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Die Sonnenstrahlung an der Erdoberfläche
Die Strahlungsbilanz kann zwar die durchschnittliche Temperatur der Erde erklären, aber nicht das jeweilige Klima einer Region: Da die Erde eine Kugel ist, verteilt sich die Sonnenstrahlung ja ungleich auf ihrer Oberfläche: Am Äquator trifft die Sonnenstrahlung senkrecht auf, weiter nach Norden oder Süden immer flacher. Dadurch wird zum einen die Strahlungsenergie auf eine größere Fläche verteilt (erkennbar am größeren Schatten), zum anderen ist der Weg durch die Atmosphäre länger, in der Energie absorbiert und reflektiert wird.
 Die Sonnenstrahlung trifft aus einer Richtung auf die Erde, daher wird zu den Polen hin der Einfallswinkel flacher: Der Weg durch die Atmosphäre wird länger und die Strahlung verteilt sich auf eine größere Fläche (zur Verdeutlichung ist die Atmosphäre übergroß dargestellt).
Die Strahlung an der Erdoberfläche ändert sich also zum einen mit der geographischen Breite; sie ist am höchsten am Äquator und nimmt zu den Polen hin ab. Zum anderen beeinflussen aber auch Wolken und die Farbe der Oberfläche die Menge der absorbierten Sonnenstrahlung. Wasser reflektiert sehr wenig senkrecht einfallendes Licht, am meisten Energie wird daher in tropischen Meeren aufgenommen; in polnahen Regionen, wo das Licht ohnehin schon schräg einfällt, wird zudem ein großer Teil von Eis und Schnee reflektiert.
 Sonneneinstrahlung an der Oberfläche der Erde. Abbildung auf Basis von >> NASA Earth Observatory Daten; Quelle: Encyclopedia of Earth, Lizenz: >> CC
Die latente Wärme im Wasserdampf
Die eingestrahlte Energie erwärmt nicht nur die Erdoberfläche, sondern lässt auch Wasser verdunsten: 90 Prozent des Wasser in der Atmosphäre sind aus Ozeanen, Flüssen und Seen verdunstet (>> Der Wasserkreislauf der Erde). Um ein Gramm Wasser zu verdunsten, sind 2,45 kJ Energie nötig; diese Energie ist in dem Wasserdampf als sogenannte “latente Wärme” gespeichert. Sie wird bei der Kondensation des Wasserdampfs - also wenn sich Regentropfen bilden - wieder frei. Da die Einstrahlung am Äquator am stärksten ist, sind auch Erwärmung und Verdunstung dort am stärksten. Warme Luft aber dehnt sich aus, ist daher weniger dicht und steigt auf (und führt daher Wärme von der Erdoberfläche ab, die “Konvektion” in der Strahlungsbilanz der Erde). In der Höhe kühlt diese Luft sich ab, der Wasserdampf kondensiert, und starke (tropische) Regenfälle sind eine Folge: Dieser Bereich täglicher, starker Regenfälle wird innertropische Konvergenzzone genannt. Ein Teil der feuchten Luft wird aber von den Winden auch polwärts getragen, und trägt damit zum Wärmetransport bei.
Planet der Winde
Der durch den Aufstieg warmer Luft in Bodennähe entstehende Unterdruck zieht dort Luft aus Regionen mit höherem Luftdruck an, und dahin fließt dann die Äquatorluft nach - bis sie soweit abgekühlt ist, dass sie wieder absinkt: So entsteht eines der globalen Zirkulationssysteme, die Hadley-Zelle (siehe Abbildung). Das Ergebnis für das Klima: mit diesen Luftströmungen wird Wärme vom Äquator in Richtung der Pole transportiert.
 Schematische Darstellung der Entstehung der Hadley-Zelle. Die blauen Pfeile stellen die Fließrichtung der Luft dar.
An der Erdoberfläche haben die Luftströmungen der Hadley-Zelle einen bekannteren Namen: Es sind die Passatwinde. Da diese zudem durch die Rotation der Erde nach rechts abgelenkt werden, werden der Nordostpassat auf der Nordhalbkugel und der Südostpassat auf der Südhalbkugel unterschieden (siehe Abbildung unten). An den Polen findet das gleiche mit umgekehrten Vorzeichen statt: Kalte Luft sinkt über den Polen ab und drängt nach Süden, bis sie soweit erwärmt ist, dass sie aufsteigt. Dadurch entstehen die Polarzellen, Auslöser der polaren Ostwinde. Und zwischen den beiden Systemen liegen als drittes, gegenläufiges die “Ferrel-Zellen” (deren Entstehung oft Reaktion auf die anderen Zellen, wie die Laufrichtung eines Zahnrades, beschrieben wird), für sie sind in Bodennähe Westwinde charakteristisch.
 Die Zirkulationssysteme der Erde. Übersetzte Abbildung der NASA (http://sealevel.jpl.nasa.gov/overview/climate-climatic.html)
Die “Ferrel-Zellen” sind eigentlich keine Zellen; die Westwinde sind viel stürmischer und unstetiger als die Passatwinde und die polaren Ostwinde; sie sind eher ein Durcheinander von Stürmen und Wettersystemen, die von den beiderseits der Westwindzone in der Höhe wehenden Jetstreams (>> mehr) um die Welt gelenkt werden.
Die Windsysteme tragen entscheidend zur Verteilung der Wärme der Sonnenstrahlung auf der Erdoberfläche bei und mildern damit die Unterschiede der Sonneneinstrahlung ab. Die Winde verteilen auch die verdunstete Feuchtigkeit und damit die latente Wärme über die Erdoberfläche; und sie bestimmen auch die Niederschläge und damit die Verfügbarkeit von Wasser. Niederschläge setzen die bei der Verdunstung gespeicherte “latente Wärme” frei und spielen daher auch eine Rolle beim Wärmetransport bei - ohne die Windsysteme wären die Tropen im Schnitt 14 Grad wärmer und die Polarregionen 25 Grad kälter als heute. Die Entstehung der Niederschläge wird auch von der Ausprägung der Erdoberfläche beeinflusst: Wo sich Gebirge den Winden in den Weg stellen, steigt die Luft auf und regnet ab; im Regenschatten der Gebirge bilden sich dagegen oft Wüsten.
Der Einfluss des Ozeans
Der Ozean enthält schon in den oberen, sonnendurchfluteten drei Metern genauso viel Wärme wie die gesamte Atmosphäre. Wegen der hohen Wärmespeicherkapazität von Wasser haben die Meere eine ausgleichende Wirkung auf das Klima; sie schwächen die Temperaturunterschiede zwischen Winter und Sommer ab (weil dieser Ausgleich fehlt, sind die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter im Inneren der Kontinente so viel größer sind als an den Küsten). Die Wärme des Meerwassers wird von Strömungssystemen über die Erde verteilt - die Wärmeverteilung durch die Winde macht etwa 80 Prozent der gesamten Wärmeverteilung aus, die restlichen 20 Prozent werden durch den Ozean verteilt. Auch hier spielt der Wind eine Rolle: Er treibt die Oberflächenzirkulation an. Durch die vorherrschenden Windrichtungen und die ablenkende Kraft der Erdrotation entstehen in den großen Ozeanbecken runde Wirbel, die warmes Wasser vom Äquator weg und kaltes Wasser zum Äquator hin bringen.
 Die Oberflächenzirkulation der Weltmeere (blau: kalte Strömungen, rot: warme Strömungen).
Diese Strömungen stehen in Verbindung mit Tiefenströmungen, die neben Winden durch das Absinken dichten, kalten und salzreichen Wassers im Polarmeer angetrieben werden (siehe unten). Dieses “globale Förderband” beeinflusst auch unser Klima in Nordeuropa: Zu ihm gehört nämlich der im Golf von Mexiko entstehende Golfstrom, der als Nordatlantikstrom riesige Wärmemengen (man schätzt: 1,3 Milliarden Megawatt) aus den Tropen nach Norden bringt. Ohne diesen Meeresstrom wäre das Klima in Mitteleuropa erheblich kälter und mit dem auf gleicher Breite liegenden Neufundland vergleichbar. So aber können in Schottland die nördlichsten Palmen der Erde wachsen.
 Das “globale Förderband”, die wichtigste Tiefseeströmung für das Erdklima (blau: Tiefenströmungen, rot: Oberflächenströmungen). Die gelben Punkte markieren die Orte des Absinkens kalten Wassers.
Das Förderband wird unter anderem durch Passatwinde angetrieben, die Wasser von Westafrika nach Amerika schieben. Dort gelangen es in den Golf von Mexiko, den es durch die Straße von Florida verlässt, von der aus es als “Golfstrom” die Ostküste der USA wärmt. Durch Westwinde und die Erddrehung sowie den kalten Labradorstrom wird die Strömung dann als “Nordatlantikstrom” nach Europa abgelenkt. Im Europäischen Nordmeer ist das Wasser dann durch Verdunstung so salzig und so kalt geworden, dass es aufgrund seiner Dichte absinkt und einen Sog für nachfließendes Wasser erzeugt (die zweite Antriebskraft neben den Winden; aufgrund dieser Salz- und Temperatureinflüsse wird das Förderband oft auch “thermohalines Förderband” genannt). Als Tiefseeströmung gelangt das Wasser wieder zurück in den Südatlantik, wo der Kreislauf von neuem beginnen kann. Neben dem Nordmeer gibt es weitere Ozeanregionen, an denen kaltes Wasser absinkt: Labradorsee, Weddellmeer und Rossmeer (gelbe Punkte in der Abbildung oben). Wie die Erforschung der >> Klimageschichte zeigt, haben die Meeresströmungen das Klima mehrfach tief greifend beeinflusst; im Vergleich zur Atmosphäre ist der Einfluss des Ozeans auf das Klima aber noch wenig verstanden. So gibt es sowohl im Atlantik als auch im Pazifik periodische Temperaturschwankungen, deren Zusammenhang mit den Meeresströmungen und deren Einfluss auf das Klima gerade erst untersucht werden.
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