Hintergrundinformation

Eine kleine Geschichte der Menschheit
Die ersten Staaten

In besonders ertragreichen Regionen führte der Ackerbau zu hohen Bevölkerungsdichten und zur Entstehung der ersten Städte (>> Die Folgen des Ackerbaus); und aus diesen entstanden die ersten Staaten. Die ersten Staaten in Mesopotamien, Ägypten, am Indus und in China entstanden alle an großen Flüssen, die bei regelmäßigen Überschwemmungen die angrenzenden Felder düngten. Das Wasser und der fruchtbare Schlamm wurde bald auch mit Kanälen zu den Felder geleitet. Der amerikanische Historiker Karl Wittfogel entwickelte die „hydraulische Theorie“, nach der gerade die Organisation der Flussregulierung zu diesen Staatsbildungen geführt habe. Heute wird diese aber aus mehreren Gründen kritisch gesehen: Zum einen lassen sich Bewässerungskanäle viel besser vor Ort als mittels zentraler Anweisungen pflegen; zum anderen dürften auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben: etwa die Rolle der Flüsse als wichtiger Transportweg für den Handel und die hohe Bevölkerungsdichte, die Erfindungen – auch sozialer Art – förderte.

Mesopotamien

Der ersten Staaten der Welt entstanden durch die Sumerer im Süden Mesopotamiens, dem „Land zwischen den Flüssen“ (Euphrat und Tigris). Sumer bedeutet „Kulturland“, ein Hinweis auf die Wiege der Landwirtschaft. Euphrat und Tigris entspringen in schneereichen Bergen in der heutigen Türkei; das Wasser aus dem Euphrat erlaubte auch bei zunehmender Trockenheit wie vor 8.000 Jahren eine ertragreiche Landwirtschaft und eine hohe Bevölkerungsdichte. Andererseits erforderte das Bewässerungssystem gemeinschaftliche Arbeit; der Bau und die Unterhaltung der Kanäle erforderte viele Arbeitskräfte. Um 3.200 v. Chr. entstanden hier erste Stadtstaaten: Uruk, Ur, Lagasch und andere. Uruk im heutigen Irak soll 50.000 Einwohner gehabt haben; und die Sumerer machten bedeutsame Erfindungen: Sie erfanden das Rad und nutzten Rinder und Esel zum Ziehen von Pflügen und Karren; und sie erfanden die erste Schrift, die sumerische Keilschrift (>> mehr). Die Stadtstaaten übten bereits die Macht eines Staates aus: Die Nahrung wurde von Ackerbauern, Hirten, Fischern und Gärtnern erzeugt, die den größten Teil ihrer Produkte abgeben mussten und dafür vom Staat die notwendigen Rohstoffe, vom Saatgut bis zu metallenen Werkzeugen erhielten. Mit den Stufentempeln (Zikkurat) entstanden heilige Bauten, die als „Turm von Babel“ Eingang in die Bibel fanden; aus mündlichen Überlieferungen der Sumerer entstand später das Gilgamesch-Epos, eine der ältesten und größten Dichtungen der Menschheit.

Stichwort: Die Erfindung des Rades

Das Rad wurde nicht nur in Mesopotamien, sondern vermutlich zur ungefähr gleichen Zeit vor 5.500 Jahren auch an mehreren anderen Orten in Europa und Asien hiervon unabhängig erfunden. Das Prinzip der Bewegung um eine Achse war mit der Töpferscheibe schon mindestens einhundert Jahre länger bekannt; die Anwendung an älteren Transportgeräten wie Schleifen und Schlitten muss den Transport von Waren ungemein erleichtert haben. Die ältesten Räder waren aus mehreren Teilen zusammengesetzte Holzscheiben, die auch mit Steinwerkzeugen hergestellt werden konnten. Vor 4.000 Jahren in der Bronzezeit entstanden dann die ersten Speichenräder, deren größter Vorteil das geringere Gewicht war.

Weiter nördlich, wo Westwinde vom Mittelmeer eine ertragreiche Landwirtschaft auch ohne Bewässerung ermöglichte, entstand ab 2.500 v. Chr. das Reich von Akkad, das die sumerischen Stadtstaaten unterwarf und um 2.300 v. Chr. unter Sargon I. das erste Großreich der Geschichte bildete. Um 2.000 v. Chr. dominierte das Reich von Sumer und Akkad große Teile des Nahen Ostens. Warum es bald darauf unterging, ist umstritten; der entscheidende Grund waren vermutlich Angriffe vom Norden kommender, halb nomadischer Gruppen. Aber auch die Versalzung der Böden mag eine Rolle gespielt haben, Keilschrifttafeln aus dieser Zeit sagen, dass “Pflanzen an Salz erstickten” (siehe auch >> Umweltveränderungen im Agrarzeitalter). Aus Mesopotamien stammte auch der Erzvater Abraham biblischer Überlieferung, der nach Kanaan zog und dessen Urenkel die 12 Stämme Israels begründeten: Nach der Bibel waren sie das erwählte Volk Gottes. Ihre religiösen Überlieferungen begründeten das Judentum; die Weltreligion, die auch die Basis für Christentum und Islam bilden sollte.

Ab 1728 v. Chr. vereinte der babylonische König Hammurabi Mesopotamien erneut, jetzt im Reich von Babylon, das er zur Großmacht machte. Babylon war die erste Prachtstadt auf der Erde (was Nomaden von solchen Städten hielten, kann man in der Bibel nachlesen: “die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden”). Nördlich, im heutigen Anatolien, entstand zu dieser Zeit das Hethiter-Reich, das Babylon im 16. Jahrhundert v. Chr. überfiel. Hammurabis babylonisches Reich hinterließ ein dauerhaftes Erbe: ein mathematisches Zählsystem mit der Basis 60; und daher hat noch heute die Stunde 60 Minuten und die Minute 60 Sekunden. Der Codex Hammurabi war das erste Gesetzbuch der Geschichte: Bestraft wurde nur, wessen Schuld erwiesen war; Willkür und Vergeltung wurden damit eingeschränkt - ein wichtiger Schritt für das menschliche Zusammenleben. Die babylonische Kultur dominierte auch das Reich der Kassiten (die nach dem Überfall der Hethiter die Macht in Babylonien übernahmen) und das der Assyrer (am mittleren Tigris). Nebukadnezar II. führte Babylon ab 604 v. Chr. zu neuem Glanz, bis es 539 v. Chr. persische Provinz wurde.

Auch im Osten des fruchtbaren Halbmonds, im Südwesten des heutigen Iran, entstanden ab 3.500 v. Chr. städtische Zentren, aus denen das Reich Elam hervorging. Im 12. Jahrhundert vor Christus eroberte das Reich sogar Babylon, unterlag aber Ende des Jahrhunderts Nebukadnezar I. Um 1.000 v. Chr sieldelten sich im Gebiet nordwestlich von Elam die indo-germanischen Meder an, die nach und nach die Macht in der Region von dem Elamitern übernahmen. Um 550 v. Chr. gelang es König Kyros aus dem aus dem südlich gelegenen Perserreich, die Oberherrschaft der Meder abzuschütteln: das Achämenidenreich (auch Altpersisches Reich) war entstanden. Binnen 50 Jahren konnten Kyros und seine Nachfolger, vor allem Dareios I. und Xerxes I., fast ganz Vorderasien, vom Mittelmeer bis an den Indus, unter Kontrolle bringen. (Den Vormarsch am Mittelmeer beendeten die Griechen mit ihren Siegen bei Marathon (490 v.u.Z.), Salamis (480) und Plataiai (470).) Die Achämeniden respektierten die verschiedenen Kulturen und Religionen in ihrem Gebiet; erweiterten mit Quanaten - unterirdischen Bewässerungskanälen - die Anbaufläche; bewässerten einen 300 Kilometer breiten Streifen zu beiden Seiten des Tigris umfasste (den Schlamm ließen sie von Tausenden Sklaven aus den Gräben schaufeln); und wussten durch sparsame Bewässerung die Versalzung unter Kontrolle zu halten.

Ab 334 v. Chr. eroberte Alexander der Große das Perserreich. Aber mit dem Zerfall seines Reiches erblühte die persische Kultur wieder und ging um 250 v. Chr. im Partherreich (daher auch zweites Perserreich genannt) auf. Über die Parther ist wenig, und vor allem aus römischen und chinesichen Quellen, bekannt; aber sie scheinen den Staat geschickt zusammengehalten zu haben und ihre Lage zwischen Rom und China geschickt genutzt zu haben. 141 v. Chr. eroberte die Parther Mesopotamien, 115 v. Chr. wurde die (erst später so genannte) Seidenstraße als Handelsroute mit der chinesischen Han-Dynastie offiziell eröffnet (>> mehr). Den Vormarsch des expandierenden römischen Reiches beenden sie, und kämpften über Jahrhunderte immer wieder mit Rom um die Macht im Osten, ohne je zu unterliegen.

Ägypten

Wie die Wildgräser im fruchtbaren Halbmond, lockte auch im Niltal seit jeher reiche Nahrung viele Menschen an; zumal das Tal und auch die angrenzenden Gebiete in regenreicheren Zeiten deutlich feuchter waren als heute. Ackerbau ist im Niltal vermutlich seit 5.500 v.u.Z. anzutreffen, vermutlich aus dem fruchtbaren Halbmond übernommen. Als die Landwirtschaft begonnen hatte, sorgte der fruchtbare Schlamm, den das jährliche Hochwasser des Nil zurückließ, für gute Ernten und Überschüsse. Die Bevölkerung wuchs, und bereits in vorgeschichtlichen Kulturen gibt es Anzeichen für soziale Schichtungen und für Arbeitsteilung und Spezialisierung, wobei zwei Hauptzweige, die Kulturen Unterägyptens im Nildelta und die Oberägyptens am Oberlauf entstanden. Um 3.500 v.u.Z. erfanden die Ägypter das Segel, wodurch sie den Nil auch entgegen der Strömung als Transportweg nutzen konnten. Das bemalte vorgeschichtliche Fürstengrab von Hierakonpolis aus der Negade-II-Kultur Oberägyptens (3.500 – 3.200 v.u.Z.) zeigt, dass zu dieser Zeit bereits ausgeprägte Machtstrukturen bestanden. Der Legende nach vereinigte König Menes die Reiche in Unter- und Oberägypten im Jahr 3.100 v.u.Z.; Menes wurde zum ersten Pharao.

Hier beginnt nun die geschichtliche Zeit, denn die Ägypter hatten (angeregt von der Kenntnis der sumerischen Keilschrift?) ihr Hieroglyphensystem entwickelt. Die bekannteste Entwicklung war aber eine andere: Beginnend mit König Djoser setzte um 2.650 v. Chr. der Pyramidenbau ein; die Stufenpyramide des Djoser war der erste monumentale Steinbau der Welt. Vermutlich sollten die Stufen dem König den Aufstieg zum Himmel erleichtern. Um 2.500 v. Chr. entstand die Cheopspyramide in Gizeh, eines der sieben Weltwunder und noch heute weltweit bekanntes Symbol des Pharaonenreichs. Der Bau der Pyramiden war der Höhepunkt der Steinzeit; und mit dem Übergang zur Bronzezeit (>> mehr) begannen die Ägypter auch, das Mittelmeer zu befahren: Sie holten Kupfer aus Zypern, Zinn aus Anatolien und Zedernholz aus dem heutigen Libanon - mit der Seefahrt wurde das Mittelmeer zu einem Mittelpunkt der damaligen Welt (>> mehr).

Das Ägyptische Reich bestand fast 3.000 Jahre; eine in der Geschichte ganz ungewöhnliche Dauer - offenbar hatten die angrenzenden Wüsten ihren Nutzen als Schutz vor Angreifern. Aus dem Jahr 2.450 v. Chr. ist die erste Expedition nach Punt (ins afrikanische Herzland) beschrieben, von der unter anderem Weihrauch, Elfenbein, Ebenholz und Gold mitgebracht wurden; diese Expeditionen ließen die Nubier im Süden des Nils zu Wohlstand kommen, wo die nubischen Reiche von Kerma und Kusch entstanden (mehr >> hier). Das Reich endete mit der Eroberung durch Alexander den Großen im Jahr 332 v. Chr.

Induskulturen und erste indische Reiche

Während die Hochkulturen Mesopotamiens und Ägyptens nie in Vergessenheit gerieten, war dies am Indus anders. Erst 1922 wurden auf der Suche nach Spuren des Alexanderfeldzuges schon länger bekannte Fundstätten in Harappa und Mohenjo-Daro im Industal (im heutigen Pakistan) als Städte einer alten Hochkultur, der Induskultur, erkannt. Harappa war da bereits weitgehend zerstört, da die Briten mit den Ziegeln die Eisenbahntrasse Lahore-Multan befestigt hatten; aber seither wurden in Pakistan und Indien Hunderte neuer Fundorte entdeckt. Der Indus brachte Wasser aus dem Himalaya, und war mit seinem breiten Tal bestens für die Landwirtschaft geeignet. Seit 8.000 Jahren wurde hier Garten- und Ackerbau betrieben; Weizen und Gerste und später Datteln, Feigen, Oliven und Baumwolle  angebaut. Bald darauf wurden auch Haustiere gehalten. Kupfervorkommen machten die Indusregion zu einem ersten Zentrum der Metallherstellung in Südasien, in dem metallene Äxte, Speerspitzen und Messer hergestellt wurden. Metallene Sicheln erleichterten die Getreideernte. Später wurde mit Bronze ein härteres Metall geschaffen. Ab 2.600 v. Chr. begann der Bau großer Städte; die Städte der Induskultur waren komfortabel und verfügten nicht nur über Wasserversorgung mit Brunnen und großen Bädern, sondern auch über eine Kanalisation, mit der die Abwässer unter den Straßen abflossen. Tempel und Paläste sind aus den Städten nicht bekannt, aber die Häuser bestanden aus gebrannten Ziegeln; und die wasserbauliche Infrastruktur erforderte sicher eine Gemeinschaftsleistung – nicht für wenige Einzelne, sondern für die Gemeinschaft. Auch eine Schrift entstand, ist aber im Gegensatz zu Keilschrift und Hieroglyphen noch nicht entziffert, so dass die Archäologen keine schriftlichen Zeugnisse aus dieser Kultur nutzen können und die Gesellschaftsordnung der Induskultur einstweilen ein Rätsel bleibt.

Ab 2.000 v. Chr. begann der Niedergang dieser Kultur. Auch die Gründe hierfür sind umstritten. Eine plausible Vermutung sind ökologische Probleme: Die Kultur verbrauchte viel Holz und holzte ganze Wälder ab, was offenbar zu verheerenden Überschwemmungen führte. Ab 1.500 v. Chr. unterwarfen dann Eindringlinge aus den nordiranischen Hochebenen, die über die Pässe des Hindukusch einwanderten, die Induskultur: die Arier. Sie haben eine Literatur hinterlassen, die Veden (das heilige „Wissen“) und die späteren Erläuterungstexte, die Brahmanas und Upanishaden. Während eines tausendjährigen Prozesses besiedelten sie ganz Indien; dabei verlagert sich der Bevölkerungsschwerpunkt vom Indus an den Ganges, der von den riesigen Eisfeldern des Himalaya gespeist wird und nur vom Gelben Fluss in China an transportiertem Boden übertroffen wird. Es entstand eine neue indische Kultur: Aus den Hierarchien der arischen Stammesgesellschaft entwickelte sich eine Vierständeordnung aus Priestern, Kriegern, Ackerbauern und Hörigen; ein Vorläufer des indischen Kastensystems; und aus den religiösen Vorstellungen beider Gruppen entstand der Hinduismus. Mit ca. 800 Mio. Anhängern gehört der Hinduismus heute zu den Weltreligionen. Das höchste Göttliche, Brahman, wird in Göttern Brahma (der Schöpfer), Vishnu (der Bewahrer) und Shiva (der Zerstörer) und unzähligen weiteren Göttern repräsentiert. Im Zentrum steht die Lehre der Wiedergeburt; durch pflichtgemäßes Verhalten kann ein Mensch im nächsten Leben als Mitglied einer höheren Kaste wiedergeboren werden – eine Vorstellung, die das Kastensystem leichter erträglich machte. Als indirekte Kritik an diesem System sehen manche die Entstehung des Buddhismus, der keine Kasten kennt. Ziel des Buddhismus ist es, den Kreislauf der Wiedergeburten zu verlassen, indem man das Nirvana erreicht; ein für Buddhisten nicht mit Worten zu beschreibender, sondern nur zu erfahrender Zustand der Erleuchtung. Mit ca. 400 Mio. Anhängern gehört auch der Buddhismus zu den großen Weltreligionen.

In Indien begründete eine von Chandragupta Maurya angeführte Revolte gegen den Einmarsch Alexander des Großen im 4. Jahrhundert vor unserer Zeit das Maurya-Reich, das unter Chandraguptas Enkel Ashoka im 3. Jahrhundert vor unserer Zeit seine größte Ausdehnung erreichte: das erste indische Großreich mit der Hauptstadt Pataliputra (dem heutigen Patna) im Tal des Ganges war entstanden. Die Geschichte dieses Reiches ist nur in Umrissen bekannt, Einigkeit besteht nur über die Bedeutung der “dharma” unter Ashoka - der Begriff ist schwer übersetzbar und umfasst Recht, Gesetz und ethisch richtiges Handeln als auch die Lehre des Buddha; Buddhismus wurde zur Staatsreligion. Nach Ashokas Tod zerfiel das Maurya-Reich; in den folgenden Jahrhunderten war Nordindien als Folge von Völkerwanderungen von “Indogriechen” (den Nachfolgern des Alexanderreichts) und zentralasiatischen Völkern dominiert. Im Süden Indiens baute die Satavahana-Dynastie den Seehandel mit Südostasien und den Häfen des Roten Meeres aus; unter ihrer Herrschaft entstanden zahlreiche Höhlentempel und buddhistische Stupas.

Eine Welt: Verbindungen zwischen Mesopotamien, Ägypten und Indien

Bereits die Ausbreitung der Landwirtschaft zeigt, dass die Menschen aus den Regionen der späteren Hochkulturen in Mesopotamien, Ägypten und im Industal miteinander in Verbindung gestanden haben: Ägypten und das Industal übernahmen die Landwirtschaft aus dem Fruchtbaren Halbmond. Handel hat offenbar immer stattgefunden, und mit der Entstehung der Hochkulturen noch zugenommen: In den Königsgräbern von Ur in Mesopotamien fanden sich Perlen aus dem Industal, Inschriften aus der Zeit Sargons I. erwähnen Schiffe aus Melucha (Induskultur). Die Kontakte zur Induskultur beruhten auf Küstenschifffahrt; nach Ägypten zogen dagegen Karawanen, zuerst Esels-, später dann auch Kamelkarawanen. Die Annalen der Herrscher enthielten schon in frühester Zeit lange Aufstellungen der Völker, zu denen sie Beziehungen unterhielten; und eine Folge war die Ausbreitung von Erfindungen über den gesamten Raum: die ältesten ägyptischen Pyramiden machten Anleihen bei den sumerischen Stufentempeln, die Hieroglyphen wurden wohl unter Kenntnis der sumerischen Keilschrift entwickelt; Streitwagen, Eisenverarbeitung und ab dem 7. Jahrhundert berittene Bogenschützen, die die Streitwagen ablösten, fanden sich bald im gesamten westlichen Kulturraum - und sogar in >> China. Die Hirtengesellschaften Zentralasien (>> mehr) spielten eine zentrale Rolle beim Informations- und Warenaustausch zwischen den Zivilisationen in Mesopotamien, Indien und China.

Man kann nur spekulieren, inwieweit dieser Austausch mit anderen Kulturen die westlichen Kulturen förderte; klar ist: Wo der Austausch mit anderen Kulturen eingeschränkt war, waren die anderen Kulturen später der Auseinandersetzung mit Europa nicht gewachsen. Dies war in Amerika und Afrika der Fall. Und wo es aufgrund der natürlichen Ausstattung gar nicht zur Landwirtschaft kommen konnte (Australien) oder die Bevölkerung nicht groß genug war (Neuguinea), fanden die Europäer bei ihrer Eroberung der Welt „Steinzeitkulturen“ vor.

Die frühen Hochkulturen Europas

Das antike Griechenland und die Phönizier

Das Mittelmeer liegt ideal zwischen Europa, Afrika und Asien; im Sommer ist es meistens ruhig und damit für die Schifffahrt geeignet (so ruhig allerdings, dass auf den Galeeren oftmals Ruderer für den Antrieb sorgen mussten). Damit war es bestens geeignet, die Waren und das Wissen der ersten Kulturen hier auszutauschen. Eine starke Macht konnte hier bedeutenden Einfluss gewinnen; und dies oder die Gefahr langer Trockenzeiten und die dadurch bedingten Ernteschwankungen begünstigten wohl die Entstehung staatlicher Strukturen und der ersten europäischen Hochkulturen. Es begann in der Bronzezeit mit der minoischen Kultur auf Kreta, die - schwer angeschlagen von einem Vulkanausbruch und einem Seebeben im Jahr 1623 v.u.Z. - um 1400 v.u.Z. von den Mykenern aus der Peloponnes erobert wurde. Parallel zum Niedergang der Minoer entstand im Osten des Mittelmeers die Seefahrerkultur der Phönizier, die mit Zedernholz, Purpur und Elfenbein aus dem Inneren Asiens handelten. Der Handel begann mit Mesopotamien und Ägypten, brachte die ausgezeichneten Seefahrer aber schließlich bis an den Atlantik, wo sie etwa das heutige Cádiz (im Süden Spaniens) gründeten. Phönizier entwickelten auch das erste Alphabet (>> mehr).

Auf den Zusammenbruch der mykenischen Kultur auf der Peloponnes folgte langsam die Herausbildung von Stadtstaaten, die ab 750 v. Chr. das antike Griechenland prägten. Sparta und Athen entwickelten sich zu den führenden Städten; aber es sollte Athen sein, dessen Errungenschaften bis heute nachhallen: Hier bestimmten zum ersten Mal die Bürger selbst die Geschicke des Stadtstaates, eine Demokratie genannte Herrschaftsform. (Allerdings galt diese in Athen nur für die freien Männer, und nicht für Frauen, Sklaven und zugereiste Fremde.) Die Ideen der Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles beeinflussen bis heute das westliche Denken; Mathematiker wie Archimedes brachten die Wissenschaft entscheidend voran. Die Griechen gehörten auch zu den ersten, die Silbermünzen als Tauschmittel nutzten; und die antiken Olympischen Spielen zeigen die damalige Bedeutung des Sports. Die griechischen Stadtstaaten gründeten Kolonien in Spanien, Frankreich und Italien - die sich allerdings oftmals untereinander bekämpften. 338 v. Chr. wurde Griechenland von Makedonien unter Philipp II. erobert, der beide zu einem Reich vereinigte. Philipps Sohn Alexander der Große eroberte halb Asien und Ägypten und verbreitete damit griechischen Einfluss über die gesamte Region; Alexandrien in Ägypten wurde so etwa wie der Nachfolger Athens als intellektueller Leuchtturm der Welt.

Das Römische Reich

Währenddessen lehnten sich im Jahr 500 v. Chr. in Rom die Bürger der 300 Jahre zuvor gegründeten und inzwischen groß und reich gewordenen Stadt gegen die Etrusker auf, die das gesamte nördliche Italien beherrschten. Auch sie schafften den König ab und schufen die „res republica“, die „gemeinsame Sache des ganzen Volkes“. In Gegensatz zur griechischen Demokratie zählten in Rom nicht alle Stimmen gleich, die wohlhabenden Römer hatten damit eine garantierte Mehrheit. Fortschrittlicher war das römische Rechtssystem: Ohne Gerichtsverfahren und ohne Schuldbeweis durfte niemand bestraft werden.

Rom wollte mit Hilfe eines starken Heeres die erste Stadt in Italien werden – wobei es nicht bleiben sollte. 312 v. Chr. begann mit dem Bau der Via Appia der Bau der ersten großen römischen Straßen, die später ein Riesenreich zusammenhalten sollten. Die Ausdehnung Roms brachte die Stadt in Konflikt mit den Phöniziern - der westliche Mittelmeerraum wurde von der ursprünglich phönizischen Siedlung Karthago beherrscht. 240 v. Chr. kontrollierte Rom die reiche Insel Sizilien, im folgenden Jahr das zuvor von Karthago beherrschte Sardinien. Karthagos großer Feldherr Hannibal zog mit einer siegreichen Armee durch Spanien und die französischen Alpen gen Rom - und wurde 207 v. Chr. geschlagen. Nun konnten die Römer ihr Territorium auf Kosten von Karthago ausdehnen, und bald gehörten auch Spanien, Teile Nordafrikas und Korsika zum Römischen Reich. Danach war die Reihe an den Griechen: 148 v. Chr. wurde Makedonien römische Provinz, 146 v. Chr. Griechenland. Seit dem Jahr 30 v. Chr. gehörte auch Ägypten zu Rom. Riesige Schiffe brachten Holz und Getreide aus Nordafrika nach Rom. Erst an der Grenze zum Partherreich kam die römische Expansion zum Stehen.

Während dieser erfolgreichen Expansion nahmen im Inneren des Reiches die Probleme zu: Reiche Patrizier teilten die Kriegsbeute unter sich auf und ließen die eroberten Sklaven auf ihren Großbetrieben arbeiten, während die einfachen Bauern sich während ihrer Kriegseinsätze nicht um ihre Höfe kümmern konnten und diese verloren. Viele von ihnen wurden so zu “proletarii”, Besitzlosen, die in die Stadt flohen. Als die Brüder Gracchus eine Bodenreform versuchten, wurden sie ermordet, es kam zu Straßenkämpfen und politischen Morden, eine Epoche der Bürgerkriege begann. Aus einem dieser Bürgerkriege ging der erfolgreiche Feldherr Julius Caesar als Sieger hervor, der sich 46 v. Chr. als Diktator ernennen ließ. Damit war er Alleinherrscher. Aber schon 44 v. Chr. wurde er im Senat ermordet, aus dem erneuten Bürgerkrieg ging Caesars Adoptivsohn Octavian als Sieger hervor, der zum ersten römischen Kaiser wurde und im Jahr 27 v. Chr. den Ehrentitel “Augustus” (“der Erhabene”) erhielt. Das Imperium Romanum beherrschte den gesamten Mittelmeerraum, es herrschte die Pax Romana, der Römische Frieden, der inneren Frieden brachte und die Sicherheit der Grenzen in den Vordergrund stellte. Eroberungskriege waren die Ausnahme, Auseinandersetzungen gab es vor allem mit Germanen und Parthern. Um das Jahr 120 erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung, es umfasste nun auch große Teile Britanniens.

Europa nördlich der Alpen

Nachdem vor 7.500 Jahren die Landwirtschaft in Westeuropa begonnen hatte, besiedelten die Menschen zunächst die Gebiete mit fruchtbaren Lößböden. Das Klima mit regenreichem Frühsommer und trockenem Hochsommer ist gut für den Getreideanbau geeignet, und die kalten Winter behinderten die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheitserregern. Zur Regeneration des Bodens war die Brache üblich, nach einem Jahr Ackerbau wurde das Land im nächsten Jahr liegengelassen und diente als Weideland für das Vieh; die Tiere waren größer und stärker als die anderer Kulturen. Überschüsse konnten aber im Norden kaum erwirtschaftet werden, also drängte auch nichts auf Staatsbildung: In Mitteleuropa lebten zur Zeit des Römischen Reiches Hunderte von Stämmen, die von den Römern als Germanen bezeichnet wurden.

Eine andere Welt: China

Bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. lebten in China Menschen in Dörfern und kleineren Städten am Hwangho (Gelben Fluss) und am Yangtze mit ihren fruchtbaren Böden. China war mit dem Ozean im Osten und dem Himalaya im Westen von den anderen Kulturen abgeschnitten, und entwickelte sich zunächst relativ isoliert; die lokalen Kulturen betrieben schon vor 6.000 Jahren einen intensiven Austausch untereinander, der durch die schon damals hohe Bevölkerungsdichte erleichtert wurde. Die Austausch äußerte sich in Gemeinsamkeiten wie der Stampferdebauweise (Fundamente wurden aus festgestampfter Erde erstellt, die teilweise bis heute erhalten blieben) und der Wertschätzung für Jade-Objekte. Die Herstellung von Seide begann nach chinesischer Überlieferung vor 5.000 Jahren, die Verarbeitung von Bronze vor 4.000 Jahren. Die Herstellung von Gusseisen begann vor 2.500 Jahren, so früh wie nirgends sonst auf der Welt. Um diese Zeit wurde China zur technologisch führenden Macht auf der Erde; in den folgenden 1.500 Jahren wurden in China eine Reihe von wegweisenden Erfindungen gemacht: vom Papier über das Porzellan und den Kompass bis zum Schießpulver. Die vor 3.300 Jahren entwickelte chinesische Schrift verbreitete sich schnell, so dass keine Vielfalt an Schriften und Alphabeten wie in Vorderasien und Europa entstand.

Der Austausch führte auch zu einer frühen politischen Einigung in China: Die ersten mythischen Kaisern herrschten nach chinesischer Geschichtsschreibung bereits im 3. Jahrtausend vor unserer Zeit (v.u.Z.). Sicher ist, dass in dieser Zeit größere Städte mit monumentalen Bauten, den „Tempelpalästen“, und Handwerksbetrieben entstanden. Die größte derzeit bekannte Stadt wird seit 2006 in Putoaban bei Hangzhou ausgegraben, sie gilt als Hauptstadt der jungsteinzeitlichen Liangzhu-Kultur im Yangtze-Delta (3.400 bis 2.200 v.u.Z.). Am Gelben Fluss florierte die Longshan-Kultur, aus der Erlitou-Kultur und Shang-Dynanstie hervorgingen: Auf die mythischen Kaiser folgten nach chinesischer Geschichtsschreibung die bereits von Konfuzius erwähnten „Drei Dynastien“ - Xia-Dynastie (21. – 16. Jahrhundert v.u.Z.), Shang-Dynastie (16. – 11. Jahrhundert v.u.Z.) und Zhou-Dynastie (11. Jahrhundert – 256 v.u.Z.). Ihr Herrschaftsbereich umfasste zu Beginn nur ein Teilgebiet im Osten des heutigen Chinas, wo die Landwirtschaft klimatisch besonders begünstigt war. Die historische Wirklichkeit der Xia-Dynastie ist unter Historikern umstritten; viele halten die frühbronzezeitliche Erlitou-Kultur (ab 1.900 v.u.Z.) für das Xia-Reich (andere halten sie für ein frühes Stadium der Shang-Dynastie). Seit der Shang-Dynastie wurden Texte hinterlassen, so dass Geschichte und Geisteswelt dieses Teils des frühen China recht gut bekannt sind; aber die Geschichte der zahlreichen von den Dynastien unterworfenen Stadtstaaten wird in diesen Schriften nur stiefmütterlich behandelt. Auch hier gab es Hochkulturen, wie etwa die Jinsha-Ruinen aus der Zeit um 1.000 v.u.Z. im heutigen Sichuan belegen.

Die Städte aus der Zeit der „Drei Dynastien“ waren das Ergebnis vorheriger Planung; die ideale Stadt hatte eine rechteckige Maueranlage mit Toren in allen vier Seiten und ein schachbrettartiges Straßenmuster; später wirkten auch Feng-Shui-Meister bei der Gestaltung mit. Eine andere Besonderheit des chinesischen Kulturraums war die Schulterblatt-Wahrsagekunst: Aus Rissen in Schulterblättern wurden die Aussichten geplanter Aktivitäten bestimmt; aus der mittleren Shang-Zeit sind zahllose beschriftete Orakelknochen bekannt, die die Existenz eines voll entwickelten Schriftsystems zu dieser Zeit beweisen und wichtige Quellen für die Historiker darstellen – die älteren aufgerollten Bambustäfelchen sind aus der Shang-Zeit nicht erhalten. Wirtschaftliche Basis war die Arbeit der „zhongren“, der „Vielzahl der Menschen“, die Landwirtschaft und Handwerk für die Monarchen betrieben und zu Fron- und Militärdiensten herangezogen werden konnten. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurden sie zu Tausenden als Fußsoldaten eingesetzt; ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. wurde auch der aus dem Westen nach China gelangte Streitwagen eingesetzt, dessen Nutzen im teils hügeligen und unwegsamen Gelände aber beschränkt blieb.

Unter der Zhou-Dynastie wurde das Reich zunächst durch die Vergabe von Lehnsgütern stabilisiert; im Verlaufe der Zeit wurden diese aber immer mächtiger und schwächten damit die Zentralgewalt; in der zweiten Hälfte der Dynastie kam es daher zu Unsicherheit und politischer Gewalt. Über Abhilfe dachten die in China als „Hundert Schulen“ bekannten Denker nach, zu den unter anderem Konfuzius, seine Schüler Mengzi und Xunzi, die Daoisten (alte Umschrift: „Taoisten“) und die Legalisten gehörten. Die Legalismus, der die Einführung strenger, für alle (außer dem Herrscher) geltender Gesetze befürwortete, wurde zur Staatsdoktrin im Teilreich Qin, aus dem das erste Kaiserreich hervorging; und verband sich später mit dem Konfuzianismus, der eine familienähnliche Fürsorgepflicht des Staates für seine Menschen anstrebte, zur Doktrin des Kaiserreiches. Auch der Daoismus, dessen eigentliches Ziel das „sich einreihen (des Individuums) in den natürlichen Gang der Dinge“ ist, wodurch ein langes Leben erreicht werden sollte, wurde von den Legalisten umgewertet: Für sie verkörperte der Herrscher das „dao“, das metaphysische Weltgesetz der Daoisten.

Die Braut des Gelben Flusses

Der Hwango, der Gelbe Fluss, war die Wiege der chinesischen Zivilisation; im Vergleich zum Nil etwa war er aber noch schwieriger zu zähmen: Im flachen Land ändert er immer wieder seinen Lauf. Als die Bevölkerung am Gelben Fluss immer weiter anwuchs, fällten die Menschen die Bäume an seinen Ufern für Feuerholz und zur Herstellung von Holzkohle. Damit verschlimmerte sich das Problem: Aus dem Gelben Fluss, der immer schon viel Lössschlick mit sich führte, wurde eine braune Suppe; Schlick, der sich absetzte, erhöhte das Flussbett immer weiter und machte den Fluss immer unberechenbarer. Vor 2.400 Jahren wurde, um den Fluss zu besänftigen, einmal im Jahr ein ausgesucht schönes Mädchen als Braut gekleidet und auf einem als Hochzeitsbett geformten Floß dem Fluss übergeben. Er nahm das Opfer an, aber das Problem wurde damit nicht gelöst: Immer gewaltiger mussten die Dämme werden, die die Orte schützen sollten. Sechsmal hat der Fluss seither seinen Mündungsbereich verlegt, katastrophale Überschwemmungen kosteten Hunderttausenden das Leben.

Das Teilreich Qin war im Laufe der Zhou-Dynastie immer mächtiger geworden; der Aufstieg basierte auf einer starken Staatsmacht, die etwa riesige Bewässerungsprojekte ermöglichte, und einem disziplinierten Militär. Dieser Militärmaschinerie unter Fürst Zengh fielen schließlich alle Teilstaaten der Zhou-Dynastie zum Opfer; Zheng bestieg 221 v. Chr. als Qin Shi Huangdi, der „Erste Erhabene Göttliche“, den Kaiserthron und begründete damit das Chinesische Kaiserreich; von der Qin-Dynastie leitet sich der heutige Name China ab. Er ließ vorhandene Grenzwälle zur Großen Mauer ausbauen und ein Kanal- und Straßennetz anlegen – allerdings sollen bei der Fronarbeit Zehntausende von Menschen zu Tode gekommen sein. Historisches Zeichen seiner Macht ist auch die Grabanlage bei Xian mit der berühmten Terrakotta-Armee. Nach seinem Tod kam es schnell zu Aufständen, und 207 v. Chr. begann die Han-Dynastie, die das Kaiserreich bis ins Jahr 220 regierte. Unter den Han kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit nomadischen Hirtenvölkern im Norden des Reiches (>> mehr); Tributzahlungen der Chinesen an die Nomaden, die die erhaltenen Waren nach Westen weitergaben, führten zur Geburt der Seidenstraße, auf der die Seide von zentralasiatischen Zwischenhändlern bis nach Rom gelangte; und wurde schließlich der Konfuzianismus zur ideologischen Grundlage des Reiches. Zur Zeitenwende war das Han-Reich neben dem Römischen Reich die dominierende Macht auf der Welt: Beide Reiche hatten etwa die gleiche Ausdehnung und die gleiche Bevölkerungszahl.

Die Seidenstraße

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit hatte das chinesische Interesse an Jade und das mesopotamische Interesse an Lapislazuli zum Handel beider Kulturen mit zentralasiatischen Völkern geführt. Dieser führte schließlich zum Austausch von Pflanzen, Tieren und Waren zwischen China und dem westlichen Kulturraum auf den später als Seidenstraße benannten Handelsrouten; so gelangten etwa Weizen, Gerste und das Pferd nach China, Seide und Porzellan nach Europa. Seide wurde bald zum wertvollsten Handelsgut - leicht, leicht zu färben, sanft auf der Haut, und wegen ihrer aufwändigen Herstellung schon in China nichts für arme Leute, wurde sie im Mittelmeerraum zum Luxusgut. Da der Warenaustausch aber über zentralasiatische oder indische Mittelsmänner ablief, blieb der Gedanken- und Ideenaustausch zwischen China und dem westlichen Kulturraum vergleichsweise unbedeutend. So erstaunte es die Chinesen sehr, als etwa 125 v. Chr. ein von Kaiser Wudi ausgesandter Kundschafter von Völkern jenseits des Pamir berichtete, die sogar schriftkundig waren. Im Laufe der Zeit wurden die Verbindungen aber intensiver, so gelangten nach der Zeitenwende über die Seidenstraße auch der buddhistische, jüdische und christliche Glaube nach China. Die Christen hinterließen kaum Spuren, die Synagoge von Kaifeng stand immerhin bis 1163, der Buddhismus aber hinterließ tiefe Spuren in China, wo seine Lehren neben Konfuzianismus und Daoismus bestanden und von wo aus sie schließlich auch Korea und Japan erreichten.

Spätestens zur Zeitenwende entstand auch eine zweite Handelsstraße, die oft als die “Seidenstraße der Meere” bezeichnet wird: Eine Schifffahrtslinie zwischen China und dem persischen Golf, die zunächst vor allem von arabischen Daus (>> mehr) befahren wurde.

Entscheidend beeinflusste China aber die Entwicklungen im übrigen ostasiatischen Raum. Bis zum 4. Jahrtausend vor Christus war das tropische Südostasien von der steinzeitlichen Hoa-Binh-Kultur (nach einem Fundort nahe der Stadt Hoa Binh, im heutigen Vietnam) besiedelt, danach tauchen chinesische Pflanzenarten und Töpfereien auf: Südostasien wurden von Südchinesen besiedelt, die Vorfahren der Menschen im heutigen Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha kamen aus China. Von der ursprünglichen Bevölkerung sind heute nur noch einige Jäger-Sammler-Gesellschaften auf Malaysia, den Andamanen und Sri Lanka übergeblieben, deren Mitglieder dunkelhäutig und kraushaarig sind - woran wiederum ihre Verwandtschaft mit den Ureinwohnern Neuguineas und Australiens erkennbar wird, die zuvor von Südostasien aus besiedelt wurden. Die südasiatischen Küstenkulturen besiedelten von Taiwan aus die Inselwelt Ozeaniens (>> mehr). Auch die koreanische Halbinsel wurde von den Chinesen geprägt und übernahm unter anderem den Reisanbau, die Bronzetechnologie und die chinesische Schrift. Die ersten Staatsgründungen fanden vor 2.500 oder 2.400 Jahren statt (Alt-Choson), wurden aber bald von China unterworfen. Das spätere Japan war vom Norden über Landbrücken von Sibirien und im zentralen Bereich über Korea besiedelt worden, der Süden wohl von den Philippinen und Taiwan aus über den Kuroshio-Meeresstrom. Als am Ende der Eiszeiten die Landbrücken überflutet wurden, nahm Japan eine weitgehend eigenständige Entwicklung (“Jomon-Kultur; die älteste bekannte Keramik aus der Jomon-Zeit ist 12.500 Jahre alt). Trotzt Insellage war Japan aber nicht völlig isoliert vom chinesischen Kulturkreis: Vor 2.400 Jahren gelangten Nassreisanbau, eiserne Werkzeuge und Metallverarbeitung mit neuen Siedlern aus Korea nach Japan.

Bedrohung aus den Steppen: Kriegerische Nomadenvölker

Die Steppengebiete im Norden der Hochkulturen, von der Donau im Westen bis zur Mongolei im Osten, waren seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. von Viehzüchtern besiedelt, an die noch heute riesige Grabhügel, die „Kurgane“ erinnern. Ab Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. begannen diese mit dem Übergang zu einer nomadischen Lebensweise, die durch die Verwendung des Pferdes als Reittier erleichtert wurde. Pferde sind in Steppen ausgesprochen wertvoll: Man kann sie reiten, sie liefern in Notzeiten Fleisch, ihre Milch ernährt Babies und ihr Dung ist ein brauchbarer Brennstoff. Mit ihrer Hilfe wuchs die Zahl der Menschen in der Steppe, und zwischen den Nomadengruppen kam es immer wieder zu Kämpfen um Weideplätze. Damit waren für die Nomaden gute Bewaffnung und kämpferische Fähigkeiten wichtig – was auch die benachbarten Hochkulturen immer wieder merken sollten. Ab dem 7. Jahrhundert vor Christus tauchten die Skythen in der Geschichtsschreibung auf; Reiterkrieger, die die Geschichte der Völker Osteuropas prägen sollten. Skythen waren am Untergang des Assyrischen Reichs 612 v. Chr. beteiligt; Nomaden aus der Mongolei griffen das Chinesische Kaiserreich von Beginn an immer wieder von Norden her an. Die Pferde der Nomaden sorgten für überlegene Beweglichkeit; in den dicht besiedelten Landwirtschaftsgebieten waren sie dagegen ein Luxus: Wo es keine Grasländer gab, fraß ein Pferd soviel Getreide wie ein Dutzend Menschen; diese waren aber die unverzichtbare Basis für Landwirtschaft und Handwerk, ohne die auch kein Reiterheer zu unterhalten wäre. Die Überlegenheit ihrer Pferde sollte die Nomadenvölker noch lange zu einem Faktor der Geschichte machen.

Eine ganz andere Welt: Amerika

Auch die voreuropäischen Kulturen Amerikas entstanden alle an den Entstehungszentren der Landwirtschaft. Die ältesten Kulturen finden sich in Südamerika, wo schon vor über 5.000 Jahren komplexe Gesellschaften entstanden. Ihre Geschichte ist weit weniger bekannt als in Eurasien; wohl vor allem, da in Südamerika weit weniger Archäologen arbeiten. Die älteste bekannte Stadt ist Caral im Supe-Tal nördlich von Lima im heutigen Peru, die Stufenpyramide dort wurde auf 2.600 vor Christus datiert. Über 20.000 Menschen lebten hier, bauten in bewässerten Feldern Baumwolle an, stellten daraus Textilien und Fischernetze her, die sie bei den Fischern am (26 Kilometer entfernten) Pazifik gegen Fisch eintauschten. Nach etwa 1.000 Jahren verließen die meisten Menschen die Region wieder; die Gründe hierfür sind unbekannt (es gibt aber keine Spuren von Kriegen). Ab 2.000 v. Chr. entstanden Tempelanlagen weiter nördlich, in der Gegend entstand ab 1.500 v. Chr. die Kultur der Chavín. Ihre Web-, Goldschmiede- und Töpferkunst ist in ganz Nordperu zufinden. Ab 200 v. Chr. entwickelte sich im Andenraum die Nazca-Kultur an den Flussoasen der (im heutigen Peru liegenden) Wüsten an der Pazifikküste; ihr bekanntestes Erbe sind riesige Scharrbilder, die Fische, Spinnen, Bäume und andere Gegenstände darstellen (und die von den Archäologen heute als Plätze angesehen wurden, die religiösen Zeremonien dienten - vermutlich, um die Regen schickenden Götter zu beschwören). Ab 100 n. Chr. entwickelte sich die Moche-Kultur als Kulturnachfolger der Chavín. Die Moche bauten komplexe Bewässerungsanlagen mit Aquädukten; mit dem Wasser aus den Bergen konnten sie Landwirtschaft in der Küstenwüste betreiben. Unter ihnen blühten auch Handwerk und Handel.

Noch weniger bekannt ist über eventuelle frühe Kulturen im tropischen Südamerika. Die amerikanische Archäologin Anna Roosevelt etwa hält die Amazonasinsel Marajó für die Heimstatt einer großen Kultur, die über 1.000 Jahre bestand und in ihren Glanzzeiten 100.000 Einwohner hatte; eine These, die von anderen Archäologen bestritten wird. Ein anderer Hinweis auf frühe Kulturen sind die Inseln von fruchtbarer terra preta (“schwarzer Erde”) im Amazonasgebiet, die auf frühere Landwirtschaft zurückgeht (die Ureinwohner brachten Holzkohle in die Böden ein); dies gilt auch für die Vorkommen zahlreicher Palmen und anderer Bäume mit nutzbaren Früchten und Nüssen.

Die erste Kultur Mittelamerikas waren die Olmeken, die im mexikanischen Hochland und den feuchten Wäldern am Golf von Mexiko lebten. Sie entwickelten ab 1.200 v. Chr. eine städtische Kultur und sind für ihre Großplastiken (vor allem kolossale Köpfe und Menschen mit Jaguargesicht) bekannt. Sie entwickelten eine Schrift, besaßen einen Kalender und waren in gewisser Weise die Vorläufer der Maya und der Azteken, die auf sie folgten.

Die Maya bauten ab 500 v. Chr. auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán und in den südlich angrenzenden Gebieten Siedlungen und steinerne Tempel; ihre Blütezeit hatten sie zwischen 250 und 900 n. Chr. Die Schrift der Maya ist, anders als die der Olmeken, in großem Umfang entziffert; hier finden sich Hinweise auf Könige und Dynastien, wobei die Könige gleichzeitig Hohepriester waren. Im 8. Jahrhundert lebten nach einigen Schätzungen im zentralen Tiefland des Maya-Gebiets bis zu zehn Millionen Menschen. Die Maya müssen also eine hoch produktive Landwirtschaft entwickelt haben, wovon auch Terrassen und Wasserspeicher zeugen, deren Reste rund um die Städte Tikal und Copán gefunden wurden. Wohl um die 70 Prozent der Bevölkerung lebten als Bauern und Gärtner (bei El Pilar in Guatemala werden heute wieder Waldgärten wie zur Zeit der Maya angelegt).

Auch wenn der Mais, eine der Haupt-Nahrungspflanzen der Maya, einen Nachteil hatte - er ist relativ proteinarm und hält sich in dem feuchten Klima höchstens ein Jahr -, reichte die Landwirtschaft damit für die Entstehung mächtiger Stadtstaaten, die sich gegenseitig mit prachtvollen Palästen und Tempeln zu überbieten suchten (und bedeutende mathematische Erkenntnisse hervorbrachten). Da die Maya keine Tiere domestizieren konnten, fehlte aber neben gespeichertem Getreide eine weitere wichtige Ressource für große militärische Feldzüge: keinem Herrscher gelang es jemals, das Reich zu einigen; die Zivilisation bestand immer aus vielen kleinen Reichen. Aber Rivalitäten zwischen den Stadtstaaten gab es reichlich, die Schriften der Maya berichten von lang andauernden und grausamen Kriegen. Umstritten ist, was die Zivilisation der Maya schließlich untergehen ließ. Katastrophen gelten heute als eher unwahrscheinliche Ursache, da sich der Untergang über eine lange Zeit hinzog. Vermutlich haben eine anwachsende Oberschicht und Rivalitäten zwischen wichtigen Königreichen wie Tikal und Calakmul die Maya zur Übernutzung von Ressourcen verleitet und gleichzeitig von deren Folgen abgelenkt: Die Äcker wurden übernutzt, die Wälder abgeholzt, und Bodenerosion hat möglicherweise die Folgen von Dürreperioden verstärkt, die im 9. und 10. Jahrhundert nachgewiesen sind (durch Sedimente in Seebetten). Die klassische Maya-Zivilisation ging unter, im Norden der Halbinsel Yucatan und im südwestlichen Hochland blieben die Maya aber bedeutsam. Im Hochlandbecken von Mexiko entstand um 300 v. Chr. die Teotihuacán-Kultur, benannt nach einer Stadt, die um die Jahrtausendwende große Teile Mittelamerikas beherrschen sollte.

In Nordamerika wurden die Spuren der Indianer-Geschichte durch die folgenden Kolonisatoren besonders gründlich vernichtet. Die Prärie-Indianer lebten überwiegend von der Bisonjagd; anderswo vom Sammeln pflanzlicher Nahrung wie Nüssen und Eicheln oder dem Anbau von Nahrungspflanzen. Siedlungen entstanden an der Pazifikküste, wo die Jagd auf Fische und Meeressäuger dies erlaubte; etwa in Kalifornien oder bei den Haida im Nordwesten. Reiche Nahrungsquellen gab es auch in den Flußtälern des Mississippi und in Ohio, wo die Adena- und Hopewell-Kulturen heimisch waren, die durch Grabhügel bekannt wurden.

Afrika

Die erste bekannte Staat Afrikas südlich der Sahara war das Reich von Kerma nahe des 3. Nilkatarakts, das um 1.500 v. Chr. vom ägyptischen Neuen Reich zerstört wurde. Die dort lebenden nubischen Völker wurden kulturell weitgehend assimiliert, behielten aber einen Rest Eigenständigkeit. Ab 1.000 v. Chr. gelang es ihnen, die ägyptische Herrschaft zu beenden. Sie gründeten das Reich von Kusch mit der Hauptstadt Napata. Unter König Pije eroberten die Nubier um 750 v. Chr. Ägypten – die 25. Dynastie Ägyptens bestand aus nubischen Herrschern. Um 660 v. Chr. befreite sich Ägypten mit Hilfe der Assyrer, und um 300 v. Chr. wurde die nubische Hauptstadt weiter südlich nach Meroë verlegt. Meroë war ein Handels- und auch ein religiöses Zentrum; durch weitverzweigten Karawanenhandel kam das Reich zu Macht und Einfluss. Auch kulturell wurde es immer unabhängiger: aus den ägyptischen Hieroglyphen wurde eine eigene Schrift entwickelt, eigene Götter löste die ägyptischen Götter ab. In Meroë wurden zudem zahlreiche eiserne Waffen und Werkzeuge gefunden.

Noch vor der Zeitenwende wurde dieses Reich aber bereits vom Königreich von Aksum überstrahlt, dass im Norden des heutigen Äthiopien lag. Das Königreich profitierte von den günstigen klimatischen Bedingungen im äthiopischen Hochland, einem der Entstehungsgebiete der Landwirtschaft, und seiner wichtigsten Kulturpflanze Teff (einer Getreideart), und wichtigen Handelsrouten nach Schwarzafrika und Indien - arabische Seefahrer hatten eine Verbindung zwischen Afrika und Indien errichtet, die die Monsunwinde ausnutzte. Seit 500 v. Chr. war die Region in Kontakt mit arabischen Königreichen, die seit 1.300 v. Chr. im Gebiet des heutigen Jemen entstanden waren (zu denen das Königreich von Saba gehörte), und spätestens im 3. Jahrhundert entstand hier ein eigenes Königreich, in dem der arabische Einfluss immer weiter zurückgedrängt wurde. Als Ägypten zum Römischen Reich gehörte, blühten die Seerouten durch das Rote Meer zum Wohle Aksums auf; die Hafenstadt Adulis (nahe Massawa im heutigen Eritrea) wurde zu einem Knotenpunkt des Handels. Durch den Handel mit Asien gelangte die südostasiatische Banane nach Afrika, die zu einer wichtigen Kulturpflanze wurde.

Auch in Westafrika gab es vor der Zeitenwende bereits städtische Zentren, etwa Djenne-Djeno am Niger (in Mali nahe der heutigen Stadt Djenné). Hier gibt es keine Anzeichen für eine soziale Schichtung wie etwa Monumentalarchitektur. Die Menschen lebten als Bauern, die Hirse, Sorghum und afrikanischen Reis anbauten, als Hirten und Fischer. Offensichtlich erlaubte das sensible Ökosystem (ein Binnen-Schwemmland) keine zentrale Planung, sondern war ja nach Klimabedingungen jeweils auf Bauern, Hirten oder Fischer eingewiesen, die ein System gegenseitiger Verpflichtungen entwickelten. In der Stadt wurde Eisen genutzt und bearbeitet, obwohl es kein Eisenerz in der Umgebung gibt - es muss also Handel und Spezialisten gegeben haben, die in dieses System eingebunden waren.

Australien/Neuguinea

In Australien hatte sich keine Landwirtschaft entwickelt. Die Ureinwohner lebten halbnomadisch als Jäger und Sammler, was die Bevölkerungsdichte reduzierte: beim Eintreffen der Europäer gab es ca. 300.000 Ureinwohner. Ihre religiösen Vorstellungen hatten sich um die Traumzeit herum entwickelt, in der sie Kontakt zu mystischen Kreaturen und ihren Vorfahren hatten. Die Höhlenmalereien Australiens gehören zu den ältesten der Welt und stammen laut Auskunft der Aborigines von den Traumzeitwesen.

Auf Neuguinea mit seiner Landwirtschaft lebten dagegen ca. 1 Mio. Menschen. Allerdings bedingte die bergige, zersplitterte Topographie Neuguineas eine Zersplitterung der Bevölkerung – diese ist am besten daran zu erkennen, dass auf Neuguinea nach Schätzungen etwa 1000 verschiedene Sprachen gesprochen wurden; noch heute ist Papua-Neuguinea der Staat mit der größten Vielfalt an gesprochenen Sprachen. Neuguinea und Australien werden nur durch eine relativ schmale und zudem mit Inseln versehene Meerenge, die Torresstraße, getrennt. Dennoch war der Austausch zwischen Neuguinea und Australien über die Torresstraße offenbar sehr beschränkt und erfolgte über verschiedene Zwischenstationen auf den Inseln; es gibt keine Anzeichen dafür, dass in vorhistorischer Zeit jemals ein Australier die Hauptinsel Neuguinea betreten hat.

Aufschlussreich ist auch, dass die ebenfalls mit dem Ende der Eiszeiten vom Hauptkontinent abgetrennte Insel Tasmanien im Süden, auf der ca. 5.000 Ureinwohner lebten, sogar nach archäologischen Funden ursprünglich vorhandene Kulturtechniken, etwa den Gebrauch von Knochenwerkzeugen, wieder verlernten: 5.000 Einwohner sind offenbar zu wenig, um solche Kulturtechniken am Leben zu halten, geschweige denn, neue Erfindungen zu machen.

Die Welt um die Zeitenwende

Bis zur Zeitenwende (Jahr 0) wuchs die Menschheit auf ca. 150 – 250 Mio. Menschen. Der Mittelmeerraum wurde vom Römischen Reich beherrscht; im Osten bildete der Euphrat die Grenze zum Reich der Parther, die über das alte Mesopotamien herrschten. In Indien herrschte die Maurya-Dynastien; indische Händler dominierten den Seehandel von Ostafrika bis Südchina; und in Südostasien war das indisch beeinflusste Funan-Reich entstanden. In China blühte die Han-Dynastie; über die Seidenroute wurden Waren bis in den Mittelmeerraum ausgetauscht, und der Buddhismus verbreitete sich nach Zentralasien. In Afrika kam es mit dem Reich von Meroë zur letzte Blüte der nubischen Reiche, daneben waren bereits das Königreich von Aksum und städtische Zentren in Westafrika entstanden. Große Teile Afrikas und Südostasiens wurden aber auch noch von Jägern und Sammlern durchzogen; und einige Pazifikinseln waren noch gar nicht besiedelt (>> Die Ausbreitung des modernen Menschen).

Während die eurasischen, afrikanischen und chinesischen Kulturen miteinander in Kontakt standen, waren völlig abgeschieden hiervon in Südamerika die Nazca-Kultur entstanden und in Mittelamerika die Kultur der Maya; in Amerika wurde jedoch der größte Teil des Landes nicht bebaut, sondern von Jägern und Sammlern durchstreift.

Dennoch lebte mittlerweile der größte Anteil der Weltbevölkerung in Staaten. Intensive Landwirtschaft führte zur Vernichtung von Wäldern (>> Die Folgen der Landwirtschaft) sowohl durch den Ackerbau als auch durch die Beweidung sowie für die Metallverarbeitung und damit zu einer ersten tiefgreifenden Umweltveränderung. Die immer dichtere Bevölkerung, der intensive Kontakt mit Nutztieren und die hygienischen Bedingungen in den Städten erleichterten auch die Ausbreitung von Krankheitserregern: Immer wieder sorgten Epidemien für tödliche Krankheitswellen. Im Laufe der Zeit sollte die Menschheit lernen, mit diesen Krankheiten zurechtzukommen; aber die Anpassung kostete vielen Menschen das Leben (>> mehr).

Siehe auch: >> Die Welt um das Jahr 1000

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Von der Zeitenwende zum Zeitalter der Entdeckungen

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Die Ausgrabung von Babylon begann 1899 der deutsche Archäologe Robert Kolewey. Eine Nachbildung des Ischtar-Stadttores und des Codex Hammurabi stehen im Pergamom-Museum in Berlin.
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Die Ausgrabungen aus der Königsstadt Qatna im heutigen Syrien vermitteln einen Eindruck aus dem Leben in dem zwischen Mittelmeer und Babylonien gelegenen Staat Mittani, das im 14. Jahrhundert von den Hethitern erobert wurde. Die kostbaren Funde werden noch bis 14. März 2010 in Stuttgart präsentiert.
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Die Perser waren die Erfinder des Paradieses: Altpers. “paridaida” waren vom König angelegte Parks, die mit Pflanzen und Tiere das Reich im Kleinen nachbildeten.

Die ab 515 v.u.Z. von Dareios I. und seinen Nachfolgern erbaute neue persische Hauptstadt Persepolis galt dem griechischen Historiker Diodor als “reichste Stadt unter der Sonne”. Eine 3D-Rekonstruk- tion findet sich unter www.persepolis3D.com

Die Arier sind ein aus den zentralasiatischen Steppen stammendes Nomadenvolk, das sich im Laufe seiner Geschichte in einen indo-arischen und einen irano-arischen Zweig spaltete. Gemeinsamkeiten des Sanskrit mit europäischen Sprachen führten zur Entdeckung der indogermanischen Sprachgruppe, die Arier gelten dabei als Trägervolk des Vorläuferns der indoiranischen Sprachen. Hitlers Behautung, dass die Arier ein nordisches Volk waren, ist Unsinn.

Mit der Ilias und der Odyssee (>> hier) vergleichbar sind die großen Volksepen der Inder: Mahabharata und Ramayana. Beide gehören zum Kern der hinduistischen Überlieferung und stellen für Hindus einen Leitfaden zum richtigen Leben dar. Sie werden immer wieder auch für das Kino verfilmt.

Gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. lebte der Dichter Homer, dem die Ilias und die Odyssee zugeschrieben werden, die beiden ältesten Werke der abendländischen Literatur.

Die ersten Olympischen Spiele der Geschichte fanden 776 v. Chr. statt.

Der 1987 von einem Team unter Walter Alva ausgegrabene “Señor von Sipán” ist der bekannteste Fürst der Moche, er wurde am Fuße einer Lehmpyramide mit reichen Grabbeigaben bestattet.

In dem mittel- amerikanischen Staat Guatemala stellen die Maya noch heute die Mehrheit der Bevölkerung, nach langem Bürgerkrieg stärkte der Frieden von 1996 ihre Rechte: Die Maya-Sprachen sind neben Spanisch offizielle Landessprache, zur Zeit werden Grammatiken und Rechtschreibregeln erstellt.