Hintergrundinformation

Eine kleine Geschichte der Menschheit

Die ersten Staaten

In besonders ertragreichen Regionen führte der Ackerbau zu hohen Bevölkerungsdichten und zur Entstehung der ersten Städte (>> Die Folgen des Ackerbaus); und aus diesen entstanden die ersten Staaten.

Foto der Pyramiden von Gizeh

Die Pyramiden von Gizeh wurden im Zeitraum von 2.620 bis 2.500 Jahren v.u.Z. erbaut und wurden zum Symbol für das >> ägyptische Pharaonenreich. Foto: Ricardo Liberato, aus >> wikipedia commons (abgerufen 13.6.2014), Lizenz: >> cc 2.0.

Die ersten Staaten in Mesopotamien, Ägypten, am Indus und in China entstanden alle an großen Flüssen, die bei regelmäßigen Überschwemmungen die angrenzenden Felder düngten. Das Wasser und der fruchtbare Schlamm wurde bald auch mit Kanälen zu den Felder geleitet. Der amerikanische Historiker Karl Wittfogel entwickelte die „hydraulische Theorie“, nach der gerade die Organisation der Flussregulierung zu diesen Staatsbildungen geführt habe. Heute wird diese aber aus mehreren Gründen kritisch gesehen: Zum einen lassen sich Bewässerungskanäle viel besser vor Ort als mittels zentraler Anweisungen pflegen; zum anderen dürften auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben: etwa die Rolle der Flüsse als wichtiger Transportweg für den Handel und die hohe Bevölkerungsdichte, die Erfindungen – auch sozialer Art – förderte.

Mesopotamien

Die ersten Staaten der Welt entstanden durch die Sumerer im Süden Mesopotamiens, dem „Land zwischen den Flüssen“ (Euphrat und Tigris). Sumer bedeutet „Kulturland“, ein Hinweis auf die Bedeutung der Landwirtschaft. Euphrat und Tigris entspringen in schneereichen Bergen in der heutigen Türkei - ihr Wasser versorgte die Landwirtschaft in der Ebene mit Wasser und brachte Nährstoffe mit. Eine ertragreiche Landwirtschaft führte schnell zu hoher Bevölkerungsdichte, die Dörfer wuchsen schnell an, bald entstanden erste Städte. Eine wachsende Bevölkerung erforderte größere Bewässerungssysteme, und so dehnten sie Städte ihren Einflussbereich auf ihre Umgebung aus: vor etwa 5.200 Jahren entstanden so erste Stadtstaaten: Uruk, Ur, Lagasch und andere. Uruk im heutigen Irak soll schließlich 50.000 Einwohner gehabt haben. Die Sumerer machten bedeutsame Erfindungen: Seit 5.500 Jahren nutzten sie das Wagenrad und spannten Rinder und Esel vor Pflüge und Karren; zu dieser entwickelten sie auch die erste Schrift, die sumerische Keilschrift (mehr >> hier). Die Stadtstaaten übten bereits die Macht eines Staates aus: Die Nahrung wurde von Ackerbauern, Hirten, Fischern und Gärtnern erzeugt, die den größten Teil ihrer Produkte abgeben mussten und dafür vom Staat die notwendigen Rohstoffe, vom Saatgut bis zu metallenen Werkzeugen erhielten. Mit den Stufentempeln (Zikkurat) entstanden heilige Bauten, die als „Turm von Babel“ Eingang in die Bibel fanden; aus mündlichen Überlieferungen der Sumerer entstand später das Gilgamesch-Epos, eine der ältesten und größten Dichtungen der Menschheit. Die immer weitere Ausdehnung der Bewässerungssysteme führte schließlich zu Kämpfen zwischen den Stadtstaaten.

Weiter nördlich, wo Westwinde vom Mittelmeer eine ertragreiche Landwirtschaft auch ohne Bewässerung ermöglichte, lebten semitisch sprechende Völker. Hier war vor 4.500 Jahren das Königreich von Kisch aufgeblüht. Nachdem um 2.300 v.u.Z. ein hoher Beamter, Sargon, den König stürzte, machte er als Sargon I. die Stadt Akkad zum Königssitz, unterwarf in vielen Schlachten die sumerischen Stadtstaaten und bildete schließlich das erste Großreich der Geschichte, dessen Einfluss vom Persischen Golf bis ans Mittelmeer reichte. Dass Akkad die sumerischen Stadtstaaten unterwerfen konnte, hatte womöglich nicht nur mit deren Streitigkeiten untereinander, sondern auch mit fallenden Ernteerträgen zu tun: Die Bewässerung hatte nämlich zu einer Versalzung des Bodens geführt - Keilschrifttafeln berichteten davon, dass "schwarze Felder weiß wurden" und "Pflanzen an Salz erstickten"; zur Zeit der Eroberung durch Akkad fielen die Erträge bereits deutlich. Vor 2.000 Jahren v.u.Z. dominierte das Reich von Sumer und Akkad, wie es nun genannt wurde, noch große Teile des Nahen Ostens. Im Süden fielen die Erträge aus der Landwirtschaft aber weiter; und das mag dazu beigetragen haben, dass das Reich schließlich unter den Angriffen aus dem Nordwesten kommender, halbnomadischer Gruppen zusammenbrach. Diese Amurriter (von akkadisch Amurru, "Westleute") waren ebenfalls Semiten, die schnell die Kultur der älteren Bewohner übernahmen; aber kein zentrales Großreich bildeten. Zu den amurritischen Dynastien gehörte Assur im Norden und das um 1.900 v.u.Z. gegründete Reich von Babylon im Süden. Die Stadt Assur war eine wichtige Handelsstation zwischen Klein- und Mittelasien, um 1.800 v.u.Z. wurde sie unter Schamschi-Adad zu einem Zentrum des assyrischen Reichs. Auch die frühen Religionen Mesopotamiens hinterließen ein Erbe: Von hier stammte der Erzvater Abraham biblischer Überlieferung, der nach Kanaan zog und dessen Urenkel die 12 Stämme Israels begründeten. Nach der Bibel waren sie das erwählte Volk Gottes; ihre religiösen Überlieferungen begründeten das Judentum, jene Weltreligion, die auch die Basis für Christentum und Islam wurde.

Ab 1728 v.u.Z. vereinte der babylonische König Hammurabi Mesopotamien erneut und machte das Reich von Babylon zur Großmacht. Babylon war die erste Prachtstadt auf der Erde (was Nomaden von solchen Städten hielten, kann man in der Bibel nachlesen: “die Mutter der Hurerei und aller Gräuel auf Erden”). Nördlich, im heutigen Anatolien, entstand zu dieser Zeit das Hethiter-Reich, das Babylon im 16. Jahrhundert v.u.Z. überfiel. Hammurabis babylonisches Reich hinterließ ein dauerhaftes Erbe: ein mathematisches Zählsystem mit der Basis 60; und daher hat noch heute die Stunde 60 Minuten und die Minute 60 Sekunden. Der Codex Hammurabi war das erste Gesetzbuch der Geschichte: Bestraft wurde nur, wessen Schuld erwiesen war; Willkür und Vergeltung wurden damit eingeschränkt - ein wichtiger Schritt für das menschliche Zusammenleben. Die babylonische Kultur dominierte auch das Reich der Kassiten (die nach dem Überfall der Hethiter die Macht in Babylonien übernahmen) und das der Assyrer (am mittleren Tigris). Nebukadnezar II. führte Babylon ab 604 v.u.Z. zu neuem Glanz, bis es 539 v.u.Z. persische Provinz wurde.

Auch im Osten des fruchtbaren Halbmonds, im Südwesten des heutigen Iran, entstanden ab 3.500 v.u.Z. städtische Zentren, aus denen das Reich Elam hervorging. Im 12. Jahrhundert vor Christus eroberte das Reich sogar Babylon, unterlag aber Ende des Jahrhunderts Nebukadnezar I. Um 1.000 v. Chr siedelten sich im Gebiet nordwestlich von Elam die indo-germanischen Meder an, die nach und nach die Macht in der Region von dem Elamitern übernahmen. Um 550 v.u.Z. gelang es König Kyros aus dem aus dem südlich gelegenen Perserreich, die Oberherrschaft der Meder abzuschütteln: das Achämenidenreich (auch Altpersisches Reich) war entstanden. Binnen 50 Jahren konnten Kyros und seine Nachfolger, vor allem Dareios I. und Xerxes I., fast ganz Vorderasien, vom Mittelmeer bis an den Indus, unter Kontrolle bringen. (Den Vormarsch am Mittelmeer beendeten die >> Griechen mit ihren Siegen bei Marathon (490 v.u.Z.), Salamis (480) und Plataiai (479).) Die Achämeniden respektierten die verschiedenen Kulturen und Religionen in ihrem Gebiet; erweiterten mit Quanaten - unterirdischen Bewässerungskanälen - die Anbaufläche; bewässerten einen 300 Kilometer breiten Streifen zu beiden Seiten des Tigris (den Schlamm ließen sie von Tausenden Sklaven aus den Gräben schaufeln); und wussten durch sparsame Bewässerung die Versalzung unter Kontrolle zu halten.

Ab 334 v.u.Z. eroberte Alexander der Große das Perserreich. Aber mit dem Zerfall seines Reiches erblühte die persische Kultur wieder und ging um 250 v.u.Z. im Partherreich (daher auch zweites Perserreich genannt) auf. Über die Parther ist wenig, und vor allem aus römischen und chinesichen Quellen, bekannt; aber sie scheinen den Staat geschickt zusammengehalten zu haben und ihre Lage zwischen Rom und China geschickt genutzt zu haben. 141 v.u.Z. eroberte die Parther Mesopotamien, 115 v.u.Z. wurde die (erst später so genannte) Seidenstraße als Handelsroute mit der chinesischen Han-Dynastie offiziell eröffnet (>> mehr). Den Vormarsch des expandierenden römischen Reiches beenden sie, und kämpften über Jahrhunderte immer wieder mit Rom um die Macht im Osten, ohne je zu unterliegen.

Ägypten

Wie die Wildgräser im fruchtbaren Halbmond, lockte auch im Niltal seit jeher reiche Nahrung viele Menschen an; zumal das Tal und auch die angrenzenden Gebiete in regenreicheren Zeiten deutlich feuchter waren als heute. Ackerbau ist im Niltal vermutlich seit 5.500 Jahren anzutreffen, wahrscheinlich aus dem fruchtbaren Halbmond übernommen. Als die Landwirtschaft begonnen hatte, sorgte der fruchtbare Schlamm, den das jährliche Hochwasser des Nil zurückließ, für gute Ernten und Überschüsse. Die Bevölkerung wuchs, und bereits in vorgeschichtlichen Kulturen gibt es Anzeichen für soziale Schichtungen und für Arbeitsteilung und Spezialisierung. Es entstanden zwei Hauptzweige, die Kulturen Unterägyptens im Nildelta und die Oberägyptens am Oberlauf. Um 3.500 v.u.Z. erfanden die Ägypter das Segel, wodurch sie den Nil auch entgegen der Strömung als Transportweg nutzen konnten. Das bemalte vorgeschichtliche Fürstengrab von Hierakonpolis aus der Negade-II-Kultur Oberägyptens (3.500 – 3.200 v.u.Z.) zeigt, dass zu dieser Zeit bereits ausgeprägte Machtstrukturen bestanden. Der Legende nach vereinigte König Menes die Reiche in Unter- und Oberägypten im Jahr 3.100 v.u.Z.; Menes wurde zum ersten Pharao.

Hier beginnt nun die geschichtliche Zeit, denn die Ägypter hatten (angeregt von der Kenntnis der sumerischen Keilschrift?) ihr Hieroglyphensystem entwickelt. Schrift ermöglichte es, Wissen schneller und weiter zu verbreiten, und ermöglichte eine stabilere soziale Organisation, etwa mit geschriebenen Gesetzen (>> mehr). Die bekannteste Entwicklung war aber eine andere: Beginnend mit König Djoser setzte um 2.650 v.u.Z. der Pyramidenbau ein; die Stufenpyramide des Djoser war der erste monumentale Steinbau der Welt. Vermutlich sollten die Stufen dem König den Aufstieg zum Himmel erleichtern. Um 2.500 v.u.Z. entstand die Cheopspyramide in Gizeh, eines der sieben Weltwunder und noch heute weltweit bekanntes Symbol des Pharaonenreichs. Der Bau der Pyramiden war der Höhepunkt der Steinzeit; und mit dem Übergang zur Bronzezeit (>> mehr) begannen die Ägypter auch, das Mittelmeer zu befahren: Sie holten Kupfer aus Zypern, Zinn aus Anatolien und Zedernholz aus dem heutigen Libanon - mit der Seefahrt wurde das Mittelmeer zu einem Mittelpunkt der damaligen Welt (>> mehr).

Das Ägyptische Reich bestand fast 3.000 Jahre; eine in der Geschichte ganz ungewöhnliche Dauer - offenbar hatten die angrenzenden Wüsten ihren Nutzen als Schutz vor Angreifern. Aus dem Jahr 2.450 v.u.Z. ist die erste Expedition nach Punt (ins afrikanische Herzland) beschrieben, von der unter anderem Weihrauch, Elfenbein, Ebenholz und Gold mitgebracht wurden; diese Expeditionen ließen die Nubier im Süden des Nils zu Wohlstand kommen, wo die nubischen Reiche von Kerma und Kusch entstanden (mehr >> hier). Das Reich endete mit der Eroberung durch Alexander den Großen im Jahr 332 v.u.Z.

Induskulturen und erste indische Reiche

Während die Hochkulturen Mesopotamiens und Ägyptens nie in Vergessenheit gerieten, war dies am Indus anders. Erst 1922 wurden auf der Suche nach Spuren des Alexanderfeldzuges schon länger bekannte Fundstätten in Harappa und Mohenjo-Daro im Industal (im heutigen Pakistan) als Städte einer alten Hochkultur, der Induskultur, erkannt. Harappa war da bereits weitgehend zerstört, da die Briten mit den Ziegeln die Eisenbahntrasse Lahore-Multan befestigt hatten; aber seither wurden in Pakistan und Indien Hunderte neuer Fundorte entdeckt. Der Indus brachte Wasser aus dem Himalaya, und war mit seinem breiten Tal bestens für die Landwirtschaft geeignet. Seit 8.000 Jahren wurde hier Garten- und Ackerbau betrieben; Weizen und Gerste und später Datteln, Feigen, Oliven und Baumwolle  angebaut. Bald darauf wurden auch Haustiere gehalten. Kupfervorkommen machten die Indusregion zu einem ersten Zentrum der Metallherstellung in Südasien, in dem metallene Äxte, Speerspitzen und Messer hergestellt wurden. Metallene Sicheln erleichterten die Getreideernte. Später wurde mit Bronze ein härteres Metall geschaffen. Ab 2.600 v.u.Z. begann der Bau großer Städte; die Städte der Induskultur waren komfortabel und verfügten nicht nur über Wasserversorgung mit Brunnen und großen Bädern, sondern auch über eine Kanalisation, mit der die Abwässer unter den Straßen abflossen. Tempel und Paläste sind aus den Städten nicht bekannt, aber die Häuser bestanden aus gebrannten Ziegeln; und die wasserbauliche Infrastruktur erforderte sicher eine Gemeinschaftsleistung – nicht für wenige Einzelne, sondern für die Gemeinschaft. Auch eine Schrift entstand, ist aber im Gegensatz zu Keilschrift und Hieroglyphen noch nicht entziffert, so dass die Archäologen keine schriftlichen Zeugnisse aus dieser Kultur nutzen können und die Gesellschaftsordnung der Induskultur einstweilen ein Rätsel bleibt.

Ab 2.000 v.u.Z. begann der Niedergang dieser Kultur. Auch die Gründe hierfür sind umstritten. Eine plausible Vermutung sind ökologische Probleme: Die Kultur verbrauchte viel Holz und holzte ganze Wälder ab, was offenbar zu verheerenden Überschwemmungen führte. Ab 1.500 v.u.Z. unterwarfen dann Eindringlinge aus den nordiranischen Hochebenen, die über die Pässe des Hindukusch einwanderten, die Induskultur: die Arier. Sie haben eine Literatur hinterlassen, die Veden (das heilige „Wissen“) und die späteren Erläuterungstexte, die Brahmanas und Upanishaden. Während eines tausendjährigen Prozesses besiedelten sie ganz Indien; dabei verlagert sich der Bevölkerungsschwerpunkt vom Indus an den Ganges, der von den riesigen Eisfeldern des Himalaya gespeist wird und nur vom Gelben Fluss in China an transportiertem Boden übertroffen wird. Es entstand eine neue indische Kultur: Aus den Hierarchien der arischen Stammesgesellschaft entwickelte sich eine Vierständeordnung aus Priestern, Kriegern, Ackerbauern und Hörigen; ein Vorläufer des indischen Kastensystems; und aus den religiösen Vorstellungen beider Gruppen entstand der Hinduismus. Mit ca. 800 Mio. Anhängern gehört der Hinduismus heute zu den Weltreligionen. Das höchste Göttliche, Brahman, wird in Göttern Brahma (der Schöpfer), Vishnu (der Bewahrer) und Shiva (der Zerstörer) und unzähligen weiteren Göttern repräsentiert. Im Zentrum steht die Lehre der Wiedergeburt; durch pflichtgemäßes Verhalten kann ein Mensch im nächsten Leben als Mitglied einer höheren Kaste wiedergeboren werden – eine Vorstellung, die das Kastensystem leichter erträglich machte. Als indirekte Kritik an diesem System sehen manche die Entstehung des Buddhismus, der keine Kasten kennt. Ziel des Buddhismus ist es, den Kreislauf der Wiedergeburten zu verlassen, indem man das Nirvana erreicht; ein für Buddhisten nicht mit Worten zu beschreibender, sondern nur zu erfahrender Zustand der Erleuchtung. Mit ca. 400 Mio. Anhängern gehört auch der Buddhismus zu den großen Weltreligionen.

In Indien begründete eine von Chandragupta Maurya angeführte Revolte gegen den Einmarsch Alexander des Großen im 4. Jahrhundert vor unserer Zeit das Maurya-Reich, das unter Chandraguptas Enkel Ashoka im 3. Jahrhundert vor unserer Zeit seine größte Ausdehnung erreichte: das erste indische Großreich mit der Hauptstadt Pataliputra (dem heutigen Patna) im Tal des Ganges war entstanden. Die Geschichte dieses Reiches ist nur in Umrissen bekannt, Einigkeit besteht nur über die Bedeutung der “dharma” unter Ashoka - der Begriff ist schwer übersetzbar und umfasst Recht, Gesetz und ethisch richtiges Handeln als auch die Lehre des Buddha; Buddhismus wurde zur Staatsreligion. Nach Ashokas Tod zerfiel das Maurya-Reich; in den folgenden Jahrhunderten war Nordindien als Folge von Völkerwanderungen von “Indogriechen” (den Nachfolgern des Alexanderreichts) und zentralasiatischen Völkern dominiert. Im Süden Indiens baute die Satavahana-Dynastie den Seehandel mit Südostasien und den Häfen des Roten Meeres aus; unter ihrer Herrschaft entstanden zahlreiche Höhlentempel und buddhistische Stupas. 

Früher Austausch: Verbindungen zwischen Mesopotamien, Ägypten und Industal

Bereits die Ausbreitung der Landwirtschaft zeigt, dass die Menschen aus den Regionen der späteren Hochkulturen in Mesopotamien, Ägypten und im Industal miteinander in Verbindung gestanden haben: Ägypten und das Industal übernahmen die Landwirtschaft vermutlich aus dem fruchtbaren Halbmond. Bereits in der Frühzeit der Hochkulturen nahm der Fernhandel zwischen diesen Regionen zu: In den Königsgräbern von Ur in Mesopotamien fanden sich Perlen aus dem Industal, Inschriften aus der Zeit Sargons I. erwähnen Schiffe aus Melucha (Induskultur), und Kardamom aus Südindien gab es ebenfalls in Mesopotamien. Sumerische Siegel, die in Harappa gefunden worden, belegen den Austausch. Der Handelsaustausch zwischen Mesopotamien und Induskultur beruhte auf der Küstenschifffahrt, die spätestens im 3. Jahrtausend v.u.Z. (Anm.) begann. Nach Ägypten zogen dagegen Karawanen: zuerst Eselskarawanen, nach der Domestizierung des Kamels auch Kamelkarawanen.

Die Annalen der ägyptischen Herrscher enthielten schon in frühester Zeit lange Aufstellungen der Völker, zu denen sie Beziehungen unterhielten; und eine Folge war die Ausbreitung von Erfindungen über den gesamten Raum: die ältesten ägyptischen Pyramiden machten Anleihen bei den sumerischen Stufentempeln, die Hieroglyphen wurden wohl unter Kenntnis der sumerischen Keilschrift entwickelt. Streitwagen, Eisenverarbeitung und ab dem 7. Jahrhundert berittene Bogenschützen, die die Streitwagen ablösten, fanden sich bald im gesamten westlichen Kulturraum - und sogar in >> China, das spätestens seit dem 2. Jahrhundert v.u.Z. durch >> Überlandrouten mit dem Mittelmeerraum verbunden war. Die >> Hirtengesellschaften Zentralasien spielten eine zentrale Rolle beim Austausch von Handelsgüter, Erfindungen, Sitten und religiösen Vorstellungen zwischen den Zivilisationen in Mesopotamien, Indien und China.

Die frühen Hochkulturen Europas

Das antike Griechenland und die Phönizier

Das Mittelmeer liegt ideal zwischen Europa, Afrika und Asien; im Sommer ist es meistens ruhig und damit für die Schifffahrt geeignet - Boote sind auf dem Mittelmeer seit 14.000 Jahren belegt (>> hier). Nachdem sich vor 8.000 Jahren die Landwirtschaft entlang der Mittelmeerküste ausbreitete, wurde der Austausch überlebenswichtig: An der Mittelmeerküste konnten nämlich Kälteeinbrüche mit Schnee und Eis oder lange Trockenzeiten jederzeit zu schwankenden Ernten führen, dann waren die Bauern auf Nahrungsmittel aus anderen Teilen des Mittelmeeres angewiesen. Keramik und Obsidian, die erhalten blieben, belegen den neolithischen Warenaustausch. Eine starke Macht konnte so in der gesamten Region bedeutenden Einfluss gewinnen; was die Entstehung staatlicher Strukturen und der ersten europäischen Hochkulturen begünstigte. Der Austausch steigerte sich mit Beginn der >> Bronzezeit, als Kupfer und Zinn herbeigeschafft werden mussten; vom vor 5.000 Jahren intensiver werdenden Austausch in der Ägais profitierten etwa Troja (gegründet vor 5.000 Jahren "von Menschen, die sich mit Kupfer auskannten und wahrscheinlich mit Zinn handelten" (Anm.) sowie die Kultur der Minoer (benannt nach dem mythischen König Minos) auf Kreta. Diese sollte zur ersten mediterranen Hochkultur werden. Eine Blüte begann vor gut 4.000 Jahren, als die "Paläste" (die vielleicht auch Tempel waren) von Knossos und anderen Orten gebaut wurden.

Auf Kreta war eine echte Zivilisation entstanden, mit Städten und spezialisierten Handwerkern, die etwa Tongefäße mit eierschalendünnen Wänden produzierten. Die Minoer waren auch gute Seefahrer und handelten mit Ägypten, Mesopotamien und vielleicht auch dem östlichen Mittelmeer bis Sizilien, womöglich sogar bis Spanien. Nach einer Serie von Vulkanausbrüchen und Erdbeben vor rund 3.500 Jahren (bei einem der Vulkanausbrüche wurde die Insel Thera, ein wichtiger Stützpunkt der minoischen Flotte, zerstört) konnten Mykener aus der Peloponnes die Herrschaft über Knossos erlangen. Die Vorfahren der Mykener waren wohl aus dem südlichen Balkan auf die Peloponnes gekommen, wo sie vor 3.500 Jahren zu beträchtlichem Einfluss gekommen waren. Sie baute große Festungen (nach der Zitadelle Mykene wurde die Kultur benannt) und waren kriegerisch, wie die Minoer erfahren mussten. Mykenische Kaufleute übernahmen das Handelsnetz der Minoer und - die Schiffe waren seetüchtiger geworden und nutzten ergänzend zu den Ruderern Segel - intensivierten den Handel mit Süditalien und Sizilien. Wichtiger war aber das levantinische Handelsnetz, das über Handelsstädte wie Ugarit und Byblos an der Ostküste des Mittelmeers bis in die mesopotamischen Welt und nach Ägypten reichte.

Ägypten bezog Kupfer, Zinn und Holz aus der Levante; und sah daher das in Anatolien aufstrebende Hethiterreich als Bedrohung, das sich im 13. Jahrhundert v.u.Z. anschickte,  Einfluss an der Mittelmeerküste zu erlangen. 1274 v.u.Z. kam es zur Schlacht von Kadesch, bei der keine Seite siegen konnte, und die eine unruhige Zeit einläutete, in der auch die mykenischen Krieger mitmischten - der "Untergang Trojas" (der sich wohl über eine lange Zeit hinzog) erfolgte in dieser Zeit. Es gibt Hinweise auf größere Hungersnöte; und viele Menschen suchten sich wohl eine neue Heimat - oft auch als Söldner und Seeräuber, die regelrechte Feldzüge führten. Ägypten, für das der Mittelmeerraum nur eine beschränkte Bedeutung hatte, überstand diese Zeit, aber die mykenische Kultur zerfiel.

In die Lücke sollte Kaufleute aus dem heutigen Libanon stoßen, die Phönizier. Die Phönizier gingen aus den Kanaanitern hervor, die seit langem an der levantinischen Mittelmeerküste mit Zedernholz, Purpurfarbstoff und Elfenbein handelten. Auch sie handelten zunächst vor allem mit Mesopotamien und Ägypten. Die ausgezeichneten Seefahrer durchquerten das Mittelmeer aber nicht mehr entlang der Küste, sondern auf offener See, und gelangten schließlich sogar in den Atlantik, wo sie etwa an der iberischen Atlantikküste das heutige Cádiz gründeten - in der Region gab es reiche Silbervorkommen. Die führende phönizische Siedlung im westlichen Mittelmeer wurde aber das 814 v.u.Z. gegründete Karthago, in dessen Hinterland es reichlich Getreide, Wein und Öl gab. Phönizische Kaufleute konnten lesen und schreiben, aus einer frühen Linearschrift entwickelten die Phönizier entwickelten auch ein Alphabet (mehr dazu >> hier) und verbreiteten diese im gesamten Mittelmeerraum.

Auf dem Peloponnes, in Attika und der Ägäis folgte auf den Niedergang der Mykener langsam die Herausbildung von Stadtstaaten, die ab 750 v.u.Z. das antike Griechenland prägten. Zunächst war es Euböa, dann Korinth und schließlich Sparta und Athen, die diese Geschichte prägten. Die Griechen gründeten Kolonien in Italien, Sizilien, Frankreich, Nordafrika und Kleinasien; die Heimatländer blühten als Handelszentren auf. Die griechischen Kaufleute handelten mit Getreide, Öl, Wein aus ihrer Heimat, mit Metallen wie Kupfer und Eisen sowie der Fischsauce garum aus dem Westen und Luxusgütern aus Kleinasien und Ägypten. Die Euböer brachten das Alphabet nach Italien; griechische Kaufleute gehörten zu den ersten, die Silbermünzen als Tauschmittel nutzten; und die antiken Olympischen Spielen zeigen die damalige Bedeutung des Sports.

Ein hellenisches (nach dem Namen, den Homer den Gefolgsleuten des Achill gegeben hatte) Gemeinschaftsgefühl entstand aber wohl erst, als im 6. Jahrhundert v.u.Z. die >> Perser den Mittelmeerraum bedrohten; und als Xerxes nach seiner Machtübernahme 486 einen Feldzug gegen die Griechen startete, kam es zum Krieg: Nach einer heldenhaften Niederlage der Spartaner bei den Thermopylen und einem Sieg der Athener bei Salamis 480 konnten die Griechen 479 die persische Flotte in Brand setzen und in der Landschlacht bei Plataiai den Persern klarmachen, dass das griechische Bündnis nicht leicht zu besiegen war. Sparta und Athen gingen als Sieger aus dem Krieg gegen die Perser hervor. Vor allem sollte es Athen sein, dessen Errungenschaften bis heute nachhallen: Hier bestimmten zum ersten Mal die Bürger selbst die Geschicke des Stadtstaates, eine Demokratie genannte Herrschaftsform. (Allerdings galt diese in Athen nur für die freien Männer, und nicht für Frauen, Sklaven und zugereiste Fremde.) Die Ideen der Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles beeinflussen bis heute das westliche Denken; Mathematiker wie Archimedes brachten die Wissenschaft entscheidend voran. Sparta und Athen hatten beide nach den Perserkriegen Verteidigungsbünde mit anderen Städten begründet: den Peloponnesischen Bund (Sparta) und den Attischen Bund (Athen), die Einflusssphären beider Bunde waren in Verträgen aufgeteilt. Aber Athen - das seine geschätzt über 300.000 Einwohner trotz intensiver Landwirtschat in Attika nicht aus seiner Umgebung ernähren konnte - nutzte den Attischen Bund, um die Herrschaft über andere Staaten zu gelangen, und als der Rest Griechenlands unter Führung Spartas sich der Ausweitung des Imperium entgegenstellte, begann der Peloponnesische Krieg (431-404 v.u.Z.): Er wurde zum antiken Weltkrieg, gekämpft wurde von Sizilien bis Kleinasien und die Zahl der Kriegstoten war gewaltig. Der Krieg brach die Macht Athens, aber auch Sparta hatte zu hohen Verluste erlitten, um dauerhaft die Vorherrschaft zu behaupten. Griechenland blieb mehr oder weniger im Kriegszustand.

So konnte 338 v.u.Z. Philipp II. aus dem benachbarten Makedonien die alliierten griechischen Heere besiegen und mit seinem Reich vereinigten. Philipps Sohn Alexander der Große eroberte unter dem Vorwand, Rache für die Perserkriege nehmen zu wollen, das Achämenidenreich einschließlich Ägyptens und zog anschließend weiter nach Indien (in das Gebiet des heutigen Afghanistan und Pakistan). Der Eroberungszug endete erst, als seine Männer sich weigerten, weiterzugehen. 331 v.u.Z. hatte er am Rand Ägyptens die Stadt Alexandria gegründet; nach Alexanders Tod wurde das Reich unter drei Generälen aufgeteilt und unter den Ptolemäern wurde Alexandria zum wichtigen Handelszentrum. Die Stadt verband Ägypten mit dem Mittelmeer und wurde zum  Drehkreuz zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean, nachdem Ptolemäus II. einen Wasserweg zum Roten Meer schuf. Ptolemäus I. und II. bauten einen Leuchtturm auf der benachbarten Insel Pharos, der den Hafen markierte und als eines der sieben antiken Weltwunder galt. Alexandria wurde zum wahren Nachfolger Athens als Zentrum der hellenistischen Welt; unter anderem entstand hier die bedeutendste Bibliothek der damaligen Welt, die Hunderttausende Papyrusrollen enthielt. In Alexandria lehrten berühmte Gelehrte wie Eratosthenes, Euklid, Ptolemäus und Archimedes.

Das Römische Reich

In Norditalien war unter dem Einfluss der ostmediterranen Kulturen ab 800 v.u.Z. die Zivilisation der Etrusker entstanden, die intensiven Austausch sowohl mit Phöniziern als auch Griechen pflegte und ab 750 v.u.Z. die Seeherrschaft über das Tyrrhenische Meer erlangte, was nicht ohne Seeschlachten mit griechischen Schiffen abging. Im Jahr 500 v.u.Z. lehnten sich in Rom die Bürger der 300 Jahre zuvor gegründeten und inzwischen groß und reich gewordenen Stadt gegen die Etrusker auf. Auch die Römer schafften den König ab und schufen die „res republica“, die „gemeinsame Sache des ganzen Volkes“. In Gegensatz zur griechischen Demokratie zählten in Rom nicht alle Stimmen gleich, die wohlhabenden Römer hatten damit eine garantierte Mehrheit. Fortschrittlicher war das römische Rechtssystem: Ohne Gerichtsverfahren und ohne Schuldbeweis durfte niemand bestraft werden.

Rom wollte mit Hilfe eines starken Heeres die erste Stadt in Italien werden – wobei es nicht bleiben sollte. 312 v.u.Z. begann mit dem Bau der Via Appia der Bau der ersten großen römischen Straßen, die später ein Riesenreich zusammenhalten sollten. Die Ausdehnung Roms brachte die Stadt in Konflikt mit Karthago - die mittlerweile von Phönizien gelöste Stadt beherrschte Nordafrika, aber, nach wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit Syrakus,  auch den Westen Siziliens. Sizilien war auch auch für Rom interessant, das eine immer stärker wachsende Bevölkerung mit Getreide versorgen musste. Als kampanische Söldner, die Messana (heute Messina) besetzt hatten, die Römer gegen Karthago zu Hilfe riefen, begann der erste von drei Punischen Kriegen. Nach dem ersten (264-241 v.u.Z.) kontrollierte Rom Sizilien. Karthago konzentrierte seine Aktivitäten auf den Westen - so erfolgreich, dass Rom ein Wiedererstarken fürchtete. Als die Stadt Sagunt (nördlich des heutigen Valencia) Rom zu Hilfe rief, begann der zweite Krieg (218 - 201 v.u.Z.) - der, in dem Karthagos großer Feldherr Hannibal mit einer siegreichen Armee durch Spanien und die französischen Alpen gen Rom zog. Hier wurde er 207 v.u.Z. geschlagen. Nun konnten die Römer ihr Territorium auf Kosten von Karthago ausdehnen, und bald gehörten auch Spanien, Teile Nordafrikas und Korsika zum Römischen Reich. Danach war die Reihe an den Griechen, die den Zweiten Punischen Krieg genutzt hatten, Rom ebenfalls anzugreifen: 148 v.u.Z. wurde Makedonien römische Provinz, 146 v.u.Z. die griechischen Städtebündnisse. Im Dritten Punischen Krieg (149 - 146 v.u.Z. wurde zudem Karthago endgültig zerstört. Der gesamte westliche und mittlere Mittelmeerraum stand nun unter der Herrschaft Roms.

Rom hatte jetzt Zugriff auf Getreide aus Sizilien, Sardinien und Nordafrika. Allerdings gefährdete eine zunehmende Piraterie die Sicherheit der Schiffstransporte. Ein Hauptstützpunkt der Piraten war das "wilde Kilikien", die Südostküste der heutigen Türkei. Als 67 v.u.Z. Gnaeus Pompeius zum Oberbefehlshaber des Krieges gegen die Piraten gemacht wurde, beendete er die Piraterie in wenigen Monaten - und ordnete den Osten des Mittelmeeres im römischen Sinn: Das an der Südküste des Schwarzen Meeres gelegene Pontische Reich und der Rest des Seleukidenreiches (das Syrien umfassende Teilreich, das aus Alexanders Griechenland hervorgegangen war) wurden römische Provinz.

Während dieser erfolgreichen Expansion nahmen im Inneren des Reiches die Probleme zu: Reiche Patrizier teilten die Kriegsbeute unter sich auf und ließen die eroberten Sklaven auf ihren Großbetrieben arbeiten, während die einfachen Bauern sich während ihrer Kriegseinsätze nicht um ihre Höfe kümmern konnten und diese verloren. Viele von ihnen wurden so zu “proletarii”, Besitzlosen, die in die Stadt flohen. Als die Brüder Gracchus eine Bodenreform versuchten, wurden sie ermordet, es kam zu Straßenkämpfen und politischen Morden, eine Epoche der Bürgerkriege begann. Diese ließen 48 v.u.Z. Pompeius und den in Gallien erfolgreichen Feldherrn Julius Caesar aufeinandertreffen: Der unterlegene Pompeius floh nach Ägypten, wurde dort aber von Höflingen des Königs Ptolemäus XIII. ermordet.

Dessen offenbar äußerst charmante Schwester Kleopatra bat Caesar erfolgreich um Unterstützung beim Machtkampf gegen ihren Bruder; nach dem Alexandrinischen Krieg wurde Kleopatra (wenn auf formell mit einem Mitregenten) wieder Königin. (Kleopatra gebar bald nach Caesars Abreise einen Sohn, den sie Ptolemäus Caesar nannte; Caesars Vaterschaft ist aber umstritten.) Julius Caesar ließ sich 46 v.u.Z. zum Diktator ernennen. Damit war er Alleinherrscher. Aber schon 44 v.u.Z. wurde er im Senat ermordet, aus dem erneuten Bürgerkrieg ging Caesars Großneffe Octavian als Sieger hervor. Dieser besiegte im Ptolemäischen Krieg seinen Triumviratskollegen Marcus Antonius (der ein Liebesverhältnis zu Kleopatra unterhielt) und machte Ägypten im Jahr 30 v.u.Z. zur römischen Kolonie. Damit war das Mittelmeer endgültig zum mare nostrum - zum römischen Meer - geworden. Octavian wurde zum ersten römischen Kaiser und erhielt im Jahr 27 v.u.Z. den Ehrentitel "Augustus" ("der Erhabene"). Die Pax Romana, der Römische Frieden, brachte inneren Frieden und stellte die Sicherheit der Grenzen in den Vordergrund. Aus Ägypten kamen nicht nur bedeutende - und dank der regelmäßigen Nilfluten auch zuverlässige - Getreidelieferungen, sondern über Alexandria auch Luxusgüter aus dem "Indienhandel".

Europa nördlich der Alpen

Seit vor 7.500 Jahren die Landwirtschaft Westeuropa erreicht hatte, siedelten die Menschen zunächst in Gebieten mit fruchtbaren Lössböden. Das westeuropäische Klima mit regenreichem Frühsommer und trockenem Hochsommer ist gut für den Getreideanbau geeignet; kalte Winter schränkten die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheitserregern ein. Zur Regeneration des Bodens war die Brache üblich, nach einem Jahr Ackerbau wurde das Land im nächsten Jahr liegengelassen und diente als Weideland für das Vieh. Die Tiere waren größer und stärker als die anderer Kulturen. Überschüsse wurden aber im Norden kaum erwirtschaftet, also drängte auch nichts auf Staatsbildung.

Die Hochkulturen des Mittelmeerraums interessierten sich für den Norden als Quelle von Zinn und Bernstein. 325 v.Chr. hatte Pytheas von Massalia (dem heutigen Marseille) das Land auf einer Seereise erkundet - sein Reisebericht ist aber nicht erhalten. Griechen und lange Zeit die Römer unterscheiden nördlich der Alpen nur Skythen und Kelten. Die Skythen lebten im Osten und waren >> Nomaden; die Kelten lebten im Westen und waren Ackerbauern und Viehzüchter. Ein Volk im heutigen Sinne waren sie nicht, sondern Stämme mit bestimmten Gemeinsamkeiten - zu denen etwa Druiden als kultische Führer gehörten. Archäologisch sind sie mit der Hallstatt- und La-Tène-Kultur der Eisenzeit verbunden; vor den Eroberungen der Römer beherrschten sie große Teile West- und Mitteleuropas. 387 v.Chr. waren die Kelten sogar bis nach Rom gelangt (die Stadt blieb nur wegen der legendären schnatternden Gänse unbesiegt), die Galater siedelten gar in Kleinasien. Das wichtigste Handelsgut der Kelten war Salz - im (heute österreichischen) Hallstatt, das vom Salzabbau lebte, wurden Funde von Gegenständen aus ganz Europa und dem Nahen Osten gemacht, die den Reichtum der Region in der frühen Eisenzeit belegen.

Das keltische Kernland geriet ab dem 2. Jahrhundert v.u.Z. ins Visier des expandierenden römischen Reiches. Julius Caesar, der bei seinen Feldzügen zur Eroberung (des keltischen) Galliens am Rhein auf Völker mit einer anderen Sprache und Kultur traf, nannte diese Germanen. Diese Abgrenzung war möglicherweise auch dem Wunsch geschuldet, den Feldzug am Rhein enden lassen zu können. Während Gallien und Britannien an Rom fielen (nur Wales, Nordschottland und Irland blieben keltisch), nahmen die jenseits des Rheins lebenden Restkelten in der Folge eine eigenständige Entwicklung: sie verschmolzen mit den nördlichen Stämmen, die seit der eisenzeitlichen Jastorf-Kultur (ab 600 v.Chr.) eigene Wege gegangen waren. Die Reichtümer und der Glanz des römischen Reiches strahlen aber auch die germanischen Stämme aus: unter Caesar und Augustus mussten die Römer regelmäßig Krieg gegen germanische Stämme führen, dabei drangen sie bis an die Elbe vor.

Eine andere Welt: China

In Ostasien, wo unabhängig von Westasien am Huanghe (Gelben Fluss) und am Yangzi ebenfalls >> Landwirtschaft entstanden war, lebten schon vor einigen Tausend Jahren in den fruchtbaren Tälern dieser Flüsse Menschen in Dörfern und kleineren Städten: die Hirsebauern am Huanghe in Lösshöhlen oder halb im Boden versenkten Lehmhütten, die Reisbauern am Yangzi in hölzernen Pfahlbauten, die sich über sumpfigem Grund erhoben. Mit der weiteren Ausbreitung der Landwirtschaft entstand ein drittes Zentrum im Sichuan-Becken sowie weitere Kulturen im Nordosten, Nordwesten und im südlichen Küstengebiet. Ostasien war durch den Ozean im Osten und den Himalaya im Westen von den anderen Kulturen abgeschnitten, und entwickelte sich zunächst relativ isoliert von diesen; die lokalen Kulturen betrieben aber schon vor 6.000 Jahren einen intensiven Austausch untereinander, der durch die schon damals hohe Bevölkerungsdichte erleichtert wurde. Dieser Austausch äußerte sich in Gemeinsamkeiten wie der Stampflehmbauweise (Stadtmauern und Fundamente wurden aus festgestampfter Erde erstellt; sie blieben teilweise bis heute erhalten) oder der Wertschätzung für Jade-Objekte.

Bald entstanden große Städte. Die größte derzeit bekannte Stadt aus jener Zeit wird seit 2006 in Putoaban bei Hangzhou ausgegraben, sie gilt als Hauptstadt der jungsteinzeitlichen Liangzhu-Kultur im Yangzi-Delta (3.400 bis 2.200 v.u.Z.). Nachdem der Huanghe um 2.600 v.u.Z. seinen Unterlauf von Nord nach Süd verlegte und dabei ein riesiges Gebiet überschwemmte, zogen viele Menschen aus der Küstenebene in das Lössplateau des Mittellaufs und die angrenzende Lössebene. Dieser Bevölkerungsanstieg dürfte wesentlich zum Entstehen von großen Städten in den Longshan-Kulturen (2.600 - 2.000 v.u.Z.) beigetragen haben; Städte mit Werkstätten, mit Tempel- oder Palastanlagen, mit bis zu 10.000 Einwohnern und massiven Stampflehmmauern, die auf häufige Kriege hindeuten. Eine erneute Flussverlagerung und ein kühler und trockener werdendes Klima, in dessen Folge im Norden die Steppe zurückkehrte und nur noch Weidewirtschaft erlaubte, ließ bis 2.000 v.u.Z. viele dieser Kulturen wieder verschwinden. Am Mittellauf des Huanghe entstanden dagegen ab 1.800 v.u.Z. echte Hochkulturen um Erlitou (beim heutigen Luoyang), zweihundert Jahre später auch östlich hiervon um Erligang (beim heutigen Zhengzhou). Beide Städte waren nochmal größer als die der Longshan-Zeit, berühmt wurden sie aber durch die Kultgefäße aus Bronze, die auch belegen, in welchem Maße die Eliten über Arbeitskraft verfügen konnten, die notwendig war, um solche Gegenstände aus Bronze gießen zu können.

Bronzeguss und andere Technologien im alten China

Es wird immer wieder diskutiert, ob die vor 4.000 Jahren im alten China beginnende Verarbeitung von Bronze aus dem Westen importiert wurde, aber spätestens in Erligang wurde die chinesische Bronzeproduktion in Umfang und Technik einzigartig: Keine andere Kultur der Bronzezeit produzierte auch nur annähernd so viel Bronze wie China; und die Bronzen wurden in mehrteilige Tonmodelle gegossen, die wiederverwendet werden konnten. Die Herstellung von Gusseisen begann in China vor mehr als 2.500 Jahren, so früh wie nirgends sonst auf der Welt. Um diese Zeit wurde China zur technologisch führenden Macht auf der Erde; in den folgenden 1.500 Jahren wurden in China noch eine Reihe von wegweisenden Erfindungen gemacht: vom Papier über das Porzellan und den Kompass bis zum Schießpulver. Vorläufer dieser Entwicklung war die Herstellung von Seide, die nach chinesischer Überlieferung vor 5.000 Jahren begann.

Nach historischer chinesischer Geschichtsschreibung begann die chinesische Geschichte vor 5.000 Jahren mit den mythischen Kaisern; diese Geschichte wurde jedoch über 2.000 Jahre später geschrieben. Viele Autoren versuchen, sie mit den oben beschriebenen archäologischen Funden zu verbinden: So wird etwa die erste der von Konfuzius erwähnten „Drei Dynastien“ - die Xia-Dynastie - mit Erlitou gleichgesetzt und der Anfang der zweiten - der Shang-Dynastie - mit Erligang. Die archäologischen Funde deuten aber eher auf ein Nebeneinander von Kulturen als auf eine Folge von Dynastien; heutige Historiker glauben daher eher, dass die "historische Geschichtsschreibung" den Erfordernissen der Zeit ihrer Entstehung entsprach, als dem tatsächlichen Geschehen. So schreibt eine chinesische Legende die Gründung der ersten Dynastie den Fluten des Huanghe zu: Nach katastrophalen Überschwemmungen um 2.200 v.u.Z. sollen die Stammesfürsten einen Mann namens Gun mit der Zähmung des Flusses beauftragt haben. Dieser versuchte es mit Deichen, die der Fluss aber immer wieder zerstörte. Erst sein Sohn Yu hatte Erfolg, indem er umfangreiche Bewässerungskanäle ausheben ließ, die das Flutwasser aufnahmen. Mit diesen Arbeiten hatte Yu zudem die zuvor rivalisierenden Stämme vereinigt, und wurde von diesen zum König gemacht, der die erste Dynastie begründete. Die Botschaft ist klar: "harte Arbeit im Auftrag einer Autorität lohnt sich" - und vielen Historikern passt sie zu gut in die Han-Zeit, in der sie aufgeschrieben wurde, um wahr zu sein.

Die Braut des Gelben Flusses

Der Huanghe war mit dem Yangzi eine Wiege der chinesischen Zivilisation. Im Vergleich zum Nil etwa war er aber noch schwieriger zu zähmen: Im flachen Land ändert er immer wieder seinen Lauf. Als die Bevölkerung am Gelben Fluss anwuchs und Dörfer und Städte entstanden, fällten die Menschen die Bäume an seinen Ufern für Feuerholz und zur Herstellung von Holzkohle. Damit verschlimmerte sich das Problem: Aus dem Gelben Fluss, der immer schon viel Lössschlick mit sich führte, wurde eine braune Suppe; Schlick, der sich absetzte, erhöhte das Flussbett immer weiter und machte den Fluss immer unberechenbarer. Vor 2.400 Jahren wurde, um den Fluss zu besänftigen, einmal im Jahr ein ausgesucht schönes Mädchen als Braut gekleidet und auf einem als Hochzeitsbett geformten Floß dem Fluss übergeben. Der nahm das Opfer an, aber es reichte ihm wohl nicht: Immer gewaltiger mussten die Kanäle und Dämme werden, die die Orte vor den Überschwemmungen schützen sollten. Sechsmal hat der Fluss seither seinen Mündungsbereich verlegt, katastrophale Überschwemmungen kosteten Hunderttausende das Leben und beeinflussten die chinesische (Vor-)Geschichte.

Schriftliche Quellen über die chinesische Geschichte gibt es seit rund 3.300 Jahren aus der Shang-Dynastie (13.-11. Jahrhundert v.u.Z., Lössebene). Geschichte und Geisteswelt dieses Teils des frühen China sind daher recht gut bekannt; aber die Geschichte der zahlreichen von der Dynastie unterworfenen Stadtstaaten wird in diesen Schriften nur stiefmütterlich behandelt. Neben der Shang-Dynastie gab es andere Hochkulturen, wie etwa die Ausgrabungen von Sanxingdui aus der Zeit um 1.200 v.u.Z. oder die Jinsha-Ruinen aus der Zeit um 1.000 v.u.Z., beide in Sichuan, belegen.

Ihre historische Bedeutung verdankt die Shang-Dynastie vor allem den zahlreichen "Orakelknochen" (Knochen, die erhitzt wurden, aus den dabei entstehenden Rissen wurden die Aussichten geplanter Aktivitäten bestimmt) mit eingeritzten Schriftzeichen - den ältesten chinesischen Texten, die die Existenz eines voll entwickelten Schriftsystems zu dieser Zeit beweisen und wichtige Quellen für die Historiker darstellen. Die meisten dieser Knochen wurden bei der 1928 begonnenen Ausgrabung der Yinxu genannten Hauptstadt (beim heutigen Anyang) gefunden wurden. Daneben wurden dort Streitwagen, monumentale Königsgräber - im unversehrten Grab einer Königin wurden etwa 755 Jadestücke und 468 Bronzen mit einem Gesamtgewicht von über 1.600 kg gefunden; prachtvolle Bronzen (die zu den schönsten gehören, die jemals hergestellt wurden) - und Mauern und Fundamente gefunden, die frühere Städte in den Schatten stellen. Erarbeitet wurde dieser Reichtum vom „zhongren“, der „Vielzahl der Menschen“, die Landwirtschaft und Handwerk für die Herrscher betrieben und zu Fron- und Militärdiensten herangezogen werden konnten. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurden sie zu Tausenden als Fußsoldaten eingesetzt. Der aus dem Westen nach China gelangte Streitwagen wurde dort ab dem im 12. Jahrhundert v.u.Z. eingesetzt, sein Nutzen blieb im teils hügeligen und unwegsamen Gelände aber beschränkt. In den Ruinen der Shang wurden auch deutliche Zeichen grausamer Menschenopfer gefunden; zumeist wurden wohl Kriegsgefangene geopfert, die den Shang nicht als Menschen galten.

Um 1050 v.u.Z. wurden die Shang von den aus dem Lössplateau stammenden Zhou angegriffen und besiegt. Es war vermutlich ein erneuter Klimawandel, der die Zhou in die nordchinesische Ebene getrieben hatte. Die Zhou führten zunächst die Schrift, den Bronzeguss sowie die Grab- und Palastarchitektur der Shang weiter; zahlreiche Völker wehrten sich aber gegen den Herrschaftsanspruch der Zhou-Könige, und manches unzugängliche Siedlungsgebiet blieb für die Zhou unerreichbar. Im 9. Jahrhundert setzte eine "rituelle Revolution" ein: die - jetzt deutlich veränderten - Bronzegefäße wurden nicht mehr in erster Linie für Kulthandlungen verwendet, sondern kennzeichneten den Rang von Würdenträgern und Regionalfürsten. So konnten soziale Schichten erkannt werden; es entstand eine klassengebundene Gleichheit, die Clangrenzen überschritt - Adelige wurden untereinander zu "Brüdern". Damit entstand ein neuer politisch-gesellschaftlicher Raum; es entstand China. Über der Eliteschicht stand nur Gott. In dieser Zeit entstand wohl auch die Vorstellung vom "Mandat des Himmels" - das einem würdigen Herrscher verliehen und einem unwürdigen auch wieder entzogen werden konnte -, die sich bis in das 20. Jahrhundert halten sollte. Die Elite kommunizierte untereinander oft schriftlich, auch die Schrift verließ im 9. Jahrhundert v.u.Z. die Tempel. Jetzt begann auch die Geschichtsschreibung, mit der die Herrscher  ungebrochene Traditionslinien suggerieren wollten. Zur gleichen Zeit - und erstmals - bedrohten nämlich berittene Truppen aus den nördlichen Steppen die Zhou, und 771 v.u.Z. eroberten die Rong, eines dieser Reitervölker, die Zhou-Hauptstadt in Shaanxi. Das war das Ende der Herrschaft der Zhou.

Auf dem Weg zum Kaiserreich

Es folgte die Chunqiu-Zeit ("Frühling und Herbst", 722-481 v.u.Z.), in der die Fürstentümer ihre Herrschaftsgebiete ausdehnten und Staaten entstanden, die teils enge Beziehungen miteinander und teils Kriege gegeneinander führten. Dabei übernahmen nacheinander 5 Staaten eine Art Garantenrolle für den Zusammenhalt dieser Staatenordnung - die "Fünf Hegemonen" der traditionellen Geschichtsschreibung. Wichtiger als die Auseinandersetzungen der Staaten untereinander und mit den >> Steppenvölkern des Nordens sowie den aufstrebenden Staaten des Südens - wie Wu und Yue am Unterlauf des Yangzi - war jedoch die Weiterentwicklung der Gesellschaft: Die Elite spaltete sich in zunehmend entrückte Führer und untere Elite, die sich zunehmend mit dem Volk mischte. Dieses wurde mit Erfindung des Eisengusses immer mächtiger - Eisen war weitaus häufiger als Bronze, und wurde nicht für Kultgefäße, sondern zur Herstellung von Werkzeugen wie Spaten, Hacken, Sicheln und Pflügen verwendet, die zusammen mit dem Kummetgeschirr für Wasserbüffel und organischem Dünger eine gesteigerte landwirtschaftliche Produktion ermöglichten. Es entstanden wieder große Städte, in denen Handwerker, Händler und - neu: Denker zusammen lebten. Erstmals konnten Männer nicht nur aufgrund ihrer Abstammung, sondern auch aufgrund ihrer Fähigkeiten wichtige Rollen übernehmen; Wissen und Bildung nahmen daher an Bedeutung zu. Ein Lehrer aus der Chunqiu-Zeit sollte weit über diese hinaus bedeutsam bleiben: Konfuzius. Da eine solche Gesellschaft nicht mehr durch verwandtschaftliche Bande zusammengehalten wurde, bedarf es auch neuer Regeln: Es entstanden erstmals geschriebene Gesetze.

Der Eisenguss revolutionierte aber nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Kriegsführung: Schwerter und Hellebarden aus Eisen bewaffneten Massenheere, und von den Steppenvölkern inspirierte Reitertruppen wurden mit Armbrüsten bewaffnet. Zugleich gelang es vielen Herrschern der Chunqiu-Zeit nicht mehr, ihre gewachsenen Gebiete zu kontrollieren, oftmals übernahmen lokale Eliten die Macht: Als 453 v.u.Z. drei Familien den Staat Jin unter sich aufteilten, begann die "Zeit der kämpfenden Staaten" (chin. Zhanguo, 453-221 v.u.Z.). Diese Umbrüche lösten aber auch ein intensives Nachdenken über eine gesellschaftliche Neuordnung aus, auf Grundlage von Konfuzius entstanden die „Hundert Schulen“ der chinesischen Philosophie. Zu diesen Schulen gehörten die Lehren, die zwei Schüler Konfuzius', Mengzi und Xunzi, die Daoisten (alte Umschrift: „Taoisten“) und die Legisten entwickelten. Der Legismus, ausformuliert von Han Fei, einem Schüler Xunzis, der glaubte, dass nur strenge, für alle (außer dem Herrscher) geltende Gesetze Ordnung schaffen könnten. Seine Lehre wurde zur Regierungsdoktrin im Staat Qin. In Qin gab es eine flächendeckende Bürokratie, die Steuern eintrieb, mit denen Großprojekte wie der Bau von Kanälen, vor allem aber das Militär finanziert wurde. Dieser Militärmaschinerie fielen schließlich alle ehemaligen Teilstaaten der Zhou-Dynastie zum Opfer; Qin-König Ying Zengh bestieg 221 v.u.Z. als Qin Shi Huangdi, der „Erste Erhabene Göttliche“, den Kaiserthron und begründete damit das Chinesische Kaiserreich.

Die Macht des Kaisers zeigt sich eindrucksvoll in der 1974 bei Xi'an entdeckten Grabanlage des ersten Kaisers mit der berühmten Terrakotta-Armee - 8.000 lebensgroße Generäle, Soldaten, Reiter, Bogenschützen und Pferdegespanne, ursprünglich leuchtend bunt bemalt und mit Bronzewaffen versehen. Das gesamte Reich wurde nach dem Vorbild des Qin-Staates verwaltet, ein Kanal- und Straßennetz angelegt und vorhandene Grenzwälle zu einer ersten "Großen Mauer" (aus Stampferde) verbinden. Von der Qin-Dynastie soll sich der heutige Name China ableiten; bei der Fronarbeit an diesen Werken kamen aber auch Zehntausende von Menschen zu Tode. Auch war das Reich offenbar nicht in der Lage, seinen riesigen Militärapparat zu kontrollieren. Nach dem Tod des Kaisers kam es zu Aufständen, und es war ein Militärführer, Xiang Yu, der die Qin-Dynastie 206 v.u.Z. beendete. Dieser wurde aber 202 v.u.Z. von einem anderen Militärführer, Liu Bang, besiegt, der als Gaozu zum ersten Kaiser der Han-Dynastie wurde.

Die Han-Dynastie

Die Han verwalteten den Westen des Reiches wie zuvor die Qin: sie teilten ihn in Amtsbezirke und Kreise ein, die der Hauptstadt Chang'an (das heutige Xi'an) unterstanden. Die alten Regionalstaaten im Osten wurden zunächst von Titularkönigen verwaltet. Mit den Steppenvölkern des Nordens, den Xiongnu, die sich als Reaktion auf die Ausdehnung der Qin in den Norden zu einer Föderation zusammengeschlossen hatten, wurde ein Friedensabkommen geschlossen (Tributzahlungen der Chinesen an die Nomaden, die die erhaltenen Waren nach Westen weitergaben, führten zur Entstehung der Seidenstraße, auf der die Seide von zentralasiatischen Zwischenhändlern bis nach Rom gelangte). 154 v.u.Z. kam es zu einem Aufstand von sieben östlichen Königtümern, der schnell niedergeschlagen wurde und auf den die Entmachtung der Regionalfürsten folgte: jetzt herrschten die Han auch über den Osten. Unter Kaiser Wu, der von 141-87 v.u.Z. regierte, erreichten die Han den Höhepunkt ihrer Macht; Chang'an war doppelt so groß wie Rom und hatte 250.000 Einwohner. Wu bekämpfte die Xiongnu, die dem Friedensabkommen zum Trotz immer wieder in China einfielen, und siedelte zahlreiche Menschen entlang der Seidenstraße an, auf der der Handel unter Wu intensiviert wurde.

Die Seidenstraße

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit hatte das chinesische Interesse an Jade und das mesopotamische Interesse an Lapislazuli zum Handel beider Kulturen mit zentralasiatischen Völkern geführt. Dieser führte schließlich zum Austausch von Pflanzen, Tieren und Waren zwischen China und dem westlichen Kulturraum auf den später als Seidenstraße benannten Handelsrouten; so gelangten etwa Weizen, Gerste und das Pferd nach China, Seide und Porzellan nach Europa. Seide wurde bald zum wertvollsten Handelsgut - leicht, leicht zu färben, sanft auf der Haut, und wegen ihrer aufwändigen Herstellung schon in China nichts für arme Leute, wurde sie im Mittelmeerraum zum Luxusgut.

Da der Warenaustausch aber über zentralasiatische oder indische Mittelsmänner ablief, blieb der begleitende Gedanken- und Ideenaustausch zwischen China und dem westlichen Kulturraum vergleichsweise unbedeutend. So erstaunte es die Chinesen sehr, als etwa 125 v.u.Z. ein von Kaiser Wu ausgesandter Kundschafter von Völkern jenseits des Pamir berichtete, die sogar schriftkundig waren. Im Laufe der Zeit wurden die Verbindungen aber intensiver, so gelangten nach der Zeitenwende über die Seidenstraße auch der buddhistische, jüdische und christliche Glaube nach China. Die Christen hinterließen kaum Spuren; die Synagoge von Kaifeng stand immerhin bis 1163; der Buddhismus aber hinterließ tiefe Spuren in China, wo seine Lehren neben Konfuzianismus und Daoismus bestanden und von wo aus sie schließlich auch Korea und Japan erreichten.

Spätestens zur Zeitenwende entstand auch eine zweite Handelsstraße, die oft als die “Seidenstraße der Meere” bezeichnet wird: Eine Schifffahrtslinie zwischen China und dem persischen Golf, die zunächst vor allem von arabischen >> Daus befahren wurde.

Unter Kaiser Wu dehnte sich das Reich auch nach Süden aus: 138 v.u.Z. wurde das heutige Fujian besetzt, 111 v.u.Z. das Kaiserreich von Nanyue im heutigen Guangzhou. Die Han wiederholten damit Eroberungen der Qin, und begannen die endgültige Kolonialisierung des Südens. Aber auch bei den Han kostete die Militärmaschine enorme Ressourcen - die das Reich mit Monopolen auf Salz, Eisen, Alkohol und Münzen beschaffte. Darunter litten vor allem die Bauern, die schlechte Eisengeräte zu hohen Preisen kaufen mussten und im Elend lebten, auf deren Arbeit die Zentralmacht aber beruhte: Wus Nachfolger, Kaiser Zhao, leitete daher an Konfuzius orientierte Reformen ein, die eine familienähnliche Fürsorgepflicht des Staates für seine Menschen begründete. Es war allerdings ein "synkretischer Konfuzianismus", der  Elemente des Legismus ebenso wie des Daoismus einschloss - der Herrscher verkörperte das „dao“, das metaphysische Weltgesetz der Daoisten. Er konnte aber, da an das "Mandat des Himmels" gebunden, entmachtet werden; die Lehre legitimierte daher vor allem den Beamtenstaat.

Chinas Nachbarn in Südost- und Ostasien

Entscheidend beeinflusste China auch die Entwicklungen im übrigen ostasiatischen Raum. Bis zum 4. Jahrtausend v.u.Z. war das tropische Südostasien von der steinzeitlichen Hoa-Binh-Kultur (nach einem Fundort nahe der Stadt Hoa Binh, im heutigen Vietnam) besiedelt, danach tauchen chinesische Pflanzenarten und Töpfereien auf: Südostasien wurden von Südchinesen besiedelt, die Vorfahren der Menschen im heutigen Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha kamen aus China. Von der ursprünglichen Bevölkerung sind heute nur noch einige Jäger-Sammler-Gesellschaften auf Malaysia, den Andamanen und Sri Lanka übergeblieben, deren Mitglieder dunkelhäutig und kraushaarig sind - woran wiederum ihre Verwandtschaft mit den Ureinwohnern Neuguineas und Australiens erkennbar wird, die zuvor von Südostasien aus besiedelt wurden. Die südasiatischen Küstenkulturen besiedelten von Taiwan aus die >> Inselwelt Ozeaniens. Auch die koreanische Halbinsel wurde von den Chinesen geprägt und übernahm unter anderem den Reisanbau, die Bronzetechnologie und die chinesische Schrift. Die ersten Staatsgründungen fanden hier vor 2.500 oder 2.400 Jahren statt (Alt-Choson); wurden aber unter den Han von China unterworfen. Das spätere Japan war vom Norden über Landbrücken von Sibirien und im zentralen Bereich über Korea besiedelt worden, der Süden wohl von den Philippinen und Taiwan aus über den Kuroshio-Meeresstrom. Als am Ende der Eiszeiten die Landbrücken überflutet wurden, nahm Japan eine weitgehend eigenständige Entwicklung (Jomon-Kultur; die älteste bekannte Keramik aus der Jomon-Zeit ist 12.500 Jahre alt). Trotz Insellage war Japan aber nicht völlig isoliert vom chinesischen Kulturkreis: Vor 2.400 Jahren gelangten Nassreisanbau, eiserne Werkzeuge und Metallverarbeitung mit neuen Siedlern aus Korea nach Japan.

Bedrohung aus der Steppe: Kriegerische Nomadenvölker

Die Steppengebiete im Norden der Hochkulturen, von der Donau im Westen bis zur Mongolei im Osten, waren seit dem 4. Jahrtausend v.u.Z. von Viehzüchtern besiedelt, an die noch heute riesige Grabhügel, die „Kurgane“ erinnern. Ab Ende des 2. Jahrtausends v.u.Z. begannen diese mit dem Übergang zu einer nomadischen Lebensweise, die durch die Verwendung des Pferdes als Reittier erleichtert wurde. Pferde sind in Steppen ausgesprochen wertvoll: Man kann sie reiten, sie liefern in Notzeiten Fleisch, ihre Milch ernährt Babys und ihr Dung ist ein brauchbarer Brennstoff. Mit ihrer Hilfe wuchs die Zahl der Menschen in der Steppe, und zwischen den Nomadengruppen kam es immer wieder zu Kämpfen um Weideplätze. Damit waren für die Nomaden gute Bewaffnung und kämpferische Fähigkeiten wichtig – was auch die benachbarten Hochkulturen immer wieder merken sollten. Ab dem 7. Jahrhundert v.u.Z. tauchten die Skythen in der Geschichtsschreibung auf; Reiterkrieger, die die Geschichte der Völker Osteuropas prägen sollten. Skythen waren am Untergang des Assyrischen Reichs 612 v.u.Z. beteiligt; Nomaden aus der Mongolei griffen das Chinesische Kaiserreich von Beginn an immer wieder von Norden her an. Die Pferde der Nomaden sorgten für überlegene Beweglichkeit; in den dicht besiedelten Landwirtschaftsgebieten waren sie dagegen ein Luxus: Wo es keine Grasländer gab, fraß ein Pferd soviel Getreide wie ein Dutzend Menschen; diese waren aber die unverzichtbare Basis für Landwirtschaft und Handwerk, ohne die auch kein Reiterheer zu unterhalten wäre. Die Überlegenheit ihrer Pferde sollte die Nomadenvölker noch lange zu einem Faktor der Geschichte machen. Und zu einem wichtigen Bindeglied: So gelangten etwa der Hanf und der Färberwaid, der eine wertvolle blaue Farbe lieferte, über Nomaden noch vor der Zeitenwende von China nach Westen.

Eine ganz andere Welt: Amerika

Auch die voreuropäischen Kulturen Amerikas entstanden alle an den Entstehungszentren der Landwirtschaft. Die ältesten Kulturen finden sich in Südamerika, wo schon vor über 5.000 Jahren komplexe Gesellschaften entstanden. Ihre Geschichte ist weit weniger bekannt als in Eurasien; wohl vor allem, da in Südamerika weit weniger Archäologen arbeiten. Die älteste bekannte Stadt ist Caral im Supe-Tal nördlich von Lima im heutigen Peru, die Stufenpyramide dort wurde auf 2.600 vor Christus datiert. Über 20.000 Menschen lebten hier, bauten in bewässerten Feldern Baumwolle an, stellten daraus Textilien und Fischernetze her, die sie bei den Fischern am (26 Kilometer entfernten) Pazifik gegen Fisch eintauschten. Nach etwa 1.000 Jahren verließen die meisten Menschen die Region wieder; die Gründe hierfür sind unbekannt (es gibt aber keine Spuren von Kriegen). Ab 2.000 v.u.Z. entstanden Tempelanlagen weiter nördlich, in der Gegend entstand ab 1.500 v.u.Z. die Kultur der Chavín. Ihre Web-, Goldschmiede- und Töpferkunst ist in ganz Nordperu zufinden. Ab 200 v.u.Z. entwickelte sich im Andenraum die Nazca-Kultur an den Flussoasen der (im heutigen Peru liegenden) Wüsten an der Pazifikküste; ihr bekanntestes Erbe sind riesige Scharrbilder, die Fische, Spinnen, Bäume und andere Gegenstände darstellen (und die von den Archäologen heute als Plätze angesehen wurden, die religiösen Zeremonien dienten - vermutlich, um die Regen schickenden Götter zu beschwören). Ab 100 n. Chr. entwickelte sich die Moche-Kultur als Kulturnachfolger der Chavín. Die Moche bauten komplexe Bewässerungsanlagen mit Aquädukten; mit dem Wasser aus den Bergen konnten sie Landwirtschaft in der Küstenwüste betreiben. Unter ihnen blühten auch Handwerk und Handel.

Noch weniger bekannt ist über eventuelle frühe Kulturen im tropischen Südamerika. Die amerikanische Archäologin Anna Roosevelt etwa hält die Amazonasinsel Marajó für die Heimstatt einer großen Kultur, die über 1.000 Jahre bestand und in ihren Glanzzeiten 100.000 Einwohner hatte; eine These, die von anderen Archäologen bestritten wird. Ein anderer Hinweis auf frühe Kulturen sind die Inseln von fruchtbarer terra preta (“schwarzer Erde”) im Amazonasgebiet, die auf frühere Landwirtschaft zurückgeht (die Ureinwohner brachten Holzkohle in die Böden ein); dies gilt auch für die Vorkommen zahlreicher Palmen und anderer Bäume mit nutzbaren Früchten und Nüssen.

Die erste Kultur Mittelamerikas waren die Olmeken, die im mexikanischen Hochland und den feuchten Wäldern am Golf von Mexiko lebten. Sie entwickelten ab 1.200 v.u.Z. eine städtische Kultur und sind für ihre Großplastiken (vor allem kolossale Köpfe und Menschen mit Jaguargesicht) bekannt. Sie entwickelten eine Schrift, besaßen einen Kalender und waren in gewisser Weise die Vorläufer der Maya und der >> Azteken, die auf sie folgen sollten.

Die Maya (ein Sammelbegriff für eine Völkerfamilie, die Maya-Sprachen gemeinsam hatten) bauten ab 500 v.u.Z. auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán und in den südlich angrenzenden Gebieten Siedlungen und steinerne Tempel; ihre Blütezeit (Klassik) hatten sie zwischen 250 und 900 n. Chr.; Städte wie Calakmul haben zu ihren besten Zeiten rund 50.000 Einwohner gehabt und Motivmalerei auf Grabkeramiken zeugt von prallem höfischen Leben. Die Schrift der Maya ist, anders als die der Olmeken, in großem Umfang entziffert; hier finden sich Hinweise auf Könige und Dynastien, wobei die Könige gleichzeitig Hohepriester waren. Im 8. Jahrhundert lebten nach einigen Schätzungen im zentralen Tiefland des Maya-Gebiets bis zu zehn Millionen Menschen. Die Maya müssen also eine hoch produktive Landwirtschaft entwickelt haben, wovon auch Terrassen und Wasserspeicher zeugen, deren Reste rund um die Städte Tikal und Copán gefunden wurden. Wohl um die 70 Prozent der Bevölkerung lebten als Bauern und Gärtner (bei El Pilar in Guatemala werden heute wieder Waldgärten wie zur Zeit der Maya angelegt).

Auch wenn der Mais, eine der Haupt-Nahrungspflanzen der Maya, relativ proteinarm ist und sich in dem feuchten Klima höchstens ein Jahr lang hält, reichte die Landwirtschaft für die Entstehung mächtiger Stadtstaaten, die sich gegenseitig mit prachtvollen Palästen und Tempeln zu überbieten suchten (und bedeutende mathematische Erkenntnisse hervorbrachten). Neben gespeichertem Getreide fehlte, da die Maya keine Tiere domestiziert haben, aber eine weitere wichtige Ressource für große militärische Feldzüge: keinem Herrscher gelang es jemals, das Reich zu einigen; die Maya-Zivilisation bestand immer aus vielen kleinen Reichen. Aber Rivalitäten zwischen den Stadtstaaten gab es reichlich, die Schriften der Maya berichten von lang andauernden und grausamen Kriegen. Umstritten ist, was die Zivilisation der Maya nach 900 schließlich untergehen ließ. Katastrophen gelten heute als eher unwahrscheinliche Ursache, da sich der Untergang über eine lange Zeit hinzog. Vermutlich haben eine anwachsende Oberschicht und Rivalitäten zwischen wichtigen Königreichen wie Tikal und Calakmul die Maya zur Übernutzung von Ressourcen verleitet und gleichzeitig von deren Folgen abgelenkt: Die Äcker wurden übernutzt, die Wälder abgeholzt, und Bodenerosion hat möglicherweise die Folgen von Dürreperioden verstärkt, die im 9. und 10. Jahrhundert durch Sedimente in Seebetten nachgewiesen sind. Die klassische Maya-Zivilisation ging damals unter, im Norden der Halbinsel Yucatán und im südwestlichen Hochland blieben die Maya aber bedeutsam. Im Norden schlug die Stunde von Chichén Itza; im Hochlandbecken von Mexiko war schon um 300 v.u.Z. die Teotihuacán-Kultur entstanden, benannt nach einer Stadt, die um die Jahrtausendwende große Teile Mittelamerikas beherrschen sollte (>> mehr).

In Nordamerika wurden die Spuren der Indianer-Geschichte durch die folgenden Kolonisatoren besonders gründlich vernichtet. Die Prärie-Indianer lebten überwiegend von der Bisonjagd; anderswo vom Sammeln pflanzlicher Nahrung wie Nüssen und Eicheln oder dem Anbau von Nahrungspflanzen. Siedlungen entstanden an der Pazifikküste, wo die Jagd auf Fische und Meeressäuger dies erlaubte; etwa in Kalifornien oder bei den Haida im Nordwesten. Reiche Nahrungsquellen gab es auch in den Flußtälern des Mississippi und in Ohio, wo die Adena- und Hopewell-Kulturen heimisch waren, die durch Grabhügel bekannt wurden.

Afrika

Die erste bekannte Staat Afrikas südlich der Sahara war das Reich von Kerma nahe des 3. Nilkatarakts, das um 1.500 v.u.Z. vom ägyptischen Neuen Reich zerstört wurde. Die dort lebenden nubischen Völker wurden kulturell weitgehend assimiliert, behielten aber einen Rest Eigenständigkeit. Ab 1.000 v.u.Z. gelang es ihnen, die ägyptische Herrschaft zu beenden. Sie gründeten das Reich von Kusch mit der Hauptstadt Napata. Unter König Pije eroberten die Nubier um 750 v.u.Z. Ägypten – die 25. Dynastie Ägyptens bestand aus nubischen Herrschern. Um 660 v.u.Z. befreite sich Ägypten mit Hilfe der Assyrer, und um 300 v.u.Z. wurde die nubische Hauptstadt weiter südlich nach Meroë verlegt. Meroë war ein Handels- und auch ein religiöses Zentrum; durch weitverzweigten Karawanenhandel kam das Reich zu Macht und Einfluss. Auch kulturell wurde es immer unabhängiger: aus den ägyptischen Hieroglyphen wurde eine eigene Schrift entwickelt, eigene Götter löste die ägyptischen Götter ab. In Meroë wurden zudem zahlreiche eiserne Waffen und Werkzeuge gefunden.

Noch vor der Zeitenwende wurde dieses Reich aber bereits vom Königreich von Aksum überstrahlt, dass im Norden des heutigen Äthiopien lag. Das Königreich profitierte von den günstigen klimatischen Bedingungen im äthiopischen Hochland, einem der Entstehungsgebiete der Landwirtschaft, und seiner wichtigsten Kulturpflanze Teff (einer Getreideart), und wichtigen Handelsrouten nach Schwarzafrika und Indien - arabische Seefahrer hatten eine Verbindung zwischen Afrika und Indien errichtet, die die Monsunwinde ausnutzte. Seit 500 v.u.Z. war die Region in Kontakt mit arabischen Königreichen, die seit 1.300 v.u.Z. im Gebiet des heutigen Jemen entstanden waren (zu denen das Königreich von Saba gehörte), und spätestens im 3. Jahrhundert entstand hier ein eigenes Königreich, in dem der arabische Einfluss immer weiter zurückgedrängt wurde. Als Ägypten zum Römischen Reich gehörte, blühten die Seerouten durch das Rote Meer zum Wohle Aksums auf; die Hafenstadt Adulis (nahe Massawa im heutigen Eritrea) wurde zu einem Knotenpunkt des Handels. Durch den Handel mit Asien gelangte die südostasiatische Banane nach Afrika, die zu einer wichtigen Kulturpflanze wurde.

Auch in Westafrika gab es vor der Zeitenwende bereits städtische Zentren, etwa Djenne-Djeno am Niger (in Mali nahe der heutigen Stadt Djenné). Hier gibt es keine Anzeichen für eine soziale Schichtung wie etwa Monumentalarchitektur. Die Menschen lebten als Bauern, die Hirse, Sorghum und afrikanischen Reis anbauten, als Hirten und Fischer. Offensichtlich erlaubte das sensible Ökosystem (ein Binnen-Schwemmland) keine zentrale Planung, sondern war ja nach Klimabedingungen jeweils auf Bauern, Hirten oder Fischer eingewiesen, die ein System gegenseitiger Verpflichtungen entwickelten. In der Stadt wurde Eisen genutzt und bearbeitet, obwohl es kein Eisenerz in der Umgebung gibt - es muss also Handel und Spezialisten gegeben haben, die in dieses System eingebunden waren.

Australien/Neuguinea

In Australien hatte sich (abgesehen von den Neuguinea aus besiedelten Torres-Strait-Inseln) keine Landwirtschaft entwickelt. Die Ureinwohner hatten nach ihrer Ankunft in Australien im Laufe der Zeit den ganzen Kontinent besiedelt. Die etwa 250 Stammesgemeinschaften lebten halbnomadisch als Jäger und Sammler, was die Bevölkerungsdichte reduzierte: beim Eintreffen der Europäer gab es zwischen 300.000 und 900.000 Ureinwohner, die jedoch gut ernährt waren. Ihre religiösen Vorstellungen hatten sich um die "Traumzeit" herum entwickelt (>> mehr), die Höhlenmalereien Australiens gehören zu den ältesten der Welt und stammen für die Aborigines von den "Traumzeitwesen".

Auf Neuguinea mit seiner Landwirtschaft lebten dagegen etwa eine Million Menschen. Allerdings bedingte die bergige, zersplitterte Topographie Neuguineas eine Zersplitterung der Bevölkerung – diese ist am besten daran zu erkennen, dass auf Neuguinea nach Schätzungen etwa 1000 verschiedene Sprachen gesprochen wurden; noch heute ist Papua-Neuguinea der Staat mit der größten Vielfalt an gesprochenen Sprachen. Neuguinea und Australien werden nur durch eine relativ schmale und zudem mit Inseln versehene Meerenge, die Torresstraße, getrennt. Dennoch war der Austausch zwischen Neuguinea und Australien über die Torresstraße offenbar sehr beschränkt und erfolgte über verschiedene Zwischenstationen auf den Inseln; es gibt keine Anzeichen dafür, dass in vorhistorischer Zeit jemals ein Australier die Hauptinsel Neuguinea betreten hat.

Aufschlussreich ist auch, dass die ebenfalls mit dem Ende der Eiszeiten vom Hauptkontinent abgetrennte Insel Tasmanien im Süden, auf der ca. 5.000 Ureinwohner lebten, sogar nach archäologischen Funden ursprünglich vorhandene Kulturtechniken, etwa den Gebrauch von Knochenwerkzeugen, wieder verlernten: 5.000 Einwohner sind offenbar zu wenig, um solche Kulturtechniken am Leben zu halten, geschweige denn, neue Erfindungen zu machen.

Die Welt um die Zeitenwende

Bis zur Zeitenwende (Jahr 0) wuchs die Menschheit auf ca. 150 – 250 Mio. Menschen. Der Mittelmeerraum wurde vom Römischen Reich beherrscht; im Osten bildete der Euphrat die Grenze zum Reich der Parther, die über das alte Mesopotamien herrschten. In Indien herrschte die Maurya-Dynastien; indische Händler dominierten den Seehandel von Ostafrika bis Südchina; und in Südostasien war das indisch beeinflusste Funan-Reich entstanden. Mit dem Römischen Reich konnte aber nur das Han-Reich in China mithalten: Beide Reiche hatten etwa die gleiche Ausdehnung und die gleiche Bevölkerungszahl. Über die Seidenstraße wurden Waren bis in den Mittelmeerraum ausgetauscht, und der Buddhismus verbreitete sich nach Zentralasien. In Afrika kam es mit dem Reich von Meroë zur letzte Blüte der nubischen Reiche, daneben waren bereits das Königreich von Aksum und städtische Zentren in Westafrika entstanden. Große Teile Afrikas und Südostasiens wurden aber auch noch von Jägern und Sammlern durchzogen; und einige Pazifikinseln waren noch gar nicht besiedelt (>> Die Ausbreitung des modernen Menschen).

Während die eurasischen, afrikanischen und - begrenzt - auch die chinesischen Kulturen miteinander in Kontakt standen, waren völlig abgeschieden hiervon in Südamerika die Nazca-Kultur entstanden und in Mittelamerika die Kultur der Maya; in Amerika und in Australien wurde jedoch der größte Teil des Landes nicht bebaut, sondern von Jägern und Sammlern durchstreift.

Dennoch lebte mittlerweile der größte Anteil der Weltbevölkerung in Staaten. Intensive Landwirtschaft führte zur >> Vernichtung von Wäldern sowohl durch den Ackerbau als auch durch die Beweidung sowie für die Metallverarbeitung und damit zu einer ersten tiefgreifenden >> Umweltveränderung. Die immer dichtere Bevölkerung, der intensive Kontakt mit Nutztieren und die hygienischen Bedingungen in den Städten erleichterten auch die Ausbreitung von Krankheitserregern: Immer wieder sorgten Epidemien für tödliche Krankheitswellen. Im Laufe der Zeit sollte die Menschheit lernen, mit diesen Krankheiten zurechtzukommen; aber die Anpassung kostete vielen Menschen >> das Leben.

Siehe auch: >> Die Welt um das Jahr 1000

Das Gilgamesch-Epos wurde 1872 wiederentdeckt: In diesem Jahr übersetzte der englische Altertums-wissenschaftler George Smith die erste einiger Tontafeln, die sein osmanischer Kollege Hormuzd Rassam bereits 1853 gefunden hatte. Der Text ähnelte der Beschreibung der Sintflut in der (jüngeren) Bibel, und weckte großes Interesse. Bald wurde klar, dass er zu einem großen Epos gehörte, das von den Abenteuern des mythischen Königs von Uruk, Gilgamesch, erzählte. Die Suche in den Bruchstücken, die die Zerstörung der Bibliothek des Königs Assurbanipal überstanden hatten, ergab, dass das gesamte Werk aus zwölf Tafeln bestand. Es ist immer noch unvollständig bekannt.

Die Ausgrabung von Babylon begann 1899 der deutsche Archäologe Robert Kolewey. Eine Nachbildung des Ischtar-Stadttores und des Codex Hammurabi stehen im Pergamom-Museum in Berlin. >> Webseite 

Die Perser waren die Erfinder des Paradieses: Altpers. “paridaida” waren vom König angelegte Parks, die mit Pflanzen und Tiere das Reich im Kleinen nachbildeten.

Die ab 515 v.u.Z. von Dareios I. und seinen Nachfolgern erbaute neue persische Hauptstadt Persepolis galt dem griechischen Historiker Diodor als “reichste Stadt unter der Sonne”. Eine 3D-Rekonstruk- tion findet sich unter www.persepolis3D.com

Die Ägypter konservierten wohl als erste Zivilisation Fisch und Fleisch in großer Menge in Salz. Dazu nutzten sie auch Soda aus Salzseen. Diese Kenntnisse dürften dazu beigetragen haben, vor spätestens 4.500 Jahren die Techniken der künstlichen Mumifizierung zu entwickeln: um die Körper zu trocknen, wurden sie mit Pottasche eingerieben.

Die Arier sind ein aus den zentralasiatischen Steppen stammendes Nomadenvolk, das sich im Laufe seiner Geschichte in einen indo-arischen und einen irano-arischen Zweig spaltete. Gemeinsamkeiten des Sanskrit mit europäischen Sprachen führten zur Entdeckung der indogermanischen Sprachgruppe, die Arier gelten dabei als Trägervolk des Vorläuferns der indoiranischen Sprachen. Hitlers Behautung, dass die Arier ein nordisches Volk waren, ist Unsinn.

Mit der Ilias und der Odyssee (>> hier) vergleichbar sind die großen Volksepen der Inder: Mahabharata und Ramayana. Beide gehören zum Kern der hinduistischen Überlieferung und stellen für Hindus einen Leitfaden zum richtigen Leben dar. Sie werden immer wieder auch für das Kino verfilmt.

Die Minoer entwickelten auch eine eigene, von Ägypten inspirierte Schrift.

Levante, von ital. "Sonnenaufgang", meint den Osten und steht für die Ostküste des Mittelmeeres und die anliegenden Länder.

Die Bezeichnung Phönizier leitet sich von griech. Phoínikes, purpurrot, ab und verweist auf das teuerste Handelsgut der Phönizier, einen aus der Purpurschnecke gewonnenen Farbstoff. Sie selbst bezeichneten sich nach den Städten, aus denen sie kamen, die Römer sollten die Bewohner Karthagos "Punier" nennen.

Gegen Ende des 8. Jahrhunderts v.u.Z. lebte der Dichter Homer, dem die Ilias und die Odyssee zugeschrieben werden, die beiden ältesten Werke der abendländischen Literatur.

Die ersten Olympischen Spiele der Geschichte fanden 776 v.u.Z. statt.

Punier war die römische Bezeichnung für Phönizier.

Die Germanen lebten nicht in Städten, sondern in kleinen Dörfern oder einzeln liegenden Gehöften. Die Häuser vereinten Wohnhaus und Viehstall; sie waren in Pfostenbauweise mit Wänden aus Flechtwerk und Lehm erbaut, die Dächer waren mit Stroh oder Reet gedeckt.

Konfuzius (chin. Kongzi, 551-479 v.u.Z.) gab mit dem ihm zugeschriebenen Werk Chunqiu, dem Titel der Annalen des Staates Lu, dem Zeitalter seinen Namen. Ihm werden vier weitere Werke zugeschrieben, seine Lehre sollte später in ganz Ostasien große Wirkung entfalten. Ihre Kernkonzepte sind Menschlichkeit und Sittlichkeit, die als erlernbare Tugenden große Bedeutung in einer Zeit erlangten, in der die "Edlen" (ein Status, den mit Bildung und Wissen jeder erlangen konnte) den Adel mit seinen "angeborenen Qualitäten" (aus heutiger Sicht durch Sozialisation vermittelten Werten) ablösten.

Der Gegenentwurf zu Konfuzius' Lehre wird - dem historisch nicht fassbaren - Laozi zugeschrieben: das Daode jing. Es schlägt einen "natürlichen", kleinen Staat vor, in dem es keiner komplexen Sitten und Regeln bedarf. "Nichttun" (wuwei) war der Weg, Ordnung im Staat zu erreichen: "Lasst das Volk stets ohne Wissen und ohne Wünsche sein; lasst die Wissenden es nicht wagen, zu handeln. ... Lasst die Menschlichkeit fahren und verwerft den Anstand, so wird das Volk zu Liebe und Pietät zurückfinden!"

Heutige Daoisten interpretieren wuwei zumeist als individuellen Weg eines Lebens im Einklang mit der Natur.

Der 1987 von einem Team unter Walter Alva ausgegrabene “Señor von Sipán” ist der bekannteste Fürst der Moche, er wurde am Fuße einer Lehmpyramide mit reichen Grabbeigaben bestattet.

In dem mittel- amerikanischen Staat Guatemala stellen die Maya noch heute die Mehrheit der Bevölkerung, nach langem Bürgerkrieg stärkte der Frieden von 1996 ihre Rechte: Die Maya-Sprachen sind neben Spanisch offizielle Landessprache, zur Zeit werden Grammatiken und Rechtschreibregeln erstellt.