 gelang es Johann Friedrich Böttger, einem an der Goldherstellung gescheiterten Alchimisten am Hof August des Starken, weißes Porzellan aus Kaolin herzustellen – 1710 wurde die Meißener Porzellanmanufaktur gegründet.

636: Hinter dem Begriff "Reitervölker" müssen nicht unbedingt ethnische Gruppen stehen: die zentralasiatischen Nomaden waren in Weidegemeinschaften organisiert, und diese schlossen sich gelegentlich zu zumeist zeitlich begrenzten Zweckgemeinschaften zusammen, die nach ihrem Anführer oder ihrer Herkunft benannt wurden (Ewald Frie: Die Geschichte der Welt, Seite 171 f.).

640: Klaus Wilhelm: Das Reich der Dschungelstädte. Bild der Wissenschaft 12/2016, Seite 44–49. Wilhelm zitiert hierzu den australischen Archäologen Damian Evans von der École française d'Extrême-Orient in Paris.

650: Erste Quelle ist der chinesische Offizier Du Huan, der als Kriegsgefangener in das islamische Reich gelangte, aber 762 nach Kanton zurückgelangte und das Buch "Bericht meiner Reisen" verfasste, in dem er über das Land Molin berichtet, in dem die Menschen schwarz sind. Er erwähnt auch die Existenz von Christen und Muslimen; möglicherweise war er in Äthiopien.

Eine lohnenswerte Lektüre zu Afrika im Mittelalter ist François-Xavier Fauvelle: Das goldene Rhinozeros. Afrika im Mittelalter. C.H. Beck 2017.

660: Der Begriff „Kapitalismus“ wurde einst als Kampfbegriff geprägt (der Sozialist Wilhelm Liebknecht etwa schimpfte 1872 auf den „Moloch des Kapitalismus“) und viele Ökonomen bevorzugen daher den Begriff „Marktwirtschaft“. Aber Kapitalismus bedeutet mehr als Marktwirtschaft, das Zusammenwirken der Beteiligten über Märkte und Preise ist nur ein, aber alleine nicht ausreichendes Merkmal des Kapitalismus. Neuere Definitionen (etwa Kocka 2013) verweisen etwa auf die Bedeutung des Kapitals für das kapitalistische Wirtschaften: Gewinne werden reinvestiert, um in Zukunft weitere (noch höhere) Gewinne zu erzielen. Gewinne und Verluste werden zudem Individuen (natürlichen oder juristischen Personen wie Unternehmen) zugeschrieben. In einem „kapitalistischen System“ müssen nach Kocka kapitalistische Prinzipien zudem eine gewisse Dominanz besitzen und über die Wirtschaft hinaus andere gesellschaftliche Bereiche prägen. (Literatur: Kocka, Jürgen: Geschichte des Kapitalismus. C.H. Beck 2013.)

Vgl. Akira Iriye und Jürgen Osterhammel: Geschichte der Welt 1350 -1750: Weltreiche und Weltmeere, S. 696 ff.: "Das lateinische Europa". C.H.Beck 2014.

Die Unterwerfung der Welt ...

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830: Erster Vizekönig und Gouverneur der neu entdeckten Gebiete war Kolumbus – das die Könige ihm derart weitreichende Zusagen gemacht haben, zeigt für manche Historiker, das auch die Spanier nicht wirklich an den Erfolg von Kolumbus' Mission geglaubt haben. Ab 1503 wurden die spanischen Eroberungs- und Entdeckungsfahrten dann von der Casa de Contratación in Sevilla (Andalusien) koordiniert; im Kronrat bildete sich ab 1516 als Beratungsgremium ein "Indienrat" (Consejo de Indias) heraus, der 1524 zu einer offiziellen, dem König direkt unterstellten Institution wurde. Dieser ernannte auch die Vizekönige und Gouverneure in den ab 1535 gegründeten Vizekönigreichen.

850: Der "vorkoloniale" Sklavenhandel war aber wesentlich vielfältiger als der durch die Europäer: Wahrscheinlich wurden Sklaven schon immer auch misshandelt und gequält, aber oft gehörten Sklaven auch zur Familie, für Außenstehende wäre es schwierig gewesen, zu erkennen, wer Sklave war und wer nicht. Dann heirateten die Sklaven mitunter auch Kinder der Familie; und es gab immer auch die Möglichkeit, freigelassen zu werden. In der Karibik und Amerika wurden Sklaven vor allem für die Feldarbeit gesucht, so dass vor allem gesunde junge Männer gefragt waren; und weil die Plantagen Profite machen mussten, gab es etwa kaum die Möglichkeit, aus der Sklaverei herauszukommen.

852: Es entstand der sogenannte "transatlantische Dreieckshandel": Die Sklaven wurden mit europäischen Waren wie Stoffen, Tuchen, Gewehren, Schießpulver, Eisen etc. bezahlt, in den Kolonien gegen Rohwaren wie Zucker oder Gold und Silber verkauft, die dann in Europa wieder gegen Fertigwaren getauscht wurden.

Die erste Globalisierung

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910: Für den bürgerlichen Beginn steht der "Ballhausschwur", mit dem sich der bürgerliche Stand zur Nationalversammlung erklärte und damit neben Adel, Klerus und König als Vertreter der französischen Nation stellte.

912: Für das Eingreifen der kleinen Leute steht der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, für das der Bauern die Bauernaufstände im Sommer

950: Indien, das keine eigenen Silbervorkommen hatte, erhielt beispielsweise durch diesen Handel derartig viel Silber, dass es Silberrupien als Währung in Umlauf bringen konnte.

Die Vereinigung der Menschheit

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Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit. München: DVA 2013 (insb. Teil 3: Die Vereinigung der Menschheit).

J.R. McNeill & William McNeill: The Human Web. A Bird's-Eye View of World History. New York: W.W. Norton & Company 2003.

Handel: Jürgen Kocka: Geschichte des Kapitalismus. München: Beck 2013.

Handel in China: Kai Vogelsang: Geschichte Chinas. Stuttgart: Reclam 2013 (3. Aufl.).

"Welten in sich, ...": Vogelsang, Seite 15.

© Jürgen Paeger 2006–2018