Hintergrundinformation

Eine kleine Geschichte der Menschheit

Die erste Globalisierung
(1500 - 1800)

1792 versuchte der Earl Macartney Handelsbeziehungen zu China aufzubauen und erhielt eine Audienz beim
Kaiser. Sein Anliegen wurde von den Chinesen aber >> abgewiesen. Karikatur: James Gillray 1792

Die militärische Revolution

Die militärischen Entwicklungen, die den Europäern geholfen hatten, trotzt ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Reiche der Azteken und Inka zu erobern und sich in Asien zu halten, gingen weiter: Ab Mitte des 16. Jahrhunderts verbesserten Musketen (schwere Vorderladergewehre) die Wirksamkeit der Schützen (die nun zu “Musketieren” wurden). Die neuen Musketen wurden natürlich in den neuen Kontinenten eingesetzt (>> hier); sollten aber auch die “alte Welt” verändern. Die mangelnde Treffgenauigkeit der mit runden Kugeln versehenen Musketen konnte durch Massenfeuer ausgeglichen werden; dazu mussten die Soldaten sich jedoch diszipliniert aufstellen und auf den Schießbefehl warten. Unter Feindbeschuss, während rechts und links die Kameraden fielen, auf einen Befehl zu warten - das ging nur mit Soldaten, die so ein Verhalten jahrelang eingetrichtert bekamen (“gedrillt wurden”), nicht mit Freiwilligen oder gar im Suff rekrutierten: So wurden stehende Heere gebildet statt der bis dahin verbreiteten Armeen, die bei Bedarf ausgehoben wurden. Ein stehendes Heer war teuer, und je mehr Geld man für seine Armee ausgeben konnte, desto besser wurden die Chancen, Kriege zu gewinnen. So führte die technische Entwicklung dazu, dass die ohnehin schon mächtigen Staaten (die auch außerhalb Europas manches von diesen Entwicklungen übernahmen) mächtig blieben, und im politisch zersplitterten Europa sich die Habsburger als eine führende Macht herausbildeten.

Weltweiter Handel

Zum anderen führten die technischen Entwicklungen in der Seefahrt auch zu verstärktem Handel. Alle hatten etwas zu verkaufen: China Seide und Porzellan, Südostasien Gewürze, Indien Baumwolle und Afrika Gold und Sklaven. Amerika bot Silber, Pelze, Zucker und Tabak, Japan Silber und Kupfer. Silber spielte eine besondere Rolle, da es als Währung im weltweiten Handel diente. Japans Silber ging im Tausch für Silber und Porzellan nach China, das amerikanische Silber nach Spanien oder direkt zu den Gewürzinseln - die “Manila-Galeonen” segelten von 1565 bis 1825 direkt von Acapulco nach Manila. Die Gewürzinseln waren ein Zentrum des Welthandels, das andere waren die Zuckeranbaugebiete im und am Atlantik: Sklaven wurden aus Afrika nach Amerika gebracht (>> mehr), von dort Zucker nach Europa und später auch Nordamerika; mit den Gewinnen aus dem Zuckerverkauf wurden Lebensmittel, Kleider und Industrieerzeugnisse gekauft (von denen ein Teil dann wieder in Afrika gegen Sklaven eingetauscht werden konnte). Dieses System hat Landwirtschaft und Industrie angekurbelt und die Industrielle Revolution beschleunigt; über das Ausmaß dieser Beschleunigung streiten die Historiker allerdings. Begleitend dazu bildete sich in den Handelsländern mit zunehmender Bedeutung des Fernhandels das Milieu der Großkaufleute heraus.

Neue Nutzpflanzen

Mit der Seefahrt wurden auch Pflanzen und Tiere von einem Kontinent zum anderen gebracht, wodurch sich die Ernährungsgrundlage für viele Menschen veränderte: Maniok aus Brasilien wurde im tropischen Westafrika angebaut, Mais aus Amerika im Balkan, Kartoffeln aus den Anden vor allem in Irland und Russland, aber auch im Rest von Nordeuropa. Umgekehrt wurden europäische Haustiere zur Grundlage der amerikanischen Weidewirtschaft, seien es Rinder in den Grasländern Nord- und Südamerikas oder Schafe und Ziegen in den Bergen Mexikos und in den Anden. Zucker, Kaffee, Tabak und Baumwolle wurden zur Grundlage der amerikanischen Plantagenwirtschaft. Aus den neuen Ländern kamen auch Medikamente, aus Peru etwa die “Chinarinde”, die gegen Malaria half (mehr zum Thema neue Nutzpflanzen >> hier). Baumwollstoffe und -kleidung aus Indien ermöglichten, in Europa Nahrung auch auf den Flächen anzubauen, auf denen vorher Flachs und Hanf wuchsen. Vor allem aber die ertragreichen neuen Pflanzen trugen wesentlich dazu bei, dass die Bevölkerung der Erde von 450 bis 500 Millionen Menschen im Jahr 1500 auf 1 Milliarde im Jahr 1820 wuchs (>> mehr).

Das Aufblühen der Wissenschaft

Ging es zu Beginn der Renaissance (>> mehr) noch um die Wiederentdeckung antiken Wissens (“Renaissance” heißt ja Wiedergeburt), wurde mit der Entdeckung neuer Sterne, Pflanzen, Tiere und Kontinente schnell deutlich, dass dieses nicht reichte; die Entdeckungen Kopernikus’ zeigten zudem, dass auch die Bibel kein Quell wissenschaftlicher Wahrheit war. Bald wurden erste Akademien (1560 in Neapel die Academia Secretorum Naturae) und wissenschaftliche Zeitschriften gegründet; Galileo Galilei fand Pendel- und Fallgesetz und begründete ein neues (mathematisches) Zeitalter der Wissenschaft; Isaac Newton veröffentlichte 1687 seine “Philosphiae naturalis principia mathematica”, in dem er zentrale Begriffe wie Kraft, Masse, Trägheit definierte, die Grundgesetze der Dynamik beschrieb und mit ihnen zahlreiche Naturphänomene behandelte - von Ebbe und Flut bis zur Bewegung der  Planeten. Das Buch war für zwei Jahrhunderte die Grundlage aller Physik. Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelt die Infinitesimalrechnung weiter und legte die Grundlage für ihre Anwendung beim Militär (Artillerie), in Maschinen- und Schiffbau, Kartographie, Optik und vielen weiteren Feldern. Mit den Untersuchungen des englischen Arztes William Gilbert begann die systematische Untersuchung von Magnetismus und Elektrizität; und der Luftdruck wurde entdeckt (>> mehr). Robert Boyle setze sich 1661 mit seinem Buch “Der skeptische Alchimist” von der Alchimie ab und bereitete die moderne Chemie vor. Mit der zunehmenden Verbreitung gedruckter Bücher nahm die Nachfrage nach den (um 1300 herum erfundenen) Brillen zu; und der holländische Brillenmacher Hans Lipperhey baute 1608 das erste Fernrohr (angeblich hatten spielende Kinder den Vergrößerungseffekt hintereinander gehaltener Linsen entdeckt). Das Fernrohr wurden von Galileo Galilei verbessert; und half ihm, die um den Jupiter kreisenden Monde zu entdecken - was ihn in seinem Glauben an Kopernikus’ Idee, dass die Erde um die Sonne kreise, bestärkte (>> mehr). Um diese Zeit bauten die Brillenmacher auch das erste Mikroskop, dieses wurde von Antoni van Leeuwenhoek verbessert, und nun stand den Forschern auch die Welt des Kleinsten offen: Rote Blutkörperchen, Samenfäden und Einzeller wurden entdeckt. Der in Padua lehrende flämische Arzt Andreas Vesalius sezierte Menschen und stellte die Anatomie auf eine neue Grundlage; die Pflanzenwelt wurde von Carl Linné systematisiert (>> mehr), und die Erforschung der Welt ging mit den wissenschaftlich geplanten Forschungsreisen von James Cook (>> mehr) weiter.

Ein neues Bild des Menschen

Derartig viele Neuerungen führten auch dazu, dass die Menschen auch sonst bald anfingen, überlieferten Weisheiten immer weniger zu glauben. Diese Entwicklung zeigte sich überall: In China betonten Wang Yangmin und seine Anhänger am Ende der Ming-Zeit das “angeborene Wissen” jedes Einzelnen (gegenüber dem Erwerb durch Studien der überlieferten konfuzianischen Schriften); in Indien entstand aus der Abkehr von traditionellen religiösen Riten die Sikh-Religion; und in Nordeuropa wandten sich christliche “Reformatoren” (wie Reformer damals genannt wurden), allen voran Martin Luther aus Wittenberg, gegen den Ablasshandel (reiche Christen konnten gegen Zahlung eines “Ablasses” von ihren Sünden befreit werden) und andere Missstände in der katholischen Kirche. Im politisch zersplitterten Europa, wo neue Ideen mit gedruckten Flugschriften und Büchern leicht verbreitet werden konnten, da es keinen starken Zentralstaat gab, der diese Ideen unterdrücken konnte, vermochte die katholischen Kirche mit einer eigenen Reform nicht mehr zu verhindern, dass 1555 im Heiligen Römischen Reich die lutherische Lehre und die “protestantische” Kirche als gleichberechtigt anerkannt wurden. Reformatorische Bewegungen gab es auch außerhalb des Reichs: In der Schweiz entwickelte Calvin eine eigene Lehre; in Frankreich hießen ihre Anhänger “Hugenotten”, in England und Schottland “Puritaner”. Diese erneute religiöse Spaltung der Christenheit sollte mit dazu beitragen, dass in Europa Gemetzel und Kriege an der Tagesordnung blieben (Bartholomäusnacht 1572 in Frankreich, Dreißigjähriger Krieg 1618 bis 1648, >> mehr).

Im 17. und 18. Jahrhundert entstand in Westeuropa eine neue geistige Strömung, die Aufklärung: Alle Ansichten über Staat und Gesellschaft sollten überprüft werden, indem man sich seines eigenen Verstandes bediente. Für die Aufklärer hatte jeder Mensch Würde und Rechte; die Herrscher waren nicht von Gott, sondern den Menschen eingesetzt und hatten deren Würde zu achten, deren Freiheit zu schützen und deren Wohlergehen zu fördern. Vor allem die absolutistischen Fürsten (>> mehr) lehnten solche Gedanken natürlich ab, aber die wohlhabend gewordenen Kaufleute (die unter der Steuerlast litten, die den Lebensstil der absolutistischen Fürsten und deren Kriege finanzierten, >> mehr) fanden Gefallen daran. Aufklärerische Gedanken flossen auch in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung ein, die amerikanische Unabhängigkeit hatte wiederum Auswirkungen auf Europa: Die Menschen hatten gesehen, wie man seine Rechte durchsetzen konnte. Als Louis XIV. 1789 die Steuern erhöhen wollte, kam es zu einem Aufstand, der die “Französische Revolution” einleitete. (Ging es anfangs um bürgerliche Freiheitsrechte, entartete die Revolution, als die radikalen Jakobiner unter Robespierre anfingen, ihre Vorstellungen gegen die als “Feinde der Revolution” gebrandmarkten Andersdenkenden mit Terror und Fallbeil durchzusetzen. Nachdem Robespierre selber unter dem Fallbeil enthauptet wurde, gewann das Bürgertum wieder an Einfluss, konnte aber nicht für Frieden sorgen. Dies gelang erst einem Bürgerheer, das einen jungen General populär machte: Napoleon Bonaparte, der 1799 die Regierung stürzte, sich zum “Ersten Konsul” ernannte und die Revolution für beendet erklärte.)

Die Geschichte der einzelnen Regionen

China

Die wirtschaftliche Blüte der späten >> Ming-Dynastie hielt noch bis Ende des 16. Jahrhunderts an. Allerdings war es nicht gelungen, die Nomaden im Norden Chinas nachhaltig von Angriffen abzuhalten, und im Inneren führen immer höhere Abgaben wiederholt zu Unruhen. Unter den unruhigen Nomaden im Norden waren die Mandschu, die 1616 den Stammesfürsten Nurhaci zum Kaiser gekrönt hatten und seither die Ming-Dynastie immer wieder herausforderten - bald auch mit Hilfe von Kanonen, die sie von den Schweden erhalten hatten. Seit 1621 litt Nordchina zudem unter heftigen Bauernaufständen; und als 1644 die Mandschu die Große Mauer überwanden, waren die Bauern gerade in Peking eingedrungen und hatte der Kaiser sich in seinem Palast erhängt: Der Oberkommandierende der Mauer öffnete den Mandschu die Tore, schlug gemeinsam mit ihnen die Rebellen - und China hatte neue Herrscher.

Der Aufstieg der Qing-Dynastie

Es sollte 40 Jahre dauern, bis die Qing (wie sich die Mandschu seit der Krönung von Nurhaci nannten - Qing steht für “überlegen”) ganz China beherrschten. Bis 1662 schlugen sie mit Hilfe chinesischer Generäle die Ming-Anhänger in Südchina, bis auf einen, der sich nach Formosa (dem heutigen Taiwan zurückzog). Der zweite Kaiser Kangxi, der von 1661 bis 1722 regierte, entmachte die Generäle, die im Süden die Ming-Anhänger geschlagen hatten, nun aber de facto selbst regierten und gliederte 1683 die Insel Formosa erstmals in den Machtbereich von China ein. Er wies auch das expandierende Russland (>> mehr) und die westlichen Mongolen in die Schranken. Sein Enkel Qianlong (der von 1735 bis 1796 regierte) schlug mit der Vernichtung der Dsungaren 1754 bis 1759 die Westmongolen endgültig und beendete damit ein- für allemal die Gefahr durch nomadische Reiterheere aus den zentralasiatischen Steppen. 1751 machte er Tibet als Protektorat zum Teil des Reiches.

Den Qing-Kaisern gelang es, die Han-Chinesen, die 95 Prozent der Bevölkerung stellten, in die Staatsführung einzubinden; die Lokalverwaltung übernahmen diese vollständig. Wer ein Amt erhalten wollte, musste Prüfungen ablegen, die eine umfassende Kenntnis der klassischen konfuzianischen Schriften erforderten; die dem Kaiser unterstellten Beamten hatten die Staatsmacht inne und waren gleichzeitig die Intelligenz des Landes. Unter dem Einfluss dieser “Literatenbeamten” entstanden literarische Großunternehmen wie eine Enzyklopädie des chinesischen Wissens, die Veröffentlichung sämtlicher (48.000) Lieder der Tangzeit oder eine Bestandsaufnahme des klassischen chinesischen Schrifttums. Bezahlt wurden die Beamten und ihre Werke von den Bauern, denn diese allein trugen die Steuer- und Abgabenlast - viele Bauern wurden zu Tagelöhnern, weil sie diese etwa nach einer Missernte nicht tragen konnte. Das Problem verschärfte sich unter Qianlong, dessen riesiges Heer die Staatsfinanzen arg belastete (und unter dem die Korruption seitens der Verwaltung um sich griff). Handel und Industrie konnten daran nichts ändern: Zwar gab es eine riesige Textil-, Seiden- und Porzellanherstellung, aber diese wurde von einem ebenso riesigen Heer an billigen Arbeitskräften erbracht. Kaufleute waren gesellschaftlich nicht angesehen; wer im Handel zu Geld kam, kaufte daher Grundbesitz, um die Voraussetzung für eine Beamtenkarriere zu erfüllen.

Kaiser Kangxi hielt aber seine schützende Hand über die Jesuitenmissionare, die seit der Mingzeit in Beijing waren. Sie berieten ihn bei der Kriegsführung und unterrichteten ihn in Astronomie und Mathematik - hatten doch Himmelserscheinungen großen Einfluss auf das Gedeihen einer Dynastie. Umgekehrt wurde Europa von chinesischer Ästhetik (“Chinoiserien”) und Philosophie beeinflusst. Nach Kangxis Tod wurde das Christentum aber verboten. Der Handel mit den Europäern in Kanton wurde in beschränktem Umfang  fortgeführt; in Europa begehrte Luxusgüter wie Tee und Porzellan wurden mit Silber bezahlt, dass in China einen hohen Wert hatte, da damit Steuern bezahlt werden konnten. Im Jahr 1800 war China die asiatische Großmacht; hier lebten etwa 350 Millionen Menschen, mehr als ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. (Fortsetzung >> hier)

Japan

Im benachbarten Japan waren seit dem 14. Jahrhundert Regionalfürsten (Daimyo) immer mächtiger geworden. Diese bekämpften sich gegenseitig, so dass eine Zeit blutiger Bürgerkriege ausbrach. Ende des 16. Jahrhunderts gelingt es den beiden Feldherren Oda Nabunaga und Toyotomi Hideyoshi jedoch, das Land weitgehend wieder zu einigen; die endgültige Befriedung schafft der 1603 zum Shogun ernannte Tokugawa Ieyasu, der die Tokugawa-Dynastie begründet. Ieyasu macht Edo (das heutige Tokio) zur neuen Hauptstadt und kämpfte aus Furcht vor einer Invasion von Spaniern und Portugiesen auch gegen die Christen, und seine Nachfolger gingen immer erbarmungsloser gegen Europäer vor. Im Laufe der Jahre schottet sich Japan fast vollständig gegen ausländische Einflüsse ab - lediglich die Holländer, die den Shogun bei der Niederschlagung eines Christenaufstandes 1638 unterstützt hatten, durften auf einer Insel von Nagasaki einen Stützpunkt behalten. Um die Daimyo unter Kontrolle zu halten, führten die Tokugawa eine Residenzpflicht in Edo ein, Frauen und Kinder der Fürsten wurden so praktisch zu Geiseln. Diese Residenzpflicht führte aber zu einem Aufblühen von Edo, das mit über einer Millionen Einwohnern zur größten Stadt der Welt wurde und viele Händler und Handwerker ernährte.

Iran

Das persische Reich der Mongolen blieb nach der Eroberung durch Tamerlan von turkmenischen Stammesfürsten beherrscht. Der heutige Staat geht auf die 1501 von Schah Ismail begründete Dynastie der Safawiden zurück. Das 16. Jahrhundert war durch Kriege gegen die Osmanen geprägt, Schah Abbas I. schloss Fireden mit den Osmanen und machte 1598 Isfahan zur neuen Hauptstadt; das 17. Jahrhundert wurde zu einer Blütezeit, zumal auch europäische Staaten das Land als Verbündeten gegen die Osmanen sahen. Vor allem Isfahan zog Menschen aus Europa, Indien und China an und stand mit Paris und London auf einer Stufe (die Stadt gilt noch heute als Perle Irans). Aber dann gewannen schiitische Geistliche immer mehr Einfluss und drangsalierten religiöse Minderheiten - bis 1719 afghanische Sunniten rebellierten und 1722 Isfahan eroberten. Der Widerstand gegen die Eroberer brachte den Turkmenen Nader Schah an die Macht, der 1739 Delhi erobert (siehe unten), aber dann zum grausamen Zwangsherrscher und 1747 ermordet wird. Das Land wird erst Ende des 18. Jahrhunderts wieder geeinigt, als der Stamm der Kadscharen an die Macht kommt, der 1788 Teheran zur Hauptstadt machte.

Indien: Aufstieg und Fall des Mogulreichs

Kanonen, die er von den Türken übernommen hatte (siehe nächstes Kapitel), halfen im Jahr 1526 dem im afghanischen Kabul residierenden Mongolenführer Babur (der väterlicherseits von Timur und mütterlicherseits von Dschingis Khan abstammte), in der Schlacht von Panipat das zahlenmäßig weit überlegene Herr des Sultan von Delhi (Vorgeschichte >> hier) zu schlagen. Sie halfen ihm auch, weitere Gebiete in Nordindien zu besetzen und dort das Mogulreich zu begründen. Der eigentliche Neuanfang begann unter Baburs Enkel Akbar (1542 – 1605), der 1556 (mit 13 Jahren) auf den Thron kam. Er machte sich mit dem Land vertraut und holte auch Hindus (die die große Mehrheit der Bevölkerung stellten) in seine Verwaltung; unter seiner Herrschaft befruchtete die arabische und persische Gedankenwelt die indische. Seine Blütezeit erlebte das Mogulreich unter Akbars Enkel Shah Jahan (1592 – 1666), er machte Delhi zur Hauptstadt des Reichs und erbaute dort Indiens größte Moschee. In Agra erbaute er für seine Lieblingsfrau die Grabanlage Taj Mahal.

Im Süden des Mogulreichs hatten sich zwischenzeitlich drei Sultanate (Golconda, Bijapur und Ahmednagar) herausgebildet. 1633 schlug Shah Jahan das Sultanat Ahmednagar im zentralindischen Hochland; sein Nachfolger Aurangseb versuchte, die beiden anderen Sultanate zu unterwerfen. Dabei traf er auf einen neuen Feind, den Hindu Shivaji, der das Volk der Marathen geeinigt hatte, ein Hindureich errichten wollte und das Mogulreich in den Bergen des Hochlands in einen jahrelangen Guerillakrieg zwang, bei dem ihm seine Kanonen wenig nützten. Der Krieg zehrte an der Wirtschaftskraft des Mogulreichs, zumal das Steueraufkommen des kargen Hochlandes nicht mit dem der fruchtbaren Ebenen im Norden zu vergleichen war. Als 1707 Aurangsebs Sohn ihm mit 63 Jahren auf dem Thron folgte, hatte der nicht mehr die Kraft, die Situation zu retten. Obwohl er mit den Marathen Frieden schloss und ihnen das westliche Hochland überließ, begann der Zerfall des Mogulreichs in kleinere Regionalstaaten; der Großmogul war nahezu bedeutungslos geworden. Persien konnte die Grenze mit Indien bis an den Indus verschieben; im Osten Persiens entstand nach der Ermordung Nader Schahs (siehe oben) ein selbstständiges Königreich mit der Hauptstadt Kandahar, aus dem später Afghanistan hervorgehen sollte. Wirtschaftlich und handwerklich florierte Indien aber weiterhin, wodurch es auch ein beliebtes Ziel der europäischen Handelsschiffe blieb - weiße Baumwollstoffe etwa aus Bengalen wurden als Halbfertigprodukte an die Textildruckereien in England geliefert; die regionalen Machthaber wie der  Nawab (Fürst) von Bengalen hatten daher beträchtliche Macht. 1765 überließ der Nawab der britischen Ostindiengesellschaft die Verwaltung Bengalens, und so wurde diese zur Territorialmacht. Die Briten bauten vor allem unter dem neuen Generalgouverneur Richard Wellesley ihre Territorialherrschaft rasch aus und legten damit den Grundstock für das British Empire (>> mehr).

Das Osmanische Reich

Anfang des 16. Jahrhunderts befand sich die Balkanhalbinsel großteils in türkischer Hand (>> mehr), und die Ausdehnung ging noch weiter: 1516/17 fielen Aleppo, Damaskus und Kairo (und damit das syrisch-ägyptische Mamluken-Reich) und 1521 Belgrad in die Hand des Osmanischen Reichs. Unter Süleiman I. (“der Prächtige”) standen die Türken 1529 vor dem kaiserlichen Wien. Die Habsburger (siehe nächster Abschnitt) konnten Unterstützung aus ihrem Reich nur mobilisieren, indem sie den Protestanten (>> mehr) schrittweise rechtliche Gleichstellung gewährten, und daher kam es erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer christlichen Einheitsfront gegen die Osmanen: 1571 gewann die Flotte der “Heiligen Liga” die Seeschlacht von Lepanto im Golf von Korinth (die letzte große Seeschlacht, die mit geruderten Galeeren geschlagen wurde). Sie besiegelte die Aufteilung des Mittelmeeres in einen östlichen Teil, der von den Osmanen dominiert wurde, und einen westlichen, von den Christen dominierten Teil; der “lange Türkenkrieg” (1593 bis 1606) stoppte die türkische Militärmacht an Land. Dagegen brachten die Osmanen in dieser Zeit große Teile der arabischen Welt unter ihre Kontrolle - Nordafrika bis Algerien - die Eroberung Nordafrikas wurde maßgeblich durch Admiral Khair ad-Din (“Barbarossa”) begonnen, der den Spaniern, die nach der Vertreibung der Mauren aus Granada ihren heiligen Krieg nach Nordafrika trugen, ein verhasster Pirat war, von Süleiman I. aber zum Admiral gemacht wurde - und den Süden Arabiens bis in den Jemen. Nur die arabische Wüste und das Sultanat Marokko blieben unabhängig. Unter albanischen Großwesiren erstarkten die Osmanen Mitte des 17. Jahrhunderts wieder, und 1683 standen erneut türkische Truppen vor Wien. Sie wurden aber geschlagen, und wieder bildete sich unter dem Protektorat des Papstes eine “Heilige Liga”: In der Folge verlor das Osmanische Reich Serbien, die Walachei und Ungarn. Die Osmanen gerieten in die Defensive, verlor im 18. Jahrhundert drei Kriege gegen das frisch erstarkte Russland (>> hier) - schon die Niederlage im zweiten, dem “Türkenkrieg” 1768 bis 1774 zeigte, dass das Osmanische Reich keine Weltmacht mehr war. (Fortsetzung >> hier)

Europa: Das Haus Habsburg - und viele andere Mächte

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (Vorgeschichte >> hier) wurde im Jahr 1500 von Maximilian I. regiert, einem Angehörigen der ursprünglich Schweizer Adelsdynastie der Habsburger. Das große Reich lag in der Mitte Europas, aber die eigentliche Macht hatten die “Reichsstände” - Fürstentümer, Bistümer, Reichsstädte, Reichsklöster, Rittersitze etc. Der Kaiser verfügte über kein eigenes Reichsmilitär; und die Stände konnten jeweils entscheiden, ihn zu unterstützen - oder auch nicht. Wenn sie glaubten, eine Aktivität diente vor allem den Dynastieinteressen der Habsburger, verweigerten sie ihre Unterstützung schon einmal. 1516 heiratete Maximilians Sohn die Tochter der spanischen “katholischen Könige”; damit gehörte Spanien zum Reich der Habsburger, und diese erhielten so Zugang zum Silber aus Amerika. Maximilians Enkel Karl V., der von 1519 bis 1556 regierte, konnte behaupten, dass in seinem Reich die Sonne nicht unterging. Nachdem Karl abdankte, teilte sich die Dynastie in eine spanische und eine österreichische Linie; zur spanischen Linien gehörten Kastilien und Aragonien, Sardinien, Sizilien und Neapel, die Niederlande und der Nordwesten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie seit 1580 auch Portugal; die österreichische Linie herrschte über Österreich, Ungarn und Böhmen. Aber die große Zeit der Habsburger war vorbei; ab dem 17. Jahrhundert gewannen zudem die Hohenzollern, ein anderes altes Fürstengeschlecht, in Brandenburg-Preußen an Bedeutung; und andere Länder kannten die neuen Waffen und die Techniken der Kriegsführung gut genug, um ein Gegengewicht bilden zu können.

Der wichtigste europäische Widersacher der Habsburger war Frankreich, das sich seit 1495 mit Spanien um die Herrschaft in Oberitalien stritt. Frankreich hatte während der Hugenottenkriege im 16. Jahrhundert eine Schwächephase, unter dem Bourbonen Heinrich IV. begann ab 1589 aber ein erneuter Aufstieg. In den Spanischen Niederlanden begann zudem Mitte des 16. Jahrhunderts ein Kampf um die Unabhängigkeit, der 1581 in die Unabhängigkeitserklärung der nördlichen sieben Provinzen (Utrechter Union) mündete, die aber erst nach einem achtzigjährigem Krieg im Jahr 1648 wirksam wurde. Auch England, ein alter Gegner Frankreichs - mit dem es 1337 bis 1453 einen "Hundertjährigen Krieg" geführt hatte - und daher eher auf Seiten der Spanier, wendete sich nach der Reformation von Spanien ab: so unterstützte die protestantische Elisabeth I. (Königin ab 1558) die calvinistischen Niederländer bei ihrem Freiheitskampf gegen Spanien. Der Aufstand der Niederländer legte aber den Hafen in Antwerpen, zentraler Umschlagplatz für englische Wolle und Wolltücher, nahezu lahm. Dadurch entwickelten die englischen Kaufleute zunehmend Interesse am neuen Fernhandel und rüsteten eigene Schiffe aus - weil aber die Welt vom Papst seit dem Vertrag von Tordesillas (>> mehr) unter Spanien und Portugal aufgeteilt war, wurden diese auch schwer bewaffnet. Nach englischer Auffassung begründeten erst Kolonien einen Besitzanspruch. Andere versuchten es erst gar nicht mit dem Handel, sondern verlegten sich - mitunter insgeheim von der Regierung unterstützt - gleich auf Piraterie, wie der als "Schrecken der Meere" gefürchtete Francis Drake. Damit wurde Spanien herausgefordert. Als dieses aber 1588 die Invasion Englands versuchte, schlug der inzwischen zum Vizeadmiral beförderte Drake die spanische Armada, womit er den englischen Aufstieg zur Seemacht einläutete. Im Mittelmeer, das mit der Entdeckung Amerikas, dem Aufschwung des Atlantikhandels und der Entdeckung des Seeweges nach Indien an Bedeutung für die europäischen Großmächte verloren hatte, blühten zwischen der christlichen und der osmanischen Welt gelegene Handelsplätze wie Genua, Venedig, Dubrovnik oder Split (wieder) auf; im Handel spielten die von der Inquisition aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden eine wichtige Rolle, die Kontakte zu den ins Osmanenreich und nach Nordafrika gezogenen Juden gehalten hatten. Im Norden Europas konnte sich zudem ab 1611 Schweden unter Gustav II. Adolf als Regionalmacht herausbilden.

Auch die weitere Geschichte Europas war von Kriegen geprägt. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) etwa begann als Religionskrieg, dabei ging es aber immer auch um Machtfragen: Als die kaiserlichen (katholischen) Truppen unter Wallenstein das protestantische Norddeutschland erobert hatten, wandten sich auch katholische Fürsten gegen den Kaiser; während das katholische Frankreich die Schweden bei ihrem Kampf gegen die Deutschen um die Vormacht an der Ostsee unterstütze - Macht war oftmals wichtiger als Religion. Der Krieg, Hungersnöte und Seuchen verheerten (im wahrsten Sinne des Wortes) ganze Landstriche. Der Westfälische Friede, der ihn beendete, ordnete Europa neu: Die Schweizer Eidgenossenschaft und die Vereinigten Niederlande wurden unabhängig, Frankreich erhielt Lothringen und einen großen Teil des Elsass, Schweden Vorpommern und ein Gebiet zwischen den Mündungen von Weser und Elbe. Vor allem aber wurde die Macht des Kaisers weiter eingeschränkt und das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten festgelegt. Der Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) begann mit Preußens Einmarsch in das österreichische Schlesien, und wurde zu einem Krieg, an dem alle europäischen Großmächte beteiligt waren und am Ende Frankreich und England auch um die Vorherrschaft in Nordamerika und Indien kämpften (ein Kampf, den England gewann).

Das Zeitalter des Absolutismus

Das zerstrittene und geschwächte Deutsche Reich wurde von Frankreich als Führungsmacht in Europa abgelöst. Dort regierte seit 1643 Louis XIV., der “Sonnenkönig”. Er allein besaß die Macht im Staat; sein Prunk war einzigartig (er ließ etwa die Schlossanlage von Versailles bauen) - und trieb das Land damit finanziell an den Rand des Ruins. Damit ging Frankreichs Führungsrolle in Europa dem Ende entgegen, es sollte im Siebenjährigen Krieg (siehe oben) zu den Verlierern gehören; die Staatsverschuldung sollte eine der Ursachen für die Französische Revolution (>> hier) werden. Viele Fürsten in Europa folgten dennoch dem französischen Vorbild und wollten kleine Sonnenkönige sein; den Preis zahlten - wie in Frankreich - vor allem die ausgepressten Bauern. In England jedoch, wo der Absolutismus sich nicht durchgesetzt hatte und seit 1215 (“Magna Charta Libertatum”) Fürsten, Bischöfe und Barone zustimmen mussten, wenn der König Steuern erheben wollte, konnten die Könige sich im 17. Jahrhundert bei einem erneuten Versuch, das Parlament zu entmachten, sich nicht durchsetzen - im Gegenteil, seit der “Glorreichen Revolution” (1688/89) war das Parlament Träger der Staatssouveränität.

Und Nordamerika? - siehe >> hier

Die Großmacht im Osten - Russland

Während dieser Zeit war im Osten eine neue Großmacht entstanden: Russland. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 hatten russische Geistliche Moskau als “Drittes Rom” und Zentrum des Christentums gesehen; die Moskauer Großfürsten sich als Nachfolger der byzantinischen Kaiser. 1547 wurde Iwan IV. (“der Schreckliche”) zum ersten Zar (= Caesar). Mit dem Zarenreich startete die Unterwerfung der als "Goldene Horde" bekannten Tataren-Khanate im Osten, beginnend mit der Eroberung des Khanats von Kasan 1552. Diese eröffnete zugleich den Weg nach Sibirien. Dessen Eroberung begann im Auftrag der Großhandelsdynastie Stroganow der Kosakenführers Jermak Timofejewitsch 1581 im Auftrag der Großhandelsdynastie der Stroganows, 1582 eroberte er das Khanat Sibir. In seinem Gefolge drangen Truppen des Zaren immer weiter nach Osten vor; 1647 wurde am Pazifik der Stützpunkt Ochotsk gegründet. Im Jahr darauf umschiffte der Kosak Semjon Deschnjow die Ostspitze Sibiriens - und durchfuhr als erster Europäer die Meeresstraße zwischen Asien und Amerika. Die einheimischen Völker wie die Tschuktschen und Korjaken leisteten den Russen teils erbitterten Widerstand, waren aber militärisch unterlegen und wurden zudem auch durch Seuchen und Epidemien dezimiert - einige wurden nahezu ausgerottet.

Im Westen Russlands wurden unter den Zaren die Bauern immer weiter unterdrückt und schließlich (1649) zu Leibeigenen. Sie profitierten auch nicht von den Reformen Zar Peter I., der Russlands Verwaltung modernisierte, ein stehendes Heer nach westlichem Vorbild aufbaute und die neue Hauptstadt St. Petersburg an der Ostsee erbauen ließ. Im Gegenteil: Sie mussten immer mehr Dienste unter unmenschlichen Umständen leisten - alleine beim Bau von St. Petersburg sollen über 120.000 Menschen umgekommen sein. Der sibirische Pelzhandel wurde zum Staatsmonopol; die Gewinne trugen dazu bei, dass Russland beim Tod Peters I. 1725 eine Großmacht war. Der von 1760 bis 1770 erbaute "Große Sibirische Postweg" schuf eine Verbindung von Moskau nach Irkutsk, immer mehr Siedler (und seit Peter I. auch politische Verbannte) kamen daraufhin nach Sibirien. von 1725 bis 1729 sowie 1733 bis 1743 erkundeten zudem zwei große "Kamtschatka-Expeditionen" den Osten Sibiriens, seine Küste, Kamtschatka und die Seewege nach Amerika und Japan. Geleitet wurden sie bis zu seinem Tod 1741 von dem dänischen Seefahrer Vitus Bering, nach dem die Meeresstraße zwischen Asien und Amerika als Beringstraße benannt wurde. 1761 erreichten russische Pelzjäger Alaska; 1799 erhielt die "Russisch-Amerikanische Kompanie" das Handelsmonopol für Amerika und den Nordpazifik. Im Süden und Südosten Sibiriens stellten sich dagegen die Burjaten am Baikalsee und die Mandschu am mittleren Amur der russischen Ausbreitung entgegen - 1689 und 1727 legten zwei Verträge die sibirisch-mongolische Grenze fest und schlossen die Grenze zu China.

Die Wurzeln der Industriellen Revolution (II)

Wirtschaftlich bewirkten die Reichtümer aus der neuen Welt in Nord- und Südeuropa sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während in Spanien und Portugal nach der Vertreibung der Mauren zunächst mit dem Gold und Silber aus Amerika ein „goldenes Zeitalter“ begann, das durch prunkvolle Hofhaltung, den Bau von Kathedralen und prachtvoller Stadtpaläste gekennzeichnet war, wurde hiermit und vor allem mit Kriegen gegen Italien und Flandern der Reichtum langfristig verspielt. Im Nordwesten Europas - vor allen in den Ländern wie den Niederlanden und England, in denen nicht eine starke Feudaltradition neuen Ansätzen im Wege stand - gewannen dagegen >> kapitalistische Ansätze >> an Bedeutung und führten allmählich zu einem gesteigerten Interesse an produktiveren Methoden in Landwirtschaft und Gewerbe. Technische Entwicklungen im englischen Gewerbe lösten im 18. Jahrhundert schließlich die Industrielle Revolution aus.

Warum Süd- und Nordeuropa (abgesehen von den unterschiedlich ausgeprägten Feudalstrukturen) so unterschiedlich mit den Reichtümern umgingen, ist eine heiß diskutierte Frage. Eine der frühesten und provokantesten Antworten gab der Soziologe Max Weber in seinem Buch „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“: Er sah die religiöse Erhöhung des Leistungsprinzips und asketischer Elemente bei den Protestanten (insbesondere den Calvinisten) als Grundlage für das Auftreten eines Menschenschlages, der rational, ordnungsliebend und fleißig war. Wie geschaffen also für den Kapitalismus. Damit traf Weber sicherlich eine wichtigen Punkt, aber erschöpfend ist die Analyse nicht: schließlich haben auch nicht-protestantische Länder wie Japan und China eine ähnliche Arbeitsethik entwickelt. Wirtschaftshistoriker wie David Landes haben noch eine andere Erklärung: Den Spaniern fiel der Reichtum in den Schoß, während die Nordeuropäer ihn sich erarbeiten mussten - “einen Lotteriegewinn auf den Kopf zu hauen fällt allemal leichter”. Leicht errungenes Geld kann für Landes ein Danaergeschenk sein - es bringt kurzfristig Vorteil, später bezahlt man dafür. (Das ist der “Fluch der Rohstoffe” - die oft einem Lottogewinn gleichen und rohstoffreichen Ländern nicht immer Glück bringen. Ein Beispiel ist Nigeria, siehe z.B. >> hier.)

Was die Industrielle Revolution angeht, so muss nach David Landes auch der sehr unterschiedliche Umgang mit Wissen beachtet werden (siehe auch >> Die Wurzeln der Industriellen Revolution (I)): Die protestantischen Reformen beförderten eine Schriftkultur; von Protestanten wurde erwartet, dass sie die Bibel lasen, und sie förderten kritisches Denken: eine skeptische Haltung gegenüber den herrschenden Lehren ist aber eine Voraussetzung für wissenschaftliche Entdeckungen. In Spanien dagegen setzte sich nach der Vertreibung der Mauren die Inquisition durch, die Glauben, Denken und Wissen kontrollieren wollte: Protestanten wurden wie Juden und Mauren als Nichtchristen betrachtet. Ab 1558 stand auf die unerlaubte Einfuhr von Büchern die Todesstrafe; verboten waren auch alle Bücher protestantischer Autoren. Solcherart von der Entwicklung anderswo abgeschottet, verspielte Spanien den Vorsprung, den es zuvor dank jüdischer und maurischer Einflüsse besaß. Und nicht nur in Spanien spielte die katholische Kirche eine unrühmliche Rolle: In Italien wurde im Jahr 1600 Giordano Bruno wegen seiner ketzerischen Ideen verbrannt, 1633 wurde Galileo Galilei verdammt. In England dagegen entstanden im 17. Jahrhunderts Clubs, in denen unter anderem neue Erkenntnisse, von denen man aus Zeitungen und Büchern erfuhr, diskutiert wurden.

Die Aufklärung führte schließlich auch zu einer geänderten Haltung zum Kapitalismus: Hatte zuvor etwa die christliche Morallehre die Anhäufung von Reichtum verurteilt, galt der Handel und der mit ihm geschaffene Wohlstand vielen Aufklärern als zivilisierende Kraft; Geschäft und Moral sahen sie nicht mehr als zwingenden Gegensatz. Der Markt, so sahen sie es, war ein besserer Weg als der Krieg, um Interessen zu vertreten, und war so für ein friedliches menschliches Zusammenleben fördernd. Seine noch heute bekannteste Formulierung fand diese Idee in Adam Smiths Schrift "Der Wohlstand der Nationen" (siehe >> Die industrielle Revolution).

Das >> Aufblühen der Wissenschaften und die >> Aufklärung führten in der Neuzeit nicht nur zu einem bunteren geistige Leben, sondern auch zu einem wortwörtlich bunteren Alltag: Aus den neuen Ländern kamen neue Farben. In Mexiko wurde aus einer auf Feigenkakteen lebenden Schildlaus der rote Farbstoff Karmin, ein Purpurersatz, hergestellt; aus Bengalen kam der blaue Farbstoff Indigo (indischer Indigo war viel leuchtender als das in Europa aus Färberwaid hergestellte Blau); aus Brasilien kam das Brasilholz, aus dem ein roter Farbstoff gewonnen wurde. Das vorindustrielle Textilgewerbe sollte es auch sein, das im 18. Jahrhundert eine Entwicklung mit einleitete, die das Ökosystem Erde noch mehr prägen sollte als alle Entwicklungen zuvor: die >> Industrielle Revolution.

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>> Das Zeitalter der Industrie
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>> Hintergrund Geschichte - Die Welt wächst zusammen (1800 bis 1945)

© Jürgen Paeger 2006 - 2014

Immanuel Kant, der wichtigste Denker der deutschen Aufklärung, definierte diese so: “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst- verschuldeten Un- mündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündig- keit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ... zu bedienen.”

China schottete sich unter den Qing weiter vom Westen ab. 1793 schrieb Kaiser Qianlong an den englischen König: “Ich habe keine Verwendung für die Waren Euren Landes. Unser himmlisches Reich besitzt alle Dinge im Überfluss, und ihm mangelt nichts innerhalb seiner Grenzen.” Den Handel in Kanton erlaube es nur, da “Tee, Seide und Porzellan ... unbedingte Notwendigkeiten für europäische Völkerschaften und für Euch selbst” seien.

In Spanien und Portugal regierte ab 1580 Philipp II., der als katholischer als der Papst galt, Elisabeth I. war Protestantin und unterstützt die  Protestanten in den Niederlanden bei ihrem Kampf gegen Philipp II.; der Bourbone Heinrich IV. war Hugenotte, der zum katholischen Glauben übertreten musste, um König in Frankreich zu werden. Die Schweden wiederum waren Protestanten. Glaubens- und Machtfragen sollten im Dreißigjährigen Krieg ein nahezu undurchdringliches Gemisch bilden.

Eine wichtige theoretische Grundlage des Absolutismus ist der 1651 erschienene “Leviathan” von Thomas Hobbes: Da der Mensch im “Naturzustand” einen Krieg aller gegen alle führen müsse (da alle die gleichen Gegenstände begehren), kann nur eine übergeordnete, allmächtige Instanz Frieden und Sicherheit garantieren.

Kosake (kazak) bedeutet "freier Krieger" - so wurden die militärisch organisierten Reiterverbände genannt, die am Unterlauf der Wolga, des Don und des Dnjepr lebten und sich oft als Söldner verdingten.

Berings Expeditions-schiff strandete 1741 auf der später nach ihm benannten Beringinsel. Dort entdeckte der deutsche Naturforscher Georg Wilhelm Steller unter anderem eine Seekuh, die 8 Meter lang und 10 Tonnen schwer werden konnte. Ihr Fleisch half der Expedition, die fast ein Jahr auf der Insel bleiben musste, beim Überleben; aber obwohl "Stellers Seekuh" damals auf der Beringinsel sehr reichlich vorkam, wurde sie bis 1768 ausgerottet.

Dass die einst von Kalifornien bis nach Japan verbreitete Seekuh damals nur noch auf der Beringinsel vorkam, lag wohl an der Pelzjagd auf Seeotter: Diese fraßen Seeigel und schützen damit die Tangwälder der flachen Meere, die wiederum von Stellers Seekühen abgeweidet werden. Die Bejagung der Seeotter ließ die Seeigel zunehmen, was den Lebensraum von Stellers Seekuh schrumpfen ließ.