Das Zeitalter der Industrie

Der 4. UN-Klimareport

Zusammenfassung

Im Jahr 2007 hat der Klimarat der Vereinten Nationen (IPCC) seinen vierten Klimareport veröffentlicht. Der Klimareport fasst regelmäßig den Stand der weltweiten Klimaforschung zusammen. In einem Syntheseband werden die Ergebnisse der drei Arbeitsgruppen (siehe rechts) zusammengefasst und Antworten auf wichtige Fragen speziell für Entscheidungsträger gegeben; diese Seite beruht auf der am 17.11.2007 erschienenen Summary for Policymakers des Synthesebands.

Klimaänderungen und ihre Auswirkungen

Die Erde ist in den letzten einhundert Jahren (von 1906 bis 2005) um 0,74 Grad Celsius wärmer geworden (siehe Abbildung); elf der letzten zwölf Jahre gehören zu den zwölf wärmsten Jahren seit Beginn der weltweiten Temperaturmessungen im Jahr 1850.

Die Erde wird wärmer

IPCC-Grafik, die die Veränderung der Erdoberflächentemperatur seit 1850 darstellt

Veränderung der Oberflächentemperatur der Erde seit dem Jahr 1850.
Die Punkte zeigen Jahreswerte, die schwarze Linie über ein Jahrzehnt gemittelte
Durchschnittwerte und der blaue Bereich zeigt die Unsicherheiten an. Abbildung:
Summary for Policymakers of the Synthesis Report of the IPCC Fourth Assessment
Report, eigene Übersetzung.

Mit dieser Erwärmung geht ein Anstieg des Meeresspiegels einher, der seit 1993 3,1 Millimeter pro Jahr beträgt. Er wird verursacht durch die Wärmeausdehnung des Wassers und schmelzende Gletscher und Eisdecken. Die Ausdehnung schnee- und eisbedeckter Flächen geht zurück, sowohl in der Arktis als auch in den Bergen.

Von diesen Änderungen gehen Auswirkungen auf natürliche Systeme aus. So sind etwa der frühere Beginn von Blütezeiten und die Wanderung von Tier- und Pflanzenarten in höhere Breiten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückzuführen. Wahrscheinlich gilt dies auch für weitere Veränderungen, wie Waldbrände und Hitzewellen.

 Ursachen der Klimaänderungen

Das Klimasystem der Erde wird von Veränderungen der Konzentration an >> Treibhausgasen und Aerosolen in der Atmosphäre, der Landbedeckung und der Sonnenstrahlung beeinflusst. Das wichtigste vom Menschen freigesetzte Treibhausgas ist Kohlendioxid, sein Ausstoß hat von 1970 bis 2004 um 80 Prozent zugenommen (siehe Abbildung). Die Konzentrationen der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Stickoxide überschreiten die vorindustriellen Werte bei weitem; bei Kohlendioxid und Methan liegen sie höher als jemals in den letzten 650.000 Jahren. Ursache der Kohlendioxid-Freisetzung ist vor allem die Verbrennung fossiler Brennstoffe, daneben spielen auch Änderungen der Landnutzung (Abholzung von Wäldern) eine Rolle. Quelle der Methan-Freisetzung sind Landwirtschaft und die Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Mengen und Quellen der Treibhausgase

Vom Menschen verursachte Treibhausgas-Emissionen

Vom Menschen verursachte Treibhausgas-Emissionen. (a) Globale jährliche Treibhausgasemissionen von 1970 bis 2004, (b) Anteil der verschiedenen Treibhausgase an den Emissionen im Jahr 2004, (c) Anteil der verscheidenen Sektoren an den Treibhausgas-Emissionen (Forstnutzung beinhaltet Abholzung von Wäldern). Abbildung: Summary for Policymakers of the Synthesis Report of the IPCC Fourth Assessment Report, eigene Übersetzung.

Der Anstieg der Konzentration an Treibhausgasen ist die wichtigste Ursache der beobachteten Temperaturerhöhung. Natürliche Aerosole aus Vulkanausbrüchen und Änderungen der Sonnenstrahlung alleine hätten in den letzten 50 Jahren wahrscheinlich eine Abkühlung der Erde zur Folge gehabt.

Zukünftige Klimaänderungen und mögliche Folgen

Bei einer Fortsetzung der bisherigen Politik werden die Emissionen an Treibhausgasen in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen; damit wird die Klimaerwärmung weitergehen. Die Folgen werden sehr wahrscheinlich größer sein als jene im 20. Jahrhundert. Die Emissionen und die davon erwartete Temperaturerhöhung hängen von verschiedenen Annahmen über Wirtschaftswachstum und Technologieentwicklung ab; die Spannbreite der möglichen Entwicklung ist in der folgenden Abbildung dargestellt:

Wie warm könnte es werden?

Szenarien für zukünftige Treibhausgas-Emissionen und aus ihnen folgende Temperaturerhöhungen

Szenarien für Treibhausgasemissionen (ohne zusätzliche Klimapolitik) und die aus ihnen folgende Temperaturerhöhung. Links: Farbig die sechs IPCC-Szenarien aus dem Jahr 2000 (Special Report on Emission Scenarios [SRES]); grau dargestellt der 80-Prozent-Bereich neuerer Szenarien und grau gestrichelt der volle Umfang neuerer Szenarien. Rechts: Die aus den IPCC-Szenarien folgenden Temperaturerhöhungen. Die unterste Linie stellt keine Folge eines Szenarios das, sondern zeigt die Temperaturentwicklung bei gleichbleibenden Treibhausgas-Konzentrationen. Die Balken ganz rechts zeigen die Abschätzungen (mit Unsicherheiten) für den Zeitraum 2090 bis 2099. Abbildung: Summary for Policymakers of the Synthesis Report of the IPCC Fourth Assessment Report, eigene Übersetzung.

Die größte Erwärmung wird über Land und in nördlichen Breiten erwartet; extreme Hitze, Hitzewellen und schwere Niederschläge werden sehr wahrscheinlich zunehmen. Sehr wahrscheinlich wird die Niederschlagsmenge in hohen Breiten zunehmen, und wahrscheinlich in den Subtropen abnehmen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Verfügbarkeit von Wasser in Mittelmeergebiet, dem Westen der USA, Südafrika und Nordostbrasilien abnehmen.

Im Norden wird es besonders warm

Mögliche Erhöhung der Oberflächentemperatur der Erde im späten 21. Jahrhundert

Geografische Verteilung der  Temperaturerhöhung. Mögliche Erhöhung der Oberflächentemperatur auf Basis des A1B-Szenarios für das späte 21. Jahrhundert (2090 bis 2099). Abbildung: Summary for Policymakers of the Synthesis Report of the IPCC Fourth Assessment Report.

Abhängig von der Temperaturerhöhung werden weitere Folgen eintreten, siehe die folgende Abbildung.

Was noch auf uns zukommen könnte

Globale Auswirkungen des Klimawandels

Beispiele der zu erwartenden globalen Auswirkungen des Klimawandels je nach Anstieg der Temperatur im 21. Jahrhundert. Die schwarzen Linien verbinden Auswirkungen, die gestrichelten Linien deuten eine Fortsetzung mit steigender Temperatur an. Der linke Textrand zeigt an, wo die jeweilige Auswirkung beginnt. Alle dargestellten Auswirkungen treten mit hoher Wahrscheinlichkeit ein. Anmerkungen in der Abb.: 1 = Signifikant bedeutet hier mehr als 40 Prozent; 2 = Basierend auf einem Anstieg des Meeresspiegels um 4,2 mm/Jahr von 2000-2080. Abbildung: Summary for Policymakers of the Synthesis Report of the IPCC Fourth Assessment Report, eigene Übersetzung.

Besonders betroffen werden die Arktis, Afrika, kleine Inseln und die Megadeltas in Afrika und Asien sein: Die Arktis, da hier die Erwärmung besonders hoch ausfällt; Afrika, da hier schwere Auswirkungen mit geringen Mitteln zur Anpassung zusammentreffen; kleine Inseln, da diese besonders unter dem Anstieg des Meeresspiegels leiden und die Megadeltas, da hier eine große Bevölkerung dem ansteigenden Meeresspiegel, heftigeren Stürmen und häufigeren Überflutungen ausgesetzt ist.

Unter den >> Ökosystemen sind besonders die Tundra, boreale Wälder und Hochgebirgs-Ökosysteme betroffen, da diese besonders wärmeempfindlich sind; dazu >> Meeres-Ökosysteme wie Mangroven, Salzmarschen und Korallenriffe. Trockene Regionen der Erde werden unter zunehmendem Wassermangel leiden. Die Ozeane leiden zudem bereits unter Versauerung (der pH-Wert ist um 0,1 gesunken); je nach Szenario wird für das 21. Jahrhundert ein weiteres Absinken um 0,14 bis 0,35 pH-Einheiten erwartet.

Darüber hinaus könnte die Klimaerwärmung abrupte und unumkehrbare Veränderungen auslösen, etwa eine Abschwächung des >> thermohalinen Förderbands oder das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten. Dazu kommt: Auch wenn die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre nicht weiter steigt, werden die Temperaturerhöhung und der Anstieg des Meeresspiegels noch über Jahrhunderte weitergehen (so lange dauert es, bis das Klimasystem ein neues Gleichgewicht gefunden hat).

Vermeidung von Klimaänderungen und Anpassung

Unabhängig von den in Zukunft ergriffenen Maßnahmen wird die Menschheit sich an den bereits ausgelösten Klimawandel anpassen müssen; die Maßnahmen sind von sozialen und ökonomischen Entwicklungen abhängig und die Fähigkeit hierzu ungleich verteilt. Mögliche Maßnahmen umfassen effiziente Wassernutzung, Aufforstungen, Umsiedlungen gefährdeter Menschen und der Aufbau von Frühwarnsystemen.

Es besteht hohe Einigkeit darin, dass es ein großes Potenzial an Maßnahmen gibt, mit denen der Ausstoß an Treibhausgasen wirtschaftlich vermieden werden kann, so dass er auf oder unter heutige Emissionsmengen fallen kann. Zahlreiche an sich wirtschaftliche Maßnahmen können sich auf dem Markt nicht alleine durchsetzen, daher hängt ihre Durchführung von der Schaffung geeigneter politischer Rahmenbedingungen ab. Mögliche Maßnahmen umfassen (Zukunftstechniken, die bis 2030 wirtschaftlich verfügbar sein sollen, sind kursiv dargestellt):

 

Energie Verbesserte Effizienz bei der Energieerzeugung und -verteilung; Übergang von Kohle auf Gas; erneuerbare Energiequellen; Kraft- Wärmekoppelung; Kohlendioxidabscheidung und -speicherung; Photovoltaik und andere bessere erneuerbare Energiequellen
Transport Effizientere Fahrzeuge; Hybridautos; Biotreibstoffe; Verlagerung von Verkehr auf die Schiene und auf öffentliche Verkehrssysteme; bessere Verkehrsplanung; Biotreibstoffe der zweiten Generation; Hybrid- und Elektroautos mit besseren Batterien; effizientere Flugzeuge
Gebäude Effiziente Beleuchtung und Tageslichtnutzung; effizientere elektrische Geräte; bessere Wärmedämmung; passive und aktive Solarenergienutzung für Heizung und Kühlung; alternative Kühlflüssigkeiten; integrierte solare Stromerzeugung
Industrie Effizientere Stromnutzung; Wärmerückgewinnung; Materialrecycling und -wiederverwendung; prozessspezifische Technologien; bessere Energieeffizienz; Kohlenstoffabscheidung und -speicherung für Zement-, Ammonium- und Eisenherstellung; inerte Elektroden für Aluminiumherstellung
Landwirtschaft Verbessertes Management zur Erhöhung der Kohlenstoffspeicherung im Boden; verbesserter Reisanbau; verbesserte Nutzung von Stickstoffdünger; erhöhte Energieeffizienz
Forstwirtschaft (Wieder-)Aufforstung, verringerte Entwaldung, Nutzung von Forstprodukten als Ersatz für fossile Brennstoffe; Fernerkundung zur Ermittlung der Kohlendioxidbilanz
Abfallwirtschaft Methanrückgewinnung; Abfallverbrennung zur Energienutzung; Kompostierung organischer Abfälle, Abfallminimierung; Biofilter zur optimierten Methanoxidation

Zukunftsperspektiven

Was eine “gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems” im Sinne der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen ist (>> mehr), beruht auf einer Bewertung. Nach Ansicht des IPCC sind dabei insbesondere die folgenden fünf Punkte von Bedeutung:

  • Risiken für einzigartige Systeme, etwa arktische oder Hochgebirgs-Ökosysteme; für einzelne Arten oder für Korallenriffe

  • Risiken extremer Wetterereignisse, wie Dürren, Hitzewellen oder Überschwemmungen

  • Verteilung der Auswirkungen und Verletzlichkeit, die wirtschaftliche schwächsten Regionen sind mit am stärksten vom Klimawandel betroffen

  • Auflaufende Kosten, da mit zunehmender Erwärmung auch die Kosten steigen

  •  Einzigartige Spätfolgen, so wird etwa der Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der Wärmeausdehnung des Wassers noch Jahrhunderte weitergehen; zudem könnte der Meeresspiegel aufgrund schmelzenden Eises schneller als erwartet steigen.

Die Entscheidungen in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten werden darüber entscheiden, wie viele der schlimmsten Folgen noch vermieden werden können. Je später die Verminderung der Emissionen an Treibhausgasen beginnt, desto schwieriger wird es, wirklich gefährliche Störungen zu vermeiden. Um die Temperaturerhöhung auf insgesamt 2 bis 2,4 Grad Celsius zu beschränken, müsste die Wende (der Übergang zu sinkenden Emissionen) bis spätestens zum Jahr 2015 geschafft sein. Die Technik hierfür existiert bereits oder befindet sich in Entwicklung; die Umsetzung braucht aber entsprechende Investitionen und einen intensiven Technologietransfer, um die Techniken allen Emittenten zur Verfügung zu stellen. Die Kosten für das anspruchsvollste Ziel (die genannten 2 bis 2,4 Grad) würde bis 2050 das Wirtschaftswachstum um weniger als 0,12 Prozent verlangsamen. Dem wären die (schwer zu berechnenden) Kosten des Klimawandels gegenüberzustellen.

Zum Download der Studie:
Die Zusammenfassung ist auf den Seiten des IPCC zum Herunterladen verfügbar:
>> Zusammenfassung (pdf, 6,4 MB, in einem neuen Fenster) 

>> Webseiten des IPCC

>> Hintergrundinformationen: Der IPCC und der UN-Klimareport

>> Zur Kurzfassung des Berichts der Arbeitsgruppe 1:
     Wissenschaftliche Grundlagen
>> Zur Kurzfassung des Berichts der Arbeitsgruppe 2:
     Auswirkungen des Klimawandels
>> Zur Kurzfassung des Berichts der Arbeitsgruppe 3:
     Maßnahmen gegen den Klimawandel

Zum aktuellen >> 5. UN-Klimareport.

Klimawandel gefährdet die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme

Eine empfehlenswerte Website zum Thema:

 Logo der Website "Den Klimawandel verstehen"

Weitere Informationen zum Klimawandel auf Ökosystem Erde:
>> Klimawandel
>> Politik gegen den Klimawandel
>> Strategien gegen den Klimawandel

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© Text Jürgen Paeger 2006 - 2010
© Abbildungen IPCC 2007: 4AR-Summary

Zum aktuellen >> 5. UN-Klimareport

Weitere Teile des 4. UN-Klimareports:
> 1 Grundlagen
> 2 Auswirkungen
> 3 Maßnahmen
   gegen den
   Klimawandel