Der Mensch

Anmerkungen

Unser afrikanischer Ursprung

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10: Eine interessante Bestätigung für diesen Zeitraum liefern auch neuere Untersuchungen an Kopfläusen: die menschliche Kopflaus (Pediculus humanus capitus) ist nämlich, wie schon der Läuseforscher Henry Ewing in der 1930er Jahren vermutete, mit den Läusen der Schimpansen (Pediculus schaeffi) eng verwandt. Auch diese Linien haben sich nach Untersuchungen mitochondrialer DNA vor sechs Millionen Jahren voneinander getrennt. Quelle: Bob Dunn 2012: Enge Verwandte. New Scientist (deutsche Ausgabe) 46, S. 48-53.

11: Auch hier geben Läuse interessante Hinweise, wann wohl unsere Vorfahren die Haare verloren haben: Schamläuse (Phthirus pubis) sind nicht mit den Kopfläusen, sondern den Gorillaläusen (Phthirus gorillae) verwandt. Beide Linien haben sich nach DNA-Untersuchungen vor 3,3 Millionen Jahren getrennt, damals war unsere Körperbehaarung wohl so weit zurückgegangen, dass die Schamläuse im Schamhaar eine "ökologische Insel" finden konnten. (Obgleich Schamläuse heute üblicherweise beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, muss dies damals nicht der Fall gewesen sein: Es könnte auch sein, dass Vormenschen Gorillas gejagt haben und sich dabei die neuen Parasiten zugezogen haben.) Quelle: Bob Dunn, s.o.

12: Auch zu diesem Thema haben die Läuse etwas zu erzählen: Die Kleiderlaus (Pediculus humanus humanus) ist offenbar mehrfach während der Menschheitsgeschichte aus der Kopflaus entstanden; dies ist erstmals vor über 100.000 Jahren erfolgt. Da die Entwicklung von der Kopf- zur Kleiderlaus schnell geht, dürfte dies etwa der Zeitpunkt sein, an dem unsere Vorfahren erstmals Kleidung trugen. Quelle: Bob Dunn, s.o.

20: Die rund 3,3 Millionen Jahren alten ältesten Funde von Steinwerkzeugen stammen vom Turkana-See und aufgrund ihres Alters nicht (wie früher von Werkzeugen angenommen) unserer Gattung Homo zuzuordnen. Sonia Harmand et al. 2015: 2.3-million-year-old stone tools from Lomekwi 2, West Turkana, Kenya. Nature 321, p. 310-315. doi:10.1038/nature14464.

30: Eine eindrucksvolle - wenn auch manchen Punkten umstrittene Darstellung der Rolle des Feuers für die menschliche Evolution: Richard Wrangham 2009: Feuer fangen: Wie uns das Kochen zum Menschen machte - eine neue Theorie der menschlichen Evolution. DVA.

Mensch und Gehirn

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240: Esther Hermann et. al 2007: Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317, S. 1360-1366.

Homo sapiens

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320: Evan Eichler et al: Emergence of a Homo sapiens-specific gene family and chromosome 16p11.2 CNV susceptibility. Nature 536, 205–209 (11. August 2016), doi:10.1038/nature19075.

360: Wie flexibel der Mensch ist, zeigt seine Fähigkeit, in heutigen Industriegesellschaften zu leben. Dass diese Fähigkeit nicht mit auf einer biologischen Evolution beruht, sondern bereits in Wildbeutern angelegt ist, zeigt beeindruckend etwa die Entwicklung auf Neuguinea, von der Jared Diamond in seinem Buch "Vermächtnis" berichtet: Die Bewohner des Hochlands Neuguineas lebten noch 1931 in der Steinzeit, als sie von einem Australier "entdeckt" wurden. Bereits 75 Jahre später lebten viele von ihnen in einer modernen Gesellschaft mit Flugzeuge, Computern und Kreditkarten.
Jared Diamond: Vermächtnis. S. Fischer Verlag 2012 (Fischer Taschenbuch 2013).

Andererseits bedeutet die Entwicklung von Kulturen nicht, dass der Mensch sich von seinem biologischen Erbe gelöst hätte: Die Biologie gibt das Spielfeld vor, in dem menschliche Geschichte sich bewegen kann. Manches Erbe aus der Steinzeit wirkt in jedem von uns: So kann man etwa die regelrechte Epidemie der Verfettung von Menschen in modernen Industriestaaten damit erklären, dass es für Wildbeuter sinnvoll war, so viel süße und fette Nahrung zu sich zu nehmen, wie sie kriegen konnten. Zucker etwa gab es nur in reifen Früchten; die aber gab es selten und waren auch von anderen Tieren begehrt, so dass es riskant war, sie bis zum nächsten Tag am Baum zu lassen. Daher war es sinnvoll, sich den Bauch vollzuschlagen, wann immer es ging. Eine genetisch angelegte Zurückhaltung musste sich nicht entwickeln, da es ohnehin nicht zu viel Zucker gab. Heute wird Zucker reichlich und billig industriell produziert, und im Kühlschrank sind unsere Süßigkeiten sicher gelagert - unsere Gene haben das aber noch nicht mitgekriegt. (Dass nicht alle Menschen in modernen Industriestaaten verfetten, ist eine kulturelle Leistung - Kultur kann auch den stärksten biologischen Antrieb neutralisieren, siehe etwa das katholische Zölibat.)

380: Der Ausdruck "Vorhang des Schweigens" stammt aus dem Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari (DVA 2013) und bezieht sich auf die menschliche Geschichte in dieser Zeit insgesamt, nicht nur auf das geistige Leben: über das grobe Muster hinaus kennen wir keine einzelnen Ereignisse dieser 60.000 oder 70.000 Jahre der Menschheitsgeschichte, die unser Denken und Fühlen geprägt haben.

Jäger und Sammler und ihre Umwelt

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550: John Alroy 2001: A multispecies overkill simulation of the end-Pleistocene megafaunal mass extinction. Science 292, S. 1893-1896.

551: Chris Johnson 2012: The Aftermath of Megafaunal Extinction: Ecosystem Transformation in Pleistocene Australia. Science33, S. 1483-1486.

© Jürgen Paeger 2006 - 2015