Fundgrube

+++ Interessantes zu Leben, Erde, Mensch und Umwelt +++ 

 

Das Zeitalter der Super-Akkus ...

... sieht die Zeitschrift Technologie Review, Ausgabe 03/2016, heraufziehen: die Preise für Akkus dürften in den nächsten Jahren auf 100 Dollar pro Kilowattstunde Speicherkapazität fallen, und dann werden, so prognostizieren die Autoren, die Karten in der Energiewirtschaft und im Verkehrssektor neu gemischt. Für Hausbesitzer, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben, werden die Akkus spätestens dann interessant, wenn die EEG-Förderung nach 20 Jahren ausläuft, da mit ihnen der gesamte Strom, den die Anlage erzeugt, selbst genutzt werden kann; und bei den Autos wird der Elektroantrieb selbst bei einem niedrigen Ölpreisniveau billiger als ein Verbrennungsmotor - und gleichzeitig wächst durch technischen Fortschritt die Reichweite der Elektroautos. In Unternehmen könnten Akkuanlagen helfen, teuren Spitzenlaststrom einzusparen. Ganz neue Geschäftsmodelle werden möglich, wie etwa die vom Ökostromanbieter Lichtblick geplante Kooperation mit Tesla, die ihre Autobatterien auch stationär als Speicher einsetzen wollen, um Reservekapazität im Strommarkt zu verkaufen. Auch Daimler, der mit den Stadtwerken Hannover einen großen Batteriespeicher plant, sondiert bereits diesen Markt. Verlierer könnten vor allem die Automobilzulieferer werden, die Komponenten für Verbrennungsmotoren liefen und nicht rechtzeitig umdenken.

Technology Review: >> Volle Ladung (24.02.2016)

Der Kampf um die Energiewende

Wer auch nur halbherzig die Nachrichten verfolgt oder Zeitungen liest, kann die vielen Warnungen von der Folgen der Energiewende für Versorgungssicherheit und Strompreise kaum überhören und überlesen - Warnungen, die dem widersprechen, was etwa auf diesen Seiten (>> Energiezukunft) zu lesen ist. Was hinter diesen Warnungen steckt, hat Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit in ihrem Büchlein "Kampf um Strom" untersucht. Ihr Ergebnis: Die Stromkonzerne kämpfen um ihr Überleben, und dazu müssen sie die Energiewende aufhalten, um in den nächsten 10 Jahren Kohlekraftwerke bauen zu können und so Fakten zu schaffen. Der Erfolg der Energiewende würde diese Kohlekraftwerke überflüssig machen; eine dezentrale Energieversorgung würde das Geschäftsmodell der Konzerne gefährden. Für die Konzerne geht es dabei um viel Geld. Um die Energiewende zu verhindern, wird einerseits mit massiver Lobbyarbeit die Politik beeinflusst, andererseits muss vor den anstehenden Bundestagswahlen auch die Öffentlichkeit bearbeitet werden, damit auch die Wähler an der Energiewende zu zweifeln beginnen.

In 10 Kapiteln, die jeweils eine Behauptung der Energiewendegegner zum Titel haben, zeigt Kemfert, dass keine dieser Behauptungen - wenn sie nicht ohnehin einfach Unterstellungen sind - der Wahrheit entspricht oder dass echte Probleme wie in Zukunft drohende Blackouts nicht an der Energiewende liegen (sondern an der jahrzehntelangen Vernachlässigung der Stromnetze - 2008 lag das Durchschnittsalter der Hochspannungsmasten bei 50 Jahren!). Die von Kemfert widerlegten Behauptungen sind:

  • Die Energiewende ist bis 2022 nicht zu schaffen
  • Die Zielmarke 2050: So lange kann man doch gar nicht planen
  • Die erneuerbaren Energien brauchen ein Tempolimit
  • Es drohen Blackouts
  • Die Energiewende lässt die Strompreise explodieren
  • Es droht ein Kosten-Tsunami
  • Die Energiewende führt zu einer Deindustrialisierung in Deutschland
  • Wir brauchen keine Planwirtschaft - die Energiewirtschaft braucht Markt
  • Die Energiewende führt zur sozialen Verelendung
  • Mit seinem Alleingang isoliert sich Deutschland und gerät international ins Abseits

Das Büchlein ist eine höchst lohnende Lektüre, zeigt es doch, wer aus welchem Interesse gegen die Energiewende kämpft. Möge es dazu beitragen, dass die Strategie der Verunsicherung nicht aufgeht!

Claudia Kemfert: Kampf um Strom. Murmann Verlag, 2013 (>> Seite mit Leseprobe)

 

Die Erde hat sich um 0,9 °C erwärmt

Die weltumfassenden Zusammenstellung zur Temperatur der Erde, die in der Diskussion um den Klimawandel verwendet werden (>> hier), stammen aus drei Quellen: der amerikanischen NASA, der US-Wetter- und Ozeanographiebehörde NOAA sowie aus der Zusammenarbeit des britischen Wetteramtes mit dem Klimaforschungsinstitut der Universität East Anglia (Hadley CRU). Skeptiker zweifeln deren Ergebnisse gerne an, sie weisen unter anderem darauf hin, dass die zunehmende Asphaltierung der Erde und der Bau von Städten die Klimamessungen verfälscht hätten. Aus diesem Grund hat eine Forschungsgruppe unter Richard Muller, Physikprofessor an der Universität Berkeley und selbst nach eigenem Bekunden “milder Skeptiker”, 1,6 Milliarden Temperaturmessungen aus 15 Datenbanken mit einer ganz neuen Methode ausgewertet. Ergebnis: In den letzten 60 Jahren ist die Erde um 0,9 °C wärmer geworden. Die Kritik an den bisher verwendeten Methoden zur Temperaturerfassung ist nach Ansicht der Autoren nicht gerechtfertigt - die Erde wird wärmer.

Oberflächentemperatur der Erde 1950 bis 2010, Berkeley Earth

Oberflächentemperatur der Erde 1950 bis 2010: Die in etwa 10jährigen Schwankungen sind auf Temperaturschwankungen im Nordatlantik und den El Niño zurückzuführen. Abb. Berkeley Earth Website, eigene Übersetzung.

Berkeley Earth Website: http://berkeleyearth.org/index.php (hier sind sowohl die Daten als auch verwendete Methode dokumentiert).

Ältere Funde:
>> Archiv 2009 - 2012
>> Archiv 2006 - 2008

© Jürgen Paeger 2012 - 2016

 

Titelbild Technology Review 3/2016

Claudia Kemfert: Kampf um Strom (Titelbild)