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Das Leben
Die Zeit der Dinosaurier (Erdmittelalter - Trias, Jura und Kreide)
 Leben im Jura: So könnte das Leben damals ausgesehen haben. Abbildung von Gerhard Boeggemann aus den >> wikipedia commons, abgerufen 2.3.2008, Lizenz >> cc 2.5
Es dauerte wohl einige Millionen Jahren, bis sich das Leben von dem Massenaussterben am Ende des Perm erholte; noch 25 Millionen Jahre später waren die Ökosysteme - verglichen mit den vorherigen Zuständen - unvollständig. Riffe und Wälder waren nach etwa 20 Millionen Jahren wieder entstanden, aber kleine Insektenfresser etwa gab es noch nicht wieder. Wichtiger aber noch: Die Pflanzen und Tiere, die jetzt entstanden, unterschieden sich deutlich von denen vor dem Massenaussterben; es begann ein neuer Zeitabschnitt in der Geschichte des Lebens, das Mesozoikum (Erdmittelalter). Die Bezeichnung erfolgte aufgrund der Unterschiede in den Fossilien bereits 1840 durch den englischen Geologen John Phillips (>> mehr); das “Mittel” steht dabei nicht für den Zeitverlauf - immerhin waren 3,25 Milliarden Jahre der gesamten Lebensgeschichte von bisher 3,5 Milliarden Jahren bereits vergangen, sondern für Lebensformen, die zwischen den ursprünglichen Formen des Erdaltertums und den heutigen Lebensformen angesiedelt sind. Das Massenaussterben hatte die überlebenden Organismen von vielen Konkurrenten befreit und ermöglichte ihnen sozusagen einen Neustart. Das Mesozoikum umfasst vor allem die drei Kapitel, in denen die Geschichte der Dinosaurier geschrieben wurde, aber auch “moderne” Ökosysteme entstanden, die etwa mit Blütenpflanzen und Vögeln den heutigen ähnelten.
In seinem ersten Abschnitt, der Trias (vor 251 bis 200 Millionen Jahren) driftete der Superkontinent Pangäa nach Norden. Das Klima war eines der wärmsten der Erdgeschichte, und gegen Ende des Trias wurde es zunehmend trocken; es entstanden große Wälder aus Ginkgo-Gewächsen, Palmfarnen und “modernen” Nadelhölzern wie den Araukarien (die heute noch im Westpazifik und in Südamerika vorkommen). Vor allem die Reptilien profitierten von dem trockenen Klima: Ihre Schuppenhaut schützte sie vor Austrocknung und ermöglichte ihnen eine Besiedlung von Gegenden, die für Amphibien ungeeignet waren. Dank der Erfindung des Eies und der Entwicklung ihrer Embryos in Fruchtwasser brauchten sie auch keine Gewässer zur Fortpflanzung; sie konnten Eier auf dem Land legen.
 Im frühen Trias breitete sich der Pflanzenfresser Lystrosaurus (hier: Lystrosaurus georgi), ein Überlebender des Massenaussterbens, über die ganze Erde aus. Er gehörte zur Gruppe der “säugetierähnlichen Reptilien”). Zeichung: Dmitry Bogdanov, aus >> wikipedia (abgerufen 10.2.2009), Lizenz: >> GNU-FDL.
 Ebenfalls ein “säugetierähnliches Reptil” aus dem Trias: Der Fleischfresser Thrinaxodon. Vertiefungen an den Schädelknochen ähneln denen von heutigen Tieren mit Schnurrhaaren, daher vermutet man, dass Thrinaxodon behaart gewesen sein könnte. Zeichnung: ArthurWeasley, aus >> wikipedia (abgerufen 10.2.2009), Lizenz: >> GNU-FDL.
Eine besonders erfolgreiche Reptilien-Gruppe, die sich jetzt entwickelte, waren die Archosaurier, aus denen die Krokodile, die Dinosaurier und die Flugsaurier hervorgehen sollen. Die ersten Dinosaurier entstanden am Ende des Trias, waren mit einer Länge von bis zu drei Metern relativ klein und fraßen Fleisch. Das erste Kapitel ihrer Geschichte wäre beinahe schlecht ausgegangen: Am Ende der Trias gab es wieder ein (wenn auch im Vergleich zum Ende des Perm kleineres) Massenaussterben. Dieses kostete den meisten Reptilienarten das Leben, und auch die Dinosaurier dürften nur knapp überlebt haben. (Zu den möglichen Ursachen für dieses Aussterben siehe >> hier.) Langfristig aber dürfen sie von dem Aussterben profitiert haben: Vor 190 Millionen Jahren, dominierten die Saurier auf der Erde; sie beherrschten Land, Luft (Flugsaurier) und Wasser (Fischsaurier, >> mehr).
In der Jura, der Zeit vor 200 bis 145,5 Millionen Jahren, begann der Zerfall des Superkontinents Pangäa: Vor 180 Millionen Jahren zerbrach er zunächst in den Nordkontinent Laurasia und den Südkontinent Gondwana. Der Nordkontinent zerbrach bald weiter in die Kontinente Nordamerika, Europa und Asien (was die große Vielfalt der sich getrennt
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voneinander entwickelnden Dinosaurier der Nordhalbkugel erklärt). Der Südkontinent zerbrach vor 150 Millionen Jahren, als sich ein aus Indien, Madagaskar, der Antarktis und Australien bestehender Kontinent ablöste; vor 140 Millionen Jahren trennten sich mit der Entstehung des Südatlantik Südamerika und Afrika voneinander. Das Klima blieb war und war feuchter als am Ende des Trias; es war die große Zeit der Palmfarne; erste Wälder der Küsten- und Riesen-
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Mammutbäume entstanden. Auch die Dinosaurier der Südhalbkugel sind zum Ende der Jura und in der Kreide (vor 145,5 bis 65,5 Millionen Jahren) riesig geworden – sie konnten 80 bis 100 Tonnen schwer werden! Auf der Nordhalbkugel entwickelten sie dagegen phantastische Formen an Stacheln, Kämmen und Hörnern. Über die Gründe dieser Entwicklungen wird viel spekuliert – war es ein „Wettrüsten“ zwischen Jägern und Gejagten mit unterschiedlichen Lösungen? Andere Saurier kehrten ins Meer zurück: Zu den Fischsauriern gesellten sich die Paddelsaurier, die ihre Paddel wie Flügel benutzen, also im Wasser “flogen”.
Die mittlere Kreide war aufgrund intensiver Vulkanaktivität wahrscheinlich eine der wärmsten Perioden der Erdgeschichte; der ansteigende Meeresspiegel überflutete große Landmassen. Die Wälder dehnten sich bis in hohe Breiten aus. Phytoplankton und Wälder der Jura und der Kreide bildeten Erdöl und Erdgas, wichtige fossile Brennstoffe für die >> Industrielle Revolution.
 Dinosaurier-Skelette im Berliner Naturkundemuseum. Foto: Jürgen Paeger
Heute werden drei große Dinosaurier-Gruppen unterschieden: Die Theropoda liefen auf zwei Beinen und waren meist Fleischfresser; die Sauropodomorpha sind vierbeinige Pflanzenfresser mit meist sehr langem Hals und die Ornithischia (deren Beckenstruktur den heutigen Vögeln ähnelt), die zwei- und vierbeinige Pflanzenfresser mit einer großen Formenvielfalt sind.
 Ceratosaurus, ein zu den Theropoden gehörender Dinosaurier. Zu den Theropoda gehörte auch der am Ende der Kreidezeit lebende Tyrannosaurus rex, der 14 Meter lang wurde. Aus den Theropoden gingen auch die Vögel hervor (>> hier). Zeichnung: Dmitry Bogdanov, aus >> wikipedia (abgerufen 10.2.2009), Lizenz: >> cc 2.5.
 Verschiedene Sauropodomorpha, vierbeinige Pflanzenfresser mit langem Hals. Die Sauropoden wurden in der Jura riesig groß und weit über 50 Tonnen schwer, mit ihrem langen Hals konnten sie auch die Blätter hoher Bäume erreichen. Zeichnung von “Killdevil”, aus >> wikipedia (abgerufen 10.2.2009), Lizenz: >> GNU-FDL 1.2.
 Verschiedene Ornithopoda, eine sehr vielfältige Dinosaurier-Gruppe, der Becken aber immer dem der heutigen Vögel ähnelt. In der Jura entstanden in dieser Gruppe zahlreiche mit bizarrren Formen gepanzerte Arten. Zeichnung: John Conway, aus >> wikipedia (abgerufen 10.2.2009), Lizenz: >> GNU-FDL 1.2.
Es wird immer noch intensiv diskutiert, ob die Dinosaurier warmblütig waren oder nicht. Dafür sprechen einige Hinweise bei kleineren Fleischfressern, die auch von der dadurch möglichen schneller Bewegung profitiert haben dürften. Dagegen spricht, dass die großen Pflanzenfresser kaum genug fressen konnten, um die Energie für eine derartige “Heizung” bereitzustellen. Außerdem dürfte ihre schiere Masse dafür gesorgt haben, dass sie nicht zu sehr auskühlten.
Die Erfindung der Blüte
Bei den Pflanzen setzte sich in der Kreide eine weitere, mit der sexuellen Fortpflanzung in Zusammenhang stehende Anpassung an das Landleben durch: Die Samenanlagen wurden von einem “Fruchtblatt” umgeben, was sie noch besser gegen Trockenheit schützt. Pflanzen mit derart eingeschlossenen Samenanlagen heißen bei den Botanikern “Bedecktsamer” (die anderen Samenpflanzen ohne Fruchtblatt, wie die Nadelbäume, “Nacktsamer”); bekannter sind die Bedecktsamer als Blütenpflanzen. Das Fruchtblatt der Blütenpflanzen wird wegen optischer Ähnlichkeit auch Stempel genannt; es übernimmt eine weitere neue Aufgabe: es verhindert, dass Pollenkörner von der selben Pflanze die Eizellen befruchten, und erhöht damit die genetische Vielfalt (>> mehr) der Pflanzen. Nach der Befruchtung umgibt es die Samen, das Ganze heißt jetzt Frucht. Früchte sind oftmals die Einheiten, die bei den Blütenpflanzen der Verbreitung dienen - etwa, indem sie Vögel als Nahrung dienen, die dann
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mit ihrem Kot anderswo den Samen ausscheiden. Die auffälligste Erfindung der Blütenpflanzen ist aber eine andere: Da die Windbestäubung (also der Transport des Pollen zu den Fruchtblättern) zunehmend durch eine weniger verschwenderische Tierbestäubung abgelöst wird, entwickeln sie auffällige Strukturen, um diese Tiere anzulocken - die namengebenden Blüten (>> mehr). Ursprüngliche Blütenpflanzen ähnelten wohl den Magnolien (siehe Abb.), die seit der Kreide vorkommen. Die ältesten Spuren der Blütenpflanzen sind etwa 130 Millionen Jahre alt, vor 90 Millionen Jahren kamen sie weit verbreitet vor. Dass die Blütenpflanzen
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sich in der Kreidezeit durchsetzen, hängt möglicherweise mit dem Auftreten der Vögel zusammen: Diese konnten die Samen im Gefieder oder im Darm schnell und weit verbreiten.
Die Vorfahren der Vögel
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Eine andere Frage, über die viel gestritten wurde, ist inzwischen geklärt: Waren die Dinosaurier die Vorfahren der Vögel? Funde wie der Archaeopterix (ein primitiver Vogel mit Sauriermerkmalen) deuteten darauf hin; und heute ist klar: Sie waren es. Auch die Dinosaurier legten Eier, und möglicherweise haben sich die Federn entwickelt, da sie als Wärmeisolierung beim Brüten Vorteile boten. Gefiederte Dinosaurier aus der Kreide wurden unter anderem im mongolischen Jehol gefunden. Den Weg zum Vogel kann man sich nur vorstellen: Möglicherweise haben vergrößerte Federn zum Anlocken von Weibchen gedient und erwiesen sich auch als
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nützlich, um zu gleiten; vom Gleitflug ging es dann weiter zu richtigen Flug. Die Fundstätte in Jehol enthält auch urtümliche Vögel und ist eine der wichtigsten Quellen für unser Wissen über die Entwicklung der Vögel.
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Die ersten Säugetiere
Aus den für das Perm charakteristischen Therapsiden entwickelten sich dagegen die ersten Übergangsformen zu den Säugetieren; etwa der spitzmausähnliche Megazostrodon. Die ersten Säugetiere, die sich hieraus entwickelten, waren wohl meist kleine, scheue, hörnchenartige Nachttiere, die Insekten fraßen. Größere Säugetiere konnten vermutlich nicht gegen die Dinosaurier bestehen. Bereits im Jura, vor 180 Millionen Jahren, trennten sich vermutlich die Linien, die zu den Kloakentieren einerseits und zu den Beutel- und Plazentatieren (>> mehr) andererseits führen sollten. Heute gibt es nur noch fünf Arten von Kloakentieren, etwa das in Australien und Tasmanien vorkommende Schnabeltier; sie unterscheiden sich von den anderen Säugetieren dadurch, dass Darmausgang, Harnwege und Fortpflanzungsorgane in einer gemeinsamen Öffnung, der Kloake, münden; außerdem legen sie Eier. (Die heutigen Schnabeltiere haben natürlich seither eine genauso lange Evolution hinter sich wie der Mensch und dürfen nicht als “primitiv” missverstanden werden, etwa weil sie Eier legen: Sie verfügen beispielsweise über ein hochentwickelten elektrisches “Radar” in ihrem Schnabel, mit dem sie Beutetiere aufspüren.)
Das Leben im Meer
Im Ozean hatten vor allem kleine Arten die Katastrophe am Ende des Perm überlebt. Im Trias erholten sich vor allem die Ammoniten relativ schnell wieder und bildeten zahlreiche neue Arten. Die Korallen brauchten etwa 15 Millionen Jahre, bevor sie neue Riffe bildeten; und es entstanden relativ “moderne” Haie und zahlreiche neue Fischarten. Im Trias entstanden aus landlebenden Reptilien die Ichthyosaurier (“Fischsaurier”), die von dieser Vielfalt lebten und schnell relativ zahlreich wurden. Daneben entstanden Gruppen wie die “Pflasterzahnechsen”, deren gesamter Kiefer mit Zahnplatten bedeckt war, mit denen sie Muscheln, Schnecken und andere harte Meerestiere zermalmten. Durch den Zerfall von Pangäa in der Jura wurden die Meeresströmungen grundlegend umgestaltet. Die Meere waren damals voll von Ammoniten – Kopffüßer (wie die heutigen Tintenfische) mit einer schneckenförmigen äußeren Schale (die die Tintenfische nicht haben). Ammoniten sind mit dem noch heute lebenden Perlboot (Nautilus) verwandt; aufgrund ihrer Vielfalt wurden sie zu Leitfossilien, anhand derer man die Gesteinsschichten datieren kann. Die Kreide verdankt ihrem Namen der Ablagerung von Kreide, die etwa die berühmten Kreidefelsen von Rügen bildet – Kreide besteht aus zahlreichen kalkhaltigen Gehäuseresten, etwa von Foraminiferen (Kammerlinge) und Coccolithen - Kalkplatten, die von Einzellern des Planktons ausgeschieden wurden. In der Kreide entstanden auch die Vorläufer von Krabben und Hummern, die von Tieren auf dem Meeresboden lebten; und viele von diesen vergruben sich zu ihrem Schutz in den Meeresboden. Ebenso nahm die Vielfalt an Knochenfischen zu, auf die die ersten modernen Haie (und Fisch- und Paddelsaurier) Jagd machten.
Die Entstehung moderner Ökosysteme
Am Ende der Kreide sah die Erde ähnlich aus wie heute: Vor 80 bis 75 Millionen Jahren hatte sich Madagaskar von Indien getrennt; Indien trieb fortan als Insel auf Asien zu. Neuseeland trennte sich vor 70 Millionen Jahren von der Antarktis, Australien blieb jedoch noch mit der Antarktis verbunden (bis vor etwa 56 Millionen Jahren). Ein weiterer Beitrag zu dieser Ähnlichkeit mit der heutigen Erde waren die Pflanzen: In der Kreidezeit wurden die Blütenpflanzen vorherrschend. Damit begann eine Geschichte der Wechselwirkung mit den Insekten: Zum einen mussten die Pflanzen sich gegen pflanzenfressende Insekten schützen, zum anderen wurden Insekten zu Bestäubern. Die gemeinsame Entwicklung von Blüten und Bestäubern ist ein Lehrbuchbeispiel für „Ko-Evolution“, die mit gegenseitiger Abhängigkeit von Blütenpflanze und Insekt enden kann – auch so wuchs die Komplexität von Ökosystemen, die nun mit Vögeln, Blüten und bestäubenden Insekten den heutigen Ökosystemen bereits sehr ähnelten.
Eine neue Katastrophe
Vor 65 Millionen Jahren starben die Dinosaurier und viele andere Arten plötzlich aus - erneut war es zu einem Massenaussterben gekommen. Diesmal kam die Katastrophe offenbar aus heiterem Himmel: In den 1970er Jahren untersuchte der amerikanische Geophysiker Walter Alvarez Gesteine im italienischen Umbrien. In diesen Gesteinen fand er Schichten voller Foraminiferen (“Kammerlinge”, im Meer lebendes Plankton mit Kalkschalen), darüber eine Lehmschicht, und im Gestein gab es keine Foraminiferen mehr. Eindeutig war er hier einem Aussterbeereignis auf der Spur. War es dasselbe, das auch die Dinosaurier vernichtete? Dazu bat Alvarez seinen Vater, den Physiker (und Nobelpreisgewinner) Luis Walter Alvarez, mittels radioaktiver Spurenelemente das Alter des Gesteins zu bestimmen. Dieser bat den Kernchemiker Frank Asaro um Mithilfe, und Asaro machte eine überraschende Entdeckung: Es gab viel mehr radioaktives Iridium in der Lehmschicht, als sonst in der Erdkruste vorkam.
Iridium kommt aber in Meteoriten vor - die Alvarez begannen, einen Meteoriteneinschlag in Betracht zu ziehen. Eine hohe Iridiumkonzentration wurde inzwischen weltweit in Gesteinen aus dieser Zeit (“K/T-Grenze”, dem Übergang von der Kreide zum Tertiär) gefunden; ebenso Vorkommen von “geschocktem Quarz”, dessen Kristallstruktur so verändert wurde, wie dies durch sehr starke Schockwellen geschieht. Wo aber der mutmaßliche Meteorit eingeschlagen haben könnte, war unbekannt. Geschockter Quarz sprach für einen Einschlag auf dem Land, dort war aber kein passender Krater aus der Zeit vor 65 Millionen Jahren bekannt. Erst im Jahr 1988 gab es einen Hinweis: Ablagerungen in Texas deuteten auf einen Tsunami hin, der vor 65 Millionen Jahren aus dem Süden gekommen war. Der amerikanische Geologe Alan Hildebrand untersuchte daraufhin Karten, auf denen Schwerkraftschwankungen verzeichnet waren - und fand runde Abweichungen in einem Schelfgebiet der Halbinsel Yucatán in Mexiko: er fand einen verborgenen Krater. Er konnte datiert werden - und erwies sich als 65 Millionen Jahre alt. Der wahrscheinliche Einschlagkrater war gefunden. (Später stellte sich heraus, das der Krater bereits Ende der 1970er Jahre von zwei Geologen der mexikanischen Ölgesellschaft PEMEX gefunden worden war; PEMEX bohrte dort sogar nach Öl - behielt aber das “Geheimnis” für sich.)
Der Krater von Chicxulub hat einen Durchmesser von über 170 Kilometern, er wurde vermutlich von einem Meteoriten von 12 bis 14 Kilometern Durchmesser erzeugt, der die Erde von ihrer Unterseite her mit ungeheuerer Geschwindigkeit rammte. Beim Einschlag verursachte er ein fünf Kilometer tiefes Loch in der Erdkruste, und beförderte riesige Mengen an Steinsalz, Gips und Anhydrit aus den Ablagerungen des Schelfes in die Atmosphäre. Durch die enorme Hitze des Einschlags wurden wohl viele Landtiere sofort getötet, außerdem brachen rund um die Erde Waldbrände aus, wie eine weltweite Rußschicht belegt. Wer nicht verbrannte, konnte ertrinken: Das Meereswasser, das zunächst in den Einschlagkrater strömte, kam in Form verhehrender Tsunamis (Flutwellen) zurück. Wer auch die Tsunamis überlebte, fiel möglicherweise gewaltigen Erdbeben zum Opfer. Im heutigen Mittel- und Nordamerika wurde damals fast das gesamte Leben ausgelöscht; wer im Rest der Welt die direkten Folgen des Einschlags überlebt hatte, litt anschließend unter einem zwei Jahre dauernden “Einschlagwinter”: Der aufgewirbelte Gesteinsstaub und Staub aus den Vulkanen, die als Folge der gewaltigen Erdbeben ausbrachen, verdunkelte die Sonne; die Temperatur der Erde sank um mehrere Grad ab. Insgesamt starben 70 bis 85 Prozent aller Arten auf der Erde aus – darunter viele Tiere, die mehr als 25 Kilo wogen; unter ihnen die Dinosaurier. Anders die Säugetiere und die Vögel, die kleiner waren und einen weiteren Vorteil hatten: Sie waren warmblütig und damit gegenüber der Umgebungstemperatur weniger empfindlich. Von den Pflanzen überlebten dagegen in Asien eine Reihe der Arten aus der Zeit der Dinosaurier: etwa die Kaurie- und Araukarien-Bäume Neukaledoniens und Neuseelands; Ginkgo, Katsura-Tree und Chinesisches Rotholz in Fernen Osten. Es dauerte wohl zweieinhalb Millionen Jahre, bis sich auf der Erde von dem Einschlag einigermaßen erholt hatte, sich das Klima, die Meeresströmungen und das Verhältnis zwischen Tieren und Pflanzen wieder stabilisiert hatten: Das Erdmittelalter und die Zeit der Dinosaurier waren vorbei; eine neue Zeit, die Erdneuzeit (die Zeit der Säugetiere) sollte folgen.
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Gewinner und Verlierer – Katastrophen in der Erdgeschichte
Das Ende der Dinosaurier ist das bekannteste und am besten dokumentierte Beispiel für eines der Aussterbeereignisse, die mehrfach in der Geschichte des Lebens aufgetreten sind. Sie sind die Ursache dafür, dass der Aufstieg des Lebens zu höherer Komplexität keineswegs geradlinig war. Dies hatte zuerst der englische Geologe John Phillips bei der Untersuchung von Fossilien bemerkt - manche Arten verschwanden plötzlich, und danach kam es zu einem Anstieg der Vielfalt. Die beiden tiefsten Einschnitte nutzte er, um die Erdgeschichte anhand der Lebewesen in Erdaltertum, Erdmittelalter und Erdneuzeit einzuteilen:
 Aufgrund der unterschiedlichen Lebewesen in verschiedenen geologischen Schichten schlug der englische Geologe John Phillips eine Zeiteinteilung vor, die noch heute Bestand hat. Eigene Abbildung nach >> Michael Novacek: Terra, S. 42
Phillips’ Idee hatte Bestand: Seine um Jahreszahlen ergänzte und wesentlich verfeinerte Einteilung ist heute die Grundlage der >> Geologischen Zeittafel. Außerdem unterscheiden wir heute fünf große Massenaussterben nach dem Ende des Präkambriums, bei denen mindestens 65 Prozent der Arten ausstarben - die “Big Five” (>> mehr): Am Ende des Ordoviziums, des Devon, des Perm, des Trias und am Ende der Kreidezeit. Die Gründe mögen komplex sein wie am Ende des Perm oder katastrophale Ereignisse wie am Ende der Kreidezeit – die Entwicklung hin zu mehr Vielfalt und Komplexität wird unterbrochen und sogar zurückgeworfen.
Auch außerhalb solcher „Großereignisse“ sterben Arten aus – aber weniger, als neu gebildet werden, weshalb in der Summe dann die Vielfalt zunimmt. Im Durchschnitt überlebt eine Art etwa ein bis zwei Millionen Jahre (mit Ausnahmen wie den “lebenden Fossilien”). Bei diesem „normalen“ Aussterben spielt Darwins „Kampf ums Dasein“ die vorherrschende Rolle: Arten verschwinden, weil sie anderen, besser angepassten Arten unterlegen sind. Bei den großen Aussterbeereignissen spielt der Zufall eine wichtigere Rolle: jetzt sterben die meisten Arten aus, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Die Dinosaurier waren ihrer Umwelt hervorragend angepasst, sonst hätten sie kaum über 125 Mio. Jahren die Rolle spielen können, die sie gespielt haben - am Ende der Kreidezeit starben sie trotzdem aus.
Für die großen Aussterbeereignisse, die nur alle –zig Millionen Jahre vorkommen, ist die Evolution blind: die Zeitabstände sind zu groß, als dass Anpassungen wirksam werden könnten. Mit ihnen kommt der Zufall ins Spiel des Lebens: Die Säugetiere haben einfach Glück gehabt, das Aussterben der Dinosaurier überlebt zu haben. (Aber ganz zufällig war auch dieser Zufall nicht: der leistungsfähige Stoffwechsel, der die Säugetiere von Temperaturschwankungen unabhängig machte, hat ihnen geholfen, die Katastrophe zu überleben.) Mit dem Aussterben der bis dahin dominierenden Tiergruppe war ihr Platz frei geworden - eine Chance für neue Kandidaten. Lebensräume und ökologische Rollen sind nicht mehr oder nur schwach besetzt: So kommt es in der Regel nach Aussterbeereignissen zu einer schnellen Entwicklung und Ausbreitung neuer Arten (dieser Vorgang wird von den Biologen „Radiation“ genannt). Ohne das Aussterben der Dinosaurier und den daraufhin möglich gewordenen Siegeszug der Säugetiere wäre der Mensch heute nicht die dominierende Art auf Erden (vermutlich gäbe es uns gar nicht). Der glückliche Gewinner ist jedoch inzwischen selbst zur Ursache eines neuen, des sechsten, Massenaussterbens geworden: mehr dazu unter >> Das große Aussterben - die Gefährdung der Biodiversität.
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