Das globale Ökosystem

Auf dünnem Eis - die Zukunft des Eisbären

Eisbär im kanadischen Wapusk Nationalpark. Foto von Ansgar Walk, aus wikipedia (abgerufen 24.7.2011). Lizenz: >> cc by-SA 2.5.

Der Eisbär (Ursus maritimus, auch Polarbär genannt) ist der König der Arktis: Er steht an der Spitze einer Nahrungskette, die in den Hohlräumen des Polareises beginnt, in denen unzählige Kieselalgen, Krebstiere und andere kleine Tiere leben, die Muscheln, Seesterne, Fische, Robben und Walrosse ernähren, von denen wiederum die Eisbären leben. Geschätzt 20.000 bis 25.000 Eisbären kommen in der Arktis rund um den Nordpol vor, wo sie die meiste Zeit auf dem Meereseis verbringen, wo sie Robben jagen, die ihre Hauptnahrung sind. Die besten Jagdbedingungen liefert das Packeis im Winter, wo die Bären Robben an ihren Atemlöchern erbeuten können; im offenen Wasser gelingt es ihnen dagen kaum, Robben zu erbeuten. In der guten Jagdzeit im Winter fressen die Tiere sich daher eine Speckschicht an, von der sie in mageren Zeiten im Sommer leben. Längere Zeit an Land verbringen nur trächtige Weibchen, die etwa einen Monat vor Geburt eine Geburtshöhle beziehen, in der sie Winterruhe halten und die ersten Monate mit ihren Jungen verbringen, die in dieser Zeit von unter einem Kilo Gewicht bei der Geburt auf 10 bis 15 Kilo zulegen. Durch die Ruhe und das Säugen verlieren die Weibchen dabei bis zur Hälfte ihres Körpergewichts.

Dass den Eisbären Ungemach droht, erkannten die Forscher zuerst im südlichsten Teil ihres Verbreitungsbebietes, der kanadischen Hudson-Bay: Die dort lebenden Eisbären blieben immer kleiner, wurden dünner, die Weibchen hatten weniger Junge und von diesen überlebten immer weniger. Diese Veränderungen gingen mit einem Rückgang des Meereises einher. Bald darauf wurde deutlich, dass auch die anderen Vorkommen der Eisbären unter ähnlichen Problemen litten: Das besonders lohnende Packeis wurde seltener und dünner, und zwingt so die Bären dazu, länger zu fasten. Dünneres Eis wird vom Wind leichter abgetrieben, und zwingt die Bären dazu, längere Strecken zu schwimmen. Zwar sind Eisbären gute Schwimmer, aber das Schwimmen in kalten arktischen Gewässern kostet viel Energie, und greift so die Speckschichten weiter an. Schlecht ernährte männliche Eisbären greifen gelegentlich auch Weibchen und deren Nachwuchs an, und fressen diese - auch dieses Verhalten dürfte, so fürchten die Forscher, bei schlechteren Bedingungen zunehmen. Noch ist die Situation nicht überall kritisch, auf den kanadischen Arktisinseln und dem nördlichen Grönland gibt es bisher auch im Sommer noch ausreichend Meereis und im flachen Schelfmeer ausreichend Nahrung, aber die Aussicht auf eine eisfreie Arktis im Sommer durch den Klimawandel lässt mittelfristig auch um die Zukunft der Eisbären fürchten.

© Jürgen Paeger 2006 - 2011

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