Das Zeitalter der Industrie

Die Erwärmung der Erde
Eine Zusammenfassung eines Beitrages von >> Hansen et al. 2006
(Global Temperature Change, veröffentlicht bei PNAS online am 25.09.2006)

Die Erwärmung der Erde in den letzten 100 Jahren haben James Hansen und seine Mitautoren in einem Beitrag untersucht, der am 25.09.2006 auf den Internet-Seiten der “Proceedings of the National Academie of Sciences of the United States of America” erschienen ist. Hansen ist Direktor des NASA Goddard Institute of Space Science und einer der renommiertesten Klimawissenschaftler der USA.

Das Ergebnis: In den letzten 100 Jahren ist die Erde um 0,8 Grad Celsius wärmer geworden. Bis 1975 war diese Erwärmung langsam und durch starke Schwankungen gekennzeichnet, seit 1975 wird die Erde alle zehn Jahre um 0,2 Grad Celsius wärmer (Abb. 1). Dabei ist die Erwärmung ungleich verteilt: Am größten ist sie über Landflächen und im hohen Norden (Abb. 2).

Damit bestätigt der reale Temperaturverlauf Abschätzungen, wie sie Hansen schon 1988 bei einer Anhörung des US-Kongresses gemacht hat. Die Autoren halten 2005 für das wärmste Jahr seit Beginn der Klimamessungen, während des englische Hadley-Center es für einige hundertstel Grad kühler als 1998 hält - diese Frage ist weniger wichtig als die Tatsache, dass 1998 ein >> El-Niño-Jahr war, 2005 dagegen nicht. Der El Niño von 1998 dürfte zu einer Temperaturerhöhung von 0,2 Grad Celsius geführt haben; das Jahr 2005 erreichte ähnliche Temperaturen ohne diesen Effekt. (Der El Niño von 1998 wurde - wie schon zuvor der von 1983 - als “Jahrhundert-El Niño” bezeichnet. Tatsächlich befürchten die Autoren, dass zukünftig El Niños noch stärker werden könnten, da die Oberflächentemperatur im westlichen Bereich des tropischen Pazifik stärker ansteigt als im östlichen 

Abb. 1 A: Oberflächentemperatur der Erde. Dargestellt ist die Abweichung von der Durchschnittstemperatur des Zeitraums 1951-1980 in Grad Celsius. Übersetzte Abb. 1 A aus Hansel et al. 2006, © PNAS

Abb. 1 B: Verteilung der Temperaturabweichung in Grad Celsius in den Jahren 2000-2005 über den Globus. Übersetzte Abb. 1 B aus Hansel et al. 2006, © PNAS

Bereich, wo kaltes Tiefenwasser aufsteigt.)

In ihrem Beitrag untersuchen die Autoren auch, ab wann die Temperaturerhöhung als eine “gefährliche anthopogene Störung” angesehen werden muss, die die Klimarahmenkonvention vermeiden will, aber nicht definiert hat. Sie schlagen vor, die Schwelle anhand des Anstiegs des Meeresspiegels und des Aussterbens von Arten festzulegen, da beide schwerwiegende Folgen hätten und in menschlichen Zeiträumen nicht rückgängig zu machen seien. Schon ein weiterer Anstieg der Temperatur um 1 Grad Celsius könnte zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 1 Meter pro Jahrhundert führen und kostspielige Folgen haben; ein noch stärkerer Anstieg wäre auf jeden Fall als gefährlich zu werten. Ähnliches gilt für das Artensterben: Ein Anstieg um 0,1 Grad Celsius pro Jahrzehnt trägt bereits zum Artensterben bei; ein schnellerer Anstieg wäre nur noch mit den großen erdgeschichtlichen Aussterbeereignissen vergleichbar. Zudem könnten bei stärkerer Erwärmung weitere Rückkoppelungszyklen, die in den bisherigen Klimamodellen nicht berücksichtigt werden, zum Tragen kommen, etwa die Freisetzung von Treibhausgasen durch das Auftauen von Permafrostböden (siehe hierzu auch >> Warum der Klimawandel zu noch mehr Klimawandel führen kann). Die Folge: Ein “anderer Planet”, auf dem etwa die Arktis schließlich eisfrei wäre.

Das wichtigste Mittel, dieses zu verhindern, sehen die Autoren in einer Energiestrategie, die den Ausstoß von Kohlendioxid deutlich reduziert (wie das aussehen könnte, finden Sie >> hier).

Quelle: James Hansen, Sato Makiko, Reto Ruedy, Ken Lo, David W. Lea und Martin Medina-Elizade 2006: Global Temperature Change. Proceedings of the National Academy of Science, Band 103, Nr. 39, S. 14288-14293.

Weblinks:
>>
Originalartikel (pdf, 1,4 Mb; englischsprachig) auf PNAS.org

Weitere Informationen über:
>>
Klimawandel
>>
Energie für morgen

© Jürgen Paeger 2006 - 2009

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