Strategien für die Zukunft

Die drei Megatrends
Was bestimmt unsere Zukunft?

„Voraussagen sind sehr schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“, soll Mark Twain einmal gesagt haben. Und doch: Ohne Annahmen, wohin die Entwicklung in Zukunft geht, kann man heute keine zukunftsweisenden Entscheidungen treffen. Wer davon überzeugt ist, dass Öl in 20 Jahren noch reichlich fließt und nicht viel teuerer ist als heute, braucht sich über den Energieverbrauch seines Autos oder die Wärmedämmung seines Hauses nicht mehr Gedanken machen als bisher schon. Wer das nicht glaubt, wird sich mit diesen Themen internsiver beschäftigen müssen. Noch kritischer ist die Situation für Unternehmen, die mitunter schon Jahre, bevor ein Produkt auf den Markt kommt, Entscheidungen treffen müssen, wie das Produkt aussehen wird (oder wieviel von welcher Energie es verbrauchen wird).

Wenn wir auf die Entwicklung der Erde seit Beginn der Industriellen Revolution zurückblicken (>> hier), so haben unsere wissenschaftlich-technischen Mittel es uns erlaubt, einen immer größeren Anteil der natürlichen Ressourcen des Planeten für uns zu nutzen - und gleichzeitig hat die Form der Nutzung dazu geführt, die natürlichen Ökosysteme und Regelkreise tief greifend zu verändern (>> hier). Zwei Beispiele zeigen, dass diese Entwicklung so nicht weitergehen wird: Der Klimawandel und der Verlust an biologischer Vielfalt. Wenn wir Menschen 40 Prozent aller Ressourcen nutzen, bleiben nicht genügend über, um den bisherigen Bestand an Arten, Populationen und deren Vielfalt zu versorgen - aber diese sind die Grundlage für die Dienste, von denen wir und unsere Wirtschaft abhängen. Und der Klimawandel zeigt uns, dass wir selbst bei der Entsorgung unserer Abfälle in die Atmosphäre an eine Grenze gelangt sind, wo dieses nicht mehr kostenlos ist: Wir produzieren inzwischen derartige Mengen, dass die Folgen auf uns zurückschlagen. So wie bisher kann es also nicht weitergehen. Aber was wird sich ändern?

Eins scheint klar: Der Einfluss der Menschheit auf die Natur, der sich aus den Faktoren Anzahl der Menschen und Pro-Kopf-Verbrauch an Natur zusammensetzt, wird nicht durch eine zurückgehende Weltbevölkerung verringert werden - im Gegenteil: Die Weltbevölkerung wird voraussichtlich auf über 9,2 Millionen Menschen im Jahr 2050 wachsen (>> mehr). (Voraussichtlich - natürlich kann niemand garantieren, dass nicht im Jahr 2042 ein Meteoriteneinschlag oder eine Seuche zwei Drittel der Weltbevölkerung umbringen - aber wollen wir unsere Handlung auf solche “Hoffnungen” gründen?) 9,2 Milliarden Menschen, die nicht nur essen müssen (was alleine schon eine Herausforderung ist, >> mehr), sondern von denen von denen vermutlich ein größerer Anteil so leben wird, wie Mittelschichten im Jahr 2050 so leben werden - eine Hochrechnung aus der Entwicklung vergangener Jahrzehnte, die von einem schnellen Anwachsen der Mittelschichten gerade in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China und Indien gekennzeichnet waren. Die entscheidende Frage wird also sein: Wie werden Mittelschichten (und Reiche) im Jahr 2050 leben? (Für die Ökosysteme ist diese Frage viel wichtiger als die Frage, als die aus Gründen der Menschlichkeit ebenso dringliche Frage, ob es uns gelingt, die Armen aus der schlimmsten Armut zu befreien: Wenn diese mit Strom und Herden versorgt werden, werden sie zwar mehr Strom und (Bio-)Gas verbrauchen, aber andere Formen der Umweltbelastung - etwa das Sammeln von Brennholz) werden zurückgehen.)

Aus meiner Sicht gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ignorieren wir die Warnzeichen und versuchen, unser “bewährtes System” noch eine Weile weiterzuführen - dann werden sich die wachsenden Mittelschichten um immer knapper werdende Ressourcen streiten; und wir werden irgendwann genau wissen, ob der Weltklimarat mit seinen Befürchtungen über die Folgen des Klimawandels recht hatte. Oder aber - und darauf hoffe ich - wir erkennen, dass wir umsteuern müssen, und dann werden drei Entwicklungen unsere Zukunft bestimmen:

 

Energie- und Ressourcenproduktivität

Der Preis unserer Rohstoff- und Energienutzung ist heute schon hoch; umso schlimmer ist, dass nur ein kleiner Teil dieser Rohstoffe und Energie tatsächlich genutzt wird (siehe hier für >> Rohstoffe, >> Energie). Wir müssen - und können - die Produktivität von Materialien und Energie vervielfachen, wenn wie einerseits absehbare Ansprüche erfüllen, und andererseits die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme berücksichtigen wollen. Diese Entwicklung ist für innovative Unternehmen (Mitarbeiter, Architekten, ...) keineswegs eine unzumutbare Belastung, sondern bietet ihnen eine Riesenchance, mit rohstoff- und energieeffizienten Produkten neue Märkte zu erobern. Diese neuen Märkte entstehen bereits heute - etwa bei Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen -, aber sie werden in Zukunft durch andere Rahmenbedingung (etwa im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Klimawandel oder die Abhängigkeit von arabischem Öl) noch eine ganz andere Dynamik entfalten.
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mehr (Wirtschaften mit viel weniger Rohstoffverbrauch)
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Erneuerbare Energien

Die Energieversorgung ist das Lebensblut einer modernen Gesellschaft, und gleichzeitig ist die bisher vorherrschende Verbrennung fossiler Brennstoffe die wichtigste Ursache für den Klimawandel (und für den Transfer enormer Geldmengen in Länder, die davon Terrorismus finanzieren). Wir brauchen eine Energieversorgung, bei der kein Kohlendioxid entsteht. Die Entwicklung erneuerbarer Energien hat inzwischen einen Stand erreicht, bei dem diese je nach Standort und Energeiform bereits heute, bald oder in absehbarer Zeit mit fossiler Energieerzeugung konkurrenzfähig wird (>> mehr). Dabei werden nicht nur die einen (fossilen) Energieträger gegen andere (erneuerbare) ausgetauscht, sondern das gesamte System der Energieerzeugung wird sich verändern: Neben einem großen, internationalen Stromnetz, das Sonnenstrom aus der Sahara und Windstrom von der Atlantikküste miteinander verknüpft und verteilt, wird die Produktion von Strom und Wärme auf dem eigenen Hausdach (Solarzellen und Sonnenkollektoren) oder im eigenen Keller (kleine Blockheizkraftwerke oder Brennstoffzellen) und die Speicherung von Strom in den Batterien des eigenen (Elektro-)Autos kommen (>> mehr) - auch hier bieten sich Chancen für innovative Unternehmen (Mitarbeiter, Architekten, ...), die Solarzellen, Sonnenkollektoren, Blockheizkraftwerke, Brennstoffzellen, ... anbieten.
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Ökologische Ethik - Schutz des Naturkapitals

Auch energieeffiziente Technologien, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, sind nicht per se und in jedem Fall gut - das zeigt etwa die Diskussion um die Nutzung der >> Bioenergie. Sie muss ergänzt werden um eine ökologische Ethik, die den Schutz unseres Naturkapitals ernst nimmt. Wir müssen begreifen, dass unser (Über-)Leben und unsere Wirtschaft von diesem Naturkapital abhängen: Die Dienstleistungen der Ökosysteme wie saubere Luft und sauberes Wasser sind unverzichtbar. Der sorgfältige Umgang mit diesen Dienstleistungen wird immer bedeutsamer für die Märkte werden - Vorläufer sind etwa Zertifikate für Holz aus nachhaltigem Anbau und für Lebensmittel aus Bio-Landbau. Über den Handel mit Lizenzen für den Kohlendioxid-Ausstoß kann der Schutz von Wäldern in Entwicklungsländern bezahlt werden (>> hier). Eine zentrale Rolle beim Schutz des Naturkapitals nimmt die Landwirtschaft ein: Sie ist die Basis aller Wirtschaft, bedroht jedoch die Ökosysteme, von denen sie abhängt. Ansätze wie Bio-Landbau und Aqua-Kultur zur Aufzucht von Fischen werden an Bedeutung gewinnen. Ebenso wird der sorgsame Umgang mit dem Rohstoff Wasser - Wasser wird in Zukunft knapper und teurer sein - zu den Herausforderungen der Zukunft gehören.
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Weiter mit:
>> Bevölkerung und Gesundheit - Wie 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben können

© Jürgen Paeger 2006 - 2009

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