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Hintergrundinformation
Vom Universum zum Planeten Erde Wie das Universum und die Erde entstanden sind
Die Geschichte unseres Sonnensystems und der Erde ist in der Geschichte des Universums wohl höchstens eine Fußnote, aber für uns natürlich eine entscheidende. Schon immer hat die Menschheit nach der Entstehung der Welt gefragt - Schöpfungsmythen waren die erste Antwort; und die Astronomie ist die älteste Wissenschaft der Welt.
 Bild des Weltraumteleskops Hubble von einem Bereich der Kleinen Magellan’schen Wolke, in dem sich zahlreiche junge Sterne befinden (mehr >> hier). Abbildung: NASA, ESA and the Hubble Heritage Team, siehe >> hier.
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ...
... mit diesen Worten beginnt die Bibel, und gibt damit eine mögliche Erklärung für die Entstehung des Kosmos, in dem wir leben. Der Blick in den Sternenhimmel faszinierte die Menschen schon immer; der Sternenhimmel hat schon unsere frühesten Vorfahren angeregt, mythologische Gestalten erkennen zu wollen und Fragen nach seiner Entstehung ausgelöst.
Die älteste überlieferte Antwort der Menschheit auf die Frage nach der Entstehung der Welt sind die verschiedenen Schöpfungsmythen. Gleichzeitig finden sich schon in den ältesten Kulturen eine Einteilung der Zeit und die Entwicklung von Kalendern; mit ihnen ging die Entwicklung der Astronomie einher und machte diese zur Mutter aller Wissenschaften. Unser westliches Weltbild geht dabei auf die alten Griechen zurück: Um 340 v. Chr. verfasste Aristoteles seine Schrift „Vom Himmel“. Die Griechen hatten bereits erkannt, dass die Erde eine Kugel war – nur so war zu erklären, dass die Erde bei Mondfinsternissen immer kreisförmige Schatten wirft und von Schiffen am Horizont zuerst die Segel zu sehen sind. Die meisten Griechen - und Aristoteles - glaubten aber, dass die Erde den Mittelpunkt des Universums darstellt; so erklärte sich, dass alle Dinge zu Boden fielen. Für Aristoteles war nämlich die Ruhe im Mittelpunkt des Universums der natürliche Zustand eines jeden Objektes auf der Erde. Die Griechen sollten das Bild der Christen von der Welt prägen; und zugleich war es die Basis eines der langlebigsten Bilder des Universums, dem Sphärenmodell des griechischen Astronomen Ptolemäus aus dem 2. Jahrhundert: Die Erde bildete den Mittelpunkt von acht Sphären, die die Himmelkörper trugen. Die Sterne waren fest auf der äußersten Sphäre angeordnet; die Planeten führten dagegen Kreisbahnen auf ihren jeweiligen Sphären aus, die so genannten Epizyklen: Ein kompliziertes Modell mit insgesamt 55 Kreisen war nötig, um die beobachteten Planetenbahnen erklären zu können. Dieses Modell bestimmte fast 1.400 Jahre lang unser Bild des Universums.
Bis zum Jahr 1509: Dann, unter dem Einfluss der Astronomen-Schule von Maragha (im heutigen Nordiran), die Ptolemäus in einer Debatte unter den islamischen Astronomen um das richtige Weltbild gegen die Aristoteles-Anhänger mit Averroës an ihrer Spitze verteidigte, ihn aber physikalisch vereinfachen wollte, entwarf der Amateurastronom Nikolaus Kopernikus zur Deutung des ptolemäischen Kreisgewirrs ein revolutionäres Modell - er rückte die Sonne in den Mittelpunkt des Planetensystems und der Planetenkreise; ließ also die Erde die Sonne umkreisen. Zunächst glaubt kaum jemand an die Idee einer Erde, die sich bewegte: schließlich merkte man nichts von einer Bewegung. Zu den wenigen gehörten jedoch die beiden Astronomen Johannes Kepler und Galileo Galilei. Keppler analysierte die genauen Beobachtungen, die der Astronom Tycho Brahe von den Planetenbahnen gemacht hatte; und stellte fest, dass diese nicht genau kreisförmig sind, sondern eine Ellipsenbahn beschreiben. Außerdem blieb ihre Geschwindigkeit nicht gleich, sondern veränderte sich mit dem Abstand von der Sonne. Damit stimmten die Berechnungen bei Kopernikus’ System auch ohne komplizierte Epizyklen genau mit den Beobachtungen von Brahe überein. Im Jahr 1609, als Kepler seine Ergebnisse veröffentlichte, nutzte Galileo Galilei das soeben erfundene Fernrohr (>> mehr), um den Himmel zu beobachten und entdeckte, dass der Jupiter von Monden umkreist wurde – womit er eine kopernikanische Idee bestätigt fand: Nicht alle Himmelskörper mussten die Erde umkreisen. Endgültig überzeugt war er, als er die Venusphasen entdeckte, also einen Übergang von einer schmalen Sichel zur vollen Scheibe: Diese ließen sich nur erklären, wenn die Venus die Sonne umkreiste. Die Ergebnisse von Kepler und Galilei bildeten die Basis für die Arbeiten von Isaac Newton in der zweiten Hälfe des 17. Jahrhunderts: Er benannte die Schwerkraft als Ursache der Planetenbewegung; mit den darauf basierenden Bewegungsgesetzen konnten alle mechanischen Vorgänge exakt berechnet werden, und zwar sowohl auf der Erde als auch im Himmel. Auch das war vorher nicht selbstverständlich: Im Himmel, so dachte man, wirken göttlich oder dämonische Kräfte oder beide, aber Newton zeigte, dass auch dort die Naturgesetze gelten. Sogar das Auftauchen der bis dahin geheimnisvollen Kometen konnte jetzt genau vorhergesagt werden. Damit wurde das Kopernikanische System mit der Sonne im Mittelpunkt der Planeten von den meisten Selbstdenkern akzeptiert; die „Himmelsmechanik“ schien komplett entschlüsselt.
Sie war es nicht. 1864 fasste der englische Physiker James Clerk Maxwell die frühere Forschung über Elektrizität und Magnetismus zusammen und entwickelte die Theorie der elektromagnetischen Wellen (>> mehr) – die aber stand in Widerspruch zu Newtons Annahmen. Die Lösung dieser Widersprüche fand Albert Einstein Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner Speziellen und Allgemeinen Relativitätstheorie (wer mehr über die Details dieser Entwicklung wissen möchte, findet eine detailliertere Darstellung im -> Exkurs: Von Newton zu Einsteins Universum).
Mit der Relativitätstheorie schuf Einstein den Rahmen für unser heutiges Verständnis des Universums. Uns interessiert hier vor allem eine Konsequenz: Die Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie legten ein dynamisches Universum nahe; kein stabiles, unveränderliches Universum, an das damals die meisten Menschen glaubten. Selbst der unkonventionelle Einstein konnte diese Konsequenz seiner Arbeiten zunächst nicht glauben. Um ein statisches Universum beibehalten zu können, fügte er in seine Gleichungen eine „kosmologische Konstante“ ein, die für eine abstoßende Kraft stand, die die Schwerkraft ausgleichen sollte. Aber bald wies der holländische Astronom Willem de Sitter darauf hin, dass Einsteins Universum keineswegs stabil sein muss. Und der russische Mathematiker Alexander Friedmann beschrieb ein Universum, dass sich ursprünglich ausdehnte und nun vor einer von drei Möglichkeiten steht: Erstens könnte die Ausdehnung durch die Wirkung der Schwerkraft zum Stillstand kommen und in eine Kontraktion übergehen; zweitens könnte das Universum sich ewig ausdehnen oder drittens könnte die Ausdehnung sich verlangsamen, aber nie ganz zu Ende kommen. (Die Antwort ist bis heute nicht bekannt; sie hängt unter anderem von der noch unbekannten Gesamtmasse des Universums ab.) Friedmanns Gedanken der Ausdehnung dachte der belgische Priester und Kosmologe Georges Lemaître zu Ende: Was sich ausdehnt, muss einmal nahe beieinander gewesen sein; er formulierte die Idee, dass das ganze Universum aus dem Zerfall eines „Uratoms“ hervorgegangen sei.
Welches theoretische Modell richtig war, musste die Beobachtung der Wirklichkeit entscheiden. Seit Galileis Zeiten waren die Fernrohre immer besser geworden: Die Astronomen hatten neue Planeten entdeckt; es war ihnen gelungen, mit trigonometrischen Berechnungen die Entfernung naher Sterne zu schätzen; die Milchstraße wurde als scheibenförmige Ansammlung von Sternen erkannt. (Uns erscheint sie als helles Band über dem Nachthimmel, da wir aus dem Inneren auf diese Scheibe sehen.) Ein Rätsel waren die teils - wie die Große und Kleine Magellansche Wolke am Südhimmel und der Andromedanebel am Nordhimmel - bereits mit bloßem Auge erkennbaren Nebel: Waren diese Gebilde Gaswolken in der Milchstraße, wie die einen glaubten; oder waren sie “Insel-Universen” außerhalb der Milchstraße? Das Rätsel konnte erst gelöst werden, als eine Methode zur Verfügung stand, auch die Entfernung weit entfernt liegender Sterne zu messen. Diese wurde von Henrietta Leavitt unter Nutzung der Cepheiden entdeckt. Cepheiden sind Sterne, deren Helligkeit regelmäßig schwankt; und Leavitt erkannte, dass die Schwankungsperiode mit der Helligkeit zusammenhing. Aus der Periode konnte man also die absolute Helligkeit dieser Sterne ermitteln, und damit auch ihre relative Entfernung voneinander – und nachdem es schließlich einem Team von Astronomen gelang, mit einer Kombination verschiedener Methoden die absolute Entfernung eines Cepheiden zu messen, konnte man auf dieser Basis die absolute Entfernung aller Cepheiden berechnen. 1923 entdeckte der Astronom Edwin Hubble einen Cepheiden im Andromedanebel, und bestimmte die Entfernung mit rund 900.000 Lichtjahren: Der Nebel lag eindeutig jenseits der Milchstraße, die einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren hat. Damit erwies sich der Andromedanebel als eigenständige Anhäufung von Sternen. Heute nennen wir solche Sternenanhäufungen Galaxie, und unsere Milchstraße, Andromeda und die meisten Nebel sind eine solche Galaxie – einige Nebel erwiesen sich aber auch tatsächlich als Wolken aus Gas und Staub in der Milchstraße (nur diese werden noch heute als Nebel bezeichnet).
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